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Therapieverlauf

Behandlungsmöglichkeiten bei metastasiertem Brustkrebs

Wie bei vielen Krebsarten kann es auch bei Brustkrebs zur Bildung von Metastasen kommen. Dann siedeln sich Tumorzellen aus der Brust in anderen Körperregionen an. Eine Heilung von metastasiertem Brustkrebs ist in der Regel nicht möglich. Vielmehr handelt es sich um eine chronische Erkrankung, mit der viele Frauen gut leben können.

Bei etwa jeder vierten Brustkrebspatientin treten Metastasen nach der Ersterkrankung auf. Etwa fünf bis zehn Prozent haben bereits bei der Erstdiagnose Metastasen. 1 Befinden sie sich in brustnahen Lymphknoten bezeichnet man sie als „regionäre Metastasen“; solche in brustfernen Körperregionen nennt man „Fernmetastasen“. 

Häufig bilden sich die Absiedlungen in den Knochen, aber auch andere Organe (wie z. B. Haut, Leber, Hirn, Lunge) können betroffen sein. Metastasen können sich durch verschiedene Symptome äußern: Tumorzellen in den Knochen siedeln sich meist an der Wirbelsäule an und verursachen Schmerzen. Metastasen in der Leber zeichnen sich dadurch aus, dass sie lange keine Symptome verursachen. In der Lunge äußern sich Metastasen oft durch Husten oder Atemnot. Metastasen im Gehirn und damit im zentralen Nervensystem machen sich auf unterschiedliche Art bemerkbar, je nachdem, welches Areal betroffen ist – von Kopfschmerzen über Funktionsstörungen bis hin zu Krampfanfällen.

Dem Verdacht auf Metastasen kann dein Arzt mithilfe von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Skelettszintigraphie und eventuell zusätzlich mit einer Gewebeentnahme und -analyse (Biopsie) aus dem fraglichen Gebiet auf den Grund gehen. 
Bestätigt sich die Vermutung, kommen verschiedene Therapieformen infrage, mit denen sich die Erkrankung meist über einen langen Zeitraum gut kontrollieren lässt. 

Ziel der Behandlung ist es immer, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und deine Lebensqualität zu erhalten.

Therapieformen bei metastasiertem Brustkrebs

Wenn Brustkrebs Metastasen bildet, ist keine Heilung mehr möglich. Die Erkrankung wird chronisch. Dies bedeutet, dass die Krankheit dauerhaft behandelt und der Verlauf überwacht wird. Stetige Fortschritte in der Medizin ermöglichen dabei vielen Frauen ein immer längeres Überleben und eine gute Lebensqualität.

Operation

Bei metastasiertem Brustkrebs wird häufig keine Operation der Brust vorgenommen. Stattdessen kommen vorrangig Medikamente zum Einsatz, die im gesamten Körper (systemisch) wirken und somit Ursprungstumor sowie Metastasen behandeln. Einzelne Metastasen können eventuell operativ entfernt werden. Ob dies bei dir der Fall ist, beurteilt dein Arzt individuell.

Chemotherapie

Hierbei werden Medikamente eingesetzt, die das Wachstum von sich schnell teilenden Zellen wie Tumorzellen unterbinden (Zytostatika). 
Aber auch andere rasch wachsende Zellen reagieren auf die Zytostatika, beispielsweise die Zellen in den Haarwurzeln, in den Schleimhäuten und Blutzellen. Die Chemotherapie wirkt im ganzen Körper. Daher können auch kleine, eventuell noch gar nicht sichtbare Metastasen zerstört werden.

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Der Tumor wird hierbei energiereichen Strahlen ausgesetzt, die das Erbgut der Zellen schädigen. Gesunde Zellen können diese Schäden eher reparieren, während Tumorzellen durch die Behandlung absterben. Es gibt jedoch eine maximale Menge an Strahlen, denen man im Laufe seines Lebens ausgesetzt sein sollte. Deshalb werden Frauen, die bereits während ihrer Ersterkrankung eine Strahlentherapie erhalten haben, nur in seltenen Fällen nochmals bestrahlt. Je nachdem können jedoch Knochenmetastasen lokal bestrahlt werden, um Schmerzen zu lindern.

