Jeder wird sich an den Moment erinnern, an dem ihm der Arzt die Diagnose „Krebs“ übermittelt hat. Ich stand 2015 im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, es war der 27. Januar 2015. Dort fanden die Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung durch die Rote Armee statt und ich war als Teil einer deutsch-israelischen Delegation eingeladen, teilzunehmen. Um 15:30 Uhr setzte das kleine Orchester mit der Musik ein, um die Feier zu eröffnen – und mein Handy klingelte.

Diagnose Melanom: Die Welt wird eine andere

In diesem Moment war mir klar, was ich hören würde. Die Stimme der Ärztin: „Leider hat sich der Verdacht bestätigt, bei Ihnen wurde ein Melanom diagnostiziert. Bitte machen Sie einen Termin zum Nachschnitt“, bestätigte meine Vorahnung. In diesem Moment war ich nicht in der Lage, die Nachricht emotional zu verarbeiten. Ich stand auf dem Boden eines Schauplatzes, an dem über eine Million Menschen systematisch ermordet worden waren und sollte mich jetzt fürchten wegen eines kleinen Tumors auf meinem Rücken, der nicht mal einen Millimeter tief in meine Haut eingedrungen war? Ich ging zurück durch den tiefen Schnee zu meinen Leuten und lauschte den Beiträgen der eingeladenen Redner.

In diesem Moment war ich nicht in der Lage, die Nachricht emotional zu verarbeiten.

Nicht jedem Betroffenen wird die Diagnose an einem solch ungewöhnlichen Ort mitgeteilt. Die meisten von uns sitzen in der Arztpraxis oder im Krankenhaus, vielleicht auch Zuhause am Telefon. Die Jahreszeit, die Gerüche, die Temperatur – an all dies jedoch können wir uns erinnern und wir haben das Gefühl, dass die Welt in diesem Moment eine andere geworden ist.

Das Vertrauen in den eigenen Körper schwindet

Hautkrebspatienten erfahren ihren Körper „danach“ anders. Die Redewendungen „Ich fühle mich nicht mehr wohl in meiner Haut“ oder „Es ist zum aus der Haut fahren“ erlangen eine ganz neue Bedeutung. In der Anfangszeit wird jeder Zentimeter des eigenen Körpers vor dem Badezimmerspiegel geprüft. „Verdächtige“ Stellen werden fotografiert, verglichen und es wird gegrübelt, ob der kleine dunkle Fleck schon immer so zackig ausgesehen hat.

Das Vertrauen in den eigenen Körper schwindet, das Verhältnis zur Sonne wird schwierig. Patienten mit dem Stadium IV, also mit Fernmetastasen, erhalten in dem Fall eine der neuen Therapien, die seit einigen Jahren sehr erfolgreich verlaufen und für viele nicht mehr das Todesurteil, sondern Leben bedeuten.

Hautkrebs

Nach der Diagnose „Hautkrebs“ ist es wichtig, das Vertrauen in den eigenen Körper wiederzufinden.

© Liliya Rodnikova / Stocksy

Hautkrebs wird immer noch belächelt

Trotzdem wird Hautkrebs von vielen Mitmenschen immer noch belächelt. Wie oft hören wir „Ach, du hattest Hautkrebs? Na, Gott sei Dank, das ist ja kein richtiger Krebs. Der wird doch rausgeschnitten und gut.“ Richtig? Leider nein. Je früher ein Melanom erkannt und entfernt wird, umso größer ist die Chance, dass es nicht gestreut hat. Bei einer Dicke von 1 Millimeter (bei jungen Menschen 0,8 Millimeter) ist die Gefahr der Metastasierung jedoch schon sehr hoch, sodass dann weitere Untersuchungen gemacht werden. Mein Melanom war 0,7 mm dick, ich war 44 Jahre, als es von einer umsichtigen Dermatologin entdeckt wurde. Wer kann sich vorstellen, dass sein Schicksal an 0,3 mm hängt?

Mit der Diagnose Krebs ist man nicht allein

Seit ich die Diagnose erhalten habe, bin ich in der Online-Selbsthilfe aktiv. Ich moderiere gemeinsam in einem tollen Team eine Facebook-Gruppe mit über 1.200 Hautkrebspatienten und deren Angehörigen: Diagnose Hautkrebs – wir lassen dich nicht allein!

Wir sind der festen Überzeugung, dass mündige Patienten, die gut über ihre Krankheit Bescheid wissen, besser Entscheidungen treffen können und ihrem Arzt auf Augenhöhe begegnen. Der Austausch in der Gruppe macht Mut und zeigt, dass man nicht allein ist. Da sind andere, die die gleichen Ängste durchgestanden haben und es gibt auch einige, die dank der neuen Therapieoptionen schon lange stabil sind. In unserer Gruppe wird nicht bewertet, in welchem Stadium man ist. „Ein bisschen Krebs gibt’s nicht“, sagen wir.

  • Katharina Kaminski
  • Katharina Kaminski
„Mein Körpergefühl hat sich vier Jahre nach der Erstdiagnose wieder positiv verändert.“
© Katharina Kaminski

Mein Körpergefühl hat sich vier Jahre nach der Erstdiagnose wieder positiv verändert. Dank Sonnencreme, UV-Schutzkleidung und vorsichtigem Umgang mit der Sonne traue ich mich sogar wieder, eine lange Wanderung zu machen oder nach Andalusien in den Urlaub zu fahren.

Meine Botschaft: Schützt Euch und beobachtet Eure Haut! Nehmt die regelmäßigen, kostenlosen Hautkrebsscreenings wahr – mir hat ein solches das Leben gerettet. Schützt Eure Kinder! Passt auf Euch auf.

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