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Rezidiv bei Brustkrebs: Wenn der Krebs wiederkommt

Alle Frauen, die einmal an Brustkrebs erkrankt sind oder waren, kennen sie: Die Angst vor einem Rückfall. Der medizinische Fachbegriff für wiederkehrenden Brustkrebs lautet Rezidiv. Entscheidend für die Behandlung und eine mögliche Heilung ist jedoch die Art des Rezidivs.

Was ist ein Rezidiv?

Bei Brustkrebs im Rezidiv ist die primäre Brustkrebserkrankung nach einer bestimmten Zeit zurückgekehrt. Der Begriff „Rezidiv“ leitet sich aus dem lateinischen Verb „recidere“ ab und bedeutet wörtlich übersetzt „zurückfallen“. Nicht nur bei Brustkrebs, sondern auch bei anderen Erkrankungen bezeichnet ein Rezidiv ganz allgemein das Wiederauftreten einer Erkrankung nach einer symptomfreien Phase. Doch was tun, wenn der Krebs wiederkommt und sich die Angst vor einem Rückfall bestätigt hat?

Wenn dein Arzt bei dir ein Rezidiv festgestellt hat, benötigst du vor allem Klarheit darüber, in welcher Form genau der Brustkrebs wieder aufgetaucht ist. Denn das Erscheinungsbild eines Rezidivs kann sehr unterschiedlich sein. Doch genau wie die Form eines Rezidivs unterscheiden sich auch die Behandlungsmöglichkeiten und damit verbunden die eventuellen Heilungschancen.

Lokalrezidiv

Oft tritt der Tumor in der bereits zuvor betroffenen Brust auf. Tritt Brustkrebs am ursprünglichen Ort des Tumorwachstums wieder auf, sprechen die Ärzte von einem Lokalrezidiv – also einem Rezidiv an gleicher Stelle wie bei der Ersterkrankung. Konkret bedeutet dies, dass sich ein neuer Tumor in der behandelten Brust, beziehungsweise im nach einer Operation verbliebenen Brustgewebe, gebildet hat. Selbst wenn die betroffene Brust komplett entfernt wurde, kann sich an der Brustkorbwand, der Achselhöhle oder in der Nähe des Schlüsselbeins ein Tumor bilden. Mediziner sprechen dann von einem lokoregionären Rezidiv – also einem Rezidiv im Bereich der Ersterkrankung. Ein Lokalrezidiv fällt meist bei Tastuntersuchungen oder bei Nachsorgeterminen auf.

Rezidiv mit Metastasen

Bei anderen Frauen haben freie Tumorzellen des ursprünglichen Tumors an anderen Stellen des Körpers Tochtergeschwülste gebildet. Diese Absiedlungen des ursprünglichen Tumorgewebes werden als Metastasen bezeichnet. Bei einem Rezidiv mit Metastasen können Tumorzellen in den Knochen, aber auch in Organen wie Lunge, Leber und Gehirn zu finden sein. Diese Form des Rezidivs macht sich häufig durch Schmerzen in den betroffenen Körperbereichen bemerkbar.

Metastasen: veränderte Tumoreigenschaften?

Die Krebszellen einer Metastase können andere Eigenschaften aufweisen als der ursprüngliche Tumor. So können sich beispielsweise sowohl der HER2- als auch der Hormonrezeptorstatus vom Ursprungstumor unterscheiden. Um die richtige medikamentöse Behandlung auszuwählen, sollte daher, wenn möglich, immer eine Biopsie der Metastasen erfolgen.

Das Rückfallrisiko bei Brustkrebs

Information und Aufklärung können helfen, sich mit einer Erkrankung wie Brustkrebs auseinanderzusetzen. So kann auch das Wissen um die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs vielen Frauen Sicherheit geben.

Bei etwa bis zu 80 von 100 Frauen kommt der Krebs nicht wieder1. Hierbei entscheidend sind vor allem die biologischen Eigenschaften des Krebses.

Da die meisten Rückfälle in den ersten Jahren nach der Ersterkrankung vorkommen, werden engmaschige Kontrollen in dieser Zeit empfohlen. Je früher ein Rückfall erkannt wird, desto früher kann eine Behandlung begonnen werden.

