In Ländern, in denen Menschen wenig Milch verzehren, sind die Krebsraten deutlich niedriger als zum Beispiel in Nordamerika oder Europa, wo diese Produkte häufig auf den Tisch kommen.1

Das legt den Schluss nahe, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Tatsächlich gehen Forscher bereits länger dem Verdacht nach, dass ein hoher Verzehr von Milch– und Milchprodukten für Krebserkrankungen wie Darm-, Brust- oder Prostatakrebs mitverantwortlich sein könnte.

Spezielle Erreger in Milch und Rindfleisch identifiziert

Der Nobelpreisträger für Medizin Harald zur Hausen hat zusammen mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) eine aktuelle Studie veröffentlicht.1

Ihr zufolge könnten sogenannte Bovine Meat and Milk Factors (BMMF) in Milch und Milchprodukten für chronische Entzündungen und damit für ein erhöhtes Krebsrisiko verantwortlich sein. Wissenschaftler wiesen BMMF auch im Menschen nach. Vermutlich findet eine „Infektion“ mit BMMF bereits im ersten Lebensjahr statt, wenn das Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Daher nützt es im Erwachsenenalter nichts, auf Milch und Rindfleisch zu verzichten.

Auffallend ist, dass Menschen, die aufgrund ihrer Laktose-Intoleranz nur wenig Milch zu sich nehmen, ein geringeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken.

Milch – Nahrung für Erwachsene?

Professor Melnik von der Universität Osnabrück sieht in der Milch nicht nur ein Nahrungsmittel. Als hormonelles Signalsystem regt Milch das Wachstum und die Vermehrung von Zellen an.7 Das ist für Säuglinge und Kleinkinder sinnvoll, im Erwachsenenalter unter Umständen jedoch ungünstig. Ein übermäßiger Verzehr von Milch und Milchprodukten könnte eine Überstimulierung des Stoffwechsels bedeuten. Beteiligt sind bestimmte Inhaltsstoffe der Milch, die indirekt den insulinähnlichen Wachstumsfaktor IGF-1 erhöhen und damit Alterungsprozesse und die Entstehung von Zivilisationskrankheiten, zu denen auch Krebs zählt, begünstigen.2,6

Schützt Laktose-Intoleranz vor Krebs?

Auffallend ist, dass Menschen, die aufgrund ihrer Laktose-Intoleranz nur wenig Milch zu sich nehmen, ein geringeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Unklar ist, ob der geringe Verzehr von Milch- und Milchprodukten verantwortlich ist oder die Lebensmittel, die als Ersatz gegessen werden, einen positiven Einfluss haben.3

Hier gibt es allerdings noch jede Menge Forschungsbedarf, um die Zusammenhänge genauer verstehen zu können.

Milch schützt vor Krebs

Auf der anderen Seite wird der Milch auch eine vor Krebs schützende Wirkung zugeschrieben. Der World Cancer Research Fund International (WCRF) wertet jedes Jahr die wissenschaftliche Literatur zu unterschiedlichen Krebsarten aus. 2018 berichtet er von der schützenden Wirkung von Milch vor Darmkrebs.5 Ab etwa 200 Milliliter ist eine Schutzwirkung nachweisbar. Für Brustkrebs ist eine geringere Schutzwirkung berichtet worden.4

Mythos Milch erhöht das Krebsrisiko

Milch und Milchprodukte sind wichtige Lebensmittel, die uns mit vielen Nährstoffen versorgen. Wie so oft kommt es auf die richtige Menge an.

© Alita Ong / Stocksy

Die richtige Menge macht´s

Milch aufgrund dieser unsicheren Studienlage jetzt zu verteufeln, wäre voreilig. Milch und Milchprodukte sind wichtige Lebensmittel, die uns mit vielen Nährstoffen versorgen. Wie so oft kommt es auf die richtige Menge an. Gegen ein Glas Milch ist nichts einzuwenden, ein Liter pro Tag ist jedoch allein schon aus kalorientechnischer Sicht ungünstig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt den Konsum von Kuhmilch vorerst grundsätzlich.

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