Antihormontherapie

Wächst ein Tumor hormonabhängig, kann sein Wachstum durch den Entzug der Hormonwirkung verlangsamt oder gestoppt werden.
Bei einer Antihormontherapie können verschiedene Präparate zum Einsatz kommen. Diese können entweder bewirken, dass Hormone nicht mehr gebildet werden, oder sie blockieren die Andockstellen (Rezeptoren) auf den Tumorzellen. Dadurch erhält der Tumor kein Wachstumssignal mehr, seine Ausbreitung verlangsamt sich. Welchen dieser Wirkstoffe der Arzt empfiehlt, hängt unter anderem davon ab, ob du dich vor oder nach den Wechseljahren befindest und welche Wirkstoffe du vielleicht schon erhalten hast.

mTOR-Hemmer

Bei manchen Patientinnen ist ein bestimmter Signalweg (PI3K/AKT/mTOR) übermäßig aktiv. Dieser reguliert das Zellwachstum und kann eine Resistenz gegen Antihormontherapien verursachen. Eine Hemmung dieses Signalweges kann das Ansprechen des Tumors auf eine Antihormontherapie (wieder) verbessern.

CDK4/6-Hemmer

CDK4/6 steht für „Cyclin-abhängige Kinasen 4 und 6“. Dabei handelt es sich um Eiweiße, sogenannte Enzyme, die das Zellwachstum steuern. CDK4/6-Hemmer blockieren diese Enzyme und können bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren zum Einsatz kommen. Sie werden zusammen mit einer Antihormontherapie verabreicht.

Anti-HER2-gerichtete Therapien

Bei metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs können Medikamente zum Einsatz kommen, die den Rezeptor HER2 blockieren können – sogenannte „monoklonale Antikörper“. 
HER2 ist ein Rezeptor, der sowohl auf gesunden als auch auf Tumorzellen vorkommt. Dieser Rezeptor sendet Wachstumssignale ins Zellinnere. Bei einigen Tumoren kann HER2 stark vermehrt vorliegen, sodass zu viele Signale übermittelt werden. Dadurch wird das Tumorwachstum gefördert. Diese Tumoren werden als „HER2-positiv“ bezeichnet. Durch die gegen HER2 gerichteten Antikörper erhalten die Tumorzellen kein Wachstumssignal mehr und sterben ab. Außerdem erkennt das Immunsystem die Tumorzellen mithilfe der Antikörpertherapie besser und hilft diese zu zerstören

Tyrosinkinase-Hemmer

Eine weitere Therapiemöglichkeit bei HER2-positiven Tumoren stellen Tyrosinkinase-Hemmer dar. Diese auch als „small molecules“ (kleine Moleküle) bezeichneten Medikamente wirken innerhalb der Zelle. Hier hemmen sie die Weiterleitung der Wachstumssignale von HER2.

Angiogenesehemmer

Krebszellen sind in der Lage, die Bildung von neuen Blutgefäßen in der direkten Umgebung anzuregen und dadurch die Versorgung wachsender Tumore mit Sauerstoff und Nährstoffen zu gewährleisten. Angiogenesehemmer verhindern diese Neubildung von Blutgefäßen. Da Tumore ab einer bestimmten Größe eine eigene Blutversorgung benötigen und einen hohen Nährstoffbedarf haben, reagieren sie hierauf besonders empfindlich. 

Krebsimmuntherapie bei metastasiertem Brustkrebs

Die Krebsimmuntherapie funktioniert über das körpereigene Immunsystem. Denn dieses ist nicht nur für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig. Es erkennt und beseitigt normalerweise auch krankhaft veränderte Zellen wie Tumorzellen. Einige Krebszellen können das Immunsystem aber austricksen, indem sie die Abwehrzellen „ausschalten“. Die Folge: Das Immunsystem erkennt die Krebszellen nicht mehr als Bedrohung. Daher werden sie nicht angegriffen und können sich ungestört teilen. Die Krebsimmuntherapie kann die Abwehrzellen wieder „anschalten“: Das Immunsystem erkennt die Krebszellen daraufhin und kann sie bekämpfen. 

Bisphosphonate

Knochenmetastasen können zu einem Abbau der Knochen führen, dadurch Schmerzen verursachen und das Risiko für Knochenbrüche erhöhen. Bisphosphonate sind Medikamente, die den Knochenabbau bremsen und so den Symptomen entgegenwirken.

Studien

Im Rahmen deiner Therapie hast du eventuell die Möglichkeit, an klinischen Studien teilzunehmen, in denen neue Medikamente oder Diagnosemethoden auf ihren Nutzen für Patienten hin untersucht werden. Wenn du dich für eine Studienteilnahme interessierst, dann sprich deinen behandelnden Arzt darauf an.

Welche Therapie am besten für dich geeignet ist, hängt von verschiedensten Faktoren ab, etwa von der Art des primären Tumors, der Lage der Metastasen, etwaigen früheren Behandlungen, deinem Alter und deiner aktuellen Verfassung. Dein Arzt wird gemeinsam mit dir besprechen, welche Optionen für dich infrage kommen, welche Nebenwirkungen eventuell zu erwarten sind und welche Möglichkeiten es gibt, diese in den Griff zu bekommen.

