Das K Wort - Diagnose Krebs
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Freundschaft

Krebs bei Angehörigen – informieren, verstehen, unterstützen

Wenn ein uns lieber Mensch die Diagnose Krebs erhält, verändert sich mit einem Schlag alles im Leben. Wir fragen uns, wie wir helfen, was wir tun können und welche Lösungen es geben könnte. Hier findest du Unterstützung und viele weiterführende Informationen, die dir in dieser Situation Halt geben können: Tipps für Therapie und Arzttermine ebenso wie für euren gemeinsamen Alltag und euer Miteinander.

Ob nun Ehepartner, ein Elternteil oder gute Freunde betroffen sind: Die Diagnose Krebs ist auch für das nahe Umfeld ein Schock, der es sehr schwer macht, der Situation mit klarem Kopf zu begegnen. Auf der anderen Seite ist die Entwicklung in der Krebstherapie in den vergangenen Jahren ermutigend und hoffnungsvoll. Umso lohnender ist es, sich zu sammeln und zu informieren. Die folgenden Informationen unterstützen dich dabei, handlungsfähig zu bleiben und wieder etwas Boden unter den Füßen zu gewinnen.

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Erste Schritte: Miteinander sprechen und Ängste thematisieren

Angehörige von Krebsbetroffenen finden sich oft in einer widersprüchlichen Position: Sie wollen ihrem Partner oder Elternteil beistehen und eine seelische und praktische Stütze sein. Allerdings ist die Krebsdiagnose für viele Angehörige eine genauso große Belastung wie für die direkt Betroffenen selbst – bei Lebenspartnern können Ängste und Unsicherheiten mitunter sogar größer sein. 

Wie geht man nun mit seiner eigenen Gefühlswelt um? Wie in so vielen Lebenslagen sind Kommunikation und ein offener Umgang der beste Weg. Sicher ist es verständlich, wenn du der Meinung bist, dass dein Partner oder dein Elternteil im Moment genug eigene Nöte hat. Andererseits gehört für viele Betroffene die Sorge um ihre Angehörigen zu ihren größten Belastungen. Wenn du die Initiative ergreifst, und offen ansprichst, wie es dir selbst geht, hilfst du so nicht nur dir, sondern nimmst auch deinem Gegenüber eine Bürde ab. Ein offener Umgang kann auch Missverständnisse ausschließen: Schweigen sich Angehörige über ihre Ängste aus, belastet und erschöpft das auf Dauer nicht nur sie selbst. Diese Zurückhaltung wird oft bemerkt, aber als mangelndes Interesse oder Verschlossenheit missinterpretiert.

In einer offenen Kommunikation könnt ihr Ängste thematisieren und Missverständnissen vorbeugen.

Mit sich selbst klarkommen und Entlastung suchen

Offen miteinander zu reden setzt voraus, dass du dir deine Emotionen zunächst selbst eingestehst. Angst, Wut und ein Gefühl der Hilflosigkeit sind ebenso normal wie berechtigt – Grund für Scham sind sie nicht. All das ist keine Schwäche und darf zugelassen werden. Für die kommenden Herausforderungen wirst du viel Kraft brauchen. Deshalb ist es wichtig, bei aller Fokussierung auf das erkrankte Familienmitglied, die eigenen Bedürfnisse nicht völlig aus den Augen zu verlieren

Du solltest dich auch nicht scheuen, Freunde oder Familienmitglieder um praktische Hilfen im Alltag zu bitten. Oft sind nahestehende Personen froh, wenn sie wissen, wie sie euch konkret unter die Arme greifen können. Wichtig für dein Miteinander mit dem Betroffenen: Überlegt euch zusammen, wer in eurem Umfeld welche Aufgaben übernehmen könnte. Solche Entscheidungen sollten weiterhin gemeinsam getroffen werden. Einerseits kannst du so ein Zeichen setzen, dass du dich nicht um alles kümmern kannst, andererseits behält dein betroffener Angehöriger so das Gefühl, trotz Erkrankung weiter im Leben zu stehen.

Entscheidungen weiterhin gemeinsam zu treffen stärkt das Wir-Gefühl und hilft dem Krebsbetroffenen ein Stück Kontrolle zurückzugewinnen.

Nebenbei ergibt sich aus so einem Gespräch über Alltagsnotwendigkeiten und mögliche Hilfen auch die Chance, deine eigenen Belastungen und Nöte in den Vordergrund zu stellen, ohne sie direkt als Gesprächsaufhänger zu thematisieren. Gerade wenn es dir selbst schwerfällt, deine eigene Lage und Gefühle direkt anzusprechen, kann so ein praktisches Thema eine gute Brücke darstellen. 