Rezidiv und Heilungschancen

Die Heilungschancen von Brustkrebs im Rezidiv richten sich vor allem nach der Lage des Tumorgewebes. Handelt es sich um ein Lokalrezidiv, also um eine klare örtliche Begrenzung, bestehen – genau wie bei einer Ersterkrankung – in der Regel Chancen auf langfristige Heilung. Die Behandlung zielt darauf ab, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen.

Bei einem Rezidiv mit Metastasen ist laut medizinischer Definition nicht mehr von Heilung die Rede. Die Brustkrebserkrankung wird stattdessen zu einer chronischen Erkrankung. Die Behandlungen verfolgen dann das Ziel, die Metastasen zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patientin so lange wie möglich zu erhalten. Dafür stehen heutzutage wirksame Therapien zur Verfügung. Zusätzlich sind die Linderung von Schmerzen oder Beschwerden, die mit der Therapie einhergehen können, wichtiger Bestandteil der Therapie von Rezidiven mit Metastasen.

Diagnose: Wie wird rezidiver Brustkrebs festgestellt?

Patientinnen, die ihre Brustkrebstherapie im Frühstadium abgeschlossen haben, werden engmaschig durch ihr Behandlungsteam betreut und haben regelmäßige Kontrolltermine. Darüber hinaus werden sie sehr genau auf die Anzeichen ihres Körpers achten. Möglicherweise tasten sie sich regelmäßiger ab oder nehmen Kontrolluntersuchungen noch bewusster wahr. Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper ist generell etwas Positives. Einige Frauen glauben jedoch, dass sie durch ihr eigenes Verhalten, durch bestimmte Ernährungsweisen oder durch psychische Einstellungen ein Rezidiv abwenden oder auslösen. Dies ist aus medizinischer Sicht klar zu widerlegen. Die Verantwortung für das Auftreten eines Rezidivs liegt nicht bei der Patientin.

Bei einem Verdacht auf einen Rückfall, solltest du dich vertrauensvoll an dein Behandlungsteam wenden. Auch hier gilt: Die Art des Rezidivs bestimmt über seine Diagnose: Ein Lokalrezidiv ähnelt in vielerlei Hinsicht der Ersterkrankung. Deshalb sollten Frauen auf typische Symptome achten, wie Schmerzen, Schwellungen, ungleich aussehende Brüste und Hautrötungen, sowie tastbare Veränderungen und Knoten. Ein Arzt wendet die gleichen Diagnosemethoden wie bei der Ersterkrankung an. Dies sind insbesondere Tastuntersuchungen am Brustgewebe und den umgebenden Lymphknoten. Auch eine Ultraschalluntersuchung der Brust oder ein Mammographie Screening werden durchgeführt. Ob Fernmetastasen vorliegen, wird dein Arzt durch geeignete diagnostische Maßnahmen und bildgebende Verfahren abklären.

Brustkrebs im Rezidiv: Die Behandlung

Die Behandlung eines Brustkrebsrückfalls richtet sich nach der vorliegenden Form des Rezidivs, dem Stadium der Erkrankung und den Tumoreigenschaften. Bei einem lokalen Rezidiv wird immer versucht, das Tumorgewebe zunächst operativ zu entfernen (sofern Größe und Lage des Tumors dies zulassen). Im Anschluss werden Chemo-, Strahlen- oder weitere medikamentöse  Therapien, wie z. B. Antihormontherapie bzw. Antikörpertherapie wie bei der Ersterkrankung in Erwägung gezogen. Die Behandlung eines Lokalrezidivs erfolgt meistens kurativ; das heißt mit dem Ziel einer Heilung.

Ein Rezidiv mit Metastasen bedeutet, dass die Patientin fortwährend medikamentös behandelt wird. Auch hier wird die genaue Therapieplanung auf Lage und Ausbreitung des Tumorgewebes ausgerichtet. Die Behandlung eines Rezidivs mit Metastasen erfolgt palliativ, das heißt mit dem Ziel, die Lebensqualität einer chronisch kranken Brustkrebspatientin so lange und so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Dies ist nach heutigem medizinischem Forschungsstand auch in dieser Form des Rezidivs grundsätzlich lange möglich, da heutzutage viele wirksame Therapien zur Verfügung stehen.

Quellen

¹ https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Brustkrebs_im_fruehen_Stadium.pdf_v04-2020.pdf; zuletzt abgerufen am 20.05.2021

² https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Mammakarzinom_4_0/Version_4.3/LL_Mammakarzinom_Kurzversion_4.2.pdf; zuletzt abgerufen am 20.05.2021

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