Krebs – warum gerade ich? Eine oft quälende Frage, die sich Betroffene stellen und auf die es keine Antwort gibt. Denn die Entstehung von Krebs ist meist reiner Zufall. Ausgangspunkt ist zumeist ein Fehler in der Erbinformation, also in den Genen, der sich vervielfältigt und im schlimmsten Fall in Krebs mündet.


Ein Fehler schleicht sich ein

Alles beginnt damit, dass eine Erbinformation falsch kopiert wird. Aber wozu wird die Erbinformation überhaupt kopiert? Die Zellen unseres Körpers haben eine begrenzte Lebensdauer und müssen sich regelmäßig erneuern. Um neue Zellen zu bilden, teilen sich die vorhandenen Zellen. Dazu müssen sie vor der Teilung ihr Erbmaterial verdoppeln – also kopieren, um es dann gleichmäßig auf die Tochterzellen zu verteilen. Dieser Kopiervorgang ist fehleranfällig. Unser Körper hat aber grundsätzlich vorgesorgt: Er besitzt verschiedene Reparatursysteme, die die fehlerhaften Erbinformationen korrigieren. Gelingt die Reparatur nicht und sammeln sich zu viele Fehler an, durchläuft die Zelle ein kontrolliertes „Selbstmord“-Programm, den sogenannten „programmierten Zelltod“ (Apoptose). Die Zelle vernichtet sich selbst. 

Im gesunden Körper besteht also immer ein Gleichgewicht aus Zellteilung und Zelltod. Verantwortlich hierfür ist eine strenge Regulierung durch verschiedene Signale, die entweder die Zellteilung fördern oder hemmen.

 

Wie entsteht Krebs © Alita Ong / Stocksy
Gerät das ausgewogene Verhältnis von Zellteilung und Zelltod aus dem Gleichgewicht, kann Krebs entstehen.

Das Gleichgewicht kippt, Krebs entsteht

In seltenen Fällen versagen aber alle Notfallprogramme. Eine Zelle schafft es trotz schadhafter Erbinformation, sich zu teilen. Dabei gibt sie die fehlerhaften Informationen an ihre Tochterzellen weiter. Die veränderten Erbinformationen können dazu führen, dass sich die Zellen unabhängig von Wachstumssignalen teilen oder sich dem programmierten Zelltod entziehen können. Die Folge: Die Zellen bilden sich unkontrolliert neu. Damit daraus Krebs entsteht, sind meist mehrere Veränderungen des Erbmaterials notwendig. Diese sammeln sich in der Zelle über die Zeit an und verändern sie immer mehr. Deshalb entsteht Krebs auch nicht von heute auf morgen, sondern benötigt meist Jahre oder Jahrzehnte.

 

Krebsentstehung

Bei einer gesunden Zelle findet eine kontrollierte Zellteilung statt. (1) Kommt es zu einem irreparablen Zellschaden, kommt es bei der gesunden Zelle zur Selbstzerstörung. (2) Findet bei einem irreparablen Zellschaden keine kontrollierte Selbstzerstörung statt, spricht man von einer Krebszelle. Diese wächst und teilt sich: es kommt zum Tumorwachstum. (3)


Metastasen: Krebszellen auf Wanderschaft

Ein Merkmal, das gutartige von bösartigen Tumoren, also Krebs, unterscheidet: Krebszellen können sich aus dem Tumor lösen, im gesamten Körper ausbreiten und in anderen Organen neue Tumore bilden. Diese Tumorabsiedlungen nennt man Metastasen. Wann und wo Metastasen entstehen, hängt von der Art und dem Ursprungsort des Tumors ab. Häufig bilden sie sich in der Leber, der Lunge oder den Lymphknoten.

 


Welche Faktoren begünstigen Fehler?

Auch wenn die genauen Ursachen für eine Krebserkrankung meist nicht auszumachen sind – und es oft nur Zufall ist, kennt man verschiedene Faktoren, die Schäden im Erbmaterial – und damit Krebs – auslösen oder zumindest begünstigen können. Dazu gehören verschiedene chemische Substanzen, wie Asbest, bestimmte Schwermetalle oder Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die zum Beispiel beim Grillen entstehen. Aber auch Strahlung, etwa die UV-Strahlen der Sonne, wird als krebserregend eingestuft. 

 

Faktoren für Krebs
© Das K Wort

Auch einige Krankheitserreger hat die Wissenschaft ausmachen können: So erhöht eine Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Mit einer frühzeitigen Impfung (empfohlen für Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren) kann man sich vor einer HPV-Ansteckung schützen.

Darüber hinaus wird ein ungesunder Lifestyle für die Entstehung von Krebs verantwortlich gemacht: Übergewicht, falsche Ernährung, Bewegungsmangel, hoher Alkoholkonsum oder Rauchen sind Faktoren, die eine Krebserkrankung begünstigen können. Aber auch ohne erkennbare äußere Einflüsse können sich Fehler im Erbmaterial anhäufen. Schließlich entstehen schätzungsweise fünf bis zehn von 100 Krebserkrankungen aufgrund einer erblichen Veränderung in bestimmten Genen.

Gegen Zufall und Deine Gene kannst Du natürlich nichts machen, aber einen gesunden Lifestyle mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung kannst Du umsetzen.

Das könnte Dich auch interessieren