Unterstützung von außen

Professionelle Unterstützung kannst auch du als Angehöriger jederzeit in Anspruch nehmen. Krebsberatungsstellen, Kliniken oder auch Religionsgemeinschaften können Anlaufstellen sein. Du kannst Lösungen für ganz verschiedene Probleme suchen, von eher praktischer Beratung oder psychotherapeutischer Unterstützung über eine Paar- und Lebensberatung bis hin zu sozialrechtlichen Fragen. Je nach Thema, eigener Vorliebe oder Möglichkeit sind Psychologen, Psychoonkologen, Seelsorger oder Sozialarbeiter die passenden Berater. Neben direkten Gesprächen gibt es auch die Möglichkeit einer kostenfreien telefonischen Beratung, z. B.:

  • Infonetz Krebs unter 0800 / 80 70 88 77
  • Krebsinformationsdienst (KID) unter 0800 / 420 30 40. 

Ein Austausch mit anderen Angehörigen krebskranker Menschen kann ebenfalls hilfreich sein – und neben seelischer Entlastung auch konkrete Tipps und Informationen liefern. Selbsthilfegruppen sind dafür eine gute Quelle, vielleicht findest du hier ein passendes Angebot in deiner Nähe: https://www.nakos.de/adressen/datenbanksuche/. Daneben kommen auch Online-Foren in Frage, ein Beispiel ist unsere Das K Wort Social Media Community auf Facebook oder Instagram.

Mit Kindern über Krebs sprechen

Kindern den Krebs eines Angehörigen zu erklären, ist eine besondere Herausforderung. Das ist schon der Fall, wenn Großeltern betroffen sind. Geht es um einen Elternteil des Kindes, braucht es viel Mut und Überwindung das Thema mit allen möglichen Konsequenzen anzusprechen. Die Broschüre „Mir sagt ja doch (K)einer was!?“ kann hier eine wertvolle Hilfestellung sein, weitere Infos finden sich auf der Website www.kinder-krebskranker-eltern.de des Flüsterpost e.V. Mainz. 

Ist ein Kind an Krebs erkrankt, gehört das sicherlich zu den schlimmsten Dingen, die Eltern widerfahren können. Aber auch in dieser schweren Situation gibt es genug Grund zur Hoffnung – ca. 80% aller an Krebs erkrankten Kinder können geheilt werden. In diesem Artikel haben wir zahlreiche Info- und Anlaufstellen für Eltern erkrankter Kinder zusammen getragen. 

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Informieren und Rollen festlegen

Die Diagnose Krebs ist nichts, worauf man sich vorbereiten kann. Dementsprechend ist Unsicherheit ganz normal – und auch, dass man sich eine ganze Menge Fragen stellt. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wie kann ich dabei unterstützen? Wie wird sich das Leben verändern? Wie stehen die Chancen auf eine Heilung?

Wissen hilft gegen Ängste

Je länger man sich Gedanken macht, desto existenzieller werden auch die Fragen. Das kann zu noch mehr Unsicherheit führen und regelrecht lähmen. In diesen Situationen hilft vor allem sich zu informieren. Wissen ist die Basis der eigenen Handlungsfähigkeit und kann dabei helfen, mit Ängsten besser umzugehen. Einen guten ersten Überblick bekommst du zum Beispiel in unserem E-Guide „Diagnose Krebs, und jetzt?“. Generell findest du auf Das K Wort breit gefächerte Infos zu verschiedenen Indikationen, von Diagnose bis zur Nachsorge, inklusive den verschiedenen Formen der Krebstherapie. Außerdem viele Tipps und Erfahrungsberichte von und für die Angehörigen von Krebsbetroffenen.

Die Gratwanderung zwischen Hilfe und Freiraum

Es gibt keine festen „Rollen“, weder für Freunde und Familie noch für die Betroffenen. Mancher wälzt selbst Ratgeber und saugt jede Information zur Indikation und Therapie auf, die er bekommen kann. Andere vertrauen da lieber den Ärzten und wieder andere versuchen die Diagnose gedanklich von sich wegzuschieben. Letzteres kann auch negative Folgen haben.

