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Nierenkrebs: Alles, was du wissen solltest

Verschiedene Risikofaktoren können zur Entstehung von Nierenkrebs beitragen. Besteht der Verdacht, an dieser eher seltenen Krebsart erkrankt sein zu können, stellen sich viele Fragen: Wie wird Nierenkrebs festgestellt? Wie kann die Behandlung aussehen und wie ist die Prognose?

Über 90 % aller bösartigen Nierentumoren sind Nierenzellkarzinome. Wenn von „Nierenkrebs“ die Rede ist, handelt es sich also fast immer um ein Nierenzellkarzinom im Nierengewebe.

Daneben gibt es noch sehr seltene Krebsarten der Niere, die sich zum Beispiel aus den Zellen der Harnkanälchen im Nierenbecken oder in der Nierenrinde bilden (Urothelkarzinome).

Wie bei anderen Krebsarten gilt auch beim Nierenkrebs: Für eine erfolgreiche Therapie und gute Prognose ist es sehr wichtig, dass die Erkrankung so früh wie möglich festgestellt wird.

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Wie häufig ist Nierenkrebs?

Insgesamt erhalten jedes Jahr etwa 14.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Nierenzellkarzinom, Männer 1,5-mal häufiger als Frauen.3 In den letzten Jahren hat die Anzahl der Fälle zugenommen.4 Wenn, dann erkranken Frauen durchschnittlich mit 71 Jahren an Nierenkrebs, Männer im Alter von 68 Jahren.4

Für Nierenkarzinome bestehen gute Chancen auf eine vollständige Heilung, sofern diese im Frühstadium erkannt werden.3 Die Heilungsaussichten sind insbesondere dann gut, wenn der Tumor sich innerhalb der Nierenkapsel befindet und sich keine Metastasen (Tochtergeschwülste) gebildet haben.3 Das Tückische darin ist: Die meisten Betroffenen bemerken in diesem Stadium noch keine Symptome.

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Ursachen und Risikofaktoren von Nierenkrebs

Die Entstehung eines Nierenzellkarzinoms wird durch einige Verhaltensweisen begünstigt, die sich anpassen lassen. Bekannt ist, dass

  • Rauchen,
  • Übergewicht und
  • erhöhter Blutdruck

das Risiko steigern, an einem Nierenzellkarzinom zu erkranken.

Während sich für viele Krebserkrankungen keine eindeutigen Zusammenhänge feststellen lassen, gilt für Nierenkrebs eine ursächliche Verknüpfung mit dem Rauchen als sicher. Für Menschen, die aktuell rauchen oder früher geraucht haben, lässt sich in medizinischen Studien ein stark erhöhtes Risiko ermitteln. Dieses ist um rund 54 % (Männer) beziehungsweise 22 % (Frauen) höher als bei Menschen, die nie geraucht haben. Eindeutig nachweisbar ist das erhöhte Risiko für sehr starke Raucher.

Eine Waage wird zur Messung eingestellt
Einige Risikofaktoren für Nierenkrebs – wie etwa Übergewicht – sind beeinflussbar.
© SEAN LOCKE / Stocksy

Durch einen geregelten Blutdruck lässt sich das Risiko für die Entstehung eines Nierenzellkarzinoms senken.4

Schmerzmittel belasten die Nieren

Auch bei häufiger Einnahme von Schmerzmitteln gilt Vorsicht, denn die regelmäßige Einnahme bestimmter Schmerzmittel scheint die Entstehung eines Nierenkarzinoms ebenfalls zu fördern.5

Schadstoffe aus der Umwelt

Bestimmte Schadstoffe (z. B. Kadmium aus Batterien) stehen in Verdacht, ebenfalls die Entstehung von Nierenkrebs zu begünstigen. Für Trichloräthylen, einer Chemikalie, die früher in der metallverarbeitenden Industrie für das Entfetten von Blechen verwendet wurde, wurde eine Nierenkrebs-auslösende Wirkung nachgewiesen. Bei betroffenen Patienten ist Nierenkrebs als Berufskrankheit anerkannt worden. 5

Nierenkrebs in der Familie?

