Tatsächlich gab es 2013 eine Studie¹ an Mäusen mit Hirntumoren, die diesen Mythos befeuert hat. Als die Mäuse eine kohlenhydratarme Diät erhielten, wuchsen ihre Tumoren deutlich langsamer. Ihre Überlebenszeit stieg um etwa 55 Prozent.

Tumorzellen nutzen primär Zucker (Kohlenhydrate) für ihre Energiegewinnung. Sie haben im Vergleich zu gesunden Zellen einen veränderten Stoffwechsel. Die Idee, die Tumorzellen durch eine kohlenhydratarme, eine sogenannte ketogene Diät einfach auszuhungern, scheint zunächst plausibel.

Ketogene Diät: viel Fett, viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate

Ketogene Diäten sind kohlenhydratarme Diäten. Im Vergleich zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist der Fett- und Eiweißanteil erhöht, der Kohlenhydratanteil stark verringert: Von etwa 50 Prozent auf circa 10 Prozent pro Tag.

Eine ketogene Diät kann den Körper zusätzlich schwächen und den Ernährungszustand des Patienten weiter verschlechtern.

 

Einige Tierversuche mit einer ketogenen Diät zeigten allerdings nach einem anfänglichen Rückgang des Tumorzellwachstums einen gegenteiligen Effekt²: Die Tumorzellen hatten sich angepasst, den Nährstoffmangel kompensiert und wuchsen jetzt umso schneller. Allein das spricht bereits gegen den Versuch, eine ketogene Diät zu beginnen, nach dem Motto: „Schaden kann es ja nicht.“

Aber es gibt weitere gute Gründe gegen eine solche Krebsdiät. Zunächst ist die Studienlage nicht einheitlich. Es existiert keine Studie am Menschen, die belegt, dass ketogene Diäten auf den Tumor selbst wirken.

Auch erfordert die Diät enorme Disziplin, was wiederum die Lebensqualität stark einschränkt. Alle möglichen Lebensmittel fallen weg – mehr als man auf den ersten Blick denkt. Wichtiger allerdings ist die Tatsache, dass eine ketogene Diät massiv in unseren Energiestoffwechsel eingreift und so die Gefahr besteht, nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt zu sein. Daraus können Nebenwirkungen resultieren wie Übelkeit, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Dehydrierung, Nierensteine und anderes.

Menschen mit Krebs leiden ohnehin an einer verringerten Lebensqualität. 30 Prozent der Tumorpatienten haben auch ohne Diät – z. B. durch die Therapie und die allgemein belastende Situation – eine Mangelernährung. Eine ketogene Diät kann den Körper zusätzlich schwächen und den Ernährungszustand des Patienten weiter verschlechtern. Insbesondere ein Gewichtsverlust kann Prognose und Lebenserwartung beeinträchtigen. Denn der Körper und sein Immunsystem brauchen Kraft, um die Krebserkrankung zu bekämpfen.

 

Es gibt keine Krebsdiät.

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Wenn Du trotzdem einen Versuch starten willst, besprich das unbedingt mit Deinem Arzt. Er kann sonst Symptome wie Übelkeit oder Gewichtsverlust nicht einschätzen und trifft schlimmstenfalls die falsche Therapieentscheidung für Dich.

Besser: Alles in Maßen

Zucker und Weißmehl reduzieren und so aktiv wie möglich bleiben, ist besser als irgendeine Diät. Das gilt für erkrankte und gesunde Menschen. Am besten ernährst Du Dich ausgewogen, sorgst für viel Bewegung und achtest auf eine gesunde Zubereitung. Du brauchst eine gute Nährstoffgrundlage, um genug Kraft für Alltag und Therapie zu haben.