Deshalb ist es wichtig, möglichst offen und klar miteinander darüber zu reden, wie die Unterstützung am besten aussehen kann, welche Aufgaben auf euch zukommen – und von Anfang an auch Grenzen zu besprechen. Es ist vollkommen legitim, wenn ein Betroffener bspw. für Arzt- oder Therapietermine nicht an die Hand genommen werden möchte und nicht jeder Rat und jedes Hilfsangebot auf Gegenliebe stößt. Auch wenn es gut gemeint war, möchte dein Angehöriger vielleicht einfach lieber selbst das Gefühl von Kontrolle behalten.

Versuche es nicht krumm zu nehmen, wenn du gebeten wirst, ein bisschen Freiraum zu lassen – auch, wenn dabei mal ein paar harsche Worte fallen. Man sollte jetzt nicht jede Formulierung auf die Goldwaage legen, schon um die eigenen Nerven zu schonen. Die Diagnose Krebs ist ein absoluter Ausnahmezustand – für alle Beteiligten.

Wenn Hilfe nicht erwünscht ist

Problematisch kann es werden, wenn der betroffene Angehörige keinen Rat von außen an sich heranlässt, gleichzeitig aber das Risiko der Erkrankung oder die Notwendigkeit der Therapiemaßnahme unterschätzt oder ignoriert. Auch hier ist es manchmal schon hilfreich, die eigenen Ängste und Sorgen klar anzusprechen. Bei manchen Betroffenen führt der Schock der Diagnose zu einer Art Abschottung. Sie brauchen dann einen kleinen Ruck, um zu realisieren, dass sich Freunde, Familie und Partner große Sorgen machen – und sie sich der Situation stellen sollten.

Falls du das Gefühl hast, dass Hilfe notwendig wäre, aber nicht angenommen wird, und auch ein offenes Gespräch nicht möglich ist, bleibt oft nur die Möglichkeit, sich externe Unterstützung zu holen. Viele Beratungsstellen bieten an, Ansprechpartner zu vermitteln, die selbst betroffen waren und so vielleicht durch ihre eigenen Erfahrungen einen besseren Zugang zum Betroffenen finden. Auch über das Krebszentrum oder den behandelnden Arzt ist es manchmal möglich, Hilfe in dieser Situation zu erhalten.

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Unterstützung beim Arztbesuch und Therapie

Für viele Angehörige von Krebsbetroffenen ist auch das Begleiten bei Arztbesuchen oder bei der Therapie Teil ihrer Unterstützung. Das kommt natürlich immer auf die individuelle Absprache an, kann aber grundsätzlich von der „moralischen Unterstützung“ im Wartezimmer bis hin zur gemeinsamen Absprache der nächsten Therapieschritte reichen. Viele Infos rund um die Behandlung von Krebs findest du in unserem E-Guide „Wie wird Krebs behandelt?“. 

Selbst wenn du in den Therapie-Alltag gar nicht eingebunden bist, kann Wissen über die Therapie dabei helfen, in schwierigen Situationen beizustehen. Nicht alle Krebsbetroffenen möchten zum Arzt begleitet werden. Aber viele wünschen sich zum Beispiel ein offenes Ohr und jemanden, mit dem sie Ängsten gemeinsam begegnen können. Nicht zuletzt kann ein gewisses Maß an Information auch dir selbst helfen, bspw. damit umzugehen, dass ein lebensfroher Freund immer lethargischer und erschöpfter wirkt. Die Auswirkungen einer Krebserkrankung sind auch nicht unbedingt immer körperlich sichtbar, wie etwa Haarausfall. Auch Depressionen kommen häufig vor. 

Eine Krebstherapie beschränkt sich überdies nicht nur auf die Maßnahmen im Krebszentrum. Dazu gehören bspw. oft auch Bewegungsmaßnahmen und ein individueller Ernährungsplan. Konkrete Unterstützung kann es dementsprechend sein, mal das Kochen abzunehmen oder, noch besser, gemeinsam zu kochen. Auch bei einem Spaziergang zu begleiten oder die ersten Gymnastik-Übungen gemeinsam anzugehen, kann sehr wertvoll sein. Jede noch so kleine Motivations-Spritze kann helfen, der Erkrankung zu begegnen und die Therapie durchzuziehen.

Frau zeigt Patientin Geste der Unterstützung durch Handauflegen.
Sprecht offen mit eurem betroffenen Angehörigen darüber, welche Unterstützung er oder sie sich bei der Therapie wünscht.
© DedMityay / Adobe

Unterstützung beim Arzttermin

Das Gespräch mit dem Arzt ist oft mit Aufregung und Unsicherheit verbunden – für Betroffene und Angehörige. Vor lauter Aufregung vergisst man schnell mal den ein oder anderen Punkt, den man ansprechen wollte. Deshalb ist es auf jeden Fall sinnvoll, den Freund, Partner oder Angehörigen zu begleiten – vier Ohren hören einfach mehr als zwei. Der aktuellen Situation entsprechend gibt es auch Möglichkeiten, wie du als Angehöriger virtuell an den Arztterminen teilnehmen kannst. Hier findest du außerdem Wohlfühltipps trotz Social Distancing, und hier einen Überblick über die Bedeutung von Corona für Krebsbetroffene.