Neben diesen beeinflussbaren Faktoren gibt es bei etwa 4 % der Nierenkrebspatienten eine familiäre Komponente. Wenn ein Verwandter ersten oder zweiten Grades erkrankt ist, ist das Risiko, selbst an einem Nierentumor zu erkranken, zwei- bis viermal so hoch wie bei nicht erblich vorbelasteten Personen. Wenn eine ererbte Tumorerkrankung vermutet wird, können sich betroffene Patienten genetisch beraten lassen. 4

Dauerhafter Funktionsverlust der Nieren

Patienten mit einer terminalen Niereninsuffizienz, also einem dauerhaften Versagen der Nierenfunktion, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken.4,6

Dazu kann es durch verschiedene Vorerkrankungen kommen, die beiden wichtigsten Ursachen dafür sind Gewebeschädigungen durch Diabetes mellitus oder durch einen langjährigen Bluthochdruck.6 Ein chronisch erhöhter Blutdruck kann zu einer Nephrosklerose führen.6

GUT ZU WISSEN: Zur Vorsorge kann für Frauen und Männer über 45 Jahren, die zu einer der genannten Risikogruppen gehören, eine jährliche Ultraschalluntersuchung der Niere sinnvoll sein.5

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Symptome und Früherkennung von Nierenkrebs

Deine Nieren leisten täglich Schwerstarbeit: Sie entgiften deinen Körper und kümmern sich darum, dass dein Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen ist. deine Nieren filtern das Blut, reinigen es und sorgen dafür, dass Endprodukte von Stoffwechselprodukten ausgeschieden werden, die deinem Körper schaden würden.7

Die Nieren regulieren das empfindliche Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen und reden auch bei der richtigen Einstellung des Blutsdrucks mehr als nur ein Wörtchen mit. Außerdem üben sie eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Knochenstoffwechsels mit.7

Bei all diesen lebenswichtigen Aufgaben kannst du dir sicher gut vorstellen, dass schon ein teilweiser Ausfall der Nierenfunktion Konsequenzen für deine gesamte Gesundheit hat.

Im Anfangsstadium verursachen Nierenkarzinome nur selten Beschwerden. Zum Glück werden heutzutage 70 % aller Nierenkarzinome bei einer Routineuntersuchung (aus anderen Gründen) zufällig per Ultraschall entdeckt.3 Hier zeigt sich, wie wichtig es sein kann, regelmäßige Gesundheits-Checks beim Arzt zu nutzen. Je früher ein Nierenkarzinom entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Als ein erstes Anzeichen tritt meist Blut im Urin auf, ohne dass das Wasserlassen Schmerzen bereiten würde.3

Ein Tumor, der wächst, breitet sich auf das umliegende Gewebe aus. Wenn Schmerzen in der Lende auftreten, kann das auf einen bereits deutlich gewachsenen Tumor hindeuten.3 Ein Nierentumor kann auch in die Nebenniere eindringen oder in das Fettgewebe, das die Niere umgibt.3 Ebenfalls betroffen sein können die Nierenvenen, die das Blut aus den Nieren abtransportieren.3 Dadurch kommt es in dieser Phase der Erkrankung eher zu erkennbaren Symptomen.3 Bei Männern kann ein Nierentumor zudem einen Krampfaderbruch am linken Hoden auslösen.5

Folgende Anzeichen können zwar auch völlig andere Ursachen als Nierenkrebs haben – es empfiehlt sich dennoch, sie vom Arzt abklären zu lassen:,5

  • längere Zeit kein Appetit,
  • Übelkeit oder Erbrechen,
  • ungewollte Gewichtsabnahme,
  • ständige Müdigkeit oder Abgeschlagenheit,
  • Verwirrtheit,
  • geschwollene Beine,
  • Juckreiz,
  • Anämie (Blutarmut),
  • neuerdings Bluthochdruck,
  • anhaltendes oder öfter leichtes Fieber,
  • Nachtschweiß,
  • blutiger oder sehr dunkler Urin,
  • dumpfer Schmerz im seitlichen Rückenbereich (Flankenschmerz).
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Diagnose bei Nierenkrebs

