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Ernährung

Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs: nützlich oder schädlich

In der Krebsbehandlung kann das Immunsystem eine entscheidende Rolle spielen. Doch bevor man zu Vitaminpillen oder Immunkuren greift, sollte man mit dem Ärzteteam sprechen. Wann sind Nahrungsergänzungsmittel für Menschen mit Krebs wirklich sinnvoll?

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, wenig Fleisch, dafür mit wertvollen pflanzlichen Fetten versorgt uns mit allen wichtigen Nährstoffen und stärkt das Immunsystem. Darüber hinaus gibt es viele  Wege, die eigenen Abwehrkräfte  zu unterstützen. Doch bei Krebs kann es trotz allem zu einer Unterversorgung mit Vitaminen oder Spurenelementen kommen. Da stellt sich die Frage: Macht es für mich Sinn, zu künstlichen Präparaten zu greifen?  

Woher weiß ich, ob ich unterversorgt bin?

Im besten Fall wird dein Ernährungszustand schon bei der Diagnose untersucht. Körpergewicht, Größe, Fett- und Muskelanteil, eventuelle Wassereinlagerungen – deine Ärztin oder dein Arzt misst nicht nur diese und andere wichtige Werte, sondern stellt dir auch Fragen wie: Hast du in den letzten drei Monaten Gewicht verloren? Wie hat sich dein Appetit entwickelt? Wieviel isst du gewöhnlich?  

Das kann im ersten Schritt schon ausreichen, um auf das Risiko einer Mangelernährung hinzuweisen. In weiteren Untersuchungen kann dann ein eventueller Energie- und Nährstoffmangel erkannt werden. Dieser wird bei Bedarf mit einer individuell angepassten Ernährungsumstellung behandelt und die Entwicklung in regelmäßigen Kontrollen überprüft. 

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs sinnvoll?

Menschen, die an Krebs erkrankt sind, haben als Folge der Chemo- oder Strahlentherapie oft mit Übelkeit, Appetitmangel oder entzündeter Mundschleimhaut zu kämpfen. Eine ausgewogene Ernährung und somit ausreichende Nährstoffversorgung sind dann oft nicht leicht  umzusetzen. Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel können hier sinnvoll sein. Am sichersten ist es, zusammen mit deinem Ärzteteam  den genauen Bedarf an Vitaminen oder Spurenelementen festzustellen, um einen Mangel gezielt ausgleichen zu können. So weißt du genau, welche Präparate dir wertvolle, bisher fehlende Nährstoffe liefern. Außerdem kannst du dann sicher sein, dass die Nahrungsergänzungsmittel keine Wechselwirkungen mit deinen Krebsmedikamenten hervorrufen.1

Welches Vitamin bewirkt eigentlich was?

Vitamin D beeinflusst das Immunsystem, indem es die Killer-Zellen gegen Viren und Bakterien mobilisiert. Fehlt Vitamin D, kann das Immunsystem nicht ausreichend reagieren. Carotinoide und Vitamin A unterstützen das Zellwachstum und sind zum Beispiel wichtig für die Regeneration der Schleimhäute während einer Chemo- oder Strahlentherapie.2

Nahaufnahme einer halben Zitrone neben zwei Zweigen Rosmarin.
Gut fürs Immunsystem: Vitamin C
© morizwardian / shutterstock

Viele Vitamine wie Vitamin C, E oder Beta-Carotin wirken als sogenannte Antioxidantien. Das heißt, sie können aggressive Sauerstoffverbindungen im Körper unschädlich machen, die Krankheiten auslösen können. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Vitamin-C-reiche Ernährung Lungenkrebs vorbeugen kann. Zudem zeigen Studien, dass hohe Vitamin-C-Gaben unangenehme Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie lindern können.2

Vitamine – ein zweischneidiges Schwert

Patientinnen und Patienten, die tatsächlich mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen unterversorgt sind, benötigen möglicherweise Ersatz durch entsprechende Nährstoffpräparate. Denn ein Mangel kann negative Auswirkungen auf den Verlauf einer Krebserkrankung, als auch auf die Therapie, die Prognose und die Lebensqualität der Betroffenen haben.3 

Die Einnahme  sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da sich einige Vitamine auch nachteilig auswirken oder sogar schaden können. Zumindest, wenn sie nicht allein mit der Nahrung zugeführt werden. Wenn du dich einigermaßen ausgewogen ernährst, ist es so gut wie ausgeschlossen, dass dein Körper zu viele Vitamine erhält.

