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Das K Wort - Diagnose Krebs
Sag Ja zum Leben!
Psyche

Leben im Hier und Jetzt: Achtsamkeit bei Krebs

Mit der Diagnose Krebs sind alle Pläne für die Zukunft plötzlich infrage gestellt. Die Krebstherapie hingegen macht den meisten Betroffenen Hoffnung. Hier setzt die Lehre der Achtsamkeit an: auf den Augenblick konzentrieren, in sich hineinhören und keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Achtsamkeit ist ein Weg zu mehr Gelassenheit

Menschen, die ihre Krebserkrankung gut bewältigen, beschreiben oft, dass sie zwei Komponenten der Achtsamkeit verinnerlicht haben:

  • Leben im Hier und Jetzt
  • Akzeptanz des Lebens, wie es ist

In der Verbindung beider gelingt es, das wahrzunehmen, was möglich ist, was gut ist und was Freude macht. Die Lehre der Achtsamkeit zielt darauf ab, dass wir uns Zeit für den Moment nehmen und diesen aufmerksam betrachten. Sie ist eine natürliche Arznei des Menschen, um Stress zu vermeiden oder zu lindern. Und sie hilft dabei, schon früh Anzeichen einer Belastung zu erkennen und nicht achtlos zu übergehen.

Achtsamkeitsbasierte Verfahren sollen im Rahmen einer komplementären Medizin eine Wirkung auf verschiedene Symptome wie Stress, Ängste, Depression, Schlafstörungen, Fatigue und Lebensqualität haben. So kann beispielsweise eine Achtsamkeitsmeditation zu einem niedrigeren Stresshormonspiegel führen. 

Ursprünglich kommt der Gedanke der Achtsamkeit aus der buddhistischen Lehre. Populär wurde er durch Jon Kabat-Zinn, der Ende der 1970er Jahre ein Trainingsprogramm – die Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) – entwickelte, um uns den Umgang mit Stress, Ängsten oder Krankheiten zu erleichtern. „Achtsamkeit ist eine einfache und zugleich hochwirksame Methode, uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren“, so Prof. Kabat-Zinn.

Reklameschilder an einer Hauswand mit den Buchstaben: „I C H“
Wer sich und seine Gefühle gut kennt, ist besser in der Lage, sich zu öffnen, Konflikte zu lösen und sich in andere hineinzuversetzen.
© Martin Koos / Photocase

Das eigene innere Gleichgewicht bei Krebs finden

Zur Wahrnehmung des Augenblicks hilft es, sich immer wieder selbst zu fragen, wie du man sich selbst gerade fühlt – und zwar ohne Wertung der Situation: Brauche ich gerade möglichst viele Leute um mich herum oder möchte ich lieber meine Ruhe haben? Was genau macht mir jetzt Angst?

Mit ein bisschen Training gelingt es, sensibler als in der üblichen Wahrnehmung den eigenen Körper zu empfinden, Gedanken zu beobachten, Gefühle zu erspüren.

  • Stilles Sitzen und den Atem beobachten
  • Langsam und bewusst gehen und die einzelnen Schritte wahrnehmen 
  • Alltägliche Objekte wahrnehmen und in Gedanken genau beschreiben2 

Zugleich kannst du darauf achten, wie die Umwelt und dein Organismus zusammenhängen. Du empfindest dann beispielsweise nicht mehr nur Unwohlsein, sondern kannst deutlicher wahrnehmen, was genau diese auslöst – ebenso bei Schmerzen, Übelkeit, Gereiztheit oder Müdigkeit. Wer seine Gedanken aufmerksam beobachtet und lernt, Emotionen nachzuspüren, kann Belastungen stärker entgegentreten. Hinzu kommt, dass Achtsamkeitstraining dabei helfen kann, den Stress, der durch die Krebsdiagnose entsteht, zu reduzieren.3 Und weniger Stress kann wiederum den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. In der Folge sorgt Achtsamkeit für mehr Zufriedenheit und Gelassenheit.

Eine Person mit kurzgeschorenen Haaren legt die Handflächen auf den Hinterkopf, aus denen Blüten herausragen
Durch Achtsamkeit gelingt es, die Veränderungen des eigenen Körpers besser wahrzunehmen und zu akzeptieren.
© Duet Postscriptum / Stocksy

Körper und Geist reagieren auf Belastungen, indem sich der Herzschlag beschleunigt oder negative Gefühle aufkommen. Beide zeigen auch Reaktionen, wenn der Organismus Entspannung erfährt. Der Blutdruck sinkt und positive Gedanken stellen sich ein. Dabei helfen Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training und Meditation.