Wenn ein Verdacht auf eine Krebserkrankung der Niere vermutet besteht, stehen mehrere Untersuchungen an, um zu klären, ob sich der Verdacht bestätigt. Wenn tatsächlich ein Tumor vorliegt, muss geklärt werden, um welche Tumorart es sich handelt und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. 5

Anamnese

Dein Arzt wird dich nach deinen aktuellen Beschwerden fragen, nach deiner Krankengeschichte und vorhandenen Risikofaktoren für die Entstehung von Nierenkrebs.

Körperliche Untersuchung

Dein Arzt wird gründlich deinen Bauchraum abtasten, ob sich Knoten oder andere Veränderungen fühlen lassen.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Eine Ultraschalluntersuchung gilt als die wichtigste Methode, um ein Nierenkarzinom festzustellen. Dabei ist sie schmerzfrei und belastet den Körper nicht durch schädliche Strahlen. Erfahrene Ärzte können dadurch einen Tumor von einer gutartigen Zyste unterscheiden.

Der Zustand der Nierengefäße lässt sich so ebenfalls beurteilen, denn durch einen Tumor könnte diese teilweise oder sogar ganz verstopft sein.

Außerdem kann man so feststellen, ob sich der Tumor bereits auf andere Organe ausgebreitet und dort Metastasen gebildet hat. Vor allem die Leber und andere Bauchorgane sowie die Lymphknoten müssen gründlich untersucht werden.

Laboranalysen

Mediziner können deinen Urin auf Blutspuren untersuchen und dein Blut auf bestimmte, typische Veränderungen wie Anämie (Blutarmut). Sie suchen nach Veränderungen bei den Bluteiweißen und der Blutsenkung sowie nach Anstiegen des Kalziumspiegels und bestimmter Enzyme, um die Funktion von Nieren, aber auch von Leber, Lunge und Herz beurteilen zu können. Das ist im Hinblick auf eine Operation wichtig.

Computertomographie (CT)

Schicht für Schicht wird Dein Brust- und Bauchraum „durchleuchtet“: Mithilfe einer Computertomographie können erfahrene Ärzte sehr exakt gutartige von bösartigen Nierentumoren unterscheiden, die genaue Lage und Ausbreitung eines Tumors sehen und nach Metastasen suchen.

Nur im Einzelfall: Biopsie

Bei einem Nierentumor ist meist eine sofortige Operation angesagt. Wenn jedoch im Ultraschall oder im CT nur sehr kleine Tumore gesehen wurden oder ein Patient bereits hochbetagt ist, stellt sich die Frage, ob eine Operation wirklich durchgeführt werden muss. In diesen Fällen kann nach der Entnahme einer kleinen Gewebeprobe durch eine Stanzbiopsie entschieden werden, welche weiteren Schritte erforderlich sind. Auch wenn Metastasen auftreten oder durch die bisherigen Untersuchungen noch nicht geklärt werden konnte, welche Eigenschaften das Krebsgewebe aufweist, wird dein Arzt eine Biopsie vorschlagen.1

Gegebenenfalls: Weitere Untersuchungen

Es können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um noch genauer festzustellen, wo und wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet (also Metastasen gebildet) hat und ob Herz und Lunge gesund genug für eine Operation sind. Dazu dient eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs, eine Magnetresonanztomographie (MRT) (bei Unverträglichkeit des Kontrastmittels, das bei der CT verwendet wird) sowie die Skelettszintigraphie, mit der geprüft wird, ob sich Metastasen in den Knochen befinden.

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Therapie und Behandlung von Nierenkrebs

Für die Therapie eines Nierenzellkarzinoms stehen mehrere, ganz unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören minimal-invasive Eingriffe ebenso wie zielgerichtete Krebsmedikamente.4 Zielgerichtet bedeutet in diesem Fall, dass sich diese Arzneimittel gegen Eigenschaften der Krebszellen richten, die für das Tumorwachstum wichtig sind.

