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Partnerschaft

Zeit für Zärtlichkeit in der Partnerschaft bei Krebs

Die Krebsdiagnose und die anschließende Therapie ist für Paare eine schwierige Zeit. Viele Krebspatienten fühlen sich nach oder in der Therapie über Monate erschöpft und müde – und verspüren wenig oder kein Bedürfnis nach Nähe und Sexualität. Liebe braucht dann Zeit, Zärtlichkeit und Zuwendung.

Nachwirkungen der Therapie

Die Krebserkrankung und die Therapie hinterlassen Spuren, und zwar bei beiden Partnern. Im Fokus steht erst einmal, die Krebsdiagnose zu verarbeiten. Hinzu kommen häufig Sorgen, Ängste oder auch Depressionen. Das kann auch Auswirkungen auf die Partnerschaft haben – das gesamte Leben ist eben anders als zuvor. Im Rahmen einer Krebserkrankung gibt es deshalb häufig auch Probleme mit der Sexualität, die wiederum die dazu beitragen können, dass beide Partner innerhalb ihrer Beziehung unzufriedener werden oder sich einander nicht mehr so nah fühlen.

Wissensdefizite und Missverständnisse bei Paaren

Möglicherweise bestehen bei dem einen oder anderen Krebspatienten Bedenken, dieses sehr persönliche Thema mit dem Behandlungsteam zu besprechen. Doch keine Angst davor: im Arzt-Patienten-Gespräch gibt es kein Tabu. Ärzte klären auch über mögliche Nebenwirkungen der Krebsbehandlung im Hinblick auf Sexualität auf. Solche Aspekte offen anzugehen kann verhindern, das Problem eher bei sich oder dem Partner zu suchen (zum Beispiel bei therapiebedingten Erektionsstörungen).  

Keine Lust auf körperliche Nähe kann auch ein Zeichen der psychischen Belastung sein – zum Beispiel ist Libidoverlust ein häufiges Symptom bei Depressionen. Doch auch weitere Begleiterkrankungen (zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, psychische Störungen) oder Medikamente können die sexuelle Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. Auch mit dem Fatigue-Syndrom kann das sexuelle Verlangen schwinden.

Eine Krebserkrankung ist auch eine tiefe seelische Verletzung. Damit verbundene Selbstzweifel, die Angst, nicht zu genügen oder zu versagen, aber auch sonstige Ängste sowie depressive Verstimmungen können bei sexuellen Problemen eine Rolle spielen.

Sexualität bedeutet Lebensqualität

Zärtlichkeit und Sexualität sind zentrale Punkte im Leben eines Menschen. Sie beinhalten Erotik, Freude, Vergnügen, Genuss, Intimität und Fortpflanzung. Dennoch: kaum ein Bereich unterliegt derart vielen Mythen. Annahmen über die Art oder Dauer einer befriedigenden Sexualität oder erogene Zonen bei Mann und Frau führen häufig zu einer übertriebenen Erwartung der Betroffenen. Demzufolge ist Sexualität auch ein Bereich, der sehr „störanfällig“ sein kann und zu Verunsicherung führt, zum Beispiel, wenn eine Person mit einer Krebserkrankung konfrontiert wird. Es ist wichtig, dass Paare auch nach einer Krebserkrankung eine zufriedenstellende Sexualität (wieder) erleben können. Die körperliche – sowie auch die damit verbundene seelische – Nähe in der Partnerschaft kann Kraft geben.

Bin ich bei Krebs noch attraktiv?

Medizinische Behandlungen wie Operation, Chemo-, der Strahlentherapie können zu Verlust oder Schädigung der Sexualorgane und zu Einschränkungen der sexuellen Funktionen führen. Hinzu kommen die Veränderungen am eigenen Körper: An Narben, Gewicht, Haarverlust oder einen künstlichen Darmausgang musst Du Dich erst einmal gewöhnen. Manchmal funktioniert der Körper nach der Erkrankung auch nicht mehr genau so wie vorher und es gilt, sich selbst neu kennen- und annehmen zu lernen. All das kann das Selbstvertrauen schwächen. Fragen wie „Bin ich so noch attraktiv für meinen Partner?“ lassen den Umgang mit Zärtlichkeit und Sexualität schwierig werden.

Möchtest Du überhaupt …?

Auch für den Partner kann die Sexualität in der Krebstherapie herausfordernd werden: er stellt sich die Frage, wie weit der Erkrankte geschont werden sollte. Er fragt sich, ob ihm bestimmte Berührungen Schmerzen bereiten oder ihn gar verletzen könnten oder ob er in der aktuellen Situation überhaupt berührt werden möchte. Aus Rücksichtnahme oder Scham trauen sich viele nicht, die entscheidenden Fragen offen zu stellen.

