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Kinderwunsch mit Krebs

Krebstherapien können die Fruchtbarkeit schädigen. Mit moderner Medizin kann man Eizellen und Spermien einfrieren und konservieren. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. So hast du die Chance, trotz einer Krebserkrankung später eigene Kinder zu bekommen.

Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 9.000 Frauen und 6.000 Männer im Alter zwischen 18 und 39 Jahren an Krebs. Da ihre Heilungschancen bei über 80 Prozent liegen, leben viele Krebspatienten nach der Therapie ein normales Leben – mit Kindern und Familie.

Doch Chemotherapien und Bestrahlungen, die in vielen Fällen notwendig sind, um Krebserkrankungen zu behandeln, schädigen leider nicht nur Krebszellen, sondern je nach Medikament und notwendiger Dosierung auch Keimzellen, also Ei- und Samenzellen. Der Wunsch, Kinder zu bekommen, kann dann meistens auf natürlichem Weg nicht mehr realisiert werden. Die moderne Medizin bietet aber die Option, trotz der möglicherweise fruchtbarkeitsschädigenden Therapien eigene Kinder zu bekommen.

Kassen übernehmen künftig die Behandlung

2019 wurde die Kostenübernahme für diese Möglichkeit, Kinder zu bekommen, neu geregelt. Die Erhaltung der Fruchtbarkeit für junge Krebspatienten wurde per Gesetz zur Kassenleistung. Doch erst jetzt ist das Gesetz tatsächlich in Kraft getreten und voraussichtlich ab Sommer 2021 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen Maßnahmen zum Einfrieren und Lagern von Eizellen und Samenzellen.

Welche Leistungen übernommen werden, hat der Gemeinsame Bundesausschuss jetzt festgelegt:

  • Beratung durch einen Spezialisten für Fruchtbarkeitsmedizin
  • Für Frauen: Laboruntersuchungen, hormonelle Stimulationsbehandlung, Bestimmung der Hormonspiegel, Ultraschalluntersuchungen, Eizellentnahme
  • Für Männer: Gewinnung, Untersuchung und Aufbereitung der Samenzellen ab der Pubertät, Entnahme von Spermien aus dem Hodengewebe (wenn nötig)
  • Einfrieren und Lagerung der Ei- und Samenzellen

Das Gesetz sieht vor, dass krebskranke Frauen bis zum 39. Lebensjahr und Männer bis zum 50. Lebensjahr das Einfrieren und Lagern (Kryokonservierung) als Versicherungsleistung der gesetzlichen Krankenkassen in Anspruch nehmen können. Auch Patienten, die bereits Eizellen oder Sperma haben einfrieren lassen, bekommen die Lagerungskosten erstattet.

Informiere dich vor Therapiebeginn

Der Schutz der Fruchtbarkeit vor und während einer Krebstherapie heißt in der Fachsprache Fertilitätsprotektion. Sowohl über die Vorbeugung des Fertilitätsverlustes als auch über spätere Familienplanung solltest du dir vor Beginn der onkologischen Therapie Gedanken machen. Ausführliche Information dazu findest du auf der Webseite der Stiftung Junge Erwachsene mit Krebs.

Es gibt eine Reihe von fertilitätsschonenden Behandlungsoptionen, die du mit dem Arzt besprechen kannst, auch wenn du jetzt möglicherweise noch keinen konkreten Kinderwunsch hast. Auch das Netzwerk Fertiprotekt bietet ausführliche Beratung über den Schutz der Fruchtbarkeit bei einer geplanten onkologischen Behandlung.

Medizinische Verfahren zur Erhaltung der Fruchtbarkeit müssen vor dem Beginn der ersten Behandlung (Bestrahlung, Chemotherapie) durchgeführt werden.

Wichtig zu wissen: Nicht alle Therapieformen wirken sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Lokal durchgeführte Operationen beispielsweise bei Brustkrebs oder eine lokal begrenzte Bestrahlung schränken die Fruchtbarkeit in der Regel nicht ein. Systemische Therapien wie eine Chemotherapie wirken sich hingegen auf alle Zellen im Körper aus. Die Folgen einer Chemotherapie für den Kinderwunsch hängen jedoch maßgeblich von der Dosierung sowie ihrer Dauer ab. Bei Brustkrebspatientinnen ist auch das das Alter entscheidend für die Erholungsprognosen des weiblichen Zyklus. Mehr über die Vorsorgemaßnahmen für Brustkrebspatientinnen und die Möglichkeiten einer späteren Schwangerschaft erfährst du hier.