Die individuelle Therapie hängt vor allem davon von der Frage ab: Wie weit ist die Erkrankung bereits fortgeschritten und wie ist der Allgemeinzustand des Patienten?.5

Ein Arzt sitzt am Tisch und betrachtet eine Akte
Bei der Entscheidung für eine passende Therapie werden verschiedene Faktoren individuell abgewogen.
© nortonrsx / iStock

Operation

Sofern möglich, wird in vielen Fällen eine Operation durchgeführt, bei der sowohl die betroffene Niere als auch die umliegenden Organe erhalten bleiben. Dadurch erleiden Patienten in der Folge seltener Herzerkrankungen. Auch die Gefahr eines Rezidivs, also eines erneuten Auftreten des Nierenkrebses, ist nicht höher als bei einer kompletten Entfernung der Niere.

Möglich ist eine solche Operation vor allem dann, wenn die Tumoren nur klein bis mittelgroß sind und sich nicht in das umliegende Gewebe ausgebreitet haben. Außerdem wird diese Operation durchgeführt, wenn ein Patient nur noch eine Niere besitzt oder die zweite Niere nicht voll funktionstüchtig ist.

Wenn der Tumor allerdings bereits größer ist oder ungünstig liegt, wird die gesamte befallene Niere zusammen mit dem sie umgebenden Fett bei der Operation entfernt. Dabei werden auch die in der Nähe liegenden Lymphknoten entnommen, um zu prüfen, ob sich der Tumor eventuell doch schon weiter ausgebreitet hat.

Ist der Tumor relativ klein und liegt er günstig, so kann die Operation bei kleinen Tumoren über die sogenannte „Schlüsselloch“-Chirurgie (Laparoskopie) durchgeführt werden. Man spricht auch von minimal-invasiver Operationstechnik. Dazu wird ein Laparoskop durch eine kleine Öffnung in der Bauchdecke eingeführt. Diese Methode belastet den Patienten deutlich weniger als eine „normale“ Operation, sodass er auch früher aus dem Krankenhaus entlassen werden kann.

Wurde der Tumor durch eine organerhaltende Operation oder die komplette Entfernung einer Niere vollständig entfernt, und die andere Niere kommt weiterhin ihren Aufgaben nach, so ist außer der üblichen Nachsorge zunächst keine weitere Behandlung erforderlich. 5

„Aktive Überwachung“

Wenn nur ein sehr kleiner Tumor gefunden wurde, der Patient bereits hochbetagt ist und eventuell schwere Begleiterkrankungen hat, sehen Ärzte oft von einer sofortigen Operation ab.

Denn: Normalerweise wachsen Tumore im Alter nur sehr langsam. Die Gefahr, am Krebs zu versterben oder Metastasen zu entwickeln, ist dann meist geringer als durch die Operation oder Komplikationen ernsthafte Schäden zu erleiden. Auch hier kann es Ausnahmen geben, die individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden können. Mehr über „Watch and Wait“ erfährst du hier. 5

Ablative Therapie

Ablation nennen Mediziner das Entfernen von Körpergewebe. Kleine, bis zu 4 cm große Tumoren, können mit örtlich angewandten Ablationsverfahren behandelt werden – entweder mit extremer Kälte (Kryo-Ablation) oder mit starker Hitze (Radiofrequenz-Ablation). Bei beiden Verfahren wird eine spezielle Sonde in den Tumor eingeführt und an Ort und Stelle entweder Hitze (ca. 60 bis 100°C) oder Kälte (ca. -60 bis -70°C) erzeugt. So wird der Tumor regelrecht verbrannt beziehungsweise zerstört. Der Patient spürt von den extremen Temperaturen nichts und das umliegende Gewebe wird bei sehr gezielter Durchführung wenig belastet.