Eine gute Stütze ist, sich schon vor dem Arzttermin gemeinsam Gedanken zu machen: 

  • Schreibt zunächst alle Fragen auf, die euch einfallen und am Herzen liegen. Anschließend könnt ihr sie ggf. noch in eine sinnvolle Reihenfolge bringen oder nochmal aussortieren.
  • Stellt dabei möglichst offene Fragen, also keine, die sich nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten lassen. Zum Beispiel: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Oder: Zu welchen Maßnahmen raten Sie mir?
  • Außerdem gilt: Im Arztzimmer muss keine Entscheidung getroffen werden. Es gibt immer die Möglichkeit, sich nochmal in Ruhe Gedanken zu machen und eine zweite Meinung einzuholen.

Diese und weitere Tipps fürs Arztgespräch findest du in dieser Checkliste zum Herunterladen oder Ausdrucken.

Wenn ein Elternteil betroffen ist

Wenn ältere Menschen die Diagnose Krebs erhalten, sind es oft die Kinder, die den Überblick über Therapie-Maßnahmen behalten. Sie sprechen mit Ärzten, vereinbaren Termine und behalten den Therapie-Plan im Auge. Hierbei ist es wichtig, sich auszutauschen und die nächsten Schritte gemeinsam zu planen, sonst könnte sich dein Angehöriger im ungünstigsten Fall entmündigt fühlen.

Bei einer frischen Krebsdiagnose ist es empfehlenswert: 

Weitere Informationen dazu findest Du in unserem E-Guide Diagnose Krebs, und jetzt?

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Unterstützung im Alltag

Im Laufe einer Krebstherapie können kleine Alltagshilfen Gold wert sein. Denn oft ist es notwendig, den Alltag komplett neu zu organisieren – einfach, weil für Wocheneinkauf oder Hausputz Zeit und Kräfte fehlen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass über Nacht alle Aufgaben von Freunden oder Familie übernommen werden müssen. Je nachdem, wie stark sich Erkrankung und Therapie auswirken, kann es auch gut sein, dass sich Betroffene um die meisten Aufgaben selbst kümmern können und wollen. Das kann auch durchaus einen positiven Effekt haben, denn es sorgt für Ablenkung und ein Gefühl von Normalität. Hier ist ein hohes Maß Fingerspitzengefühl gefragt: Es kann gut sein, dass man jemanden, der es Zeit seines Lebens gewohnt war, alle Dinge selbst zu erledigen, nun bremsen und davon überzeugen muss, sich jetzt nicht um alles selbst zu kümmern. Auf der anderen Seite kann es auch nützlich sein, Menschen auf Trab zu halten, die sonst Gefahr laufen zu lethargisch und gleichgültig zu werden. 

Wenn es der gesundheitliche Zustand oder die Therapie nicht mehr zulassen, ist es wiederum wichtig, dass die grundlegenden Alltagsaufgaben nicht liegen bleiben. Das sind ganz banale Dinge, zum Beispiel:

  • Staubsaugen und putzen – oder dabei helfen, eine Haushaltshilfe zu organisieren
  • Wäsche waschen
  • Den Wocheneinkauf abnehmen
  • Essen kochen, oder auch einfach eine Portion vorbeibringen
  • Rasen mähen oder andere kleine Arbeiten, um den Garten in Schuss zu halten
  • Kleinere Reparaturen im und am Haus durchführen oder organisieren, zum Beispiel eine Glühbirne wechseln oder die Heizung entlüften
  • Besorgungen übernehmen, wie der Gang zur Post oder Rezepte und Medikamente abholen

Diese Aufgaben lassen sich gut auf viele Schultern verteilen. Hier können zum Beispiel auch Nachbarn, Freunde und Verwandte eingebunden werden, die vielleicht nicht so nah dran sind, um Therapiepläne zu besprechen, aber trotzdem gerne unterstützen möchten.

