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Stammzelltransplantation bei einem DLBCL-Rückfall

Bei der Rückkehr (Rezidiv) des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL) kann eine Stammzelltransplantation (SZT) eine vielversprechende Therapieoption sein. Es wird zwischen einer autologen und einer allogenen SZT unterschieden. Wo liegen die Unterschiede und für wen eignet sich welche SZT?

SZT sind für Krebspatienten sehr belastend, da zur Vorbereitung eine hochdosierte Chemotherapie nötig ist. Ob für einen Patienten mit einem DLBCL-Rückfall eine SZT infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hierzu gehören das Alter, der körperliche Allgemeinzustand und die Dauer der krankheitsfreien Zeit, die auch als Remission bezeichnet wird.

Autologe Stammzelltransplantation bei DLBCL

Bei einer autologen (medizinisch: zu derselben Person gehörigen) SZT „spendet“ der Patient sich selbst Stammzellen. Diese werden nach der Salvage-Therapie, aber vor der Hochdosistherapie entnommen. Doch warum werden die Blutstammzellen zu genau diesem Zeitpunkt entnommen? Die Salvage-Therapie (für gewöhnlich eine Immunchemotherapie) vernichtet bösartige
B-Zellen. Die Chance, dass bei der Stammzellentnahme Krebszellen (die entarteten B-Zellen) mit entnommen werden, ist also sehr gering. Danach werden durch die Hochdosistherapie blutbildende Zellen im Knochenmark sowie eventuell noch existierende Krebszellen zerstört. Die Hochdosistherapie heißt deswegen so, da bei ihr wesentlich höhere Mengen an Zytostatika eingesetzt werden als normal. Das ist jedoch nur machbar, da der Patient danach wieder Blutstammzellen verabreicht bekommt. Andernfalls hätte eine Hochdosistherapie lebensbedrohliche Folgen.

Stammzellen sind die „Mutterzellen“ aller Körperzellen. Blutstammzellen sind dementsprechend die ursprünglichen Zellen aller Blutzellen. Aus ihnen entwickeln sich die Blutplättchen und die roten und weißen Blutkörperchen.

Sobald die vorher selbst gespendeten Blutstammzellen durch eine Infusion in eine Vene wieder verabreicht werden, wandern die Stammzellen zurück ins Knochenmark und beginnen dort nach etwa zehn Tagen neue rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen zu produzieren. Dadurch bildet sich auch ein neues Immunsystem. Bei einer erfolgreichen Stammzelltherapie, bei der alle erkrankten Zellen zerstört wurden und bei der die Blutbildung wieder normal funktioniert, gilt der Patient danach als geheilt.

Ablauf einer autologen Stammzelltransplantation: der Patient bekommt seine eigenen Stammzellen zurück
Bei der autologen SZT bekommt der Patient nach der Hochdosistherapie seine eigenen Stammzellen wieder zurück
© Das K Wort

Für wen kommt eine autologe Stammzelltransplantation infrage?

Unter folgenden Bedingungen fällt die Entscheidung oft auf eine klassische Rettungstherapie (Salvage-Therapie) mit anschließender Hochdosistherapie und autologer Stammzelltransplantation – mit dem Ziel der Heilung:

Der Patient ist

  • jünger als 70 Jahre,
  • hat keine einschränkenden Begleiterkrankungen (wie beispielsweise eine Herzschwäche oder eine eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion).
  • Zwischen dem Verschwinden und Wiederauftreten des DLBCL lagen mehr als zwölf Monate.

Risiken einer autologen Stammzelltransplantation

Bei einer autologen Stammzelltransplantation besteht das Risiko, dass während der Infusion wieder entartete B-Zellen zugeführt werden, die die vorherige Salvage-Therapie überlebt haben. Zudem besteht eine höhere Anfälligkeit für Infekte, da das Immunsystem zeitweise nicht funktioniert.

Allogene Stammzelltransplantation bei DLBCL

Bei der körperfremden, in der medizinischen Fachsprache als allogen bezeichneten SZT erhält der Patient Stammzellen von einem gesunden Familienmitglied oder einem gesunden Fremdspender. Hierbei ist es extrem wichtig, dass die Gewebemerkmale (sogenannte HLA-Merkmale) des Spenders mit denen des Patienten zu einem möglichst hohen Prozentsatz übereinstimmen, damit es nicht zu Abwehrreaktionen kommt. Nahe Verwandte sind daher öfter geeignete Spender.