FRAGEN, DIE DU VOR DER BEHANDLUNG DEINEM BEHANDELNDEN ARZT STELLEN KANNST: 

  • Wie ist meine Prognose?
  • Wird die Erkrankung fortschreiten?
  • Wird die Metastase nochmals genau untersucht?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten sind jetzt für mich geeignet?
  • Sind Nebenwirkungen zu erwarten und wenn ja, welche?
  • Was kann ich gegen die Nebenwirkungen tun?
  • Habe ich die Möglichkeit, an einer klinischen Studie teilzunehmen? 
  • Wo kann ich psychologische Hilfe bekommen?
  • Gibt es Patientinnen in ähnlicher Situation, mit denen ich mich austauschen kann?
  • Wer ist mein Hauptansprechpartner während der Behandlung? (Name und evtl. Telefonnummer) 

WEITERE WICHTIGE FRAGEN IM LAUFE DER BEHANDLUNG:

  • Was kann ich selbst tun, um meinen Gesundheitszustand zu verbessern?
  • Soll ich mich während der Behandlung schonen oder kann ich mich bewegen, spazieren gehen oder sogar Sport machen?
  • Gibt es etwas, mit dem ich mein Immunsystem unterstützen kann?

Bewegung tut dir gut

Die positive Wirkung von Bewegung, gerade auch bei Krebs, ist gut erforscht. So verbessert sich der körperliche und seelische Zustand von Krebspatienten durch regelmäßige Bewegung. Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt und der Muskelaufbau unterstützt. Dies verhilft dir nicht nur zu mehr Fitness und Beweglichkeit im Alltag, sondern auch die Seele profitiert von mehr Bewegung: Angst und Stress werden abgebaut, Mut und Selbstvertrauen wachsen, das Verhältnis zum eigenen Körper kann sich verbessern. Es wird dir guttun. Versuche es ganz behutsam und besprich vorher mit deinem Arzt, welche Bewegungsart für dich geeignet ist.

Yoga für mehr Gelassenheit

Yoga ist eine sehr gute Möglichkeit, wie du zu mehr innerer Balance finden, Stress und Ängste abbauen und dich auf das Hier und Jetzt fokussieren kannst. Auch Stefanie Ebenfeld macht diese Erfahrung. Die Yoga- und Meditationslehrerin erkrankte 2011 selbst an Brustkrebs. 2014 kamen Knochenmetastasen hinzu. Yoga, aber auch Meditation und Entspannungstechniken helfen ihr bis heute bei der Bewältigung der Erkrankung. Wie sich das im Therapiealltag umsetzen lässt, woher sie die Motivation nimmt, regelmäßig „auf die Matte zu gehen“ und inwiefern Yoga sogar im Umgang mit Nebenwirkungen helfen kann, erzählt Stefanie Ebenfeld in einem Interview:

Aufgaben der Palliativmedizin

Metastasierter Brustkrebs kann dank medizinischer Fortschritte oft gut kontrolliert werden. Die Aufgabe der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität zu verbessern, indem sie bereits früh Symptome wie Schmerzen lindert. Aber auch die seelische Unterstützung gehört zu den Säulen der Palliativmedizin. Wenn du möchtest, kann oftmals auch dein behandelnder Arzt den ersten Kontakt zu Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder einem Psychoonkologen vermitteln. 

Alle grundlegenden Informationen zu Brustkrebs – von Symptomen über die Diagnosestellung bis hin zur Therapie und Prognose – erhältst du hier. Mehr Informationen zum metastasierten Brustkrebs und den verschiedenen Behandlungsformen findest du in der Broschüre „Metastasierter Brustkrebs“  oder in dem Leitlinienprogramm zu metastasiertem Brustkrebs sowie auf der Seite der Brustkrebszentrale unter der Rubrik „Therapieformen“

Eine leuchtende rosafarbene Glühbirne mit dem Schriftzug: „Erkennen. Verstehen. Behandeln.“
Mehr Informationen zu Therapieformen und dem Leben mit metastasiertem Brustkrebs erhältst du auf der Seite der Brustkrebszentrale.
© Das K Wort

Quellen

¹ Roche | Metastasierter Brustkrebs, Broschüre (https://www.brustkrebszentrale.de/fileadmin/user_upload/05_service/01_mediathek/broschueren/Broschuere_Metastasierter_Brustkrebs.pdf) , zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

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