Vor einer solchen Behandlung muss eine Biopsie durchgeführt werden. Wird dabei festgestellt, dass es sich nicht um einen bösartigen Tumor, sondern um einen gutartigen Tumor oder um eine Zyste handelt, wird in der Regel keine Behandlung durchgeführt. 5

Verschluss der Nierenarterie

Diese Methode kann bei Patienten angewendet werden, die sich in einem schlechten Allgemeinzustand befinden, sodass eine größere Operation ein hohes Risiko darstellen würde. Bei der „arteriellen Embolisation“ wird ein kleiner Schwamm in die Nierenarterie eingebracht. Auf diese Weise wollen die Ärzte den Blutfluss zu den Krebszellen unterbinden, dadurch das Tumorwachstum eindämmen und die Krankheitssymptome lindern.3

Strahlentherapie

Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten sprechen Nierentumoren kaum auf eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie an. Nierenzellkarzinome reagieren einfach nicht empfindlich auf diese Strahlung. Allerdings kann eine Strahlentherapie in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung helfen, wenn sich Metastasen in den Knochen gebildet haben.

Medikamentöse Therapie

Wenn Nierenkrebs festgestellt wird, haben sich bei etwa 10 % der Patienten bereits Metastasen in Lymphknoten oder anderen Organen gebildet. Das bedeutet: Der Krebs hat „gestreut“ und eine Operation der Niere allein kann nicht mehr zu einer Heilung führen. Es sei denn, nur ein weiteres Organ ist von Metastasen betroffen, zum Beispiel die Lunge. Dann kann in einer zweiten Operation diese Metastase entfernt werden. Andernfall stehen verschiedene Optionen für medikamentöse Therapien bei Nierenkrebs zur Verfügung: 1,4,5

  • Immuntherapie
    Zytokine sind Botenstoffe in unserem Körper. Durch die Verabreichung bestimmter Zytokine wird das körpereigene Immunsystem dazu angeregt, stärker zu arbeiten und dadurch Tumorzellen zu erkennen, zu bekämpfen und zu beseitigen.
  • Immunochemotherapie
    Eine Chemotherapie allein nützt bei Nierenkrebs wenig. Das liegt daran, dass Nierentumoren oft gegen Chemotherapeutika resistent sind: Sie reagieren nicht auf diese starken Medikamente. In Kombination mit einer Zytokin-Therapie ließen sich bei manchen Patienten gute Erfolge erreichen.
  • Zielgerichtete Krebstherapie: Kinase-Hemmer
    Krebszellen haben einen anderen Stoffwechsel als gesunde Zellen. Das macht es möglich, Medikamente zu entwickeln, die zielgerichtet auf bestimmte Enzyme (z. B. Kinasen) wirken, die die Tumorzellen für ihr ungebremstes Wachstum brauchen.
    So blockieren Wirkstoffe, die auch als Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) bezeichnet werden, Prozesse von Krebszellen, die diese zu ihrer Vermehrung nutzen. Dadurch kann man eine Rückbildung des Tumors erzielen. Diese Therapie ist sinnvoll für Patienten, die nicht auf eine Immuntherapie ansprechen.
    Andere Wirkstoffe zielen auf die Kinase mTOR, einem zentralen Regulator für das Wachstum von Tumorzellen, deren Teilung, deren Stoffwechsel und die Ausbildung von Blutgefäßen für deren Wachstum.
  • Zielgerichtete Krebstherapie: Immun-Checkpoint-Inhibitoren
    Diese Medikamente (monoklonale Antikörper) bieten seit 2016 eine weitere Therapiemöglichkeit bei Nierenkrebs. Sie wurden entwickelt, um eine Abwehrreaktion des körpereigenen Immunsystems auf den Tumor hervorzurufen. Die Immun-Checkpoint-Inhibitoren werden von körpereigenen Abwehrzellen erkannt, die daraufhin die Tumorzellen vernichten. Das wird erreicht, indem sich diese Medikamente gegen spezifische Strukturen auf der Oberfläche des Tumors richten

Unterstützende Behandlung

Auch Begleiterscheinungen der Krankheit oder Folgen der Therapie können die Lebensqualität einschränken. Zu einer Krebstherapie gehört daher immer auch eine umfassende Behandlung von Symptomen wie Verdauungsbeschwerden, Schmerzen oder auch komplexerer Krankheitsbilder wie beispielsweise anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung – Fatigue.

