Nach dem ersten Schreck kommt aber schnell Hoffnung auf. Schließlich geht es dem Krebs durch die Behandlung so richtig an den Kragen. Deshalb bekommt ja auch jeder Krebspatient eine Chemotherapie. Oder? Wir räumen mit Vorurteilen rund um die Chemotherapie auf, damit Du gut vorbereitet bist.

Jeder Krebspatient bekommt eine Chemotherapie

Ob Du eine Chemotherapie bekommst, hängt von vielen Faktoren ab. Sie ist nicht immer nötig. Und an erster Stelle der Behandlung steht meist die Operation. Die Chemotherapie ist dann eine mögliche Ergänzung, etwa wenn der Tumor zu streuen droht oder sich schon Metastasen gebildet haben.

Für eine Chemotherapie muss ich an den Tropf

Nicht zwingend. Meist wird zwar immer noch eine Infusion über die Vene gegeben. Es kann aber auch sein, dass Du Tabletten nehmen kannst. Und bei weißem Hautkrebs kommen auch Salben oder Cremes infrage.

Dann fallen mir die Haare aus und mir ist ständig übel

Wie Du auf die Medikamente – die Zytostatika – reagierst, lässt sich vorher nicht sagen. Fakt ist, dass sie nicht nur Krebszellen angreifen, sondern auch alle anderen Körperzellen, die sich schnell teilen. Dazu gehören die Schleimhäute von Magen und Mund oder die Haarwurzelzellen.

Haarausfall bei Chemotherapie
© Gillian Vann / Photocase

Und das wiederum kann zu Nebenwirkungen wie Haarausfall und Übelkeit führen. Weil die Medikamente inzwischen aber besser verträglich sind und sich Nebenwirkungen mit anderen Präparaten gut in den Griff kriegen lassen, kann es gut sein, dass Du gar nicht mit Haarausfall zu kämpfen hast oder nicht unter Übelkeit oder anderen Symptomen leiden musst.

Für eine Chemotherapie muss ich ins Krankenhaus

Klar, kannst Du Dir eine Infusion nicht selbst legen. Dennoch kann die Therapie in der Regel ambulant erfolgen. Du musst also nur für die Dauer der Infusion in der Klinik oder der Praxis eines niedergelassenen Onkologen bleiben. Wenn Du Tabletten erhältst, kannst Du die Therapie sogar Zuhause durchführen.

Durch die Chemotherapie bin ich ständig krank

Die Chemo-Medikamente können Zellen des Immunsystems angreifen. Dadurch bist Du unter Umständen anfälliger für Infekte. Du kannst aber vorbeugen. Kläre ab, ob Dein Impfschutz – auch gegen Grippe – vollständig ist. Außerdem hilft häufiges Händewaschen, Infekten vorzubeugen. Gilt übrigens auch für Deine Mitmenschen. Bei Menschen oder Tieren, die krank sind, gehst Du aber sowieso besser auf Abstand. Und weil sich viele Keime im Mund ansiedeln, solltest Du vor Beginn der Behandlung zum Zahnarzt gehen.

Handhygiene bei Chemotherapie©rawpixel / Unsplash
Über die Hände werden ansteckende Infektionskrankheiten am häufigsten übertragen. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen schützt!
— Quelle: www.infektionsschutz.de

Mit Vitaminen tu ich mir was Gutes

Das hängt davon ab, wie Du sie zu Dir nimmst. So können Vitaminpräparate, vor allem hochdosiert eingenommen, die Wirkung der Chemotherapie verstärken oder abschwächen. Deshalb solltest Du nur in enger Absprache mit Deinem Arzt zu Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen in Tablettenform greifen. Mit einer ordentlichen Portion Obst und Gemüse machst Du aber nichts falsch und unterstützt Dein Immunsystem.

Während einer Chemotherapie bin ich nicht arbeitsfähig

Das ist ganz individuell. Du musst für Dich entscheiden, wie fit und belastbar Du Dich während der Therapie fühlst und was Du Dir zutraust. Vielleicht kannst Du sogar weiter arbeiten gehen. Auf jeden Fall macht es Sinn, vorher mit Deinem Arbeitgeber über weniger Stunden oder Home-Office zu sprechen.

Zufallsfund führt zum ersten Krebsmedikament

Während des Zweiten Weltkriegs fanden US-Wissenschaftler zufällig heraus, dass Senfgas Tumoren schrumpfen lässt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der chemische Stoff im Krieg als Waffe eingesetzt. Nach der Entdeckung der besonderen zelltötenden Eigenschaften der Substanz, wurde sie  am 27. August 1942 erstmals einem Menschen verabreicht. Es war die Geburtsstunde der Chemotherapie. Seitdem ist ihr Grundprinzip unverändert: Alle Medikamente, die im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt werden, basieren auf Zellgiften. Diese töten Krebszellen ab oder hemmen ihr Wachstum.