Vielleicht ist es Dir durch Achtsamkeit sogar möglich, manche Nebenwirkungen der Therapie besser zu akzeptieren und mit ihnen zu leben – beispielsweise, wenn sich Deine Haare verändern oder Du Dich in Deiner Haut nicht wohlfühlst. Diese Umstände zu akzeptieren und mit seinem Äußeren im Reinen zu sein, kann bei der Krankheitsbewältigung helfen. Kurse zu Progressiver Muskelentspannung, Autogenem Training und Meditation werden häufig von den Krankenkassen unterstützt.

Zeit zu zweit: Achtsamkeit in der Partnerschaft bei Krebs

Achtsam sein bedeutet, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen. Das hilft auch dabei, sich besser mit der Partnerin oder dem Partner austauschen zu können. Weißt du wirklich, warum dein Gegenüber heute schlecht gelaunt war? Kennst du die Lebensträume deines Herzensmenschen? Sprecht Ihr regelmäßig über eure Gefühle und Gedanken oder macht euch das eher Angst?

Ein Paar liegt eng umschlungen auf dem Bett
Zeit zu Zweit: Gerade bei einer Krebserkrankung ist es enorm wichtig, die schönen Momente gemeinsam zu genießen.
© Becca Tapert / Unsplash

Gerade wenn die Diagnose Krebs das bisherige Leben und deine Beziehung auf den Kopf stellt, kann es ungemein wichtig sein, achtsam zu sein. Das gilt für den Menschen, der mit Krebs lebt, genauso wie für die Partnerin oder den Partner. In sich hineinzuhören, die Bedürfnisse zu formulieren, schöne Momente zuzulassen und zu genießen, kann viel Kraft geben.

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Weniger Smartphone – mehr Aufmerksamkeit

Achtsamkeit ist also eine spezielle Form der Aufmerksamkeit. Und wenn der größte Aufmerksamkeitsräuber unserer Zeit das Smartphone ist, dann gibt es nur eins: Digital Detox. Weil wir im Schnitt 50- bis 80-mal pro Tag auf das Smartphone sehen, können wir uns weder auf das konzentrieren, was um uns herum passiert, noch auf uns selbst.5  Zusätzlich geraten wir in Stress: Gefühlt müssen wir sofort antworten– denken wir zumindest.

Die wenigsten Menschen müssen 24 Stunden erreichbar sein. Vielleicht erklärst du einen Raum zur handyfreien Zone, planst eine feste Smartphone-Auszeit am Tag ein, schaltest einfach mal ein Wochenende in den Flugmodus. Du wirst merken, wie viel aufmerksamer du auf deine Umgebung, die Menschen um dich herum und auf dich selbst eingehen kannst.

Ein Wlan-Symbol auf einem Baum in der Natur
Go offline: Wer weniger Zeit mit Handy oder Smartphone verbringt, kann die Aufmerksamkeit stärker auf sich und seine Gefühle lenken.
© Alita Ong / Stocksy

Achtsamkeit bei Krebs lernen

Es gibt zahlreiche Methoden, um Achtsamkeit in das tägliche Leben zu integrieren. Auf unserer Website Das K Wort findest du beispielsweise einen Beitrag zu Yoga und Meditation und über die positive Wirkung von Waldbaden.  

Die meisten Krankenkassen unterstützen Kurse zum Thema Stressbewältigung durch Achtsamkeit, die auf dem Mindfulness-Based Stress Reduction beruhen. Kontaktiere deine Krankenversicherung, um zu erfahren, welche Angebote dir in deiner Nähe zur Verfügung stehen. 

Achtsamkeit ist auch ein anerkanntes Verfahren innerhalb der Psychotherapie. Ärzte und Diplom-Psychologen, die als MBSR-Lehrende ausgebildet sind und Achtsamkeit in die Gruppen- oder Einzeltherapie einbinden, findest du unter MBSR-MBCT-Verband.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00017106

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¹ https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/achtsamkeit/@@guideline/html/index.html, zuletzt abgerufen am 13.06.2023.

² https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Achtsamkeit-Einfache-Uebungen-gegen-Stress,achtsamkeit114.html#:~:text=Gehmeditation%3A%20Ohne%20Ablenkung%20durch%20Telefon,Den%20Kopf%20leicht%20neigen, zuletzt abgerufen am 13.06.2023.

³ https://www.mpg.de/17668353/1007-nepf-haaranalysen-zeigen-meditationstraining-verringert-langzeitstress-149575-x, zuletzt abgerufen am 13.06.2023.

⁴ https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/therapie/entspannungsverfahren/progressive-muskelentspannung, zuletzt abgerufen am 14.06.2021.

⁵ https://www.mdr.de/medien360g/medienwissen/warum-wir-so-oft-zum-Smartphone-greifen-100.html, zuletzt abgerufen am 14.05.2023.

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