Daneben gibt es auch speziellere Aufgaben, die etwa bei einer stationären Behandlung wichtig werden können:

  • Den Hund ausführen und Haustiere füttern
  • Pflanzen gießen
  • Kinder betreuen – vielleicht auch mal für ein paar Tage oder einen Urlaub
  • Die Post sichten und sich bspw. darum kümmern, dass die Stromrechnung beglichen ist
  • In der Klinik mit einem Buch, ein paar frischen Pullovern oder dem Lieblings-Snack versorgen
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Gutes tun und Freude schenken

Gerade wenn ein uns lieber Mensch von Krebs betroffen ist, kann die Freude des anderen auch einem selbst ein kleines Stück Leichtigkeit zurückgeben.

Dabei müssen es nicht unbedingt materielle Dinge sein. Viel wichtiger ist es, aufmerksam zu sein und zuzuhören, was derjenige in dieser schwierigen Situation gerade wirklich braucht. Das kann ein Moment der Ruhe sein, z.B. indem man dem Krebsbetroffenen die Hausarbeit abnimmt. Oder eine kuschelige Decke, die beim Ausruhen oder während möglicher Infusionen warmhält und ein Gefühl von Geborgenheit erzeugt. Vielleicht ist es auch einfach nur ein kleiner Sparziergang oder unbeschwerte Zeit zu zweit, in der alle Sorgen für einen Augenblick ausgeblendet werden.

Frau hält in der rechten Hand eine Uhr und in der linken ein Stoffherz.
Sich Zeit zu nehmen für unbeschwerte, glückliche Momente mit den Liebsten tun in schweren Situationen richtig gut.
© Quality Stock Arts / Adobe

Auf persönliche Wünsche und Bedürfnisse eingehen

Was hier einfach klingt, fällt dem, der Gutes tun und Freude schenken will, oft gar nicht so leicht. Denn auch wenn etwas vielleicht gut gemeint ist, muss das für den Betroffenen nicht unbedingt das Passende sein. Ein Ratgeberbuch zum Thema Krebs mag vielleicht auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, doch könnte beim Beschenkten negative Gefühle verstärken. Genauso gilt für gemeinsame Aktivitäten: Was ist überhaupt möglich und passt zum gegenwärtigen Gesundheitszustand? 

Um alle Zweifel auszuräumen, ist Nachfragen das Sinnvollste. Das zeigt, dass man sich wirklich Gedanken macht und auf die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse eingehen möchte.

Zuhören und aufmerksam sein, was der andere gerade braucht oder sich wünscht. So kannst du deinem lieben Menschen und auch dir selbst etwas Gutes tun.

Von Herzen Freude schenken

Vielleicht sollte der Krebs hier und da auch mal ganz außen vorgelassen werden und nur an die Person gedacht werden, die du kennst und lieb hast. Was habt ihr am liebsten zusammen gemacht, bevor sich so vieles verändert hat? Was ist vielleicht ein verborgener Herzenswunsch, den er oder sie schon immer hatte und wobei du unterstützen kannst? 

Egal, wie du in dieser schwierigen Situation Freude schenken und etwas Gutes tun willst, wichtig ist vor allem auch, dass es von Herzen kommt und ernst gemeint ist.

Wenn du dennoch unsicher bist, höre tief in dich hinein und stell dir selbst die Frage, welche Dinge dir unter solchen schwierigen Umständen weiterhelfen und eine wahre Freude bereiten würden. 

Inspiration für kleine Geschenke:

  • Buch des Lieblingsautors 
  • Lieblingsserie 
  • Kuscheldecke 
  • Kuschelsocken
  • Hörbücher 
  • Gutschein für eine Reise 
  • Zeitschriften Abo 
  • Warme Mütze 
  • Weiches Tuch

Eine tolle Idee von der selbst von Brustkrebs betroffenen Bloggerin Nicole Kultau: Mutmachkarten! Dahinter verbirgt sich ein Kalender, der jeden Tag mit einer motivierenden Kleinigkeit würzt: Das kann ein Entspannungstipp, eine Buchempfehlung, ein konkreter Tipp, der die Krebstherapie erleichtert oder auch mal eine Auswahl von Schimpfnamen für Krebs sein. 

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Die richtigen Worte – was man bei Krebs besser nicht sagt

Neben all den Dingen, mit denen man unterstützen und dem Betroffenen eine Freude machen kann, gibt es natürlich auch so einiges, dass man besser vermeiden sollte. Besonders gut gemeinte Ratschläge oder vermeintliche Komplimente sind oft fehl am Platz und können sogar das genaue Gegenteil bewirken.