Anders sieht es bei mit Vitaminen angereicherten Getränken (z. B. ACE-Säften) oder Nahrungsmitteln aus. Auch bei (hochdosierten) Kapseln aus der Drogerie oder Apotheke ist Vorsicht angesagt.  

Manche Vitamine und andere Mikronährstoffe können zu unerwünschten Wechselwirkungen mit der Krebstherapie führen.

So kann die Wirkung einer Chemo- oder Strahlentherapie verstärkt, aber auch vermindert werden.1,2 Weiß dein Ärzteteam nicht, dass du Nahrungsergänzungsmittel zu dir nimmst, kann  die Therapie eventuell nicht richtig geplant oder angepasst werden.   

Es empfiehlt sich daher, nach deiner Analyse der Blutwerte im Arztgespräch gemeinsam über die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zu entscheiden. So wird sichergestellt, dass du nur bei tatsächlichem Bedarf Vitamine zu dir nimmst und diese ganz gezielt auf deine individuelle Situation zugeschnitten sind.

Auch in der Vorbeugung von Krebserkrankungen ist die eigenmächtige Einnahme von Vitaminpräparaten nicht ungefährlich. Hochdosiertes Vitamin B6 oder B12 kann beispielsweise das Krebsrisiko bei Männern erhöhen. Eine langfristig erhöhte Aufnahme von Beta-Carotin steigert möglicherweise gerade bei starken Rauchern das Lungenkrebsrisiko. Raucher sollten daher Präparate mit mehr als 20 Milligramm Beta-Carotin nicht verwenden.4 

Vorsicht bei laufenden Therapien: Eine zu hohe Dosis bestimmter Vitamine kann auch den gewünschten Effekt der Chemo- und Strahlentherapie schwächen.

Expertinnen und Experten warnen grundsätzlich davor, Vitaminpräparate hochdosiert einzunehmen, da nicht alle Wirkmechanismen auf den Körper bekannt sind.

Vorsicht bei Selen

Frühere Untersuchungen deuteten an, dass Selen – ein für den Menschen lebensnotwendiger Nahrungsbestandteil – vor Krebs schützen könnten. Darauffolgende Studien konnten dies jedoch nicht bestätigen. Zudem kann die Gabe von Selen das Risiko für andere Erkrankungen erhöhen und ist in hohen Dosen giftig. Das Leitlinienprogramm Onkologie empfiehlt Selen daher ausdrücklich nicht zur Krebsvorbeugung.5 

Zitrusfrüchte – aufs Timing kommt es an

In der Regel beeinflussen Nahrungsmittel eine Strahlen- oder Chemotherapie nicht negativ. Es gibt aber einige Ausnahmen:

Zitrusfrüchte wie beispielsweise Grapefruits oder Pampelmusen können die Wirkung von einigen Krebsmedikamenten abschwächen.

Am Tag der Bestrahlung sollte zudem eine größere Menge Orangensaft vermieden werden, da sonst Nebenwirkungen an Haut und Schleimhaut verstärkt werden könnten.

Was raten die Experten?

Ob eine zusätzliche Gabe von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln in deiner Situation sinnvoll ist, besprichst du am besten mit deinem Ärzteteam. Gerade während einer Therapie ist es wichtig, diesen Rat einzuholen, bevor du mit der Einnahme von zusätzlichen Präparaten beginnst.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00014783

Quellen

¹ https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/nahrungsergaenzung-in-der-krebstherapie.html, zuletzt abgerufen am 3.11.2022

² https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/basis-informationen-krebs-bewusst-leben-ernaehrung/mit-vitaminen-kre.html, zuletzt abgerufen am 3.11.2022

³ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26985904/, zuletzt abgerufen am 3.11.2022

⁴ https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/vitamin-praeparate-mit-beta-carotin-werden-fuer-raucher-verboten/, zuletzt abgerufen am 3.11.2022

⁵ https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Komplement%C3%A4r/Version_1/LL_Komplement%C3%A4r_Langversion_1.0.pdf, zuletzt abgerufen am 3.11.2022

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