Wenn der Nierenkrebs weit fortgeschritten ist und bereits Metastasen vorhanden sind, ist eine heilende Therapie häufig nicht mehr möglich. Dann gilt es, die Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität möglichst zu erhalten. Weitere Informationen dazu erhältst du hier. 4,11

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Nebenwirkungen der Therapie bei Nierenkrebs

Da die Behandlung bei jedem Patienten unterschiedlich abläuft, sind auch die möglichen Nebenwirkungen entsprechend unterschiedlich. Operationen bergen immer Risiken durch die Narkose, die Größe des Eingriffs und durch eventuelle Komplikationen. Auch die lokalen Verfahren mit extremer Hitze oder Kälte können Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Blutungen, Blutergüsse im Gewebe (Hämatome), Blut im Urin (Hämaturie), Nervenschädigungen, Darmverschluss, Ansammlung von Urin im Gewebe (Urinom), lokale Schmerzen oder Lungenentzündung (Pneumonie).

Bei den Medikamenten können ebenfalls – je nach Wirksubstanz – sehr unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten. So kann es durch eine Immunchemotherapie zu Symptomen kommen, die einer Grippe ähneln (Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen).

Bei Kombination mehrerer Wirkstoffe ist häufiger mit Nebenwirkungen zu rechnen. Da verschiedene Medikamente in unterschiedlichen Dosierungen verabreicht werden, sind unterschiedliche und unterschiedlich stark ausgeprägte Nebenwirkungen möglich.

Folgende Nebenwirkungen werden als typisch für die zielgerichtete Therapie des Nierenzellkarzinoms beschrieben: Hautschädigungen und Lichtempfindlichkeit der Haut, Durchfall (Diarrhoe), Übelkeit/Erbrechen, Hypertonie (Bluthochdruck), Auswirkungen auf Herz- und Lunge, Blutbildveränderungen, Leberschädigungen, Nierenversagen, Entzündung der Schleimhäute (Mukositis), Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), Depression.

Jeder Patient reagiert anders, je nach Gesundheitszustand, Vorerkrankungen und weiteren individuellen Faktoren. Welche Nebenwirkungen im jeweiligen Fall konkret zu erwarten oder wahrscheinlich sind, kann der behandelnde Arzt am besten einschätzen. 1,3,4,8,9

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Prognose bei Nierenkrebs

Die Prognose hängt bei Nierenkrebs stark davon ab, in welchem Erkrankungsstadium sich ein Patient bei der Diagnose befindet. Nach Abschluss der diagnostischen Untersuchungen stellt der Arzt sozusagen einen „Steckbrief“ des Nierentumors zusammen: Um welchen Zelltyp handelt es sich? Wie bösartig ist er? Wie schnell wächst er? Wie weit hat er sich ausgebreitet?

Nierenkrebs wird dazu anhand von drei Kriterien in Erkrankungsstadien eingeteilt:

  • Wie groß und ausgedehnt ist der Tumor?
  • Sind Lymphknoten in der Nähe befallen?
  • Sind Metastasen in anderen Organen (Fernmetastasen) vorhanden?

Ein Beispiel: „T2 N0 M0“ bedeutet: Es handelt sich um einen relativ kleinen Tumor (T=2), die benachbarten Lymphknoten sind nicht betroffen (N=0) und es gibt auch keine Metastasen in anderen Organen (M=0). 1,3,5,10

Infografik zur TNM-Klassifikation bei Nierenkrebs nach Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Fernmetastasen
TNM-Klassifikation
© Das K Wort

Patienten mit Nierenzellkrebs haben eine vergleichsweise günstige Prognose: War der Tumor nur auf die Niere begrenzt, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, den Krebs in den nächsten 5 Jahren nach der Therapie zu überleben: bei 77 % der erkrankten Frauen und 75 % der erkrankten Männer ist das der Fall. Bei sehr kleinen Tumoren ist die Heilungschance noch höher. Hier liegt die Rate bei über 90 %.

