Insgesamt fügte der Expertenkreis der bestehenden Leitlinie acht Kapitel hinzu. Die neuen Kapitel Therapiezielfindung, Fatigue (umfassende Erschöpfung), nächtliche Unruhe, Übelkeit und Erbrechen, Wundpflege, maligne intestinale Obstruktion (krebsbedingte Verstopfung), Angst und Todeswünsche berücksichtigen die besondere Situation der Krebspatienten. Jetzt liegt erstmals eine umfassende Leitlinie zur onkologischen Palliativversorgung in Deutschland vor, die höchsten Qualitätsstandards (S3-Niveau) entspricht. Sie ist auf der Website der Leitlinien Onkologie abrufbar.

Leitlinien – wichtige Orientierungshilfe

Leitlinien geben den aktuellen nationalen und internationalen Stand der Erkenntnisse zur Diagnose und medizinischen Behandlung einer Erkrankung an. Sie bieten Ärzten, medizinischem Fachpersonal und Patienten unverbindliche Entscheidungshilfen und Handlungs-empfehlungen. Leitlinien tragen dazu bei, die Qualität der medizinischen Versorgung zu sichern, schaffen Orientierung und mehr Transparenz. Die medizinische Versorgung gemäß der Leitlinie folgt keinem starren Schema, sondern muss immer an den individuellen Gesundheitszustand des Patienten angepasst werden, damit er die bestmögliche Therapie erhält.
Die Autoren der Leitlinien sind ärztliche und nicht ärztliche Experten unterschiedlicher Fachrichtungen sowie Patientenvertreter. Sie bilden ein Expertengremium. Eine S3-Richtlinie beruht immer auf der Auswertung vieler wissenschaftlicher Studien. In der Regel werden Leitlinien alle fünf Jahre aktualisiert, um neue wissenschaftliche Entwicklungen zu berücksichtigen.
Leitlinien-App
Die Inhalte der neuen S3-Leitlinie sind auch in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.

Die App ist für Android– und iPhone-Nutzer verfügbar.

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Die aktuelle S3-Leitlinie ist kostenlos downloadbar.

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Onkologische Palliativmedizin und ihre Ziele


Trotz aller therapeutischen Möglichkeiten für Krebserkrankungen ist eine Heilung manchmal nicht möglich. Der Schwerpunkt der medizinischen Behandlung liegt dann auf der palliativen Betreuung des Patienten. Eine möglichst gute Symptomkontrolle und eine umsichtige Schmerztherapie helfen, die Lebensqualität des Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten. Der Patient wird nicht nur medizinisch, sondern auch mental stabilisiert. Bei dem verfolgten ganzheitlichen Ansatz arbeiten viele Fachkräfte interdisziplinär zusammen: Ärzte, Fachpflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten, Sozialarbeiter oder Psychologen.

Ganzheitliche und individuelle Patientenversorgung


Für Dich als Patient bedeutet das, dass Deine Bedürfnisse und Probleme aus unterschiedlichen Lebensbereichen, wie zum Beispiel aus physischen, psychischen, sozialen oder spirituellen Bereichen, frühzeitig besprochen und behandelt werden. Auf Wunsch werden auch Deine Angehörigen, die Dich in dieser Lebensphase unterstützen, mit einbezogen. Sie erhalten wie Du im Rahmen einer palliativen Versorgung verständliche und umfassende Informationen über Deine Erkrankung sowie ihren Verlauf. Als gut informierter Patient kannst Du so zusammen mit Angehörigen und Ärzten besser Entscheidungen zum Beispiel bezüglich Deiner Therapie treffen. Die Bewältigung von Ängsten und Abschieds- und Trauerbegleitung gehören ebenso zur palliativen Versorgung wie lebenserhaltende oder lebensverlängernde Maßnahmen. Das können unter Umständen eine Strahlen- oder Chemotherapie oder auch eine Operation leisten.
Die Bewältigung von Ängsten und Abschieds- und Trauerbegleitung gehören ebenso zur palliativen Versorgung wie lebenserhaltende oder lebensverlängernde Maßnahmen.
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Palliativversorgung gehört zum medizinischen Alltag


In den letzten Jahren hat die Palliativ- und Hospizversorgung in Deutschland eine rasante Entwicklung erlebt.¹ Palliativstationen finden sich in fast allen Kliniken, sofern sie schwer erkrankte Patienten behandeln. Palliativmedizinische Abläufe sind in den Medizinalltag inzwischen gut integriert. Sie werden sowohl stationär oder auch ambulant angeboten.
Weitere Informationen zur Palliativversorgung
Bundesministerium für Gesundheit
Informiert über Pflege- und Palliativversorgung:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/pflege.html
Bundesministerium für Gesundheit
Informationen zur Hospizarbeit:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/h/hospiz.html
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin
Bundesweite Adressen und Informationen zu palliativmedizinischen Themen findest Du im Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland:
https://www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de/
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e. V.
Bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie der zahlreichen Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Hier findest Du Adressen und Informationen:
https://www.dhpv.de
Psychotherapeuten und Psychoonkologen in Deiner Nähe findest Du hier:
https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php

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