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Behandlung

Antikörpertherapie bei Brustkrebs

Die HER2-Antikörpertherapie gehört zu den zielgerichteten Therapien. Sie richtet sich gezielt gegen Tumorzellen, indem sie bestimmte Oberflächenstrukturen auf ihnen erkennt und bindet.

Zielgerichtete Therapien

Unter zielgerichteten Therapien sind neue Arten der medikamentösen Krebstherapie zusammengefasst. Sie wirken nicht systemisch, also im gesamten Organismus, sondern zielgerichtet an bestimmten Zellstrukturen oder greifen gezielt in Signalwege ein und beeinflussen so das Tumorwachstum. Die Wirkstoffe setzen zum Bespiel an spezifischen Merkmalen an, die es so stark vermehrt (überexpremiert) in Tumorzellen gibt, oder die eine zentrale Rolle beim Tumorwachstum spielen. Da diese Merkmale auf gesunden Zellen kaum oder gar nicht vorkommen, werden diese geschont. Zielgerichtete Therapien kommen nur dann zum Einsatz, wenn ein Tumor diese speziellen Eigenschaften mitbringt. Mehr darüber, welche Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebs infrage kommen erfährst du hier.

Für die zielgerichtete Brustkrebsbehandlung stehen aktuell verschiedene Therapieansätze zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel Signalwegehemmer wie mTOR-Hemmer, Tyrosinkinasehemmer, CDK4/6-Hemmer oder Antikörpertherapien wie Angiogenesehemmer, die Krebsimmuntherapie oder HER2-Antikörpertherapien.

Bei Antikörpern handelt es sich um Bestandteile des körpereigenen Immunsystems. Die wichtigste Aufgabe ist die Abwehr von Krankheitserregern. Die wichtigste Aufgabe ist die Abwehr von Krankheitserregern. Im Labor werden künstliche Antikörper hergestellt, die Oberflächenstrukturen auf Tumorzellen oder Zellen in deren Umgebung erkennen, binden und angreifen. Im Gegensatz zu Zytostatika, die auf den ganzen Körper wirken, werden gesunde Zellen dabei weitgehend geschont.

HER2-Antikörpertherapie

Der Rezeptor HER2 (Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2) ist ein Protein (Eiweiß) auf der Zelloberfläche. Diese Eiweißstruktur übermittelt der Zelle Wachstumssignale, damit sie sich teilen und vermehren kann. Dies ist ein natürlicher Vorgang der Zellteilung. Befinden sich jedoch zu viele dieser Rezeptoren auf der Zelloberfläche, werden zu viele Wachstumssignale ins Zellinnere übertragen und es kommt zu einer unkontrollierten Zellteilung und übermäßigen Vermehrung.

Bei etwa 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen ist die Anzahl der HER2-Rezeptoren auf den Tumorzellen deutlich erhöht.1

Dieses Übermaß wird als HER2-Überexpression bezeichnet und die Form der Brustkrebserkrankung als HER2-positiver Brustkrebs. In diesem Fall können dann HER2-Antikörpertherapien wichtiger Bestandteil der Therapie sein. Daher ist der HER2-Status-Check besonders wichtig.

Grafik zur Wirkweise der HER2-Antikörpertherapie bei Brustkrebs
Doppelte Wirkweise der HER2-Antikörpertherapie
© Das K Wort

Durch die zielgerichtete HER2-Antikörpertherapie werden die HER2-Rezeptoren blockiert, die Tumorzellen können sich nicht weiter teilen und sterben ab. HER2-Antikörpertherapien stehen als HER2-Antikörper oder HER2-Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zur Verfügung und können je nach Stadium der Erkrankung eingesetzt werden.

Je nach Stadium der Erkrankung kommen ein oder zwei verschiedene HER2-Antikörper oder Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zum Einsatz.2

HER2-Antikörper

Antikörper greifen am HER2-Rezeptor an und werden für eine gewisse Zeit in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben. Antikörper können allein oder als zwei verschiedene HER2-Antikörper gegeben werden. Werden zwei Antikörper gegeben, sprechen Mediziner von einer doppelten Antikörperblockade. Dabei binden beide Antikörper an verschiedene Stellen des HER2-Rezeptors und unterstützen sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Der erste Antikörper verhindert durch seine Bindung an HER2 die Übertragung von Wachstumssignalen ins Zellinnere. Darüber hinaus erkennen die körpereigenen Abwehrzellen die mit den Antikörpern markierten Tumorzellen und können sie zerstören. Der zweite Antikörper verhindert die Paarbildung der HER2-Repeptoren mit anderen Rezeptoren der HER-Familie (Dimerisierung). Durch diese Doppel-Blockade wird die Weiterleitung von Wachstumssignalen noch effektiver unterbunden.