Unwissenheit, Überforderung und unnötiger Druck, alles richtig machen zu wollen, können leicht zu überzogenen und unpassenden Kommentaren oder Tipps führen. Über eine Krebserkrankung zu sprechen, fällt verständlicherweise niemandem leicht. Ebenso verständlich, dass Betroffene sensibel reagieren, wenn sie Aussagen als hohle Phrasen wahrnehmen. 

Mann mit Bart, der sich fremdschämt.
Leere Sprüche oder hohle Phrasen sollten gegenüber Krebsbetroffenen besser vermieden werden.
© cristalov / Adobe

Mitleid und leere Phrasen sind ein absolutes No-Go

Hand aufs Herz, ein "Das wird schon wieder!" lag uns sicher allen schon mal auf den Lippen und ist bei kleinen Unpässlichkeiten auch vollkommen ok. Doch bei Krebs hat das einen sehr bitteren Beigeschmack, denn es verharmlost die Krankheit und die ganzen Strapazen, die ein Betroffener während einer Therapie auf sich nehmen muss. Auch „falsche“ Komplimente und weit verbreitete Motivationssprüche können richtig daneben gehen.

Falsche Komplimente

  • Das superkurze Haar steht dir gar nicht sooo schlecht.    
  • Wie toll du abgenommen hast!    
  • Du siehst ja toll aus!
  • Man sieht es dir gar nicht an!
  • Ich würde mich das ja nicht trauen mit der Glatze.
  • Du siehst ja gar nicht krank aus.

Vermeintliche Mutmacher

  • Du schaffst das schon!
  • Du musst IMMER positiv denken!    .    
  • Du hast es gut, du brauchst nicht mehr arbeiten zu gehen.
  • Du kannst froh sein, dass du nur Krebs ohne Chemo hast.
  • Wir müssen schließlich alle irgendwann sterben.
  • Mit deinem Krebs hast du ja noch Glück gehabt, es hätte auch XYZ sein können.
  • Also, WENN den Krebs jemand besiegen kann, dann DU!
  • Man darf sich nicht aufgeben, denn das Leben ist kein Zuckerschlecken.
  • Das kriegen die Ärzte schon wieder hin.

Schicksale anderer

  • Irgendwo ist jemand viel schlimmer dran als du.
  • Ach ja, das hatte mein Nachbar auch. Der ist ganz schnell daran gestorben.    
  • Ich könnte auf dem Heimweg auch von einem LKW überfahren werden.
  • Ach, Krebs, das haben ja heutzutage so viele. 

Fragwürdige Hilfsangebote

  • Ich kenne da einen Heiler.
  • Du musst unbedingt mal ... probieren.
  • Hast du schon XY probiert, bei YZ hat es geholfen.    
  • Hast du schon von der neuen Methode aus XY gehört? 
  • Ich habe letztens eine Studie zu Krebs gelesen, die kann dir bestimmt auch helfen.

Ebenso ist es häufig problematisch Mitleid und Bedauern in Worte fassen zu wollen. Einen Königsweg gibt es auch hier nicht, aber eine herzliche Umarmung oder liebe, ernstgemeine Worte sind Gesten, die wirklich helfen können. Natürlich ist das eine Frage des Timings und lässt sich kaum planen. Aber wer damit beginnt, überhaupt zu überlegen, was die richtigen Worte sein könnten, ist schon auf einem guten Weg. 

Einfühlungsvermögen zeigen und andere sensibilisieren

Die richtigen Worte bei einer Krebserkrankung zu finden, ist nicht leicht und bedarf jeder Menge Einfühlungsvermögen. Falls man trotz reiflicher Überlegungen und bester Absichten danebengreift, ist es wichtig sich die Kritik – oder auch stumme Reaktion – des Betroffenen zu Herzen zu nehmen und darauf einzugehen.

Was du als nahestehender Angehöriger auf jeden Fall für deinen lieben Mensch in dieser schwierigen Situation tun kannst, ist andere dafür zu sensibilisieren, was – auch hinsichtlich der einzigartigen Persönlichkeit des Krebsbetroffenen – angebracht ist und wodurch der Betroffene womöglich verletzt werden könnte.

Auf ihrem Blog gibt die Buchautorin und ehemalige Krebspatientin Jessica Wagener weitere Tipps wie man die richtigen Worte bei Krebs findet.

