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Diagnose

CUP-Syndrom – wenn der Tumor sich versteckt

Bei manchen Patienten stellen Ärzte die Diagnose Krebs anhand von Metastasen – und nicht aufgrund eines Tumors. Wird der Ausgangstumor auch nach eingehender Untersuchung nicht gefunden, sprechen Fachleute von „Krebs ohne Primärtumor“ oder englisch: „Cancer of Unknown Primary“.

Das CUP-Syndrom stellt Radiologen vor eine Herausforderung: Beim Patienten werden Metastasen entdeckt, doch vom Primärtumor fehlt jede Spur. Ärzte verschiedener Fachrichtungen beginnen dann mit der Suche nach dem Ursprungstumor, von dem diese Metastasen ausgegangen sind. Ist der Primärtumor nicht zu entdecken, handelt es sich um eine Krebserkrankung unbekannten Ursprungs. In Deutschland hat sich hierfür auch die Abkürzung CUP etabliert.

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Wie häufig ist CUP?

CUP gehört zu den zehn häufigsten Krebsarten in Deutschland.1 Die Erkrankung beginnt häufig damit, dass an Lymphknoten, Leber, Knochen oder Gehirn Metastasen gefunden werden, doch trotz intensiver Suche kein zugehöriger Tumor. Eine Möglichkeit ist, dass der Primärtumor von den Zellen des Immunsystems zerstört wurde, die Metastasen jedoch nicht – der Ursprungstumor ist bei der Diagnose also schon nicht mehr vorhanden. Etwa 3-5 Prozent aller Tumorerkrankungen weisen dieses Muster auf, jeder siebte Todesfall durch Krebs ist auf das CUP-Syndrom zurückzuführen. Nur bei etwa 20 Prozent der Fälle wird im Behandlungsverlauf ein Primärtumor gefunden. In Deutschland sind etwa 6-16von 100.000 Menschen jedes Jahr betroffen, die Hälfte von ihnen ist unter 60 Jahre alt. 2

Infografik zu Metastasen im Blutkreislauf
Metastasen verteilen sich im Körper über den Blutkreislauf
© Das K Wort
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Ursachen und Risikofaktoren von CUP

Da der Primärtumor häufig nicht identifiziert werden kann, lassen sich auch keine genauen Ursachen und Risikofaktoren charakterisieren, die das CUP-Syndrom begünstigen. Deshalb spielen vermutlich die gleichen Einflüsse eine Rolle, die als allgemein krebsfördernd bekannt sind. Dazu gehören unter anderem:

  • Rauchen
  • Alkoholgenuss
  • Bewegungsmangel
  • der Einfluss krebserregender chemischer Stoffe.
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Symptome von CUP

Die Symptome einer Krebserkrankung hängen davon ab, welches Organ oder welcher Bereich des Körpers betroffen ist. Es können auch mehrere Organe gleichzeitig betroffen sein. Bei CUP können Metastasen an unterschiedlichen Stellen auftreten: Zum Beispiel in Lymphknoten, Leber, Knochen oder Lunge. Genauso wichtig ist das Stadium, also die Ausbreitung der Erkrankung und die gesamte Menge an Tumorzellen. Kämpft der Körper gegen sehr viele Metastasen, führt das häufig zu Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Antriebsarmut, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme undvergrößerten Lymphknoten.

Weitere Symptome können sein:

  • ein vergrößerter Bauchumfang
  • Schwellungen
  • harte Knoten oder Schmerzen in Bauch oder Brust
  • ungewohnte Atemnot oder auch Schwierigkeiten beim Durchatmen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • schmerzende Knochen.

Oft bleiben Metastasenjedoch auchunbemerktund verursachen keinerlei Beschwerden.

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Diagnose beim CUP-Syndrom

Wenn der Arzt Metastasen ohne offensichtlichen Ursprungstumor festgestellt hat, beginnt eine detektivische Suche, um dem Tumor auf die Spur zu kommen und so schnell die richtige Therapie einleiten zu können. Es folgt eine Reihe von Untersuchungen:

Es wird eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Metastase entnommen, um die spezifischen Eigenschaften der Krebszellen genauer bestimmen zu können. Welche Rezeptoren besitzen die Krebszellen, wachsen sie rasch oder eher langsam? Ein umfassendes Blutbild gibt unter anderem Auskunft über Leber- oder Nierenwerte sowie spezielle Tumormarker.

Auch verschiedene bildgebende Verfahren sind wichtig zur Identifikation und Lokalisation des Primärtumors:

  • Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen
  • Computertomographie (CT)
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Endoskopische Untersuchungen wie Magen- oder Darmspiegelungen.
Ein leuchtendes Fragezeichen, das auf der Seite liegt
Bei der Diagnose des CUP-Syndrom müssen Ärzte und Tumorexperten mitunter Detektivarbeit leisten.
© Jon Tyson / Unsplash

Bei der Positronen-Emissions-Tomographie in Verbindung mit einer Computertomographie (PET-CT) wird ein schwach radioaktiver Zuckerstoff injiziert, der sich besonders in den stoffwechselaktiven Krebszellen anreichert und sie so sichtbar macht. Nach zwei Stunden ist der Stoff bereits zur Hälfte zerfallen. Die radioaktive Belastung ist gering.