Vor der SZT erhält der Spender wie bei der körpereigenen SZT eine Hochdosistherapie, die Krebszellen sowie das Immunsystem und die blutbildenden Zellen zerstört. Per Infusion werden die Blutstammzellen des Spenders verabreicht, die sich im Idealfall im Knochenmark ansiedeln und dort neue und gesunde Blutzellen produzieren.

Neben einem neuen blutbildenden System erhält der Patient so auch ein neues Immunsystem, da sich aus den Blutstammzellen auch Immunzellen entwickeln. Die Chance besteht, dass eventuell nach der Hochdosistherapie übrig gebliebene Krebszellen von der neuen Immunabwehr erkannt und vom neuen, funktionellen Immunsystem bekämpft werden. In seltenen Fällen kommt es so zu einer Heilung der Krankheit, meist wird die Erkrankung zumindest unter Kontrolle gehalten.

Ablauf einer allogenen Stammzelltransplantation: der Patient erhält fremde Stammzellen
Bei der allogenen SZT erhält der Patient Stammzellen von einem Familienmitglied oder einem Fremdspender
© Das K Wort

Für wen kommt eine allogene Stammzelltransplantation infrage?

Die Empfehlung von Ärzten zu einer allogenen Stammzellentransplantation beim Rückfall des DLBCL ist oft durch folgende Aspekte bedingt: Der Patient

  • ist jünger als 70 Jahre
  • war jedoch weniger als zwölf Monate krankheitsfrei
  • spricht nicht auf die Rettungs- oder Hochdosistherapie an
  • erleidet einen Rückfall nach einer autologen SZT.

Nur in seltenen Fällen wird direkt eine körperfremde statt einer körpereigenen SZT durchgeführt. Zu diesen Ausnahmen gehören Patienten mit sehr hohem Risiko, sehr kurzem Rückfallzeitraum oder Patienten, bei denen nicht genug eigene Stammzellen gewonnen werden können.

Risiken einer allogenen Stammzelltransplantation

Bei der allogenen SZT gibt es Risiken, die durchaus lebensbedrohlich sein können. Deswegen sind eine sorgfältige Abwägung und eine ausführliche Absprache mit dem Arzt dringend notwendig.

Zum einen ist, wie bei der autologen SZT, die Infektionsgefahr deutlich erhöht, weshalb in den ersten Wochen das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich gehalten werden sollte.

Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass es zu Unverträglichkeiten zwischen Spenderzellen und Empfänger kommt: Die Immunzellen des Spenders können sich gegen den Empfänger richten und eine sogenannte Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion auslösen. Daher folgt nach einer SZT oft eine sorgfältige Betreuung im Krankenhaus. Um diese unerwünschten Immunreaktionen zu verhindern, werden Medikamente eingesetzt, die die Aktivität des Immunsystems senken

Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Stammzelltransplantation

Um Abstoßungsreaktionen des neuen Immunsystems gegen den Körper zu vermeiden, bekommen die Patienten bestimmte Medikamente verabreicht, die das Immunsystem nach der SZT unterdrücken. Dadurch ist das Immunsystem für ungefähr ein Jahr außer Kraft gesetzt und der Patient sehr anfällig für Infektionen. Da auch das blutbildende System betroffen ist, kann zu Beginn ein Blutzellmangel auftreten. Während rote Blutkörperchen und Thrombozyten per Infusion verabreicht werden können, dauert es etwa zehn bis 20 Tage, bis sich die ersten weißen Blutkörperchen neu gebildet haben.

Die möglichen Spätfolgen einer SZT sind meist die Auswirkungen der vorangehenden Hochdosistherapie. Dazu gehören Unfruchtbarkeit, verfrühte Wechseljahre bei Frauen oder der Graue Star. Manchmal treten auch Zweittumoren auf. Viele der Spätfolgen sind jedoch behandelbar. Eine umfassende Nachsorge ist daher besonders wichtig.

Auch wenn die Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Stammzelltherapie abschreckend erscheinen können, ist diese Behandlungsmethode oft die einzige Chance auf eine wirkliche Heilung der Erkrankung. Die individuellen Risiken sollten im ausführlichen Gespräch mit dem behandelnden Arzt abgewogen werden.

Quellen

¹ https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/diffuses-grosszelliges-b-zell-lymphom/@@view/html/index.html, zuletzt aufgerufen am 15.12.2020

² http://www.lymphome.de/InfoLymphome/DLBCL/DLBCL_Therapie/index.jsp, zuletzt aufgerufen am 15.12.2020

³ https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/therapieformen/stammzelltransplantation.html, zuletzt aufgerufen am 15.12.2020

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