Auch bei Hoden- oder Prostatakrebs kann die Zeugungsfähigkeit erhalten werden.

Familie gründen nach Therapieabschluss

Aus medizinischer Sicht sollte ein Kinderwunsch erst nach abgeschlossener Therapie verwirklicht werden. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Die Leitlinien zur Behandlung von Brustkrebs beispielsweise empfehlen für den Verlauf der Therapie eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode.

Die empfohlene Zeitspanne zwischen einer abgeschlossenen Krebstherapie und der konkreten Familienplanung ist sehr individuell und unterscheidet sich von Patient zu Patient – am besten sprichst du mit deinem Arzt über deine Pläne.

Verlust von Eizellen und Spermien

Anders als bei Männern, die eine kontinuierliche Spermienproduktion über die gesamte Lebensspanne aufweisen, besitzen Frauen von Geburt an nur eine bestimmte Anzahl an Eizellen. Im Eierstockgewebe befindet sich ein Vorrat von mehreren 100.000 unreifen Eizellen, die sich nicht vermehren können, sondern aus denen sich monatlich zur Zyklusmitte ein befruchtungsfähiges Ei entwickelt. Hierbei wird langsam der Vorrat verbraucht. Äußere Einwirkungen wie Bestrahlung oder Chemotherapie können den Verlust von Eizellen beschleunigen.

In Vorbereitung auf die Kryokonservierung wird die Ovarreserve bestimmt. Sie ist die Grundvoraussetzung für die ovarielle Stimulation, also die Behandlung mit Hormonen mit dem Ziel eine adäquate Anzahl von Eizellen zu gewinnen. Für die Abschätzung und Auswahl des entsprechenden Behandlungs-Protokolls ist die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH) als Grundlage für die Beurteilung der ovariellen Reserve maßgeblich.

Im Unterschied dazu sind die Keimzellen des Mannes in der Lage, sich durch Zellteilung ständig zu erneuern. Solange gesunde Keimzellen vorhanden sind, können diese neue Spermien produzieren.

Trotzdem können auch hier durch Bestrahlungen oder Chemotherapien die Spermien bildenden Keimzellen des Mannes zerstört werden. In der Folge können diese Einflüsse zu einer eingeschränkten Fertilität oder auch Unfruchtbarkeit des Mannes führen.

Fruchtbarkeit kann konserviert werden

Werden Eizellen, Sperma oder Eierstockgewebe vor der Krebstherapie entnommen und eingefroren, so ist nach der erfolgreichen Behandlung eine künstliche Befruchtung möglich. Diesen Vorgang nennt man Kryokonservierung.

Kryokonservierung

„kryo “ griechisch für Kälte, und „conservare“ lateinisch für erhalten, bewahren.

Darunter versteht man das Einfrieren und Lagern von Eizellen oder Samenzellen bei tiefen Temperaturen in flüssigem Stickstoff.

Ablauf einer Kryokonservierung

Bei Frauen können Eizellen bis zum späteren Kinderwunsch eingefroren werden. Hierzu ist als erstes eine hormonelle Medikation in Form von täglichen Spritzen notwendig, um mehrere Eizellen zur Reifung zu bringen. Diese hormonelle Therapie kann zu jedem Zeitpunkt im weiblichen Zyklus gestartet werden und benötigt rund 14 Tage. Die Entnahme der Eizellen erfolgt durch einen kleinen Eingriff durch die Scheide in Narkose. Möglicherweise muss der Beginn der Krebstherapie um diesen Zeitraum verschoben werden.

Anschließend werden die Eizellen bei -196°C in Stickstoff eingefroren und erst dann wieder aufgetaut, wenn ein akuter Kinderwunsch besteht. Durch die Lagerung in Stickstoff bleiben die Zellen nahezu unbegrenzt haltbar. Untersuchungen haben gezeigt, dass Lagerungszeiten von bis zu 30 Jahren keinen Einfluss auf die Qualität der Eizellen haben und über 90 Prozent das Auftauen unbeschadet überstehen.

