Bei Allergikern und Krebspatienten spielt das Immunsystem bei der Entstehung ihrer Erkrankung eine zentrale Rolle. Welche gemeinsamen Mechanismen gibt es? Allergoonkologen wollen die Forschungsbereiche Allergologie und Onkologie verbinden, um solche Mechanismen besser verstehen zu können. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse für innovative Behandlungsmöglichkeiten in der Krebstherapie.

Tumorzellen tricksen das Immunsystem aus

Normalerweise bekämpft Dein Immunsystem mit seinen Abwehrzellen Erreger wie Bakterien, Viren, Parasiten oder entartete Zellen, aus denen Tumoren entstehen können. Manche Tumorzellen können das Immunsystem austricksen, indem sie sich „tarnen“. Das Immunsystem erkennt die Tumorzellen nicht mehr als entartete Zellen, die es bekämpfen muss, sondern verschont sie. So kann der Tumor ungestört wachsen.

Immuntoleranz: Wenn das Immunsystem kaum reagiert

Als Antigene werden unter anderem fremde Eiweißstoffe bezeichnet, gegen die das Immunsystem Antikörper bildet, um sie zu bekämpfen. Gegen jedes Antigen bildet das Immunsystem einen speziellen Antikörper, der wie ein Schlüssel zu diesem speziellen Antigen passt.

Solche Tumorzellen „tarnen“ sich vor dem Immunsystem. Der Begriff Immuntoleranz bezeichnet diese verminderte Reaktion des Immunsystems auf Strukturen, die dem Körper schaden können. Diese Strukturen werden auch Antigene genannt. Zu den Antigenen zählen zum Beispiel auch Viren oder Bakterien.

Manchmal können Ärzte eine Immuntoleranz beeinflussen, zum Beispiel durch Medikamente. Sie werden etwa bei Organtrasplantationen eingesetzt, um eine Abstoßungsreaktion des Immunsystems zu unterdrücken (Immunsuppressiva).

Allergien: Wenn das Immunsystem übereifrig ist

Das Immunsystem von Allergikern dagegen reagiert zu stark auf eigentlich harmlose Stoffe, wie zum Beispiel Gräserpollen oder Schimmelpilzsporen. Es hält Pollen oder Schimmelsporen für gefährliche Krankheitserreger und bekämpft sie. Bei Allergikern bildet der Körper bei Kontakt mit solchen Allergie auslösende Stoffen (Allergenen) vermehrt spezielle Antikörper, unter anderem sogenannte Immunglobuline E (IgE, auch „IgE-Antikörper“ genannt).
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Diese Antikörper sollen die vermeintlich schädlichen „Eindringlinge“ abwehren. Einmal in Kontakt mit speziellen Allergenen, reagieren Allergiker dann mit typischen Krankheitssymptomen wie Schnupfen, Kopfschmerzen oder Schwellungen der Schleimhäute. Besonders betroffen sind die oberen Atemwege und die Augen.

Neue Therapieansätze für Krebspatienten und Allergiker

Allergoonkologen untersuchen, ob sich das Wissen über IgE-Antikörper im Kampf gegen Krebs einsetzen lässt.¹ Vielleicht können IgE-Antikörper bestimmte Tumorzellen erkennen und diese gezielt angreifen. Ähnlich wie sie das bei Pollen oder anderen Allergie auslösenden Stoffen tun. Die Allergoonkologen hoffen, aus diesem Forschungsansatz neue Therapeutika gegen Krebs entwickeln zu können.
Schützt eine Allergie vor Krebs?
Tatsächlich scheinen Allergiker mit ihrem extrem reagierenden Immunsystem seltener an Lymphomen und Pankreaskarzinomen zu erkranken.² Da jedoch viele andere Faktoren bei der Entstehung von Tumoren eine Rolle spielen, zum Beispiel Umwelteinflüsse oder Lebensgewohnheiten, sind solche Aussagen nicht eindeutig.

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Unter anderem spielen Umwelteinflüsse und Lebensgewohnheiten bei der Entstehung von Tumoren eine Rolle.
Je besser Wissenschaftler diese komplexen Zusammenhänge verstehen, desto besser können sie die Immunreaktion gegen Tumorzellen einsetzen oder die überschießende Immunantwort bei Allergikern normalisieren. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung beider Krankheitsfelder.

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