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

Wird an den Antikörper zusätzlich ein Zytostatikum gebunden, spricht man von sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Der Antikörper transportiert das Zytostatikum dann gezielt zu den HER2-positiven Tumorzellen, das Zytostatikum wird in die Zelle geschleust und zerstört diese. So werden die Therapieprinzipien der HER2-Antikörpertherapie und der Chemotherapie effektiv kombiniert. Da das Zytostatikum gezielt in der Krebszelle wirkt, werden weniger gesunde Zellen beeinträchtigt. HER2-Antikörper-Wirkstoff-Konjugate werden als Infusion ohne zusätzliche Chemotherapie verabreicht.

Einsatz der HER2-Antikörpertherapien

Frauen mit frühem HER2-positiven Brustkrebs können die HER2-Antikörper in Kombination mit einer Chemotherapie entweder nach der sofortigen Operation erhalten oder vor und nach der Operation. Auch können ein oder zwei unterschiedliche HER2-Antikörper zum Einsatz kommen. Wird die HER2-Antikörpertherapie vor der Operation begonnen und ist zum Zeitpunkt der Operation noch eine Resterkrankung in der Brust oder den Lymphknoten nachzuweisen, wird nach der Operation auf ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat gewechselt. Mehr dazu erfährst du hier. Welche Therapie genau infrage kommt, wird das Behandlungsteam im Detail mit dir besprechen.

Bei Patientinnen mit metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs werden zwei unterschiedliche HER2-Antikörper gemeinsam mit einer Chemotherapie gegeben, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Treten dennoch erneut Metastasen auf, gibt es die Möglichkeit, ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat zu verabreichen.

Darreichungsformen von HER2-Antikörpertherapien

Bei der HER2-Antikörpertherapie kommen verschiedene Darreichungsformen zum Einsatz. Diese richten sich nach dem Wirkstoff und auch nach deinen persönlichen Bedürfnissen. Einige der HER2-Antikörpertherapien können als Infusion oder per Spritze verabreicht werden. Jede dieser Anwendungsmöglichkeiten hat verschiedene Vor- und Nachteile.

Infusion in die Vene (IV)

Bei einer Infusion erhält die Patientin den Wirkstoff, meist über einen Port, in eine Vene (intravenös). Die Infusion der Antikörpertherapie kann zwischen 30 und 150 Minuten dauern. Sie findet wöchentlich oder alle drei Wochen statt.

Subkutane Gabe in das Unterhautfettgewebe (SC)

Spritzt das Behandlungsteam den Wirkstoff/die Wirkstoffe in das Unterhautfettgewebe, nimmt dies 2 bis 8 Minuten in Anspruch. Die subkutan angewandte Spritze wird im Drei-Wochen-Rhythmus verabreicht.

Wende dich an dein Behandlungsteam, um die für dich passende Verabreichungsform zu finden. Scheue dich nicht, deine Fragen zu den jeweiligen Vor- und Nachteilen zu stellen und auch Zweifel zu äußern – es geht um deinen Körper und deine Gesundheit.

Verträglichkeit der HER2-Antikörpertherapie

Da jeder Organismus individuell reagiert, können auch HER2-Antikörpertherapien unterschiedlich gut vertragen werden. Generell sollte bei einer HER2-Antikörpertherapie das Herz überwacht werden, da es belastet oder geschädigt werden kann. Die regelmäßigen Kontrollen sollten bis mindestens zwei Jahre nach der Therapie fortgeführt werden.

Sprich immer alles bei deinem Behandlungsteam an, was dir beunruhigend erscheint. Am besten frühzeitig, denn dann könnt ihr gemeinsam schnell darauf reagieren.

Weitere Informationen und Tipps zum Nebenwirkungsmanagement in der Brustkrebstherapie erhältst du hier.

Quellen

¹ https://www.ccc.ac.at/news/singleview/neue-therapieoption-reduziert-rueckfallrisiko-bei-her2-positivem-brustkrebs-signifikant/7a6f69ab17c63442bb4f135f42dc88e8/, zuletzt abgerufen am 22.04.2021.

² https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/mammakarzinom-der-frau/@@guideline/html/index.html#ID0E6RAG, zuletzt abgerufen am 22.04.2021.

³ https://cdn.aerzteblatt.de/pdf/115/48/a2246.pdf?ts=27%2E11%2E2018+08%3A34%3A38, zuletzt abgerufen am 22.04.2021.

⁴ https://www.roche.com/de/media/releases/med-cor-2013-02-22.htm, zuletzt abgerufen am 22.04.2021.

⁵ https://www.roche.com/de/media/releases/med-cor-2012-03-23.htm, zuletzt abgerufen am 22.04.2021.

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