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Rechtzeitig absichern: Versicherungen, Krankenkasse & Co

Es gibt wohl keinen Zeitpunkt, an dem man sich gern um Versicherungen und ähnliche Dinge kümmert. Und wer gegen die Krebserkrankung eines lieben Menschen ankämpft, hat erst recht ganz andere Dinge im Kopf. Gerade dann können solche Themen allerdings plötzlich sehr wichtig werden. Die möglichen Hilfen und Absicherungen sind vielfältig und hängen erheblich von der persönlichen Konstellation ab. Zum Beispiel: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit dem alleinstehenden Elternteil von der Pflegeversicherung geholfen werden kann, das gewohnte Leben bestmöglich weiter zu führen? Bei mitten im Erwerbsleben stehenden Paaren können ganz andere Themen relevant werden: Etwa ob du ein Anrecht auf Sonderurlaub hast, um deinen Partner zum Arzt oder zur Therapie zu begleiten. Noch dringlicher können Absicherungs-Aspekte sein, gerade wenn die Krebserkrankung den Haupt- oder sogar Alleinverdiener aus dem Berufsleben reißt. 

Hier auf Das K Wort kannst du im Bereich Beruf und Rechtliches einen guten Überblick und sehr viele Tipps und Informationen zu solchen Themen bekommen. Zum Beispiel: 

In der Regel findest du in den jeweiligen Artikeln weitere Links oder Telefonnummern zu weiterführenden Infos oder Beratungsstellen. 

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Denk auch mal an dich

Wenn ein uns lieber Mensch die Diagnose Krebs erhält, wollen wir natürlich alles tun, um ihm in dieser schwierigen Situation beizustehen. Dabei stellen wir oft sehr hohe Ansprüche an uns selbst: Wir wollen für den Betroffen jeden Augenblick da sein und ihm möglichst alle unangenehmen Dinge des Alltags abnehmen. 

Das kann mit der Zeit ganz schön viel werden und uns allmählich über den Kopf wachsen. Wichtig ist, dass wir uns bei all dem nicht selbst völlig aus den Augen verlieren und auch mal an uns denken. Das mag für manche auf den ersten Blick egoistisch klingen, denn viele beschäftigt vielleicht der Gedanke: „Wie kann ich mir jetzt was gönnen, wenn mein lieber Mensch gerade so viel Schreckliches durchmachen muss?“

Sich selbst etwas Gutes tun und helfen lassen

Doch genau das solltest du tun! Denn wenn du dich selbst überforderst und immer mehr von dir verlangst, hat das negative Auswirkungen auf deinen Körper und deine Psyche: Sind wir langen, stressigen Belastungen ohne angemessene Auszeiten ausgesetzt, können Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Kopfschmerzen und Nervosität erste Anzeichen dafür sein, dass es allmählich zu viel wird. Diese Warnsignale ernst zu nehmen und die eigenen Grenzen zu respektieren, ist jetzt besonders wichtig. Nur wenn es uns selbst gut geht und wir ausgeglichen sind, können wir eine echte Stütze sein und unserem lieben Menschen wirklich helfen.

Auch wenn es am Anfang vielleicht schwerfällt, den Fokus wieder etwas mehr auf sich selbst zu lenken: Versuche dir ausreichend Zeit und Raum für deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu schaffen. Suche dir einen geeigneten Ausgleich, indem du zum Beispiel wieder deinen gewohnten Hobbys nachgehst. Sprich offen darüber, wenn es dir zu viel wird und scheue dich nicht, Hilfe von anderen anzunehmen.

Als kleine Anregung findest du in der Liste darunter Tipps, wie du dir selbst Gutes tun kannst und am Ende des Artikels eine Linkliste mit Hilfsangeboten speziell für Angehörige von Krebsbetroffenen.

Sich selbst etwas Gutes tun

  • Eigene Bedürfnisse ansprechen 
  • Täglich kleine Auszeiten
  • Freiräume für Hobbys 
  • offen für Neues bleiben
  • Entspannungsmethoden wie Yoga, Progressive Muskelentspannung, Meditation
  • Freunde treffen
  • Reisen  
  • Saunabesuche 
  • Massagen 
  • Friseurbesuch 
  • Shoppingnachmittag
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Nach der Therapie

Endlich ist der lang ersehnte Tag gekommen: Die Therapie war erfolgreich und der Krebs ist verschwunden! Viele haben die Hoffnung, dass mit dem Ende der Therapie der ganze Schrecken vorbei ist. Doch oft ist das leider nicht so einfach. Auch nach abgeschlossener, erfolgreicher Behandlung kann noch einiges auf den Betroffenen und dich als Angehörigen zukommen. Doch bevor du dir zu viele Sorgen und Gedanken machst, solltest du jetzt erst einmal durchatmen und stolz auf das sein, was ihr in der letzten Zeit zusammen gemeistert habt. Und natürlich ist die zurückgewonnene Gesundheit auch immer ein Grund zum Feiern! 