Die Eizellen werden aufgetaut, in der Folge mit den Samenzellen des Partners im Labor künstlich befruchtet und der entstandene Embryo wird in die Gebärmutterhöhle der Patientin eingesetzt.

Neben den Eizellen kann auch Eierstockgewebe entnommen, kryokonserviert und später transplantiert werden, um die Fruchtbarkeit wieder herzustellen.

Befruchtete Eizellen konservieren

Besteht eine feste Partnerschaft, ist auch die Durchführung einer Befruchtung im Reagenzglas mit den Spermien des Partners möglich. Die dadurch befruchteten Eizellen, Vorkern- oder Pronukleusstadien (PN-Stadien) genannt, können ebenfalls mit Hilfe der Kryokonservierung eingefroren und gelagert werden. Mehr Information dazu findest du hier.

Auch hier liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die PN-Stadien das Auftauen überstehen, bei 90 Prozent. Die PN-Stadien dürfen nur in dieser Partnerschaft verwendet werden. Nach Trennung der Partner oder wenn ein Partner verstirbt, ist eine Verwendung nach deutschem Recht ausgeschlossen. Die Übertragung einer eingefrorenen befruchteten und dann weiter kultivierten Eizelle in die Gebärmutter bezeichnet man als Kryotransfer.

Kryokonservierung von Spermien und Hodengewebe

Männliche Keimzellen (Spermien) können vor einer Chemo- oder Strahlentherapie ebenfalls eingefroren werden und im Fall einer Schädigung der Hoden verwendet werden, um ein eigenes Kind zu zeugen.

Für die Kryokonservierung von Spermien müssen in einer spezialisierten Praxis (beispielsweise Männerheilkunde oder Kinderwunschzentrum) mehrere Spermaproben abgegeben werden. Rund 50 Prozent der Spermien überleben die Kryokonservierung. Da in einem Ejakulat im Durchschnitt etwa 250 Millionen Spermien vorhanden sind, reichen die überlebenden Spermien üblicherweise aus, um später damit Eizellen zu befruchten.

Sollten im Ejakulat keine Spermien vorhanden sein, kann auch Hodengewebe entnommen und eingefroren werden. Möglicherweise muss aufgrund der Gewebeentnahme die onkologische Therapie um einige Tage verschoben werden.

Das Verfahren der Kryokonservierung ist erfolgreich und gut etabliert, es wurden bereits viele Kinder im Anschluss geboren. Jahresaktuelle Zahlen dazu findest du über die Homepage des Deutschen IVF-Registers.

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Die Möglichkeiten, deine Fruchtbarkeit zu erhalten, sind vielfältig. Welches Verfahren am besten zu dir und deinem Körper passt, besprichst du am besten ausführlich mit dem Arzt. Die Methoden haben gemeinsam, dass sie in einem engen Zeitfenster zwischen Diagnose der Krebserkrankung und der notwendigen Therapie angewendet werden müssen.
Wie rasch die Therapie erfolgen muss, ist je nach Krebserkrankung unterschiedlich und kann nur aufgrund der individuellen Beratung im Zusammenspiel mit deinen persönlichen Prioritäten festgelegt werden.

Quellen

¹ Krebsinformationsdienst I Kinderwunsch bei Krebs, zuletzt abgerufen am 29.01.2021.

² Kostenübernahme durch die Krankenkassen, zuletzt abgerufen am 22.02.2021

³ Krebsinformationsdienst I Kinderwunsch Behandlungsmöglichkeiten, zuletzt abgerufen am 29.01.2021.

⁴ https://www.kinderwunschzentrum-ludwigsburg.de/de/ihr-weg-zum-wunschkind/kryokonservierung-eizellen.html, zuletzt abgerufen am 22.02.2021

⁵ https://fertiprotekt.com/, zuletzt abgerufen am 24.02.2021

⁶ https://junge-erwachsene-mit-krebs.de/, zuletzt abgerufen am 24.02.2021

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