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Warum ist die Bestimmung der Tumoreigenschaften so wichtig?

Jeder Tumor ist einzigartig – mit unterschiedlich ausgeprägten Eigenschaften. Sie unterscheiden sich zum Beispiel im Hinblick auf die Wachstumsgeschwindigkeit und Bildung von Metastasen. Je genauer dein Arzt die Eigenschaften deines Tumors kennt, desto passgenauer könnt Ihr die Behandlung auswählen.

Krebs ist nicht gleich Krebs: Einige wachsen sehr schnell, andere entwickeln sich nur langsam. Manche bilden rasch Metastasen, andere bleiben lokal begrenzt. Im Rahmen der Diagnose werden diese und viele andere Eigenschaften der Krebszellen untersucht. Dazu gehören:

  • Stadium der Krebserkrankung
  • Grading
  • Mutationen
  • Rezeptoren
  • Wachstumsfaktoren

Diese Informationen liefern wichtige Hinweise für die Prognose der Erkrankung und geeignete Behandlungen. Was genau sich hinter den einzelnen Begriffen verbirgt, erklärt dir dieser Artikel.

Zunächst beurteilt dein Arzt, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Dafür gibt es je nach Krebsart verschiedene Klassifikationen. Häufig setzen Ärzte das TNM-System ein. T bezeichnet dabei die Tumorgröße, N den Befall von Lymphknoten (Nodes) und M das Vorliegen von Metastasen.

T = Größe und Ausbreitung des Ursprungstumors

  • T0 = Kein Primärtumor nachweisbar
  • T1 – 4 = Ursprungstumor von zunehmender Größe bzw. Eindringtiefe

N = Mögliche Anzahl von Lymphknotenmetastasen in der Nähe des Tumors

  • N0 = Kein Lymphknotenbefall nachweisbar
  • N1 – 3 = Zunehmender Befall von Lymphknoten in der Nähe des Tumors

M = Mögliche Fernmetastasen (Absiedlungen des Tumors in anderen Organen oder Geweben)

  • M0 = Keine Fernmetastasen nachweisbar

M1 = Nachweis von Fernmetastasen

Aufschlussreich ist zudem das sogenannte Grading. Dabei wird anhand einer Gewebeprobe festgestellt, wie stark die Tumorzellen verändert sind. In der Fachsprache heißt das Differenzierung. Anhand des Aussehens der Krebszellen lassen sich bereits Rückschlüsse über die Gut- oder Bösartigkeit der Erkrankung treffen.

  • G1 = gut differenziert (weniger bösartig)
  • G2 = mäßig differenziert
  • G3 = schlecht differenziert
  • G4 = nicht differenziert (sehr bösartig)

Versteckt im Erbgut: Mutationen

Eine weitere wichtige Eigenschaft von Krebszellen sind Mutationen (Veränderungen des Erbguts). Vielleicht hast du schon einmal von ALK, BRCA, EGFR, HER2 oder ROS1 gehört? Das Wissen, ob Mutationen vorhanden sind, ist die Voraussetzung für viele zielgerichtete Therapien. Um herauszufinden, ob und welche Mutationen in den Krebszellen vorliegen, ist eine genetische Testung im Rahmen der Präzisionsmedizin nötig. Es gibt unterschiedliche Testverfahren, mit denen deine Ärztin oder dein Arzt sogenannte Einzelmarker oder das genetische Tumorprofil untersuchen kann:

  • Ein Einzelmarker-Test sucht nach bestimmten Mutationen. Dabei wird also nur ein kleiner, vorher ausgewählter Bereich des Erbguts untersucht. Bei Lungenkrebs kann der Test zum Beispiel gezielt nach ALK-Mutationen suchen oder nach einer HER2-Mutation bei Brustkrebs.
  • Bei einem genetischen Tumorprofil analysiert der Test mehrere Hundert Erbgutveränderungen, die in Zusammenhang mit Krebs stehen.