Die ermittelten Bilder aus PET und CT werden übereinandergelegt. Dieses sogenannte Fusionsbildenthält daher alle Bildinformationen aus beiden Verfahren. Die PET-CT hat sich besonders bewährt zur raschen und präzisen Bestimmung von Fernmetastasen und von Tumoren. Auch der Erfolg einer Therapie kann mit ihr gut nachverfolgt werden.
Wichtig ist auch eine genaue Bestimmung der genetischen Eigenschaften des Tumors. Mit dem CGP-Testverfahren kann ein entsprechendes Tumorprofil erstellt werden.

Bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind und alle Laborwerte vorliegen, können Tage oder Wochen vergehen. Von den Ergebnissen all dieser Untersuchungen hängen die nachfolgenden Therapiemaßnahmen ab.

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Therapie und Behandlung vom CUP-Syndrom

Bei rund 20 Prozent der CUP-Patienten gelingt es, den Primärtumor zu finden. Am häufigsten entstammen die gefundenen Metastasen einem Tumor der Lunge (20 bis 30 Prozent²) oder der Bauchspeicheldrüse (10 Prozent²). Seltener sind Primärtumoren anderer Organe: Leber, Darm, Gallengangsystem, Niere, Magen, Eierstöcke, Gebärmutter oder Schilddrüse. ⁴ Von Dickdarm, Prostata oder Brust gehen nur selten die gefundenen Metastasen beim CUP-Syndrom aus.

Plastisches Modell eines menschlichen Körpers mit sämtlichen Organen
Primärtumoren beim CUP-Syndrom betreffen häufig die Lunge, die Bauchspeicheldrüse, die Leber und das Gallengangsystem.
© undefined undefined / istockphoto

Die weiteren Therapiemaßnahmen richten sich dann nach dem identifizierten Primärtumor. Konnte zum Beispiel bei einem Patient ein Tumor in der Lunge lokalisiert werden, von dem die Metastasen ausgegangen sind, so wird er gemäß der Leitlinie für Lungenkrebs behandelt.

Manchmal lassen spezielle Gewebeeigenschaften der metastasierten Krebszellen ihren eigentlichen Ursprung vermuten. Auch dann wird die Therapie nach diesem vermuteten Ursprung ausgerichtet. Behandelt wird immer nach der wahrscheinlichsten Ursache.

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Therapieplanung bei CUP

Zur Behandlung eines CUP stehen die umfassenden Therapiemaßnahmen einer Krebsbehandlung zur Verfügung:

  • Operation
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie
  • Hormontherapie
  • Immuntherapie
  • zielgerichtete Therapie
  • und eine unterstützende Therapie, die alles umfasst, was dir das Leben und den Alltag erleichtert, zum Beispiel Schmerztherapie.

Bei der Therapieplanung spielen alle Faktoren eine Rolle, die in der Diagnose ermittelt wurden. Wenn zum Beispiel genetische Veränderungen im Tumor gefunden wurden, bei denen eine Therapie ansetzen kann, wird das bei der Therapieentscheidung berücksichtigt. Darüber hinaus spielt auch eine Rolle, wie stark sich vorhandene Metastasen bereits ausgebreitet haben. Bei etwa 15-25 Prozent der CUP-Patienten zum Beispiel werden einzelne Metastasen nur in den Lymphknoten gefunden.5 Sie können operiert oder auch gezielt bestrahlt werden.

Häufiger werden mehrere Metastasen, auch unterschiedlichen Ursprungs, nachgewiesen. Sie werden in der Regel mit einer Chemotherapie behandelt. Sie wirkt systemisch, also im ganzen Körper. Auch einzelne, im Körper verteilte Krebszellen werden so erreicht und zerstört.

Die Art der Chemotherapie richtet sich nach den speziellen Eigenschaften derKrebszellen. Sind sie zum Beispiel hormonempfindlich, ist eine Antihormontherapie das Mittel der Wahl.

Eine Krankenpflegerin, hantiert mit einer Infusion
Zur Behandlung eines CUP-Syndroms stehen zahlreiche Therapiemaßnahmen zur Verfügung.
© isayildiz / istockohoto

Für Metastasen in Lunge, Dickdarm, Leber oder Nieren gibt es zielgerichtete Therapien² die mit speziellen Antikörpern die Krebszellen markieren. Das körpereigene Immunsystem kann dann die Krebszelle bekämpfen und zerstören.
Bei schmerzhaften Metastasen hat sich eine Strahlentherapie bewährt.

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CUP Tumorkonferenz

Diagnose und Therapie hängen eng zusammen. Viele Fachärzte und Spezialisten beraten gemeinsam in einem sogenannten Tumorboard über eine individuelle Therapie.