Wenn Dein Partner für Dich den Alltag stemmt und pflegerische Aufgaben übernimmt, kann es außerdem schwierig sein, von der pflegenden, versorgenden Rolle wieder in die des Liebenden zu wechseln. Oft kann schon ein Gespräch, in dem beide Seiten offen mit ihren Bedenken und Gedanken umgehen, Euch einander wieder näherbringen.

Sexualität ist individuell

In solchen Zeiten kann es helfen, sich mit seinem Partner zusammenzusetzen und neue Rahmenbedingungen für Sexualität zu schaffen – zum Beispiel seltener als zuvor, dafür aber gut vorbereitet, etwa mit viel Ruhe und ohne Kinder im Hintergrund. Statt sich auf eine Schwäche zu konzentrieren, die vielleicht gerade im Vordergrund zu stehen scheint, ist es hilfreich, die Stärken und schönen Aspekte ins rechte Licht zu rücken. Einige Paare haben möglicherweise auch Sorgen vor dem „ersten Mal“ nach einer längeren Pause. Manche setzen sich unter Druck oder haben Angst, den anderen zu enttäuschen. Das Bemühen um sexuelle Erregung oder das Erzwingen sexuellen „Funktionierens“ kann zu Leistungsdruck, gespannter Erwartung und Versagensangst führen. Hinzu kommen möglicherweise noch Probleme mit dem veränderten Körperbild.

Findet für Euch heraus, in welchen Situationen Ihr Euch wohl und wertgeschätzt fühlt. Dabei wird Sexualität in jeder Beziehung individuell definiert und hat bei jedem Menschen einen anderen Stellenwert. Es gibt also keine allgemeingültige Optimallösung. Gemeinsam als Paar könnt Ihr einen Weg finden, der für Euch ganz persönlich funktioniert.

Die positive Grundstimmung in der Partnerschaft kann durch positive Rückmeldungen erhalten werden – mit liebevollen Worten, Gesten oder Berührungen. Ein gefühlvoller Umgang miteinander weckt Vertrauen und entspannt die Beziehung.

Fünf Tipps für Zärtlichkeit in Deiner Beziehung bei Krebs

1. Herausforderungen oder Probleme gemeinsam angehen

Das lässt die Liebe zueinander weiter wachsen und stärkt die Partnerschaft.

2. Offene Kommunikation mit dem Partner

Sprecht offen miteinander über Bedenken, Erwartungen und Wünsche. Helfen können verständnisvolles und interessiertes Zuhören, Neubewertung der Situation („Das ist ganz normal“) und Einfühlungsvermögen ("Das kenne ich und kann es gut nachvollziehen").

3. Sensibel aufeinander eingehen und Herausforderungen als Teil des Ganzen annehmen

Ein Partner kann dem anderen Mut machen, ihn auch einfach umarmen, um körperliche Nähe zu zeigen, zu einer Aktivität motivieren oder auch respektieren, wenn der andere seine Ruhe braucht und etwas gerade nicht so läuft wie erwünscht. Versucht es einmal am Abend mit einem liebevollen „Rücken krabbeln" oder einer Fuß- oder Kopfmassage. Am besten gleich mit dem Hinweis, dass man nichts Weiteres erwartet.

4. Entspannte Bedingungen schaffen

Beispielsweise ein Babysitter oder eine Haushaltshilfe können helfen, die Verpflichtungen des Alltags für eine Weile abzulegen. Vielleicht nehmt Ihr Euch als Paar gelegentlich ganz bewusst für ein paar vertraute Stunden eine Auszeit vom Therapiealltag und genießt einfach mal wieder die Zeit zu zweit.

5. Professionelle Hilfe annehmen

Sexuelle Störungen können durch die Therapie oder Erkrankung selbst bedingt sein – daher ist es völlig legitim (und wichtig für Deine Lebensqualität), etwaige Beeinträchtigungen mit Deinem Arzt oder anderen Betroffenen zu besprechen. So kannst Du herausfinden, welche Medikamente, Hilfsmittel oder Herangehensweisen in Deinem individuellen Fall dazu beitragen können, Zweisamkeit wieder zu ermöglichen und zu genießen.

quellen

¹ https://www.der-niedergelassene-arzt.de/medizin/kategorie/dermatologie-aesthetik/krebs-und-sexualitaet zuletzt abgerufen am 08.12.2020

² https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/sexualitaet-nach-einer-krebserk.html zuletzt abgerufen am 08.12.2020

³ Hans Jellouschek "Liebe auf Dauer. Die Kunst, ein Paar zu bleiben" Freiburg 2004

⁴ Eva Wunderer und Klaus E. Schneewind "Liebe ein Leben lang", München 2008

⁵ Guy Bodenmann, "Stress und Partnerschaft" Zürich 2007

⁶ Eva-Maria und Wolfram Zurhorst "Beziehungsglück", München 2010

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