Nicht jeder Test ist bei jeder Krebserkrankung sinnvoll. Dein Arzt wird dich beraten, ob eine genetische Untersuchung für dich infrage kommt und wenn ja, welche. Die Bestimmung eines Tumorprofils ist besonders bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung geeignet und wenn andere Behandlungsoptionen bereits ausgeschöpft wurden.

Die Mutationen unterscheiden sich darin, ob sie nur in den Tumorzellen vorliegen (somatische Mutation) oder in allen Körperzellen (Keimbahnmutation):

  • Eine Keimbahnmutation kann von Eltern an ihre Kinder weitervererbt werden. Das ist zum Beispiel bei Mutationen der BRCA-Gene der Fall, die das Risiko für Brustkrebs und Eierstockkrebs erhöhen können.
  • Mutationen können auch spontan im Laufe des Lebens entstehen. Teilt sich die betroffene Körperzelle, ist die Mutation auch in den Tochterzellen vorhanden. Wenn aus den veränderten Zellen ein Tumor entsteht, liegt die Mutation nur in den Tumorzellen vor. Solche Mutationen können nicht weitervererbt werden. Dazu gehören zum Beispiel ALK, EGFR, HER2 und ROS1.

Für zahlreiche Mutationen stehen zielgerichtete Krebstherapien zur Verfügung. Die Voraussetzung ist eine genetische Untersuchung des Tumors.

Rezeptoren: Welche Andockstellen besitzt der Tumor?

Krebszellen können „Andockstellen“ für körpereigene Stoffe besitzen. Dazu gehören Rezeptoren für Hormone. Besitzt ein Tumor solche Rezeptoren, können Hormone das Tumorwachstum anregen. Wichtige Beispiele sind Brust- und Prostatakrebs, deren Wachstum durch die Geschlechtshormone Östrogen beziehungsweise Testosteron stimuliert werden kann. Bei diesen Krebsarten kann daher eine Anti-Hormontherapie infrage kommen. Sie blockiert die Wirkung der Hormone und hemmt damit das Tumorwachstum.

Wachstumsfaktoren

Wachstumsfaktoren sind Signalstoffe, die natürlicherweise im Körper vorkommen. Sie regeln etwa die Neubildung von Zellen nach einer Verletzung. Krebszellen können sich diese Mechanismen zunutze machen. Manche Krebszellen produzieren selbst solche Signalstoffe und regen damit zum Beispiel die Bildung von Blutgefäßen an, die den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Dieser Wachstumsfaktor heißt VEGF. Zielgerichtete Therapien können die Wirkung der Wachstumsfaktoren blockieren und damit das Tumorwachstum verlangsamen oder stoppen.

Wichtige Merkmale von Krebszellen, die sich von gesunden Körperzellen unterscheiden:

  • Aussehen (Morphologie)
  • Differenzierungsgrad (Grading)
  • Mutationen
  • Signalstoffe und ihre Andockstellen

Jede Krebserkrankung ist individuell

Bei einer Krebserkrankung ist also nicht nur wichtig, welches Organ erkrankt ist, sondern auch die ganz genauen Eigenschaften der Krebszellen. Daher sind bei der Diagnose oft zahlreiche Untersuchungen nötig: Stück für Stück können die Ärzte so das individuelle Tumorprofil entschlüsseln. Die moderne Medizin ermöglicht immer zielgenauere Therapien, weshalb auch die kleinsten Veränderungen der Krebszellen entscheidend für die Wahl der passenden Behandlung sein können.

Weiterführende Informationen zur Bestimmung von Tumoreigenschaften und zur personalisierten Medizin findest du hier.

Quellen

¹ Deutsche Krebsgesellschaft. Klassifikation von Tumoren (TNM-System & Grading). https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/klassifikation-von-tumoren-tnm-.html (zuletzt aufgerufen am: 19.01.2021)

² Pschyrembel online. Tumorzellen. https://www.pschyrembel.de/Tumorzellen/K0N6G/doc/ (zuletzt aufgerufen am: 19.01.2021)

³ Springer Medizin. (2019). Genomanalyse maligner Tumoren Entwicklungen und klinische Bedeutung. https://doi.org/10.1007/s12312-019-00673-2 (zuletzt aufgerufen am: 19.01.2021)

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