Je weiter sich der Krebs jedoch bereits ausgebreitet hatte, desto schlechter ist die Prognose.

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Nachsorge bei Nierenkrebs

Auf die Behandlung folgt zunächst eine fachspezifische Rehabilitation. Das kann eine Anschlussheilbehandlung oder eine Rehabilitation sein. Dadurch helfen Therapeuten (z. B. Physio- und Ergotherapeuten) dir dabei, eventuelle Funktionsstörungen zu verringern, die nach der Operation auftreten können. Dort wirst Du auch psychologisch unterstützt und erhältst Anleitungen für eine gesunde und bewusste Lebensweise.

In welchen Zeitintervallen die Nachsorge erfolgt, hängt davon ab, welcher Risikogruppe ein Patient angehört. In den ersten 2 Jahren nach der Therapie wird dein Arzt normalerweise alle 3 Monate einen Kontrolltermin mit dir vereinbaren. Die Untersuchungen sind fast identisch mit denen, die für die Diagnose erforderlich waren (körperliche Untersuchung, Laboranalyse von Blut und Urin, Ultraschall sowie CT oder MRT, Röntgenuntersuchung).

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Zusammenfassung

  • Bei Nierenkrebs handelt sich dabei fast immer um ein Nierenzellkarzinom, das erst im höheren Lebensalter (> 70 Jahre) auftritt.
  • Sofern der Krebs noch nicht gestreut hat, ist eine Heilung möglich. Die Heilungschancen sind insbesondere bei kleinen Tumoren sehr gut.
  • Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium verschlechtert sich die Prognose. Bei spät entdeckten Nierenkarzinomen können sich nach zunächst erfolgreicher Behandlung Rezidive entwickeln.
  • Daher ist es sehr wichtig, Nierenkrebs so früh wie möglich zu erkennen. Rauchen, Übergewicht und hoher Blutdruck sind beeinflussbare Risikofaktoren.
  • Im Anfangsstadium treten keine Beschwerden auf. Nierenkrebs wird meist durch eine aus einem anderen Grund durchgeführte Ultraschalluntersuchung beim Arzt entdeckt. Routinetests auf Nierenkrebs gibt es nicht.
  • Die Diagnose erfolgt anhand der Befunde von Anamnese, körperlicher Untersuchung, Ultraschall, Laborwerten von Blut und Urin, CT und bei Bedarf weiteren Untersuchungen (Biopsie, MRT, Röntgenuntersuchung des Brustkorbs, Skelettszintigraphie).
  • Die Therapie richtet sich nach dem Krebsstadium. Es gibt mehrere, auch minimal-invasive Behandlungsmethoden (Operation, lokale Hitze- oder Kälte-Ablation) und zielgerichtete Medikamente.
  • Bei sehr kleinen Tumoren, hohem Lebensalter und/oder schlechtem Allgemeinzustand wird der Krankheitsverlauf zunächst durch „aktives Zuwarten“ überwacht und auf eine belastende Operation verzichtet.
  • Die Nachsorge ist sehr wichtig, um mögliche Rezidive rechtzeitig zu erkennen. Daher werden engmaschig Kontrolltermine vereinbart.
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Nützliche Adressen rund um das Thema Nierenkrebs

Krebsinformationsdienst – Beratungsstellen

Hier findest du Krebsberatungsstellen in deiner Nähe für dich und deine Angehörigen

https://www.krebsinformationsdienst.de/service/adressen/krebsberatungsstellen.php
Nierenzellkarzinom: Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat umfassende Informationen zum Thema Nierenkrebs zusammengestellt.

https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/nierenzellkarzinom.php
Basis-Infos für Patienten und Angehörige bei Nierenkrebs

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) bietet Basis-Informationen zum Thema Nierenkrebs an.

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/nierenkrebs/nierenkrebs-basis-infos-fuer-patienten.html
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