Nachsorgen und den Krebs hinter sich lassen

Bei jedem Krebsbetroffenen besteht das Risiko, dass der Krebs zurückkommt. Deshalb wird den Betroffenen empfohlen nach der eigentlichen Behandlung an regelmäßigen, medizinischen Nachsorgeuntersuchungen teilzunehmen. In der Regel erstreckt sich die Nachsorge über einen Zeitraum von fünf Jahren. In dieser Zeit sollen die Betroffenen sowohl medizinisch als auch psychosozial begleitet und unterstützt werden. Das Ziel ist es, mögliche gesundheitliche Veränderungen, aber auch körperlichen Spätfolgen von bestimmten Therapien, wie z.B. Fatigue, zu beobachten und direkt zu behandeln. 

Trotz erfolgreicher Behandlung ist eine Krebserkrankung für den Betroffenen und seine Angehörigen oft nicht einfach zu verarbeiten. Der Krebs stellt eine extreme körperliche und psychische Stresssituation da. Oft funktioniert man in dieser schwierigen Zeit einfach nur noch, so dass sich vieles anstaut und erst an die Oberfläche kommt, wenn alles vorbei ist. Psychoonkologische Unterstützung kann dir und deinem lieben Menschen helfen, das Erlebte zu verarbeiten und den Krebs hinter euch zu lassen – auch für Angehörige gibt es spezielle Angebote für die Zeit nach der Therapie.

Das Leben neugestalten

Mit der Diagnose Krebs verändert sich alles und wahrscheinlich wird auch nach der Therapie nichts mehr so sein wie es einmal war. Der Alltag, die Sicht auf das Leben und auch der Betroffene selbst können sich stark verändern. Für viele Krebsbetroffene ist die Erkrankung eine so einschneidende und tiefgreifende Erfahrung, dass Vieles im Leben hinterfragt wird und der Fokus sich grundlegend verändern kann. Vielleicht wandelt sich auch deine grundlegende Wahrnehmung des Lebens und der Dinge, die bisher selbstverständlich waren. 

Wichtig ist, dass ihr miteinander offen über die Auswirkungen der Krebserkrankung auf die Gestaltung eures gemeinsamen, zukünftigen Lebens sprecht. Natürlich kann es vorkommen, dass der Betroffene einen völlig neuen Weg einschlagen möchte, der z.B. in einer Partnerschaft vieles in Frage stellen kann. Vielleicht braucht es jetzt einfach Zeit sich wieder neu kennenzulernen.

Was ihr während der Therapie auf jeden Fall schon zusammen machen könnt, sind konkrete Pläne für die Zeit danach. Etwas zu haben, worauf man sich freuen kann, gibt Kraft und Mut in dieser schwierigen Zeit und lässt nach vorne in eine gemeinsame, glückliche Zukunft blicken.

Viele weitere Tipps, Informationen und Erfahrungsberichte zu Themen rund um die Zeit nach der Therapie findest du unter Reha & Nachsorge.

Zusammenfassung

  1. Angehörige von Krebsbetroffenen erleben ihre Situation oft als Gratwanderung: Sie möchten den Betroffenen so gut es nur geht unterstützen, gleichzeitig müssen sie mit ihren eigenen Sorgen und Belastungen umgehen. Sich die eigene Lage bewusst zu machen, Ängste einzugestehen sowie eine möglichst offene Kommunikation mit dem betroffenen Angehörigen – auch darüber wie viel Unterstützung überhaupt gewollt ist – helfen mit dieser schwierigen Situation besser umzugehen. 

  2. Heutzutage sind die Möglichkeiten der Krebstherapie vielfältig und ermutigend. Umso wichtiger ist es, sich zu informieren, um auch bei einem Arztgespräch oder bei der Wahl der Therapie unterstützen zu können. Aber auch der Austausch mit dem Betroffenen darüber, wie man im Alltag unterstützen oder ihm etwas Gutes tun kann, sind wichtig, um während dieser schwierigen Zeit gemeinsam an einem Strang zu ziehen. 

  3. Als Angehöriger ist es wesentlich sich selbst und die eigenen Bedürfnisse nicht völlig aus den Augen zu verlieren – auch wenn das angesichts der schwierigen Lage des Betroffenen schwerfällt. Praktisch kann das bedeuten, gezielt professionelle Hilfe von außen zu suchen, sich von Freunden oder Verwandten im Alltag entlasten zu lassen und freie Zeit für sich selbst einzuräumen. 

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