Mit viel Erfahrung berücksichtigen sie auch die unterschiedlichen Bedürfnisse der CUP-Patienten sowie ihre persönliche Situation. Ärzte haben den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, eventuelle Vorerkrankungen, Alter und Geschlecht im Blick und werden immer abwägen, welche möglichen Nebenwirkungen zumutbar sind. Das Ergebnis des Tumorboards oder auch der Tumorkonferenz wird mit den Patienten ausführlich besprochen.

Es ist wichtig, dass man als Betroffener versteht, warum welche medizinischen Untersuchungen und Schritte notwendig sind. Dann kann man hundertprozentig hinter der Therapie stehen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

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Nebenwirkungen

Jede Therapie kann unerwünschte Begleiterscheinungen hervorrufen. Dein Arzt wird bei der Planung der Behandlung immer genau abwägen, wie groß der Nutzen einzelner Therapiemaßnahmen in deiner speziellen Situation ist und mögliche Nebenwirkungen berücksichtigen.

Strahlen- und Chemotherapie können vorübergehend eine Reihe solcher Beeinträchtigungen verursachen: Übelkeit, Schwindel, Irritationen der Haut und der Schleimhäute, erhöhte Infektanfälligkeit oder Blutarmut sind nur einige der möglichen Folgen.

Vier junge Menschen sitzen in einem Kreis im Skaterpark
Die Therapie von CUP kann auch ambulant erfolgen – so bleibt mehr Zeit für die schönen Dinge.
© URS SIEDENTOP & CO / Stocksy
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Zusammenfassung

  • CUP – Cancer of Unknown Primary – gehört zu den zehn häufigsten Krebsarten. Spezifische Risikofaktoren sind nicht bekannt. Beim CUP-Syndrom sind Metastasen vorhanden, aber kein zugehöriger Ausgangstumor. Nach ihm wird mit aufwendiger Diagnostik gefahndet.
  • War die Suche nach dem Ausganstumor erfolgreich, kann die Krebserkrankung entsprechend behandelt werden. Das ist in etwa bei 20 Prozent der CUP-Patienten möglich.
  • Bei dem überwiegenden Teil der CUP-Patienten wird der Ursprungstumor nicht gefunden. Dann richtet sich die Therapie nach den Eigenschaften der gefundenen Krebszellen und den Bedürfnissen des Patienten.
  • Die Therapieplanung erfolgt gemeinsam mit dem Ärzteteam. Das Ziel ist immer, die bestmögliche Therapie für den jeweiligen Patienten zu finden.
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Nützliche Adressen rund um das Thema CUP-Syndrom

Ansprechpartner und Adressen kannst du auch vor Ort über den Kliniksozialdienst oder deinen Arzt erfragen. Hier findest du online wichtige Adressen rund um das Thema „Leben mit CUP“

Krebsinformationsdienst – Beratungsstellen

Hier findest du Krebsberatungsstellen in deiner Nähe für dich und deine Angehörigen

https://www.krebsinformationsdienst.de/service/adressen/krebsberatungsstellen.php
Haus der Krebs-Selbsthilfe Bundesverband e.V.

Bundesweite Interessenvertretung Krebskranker und ihrer Angehörigen. Hier findest du viele Informationen und kostenlose Beratungsmöglichkeiten sowie Adressen zu Selbsthilfegruppen.

https://www.hausderkrebsselbsthilfe.de/
NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen

Bundesweite Anlaufstelle rund um das Thema Selbsthilfe. NAKOS bietet neben vielen Infos eine Datenbanksuche zu Ansprechpartnern oder Selbsthilfegruppen.

https://www.nakos.de/
Krebsinformationsdienst – Psychologische Unterstützung

Hier findest du Psychotherapeuten und Psychoonkologen in deiner Nähe

https://www.krebsinformationsdienst.de/service/adressen/psychoonkologen.php
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

Bundesweite Adressen und Informationen zu palliativmedizinischen Themen findest du im Wegweiser Hospiz – und Palliativversorgung Deutschland.

www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de/

Quellen

¹ Robert Koch Institut│Krebsdaten: Epidemiologie von Krebserkrankungen, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

² Krebsinformationsdienst │CUP-Syndrom, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

³ Deutsche Krebsgesellschaft│Symptome und Diagnose des CUP-Syndroms, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

⁴ Ärzteblatt│Patienten mit CUP-Syndrom, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

⁵ Ärzteblatt│CUP-Syndrom: Kriterien liefern Therapiekonzepte, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

⁶ DGHO│Neue Leitlinie CUP-Syndrom, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

⁷ Deutsche Krebsgesellschaft│CUP-Syndrom, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

⁸ Onkopedia│Neue Leitlinie CUP Syndrom, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

⁹ Onkopedia│Krebserkrankungen mit unbekanntem Primärtumor, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

¹⁰ https://healthcare-in-europe.com/de/news/cup-syndrom-rauch-ohne-feuer.html, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

¹¹ https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/bildgebung/pet.php, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

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