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Sicheres Netz: Leistungen der Pflegeversicherung bei Krebs

Im Alltag steht einiges auf dem Programm: einkaufen, kochen, putzen und vieles mehr. Krebspatienten kann schnell die Kraft fehlen, all dies neben den Anforderungen der Therapie zu bewältigen. Dann steht die Pflegeversicherung zur Seite. Welche Leistungen bietet sie und wie werden sie beantragt?

Eine Krebserkrankung raubt Kraft und Energie. Manchmal so viel, dass es unmöglich scheint, die alltäglichen Dinge zu erledigen. Dann wird es schwierig, sich selbst zu versorgen und das Leben zuhause im Griff zu behalten. Das gilt ganz besonders für alleinstehende Krebspatienten. Wenn ein Partner, Kinder oder ein sonstiges tragfähiges soziales Netz fehlen, ist professionelle Hilfe gefragt – und steht Dir sogar zu. Diese gewährt die Pflegeversicherung. Um die Leistungen beziehen zu können, müssen allerdings drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Du bist gesetzlich krankenversichert. Bei Privatversicherten gelten die im Vertrag vereinbarten Bedingungen.
  2. Du erfüllst die nötige Vorversicherungszeit
  3. Du bist auf zusätzliche Pflege angewiesen.

Ob dies zutrifft, entscheidet die Versicherung auf Basis eines medizinischen Gutachtens. Doch auch, wer privat krankenversichert ist, hat Anspruch auf Pflegeleistungen, wenn in eine private Pflegeversicherung eingezahlt wird.

Die Vorversicherungszeiten sind erfüllt, wenn der Versicherte in den zehn Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Jahre lang Mitglied war. Versicherten, die von einer privaten zurück in die gesetzliche Krankenversicherung gewechselt sind, werden zwei Jahre Vorversicherungszeit angerechnet.

Wer gilt als pflegebedürftig bei Krebs?

Die Kriterien für die Pflegebedürftigkeit sind klar definiert. Das Gesetz formuliert es so: „Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, mindestens sechs Monate … bestehen“. Übersetzt man die Juristensprache, heißt das: Pflegebedürftig ist, wer gesundheitliche Einschränkungen hat, sodass die Aufgaben des Alltags Hilfe von anderen Menschen notwendig macht. Wie stark diese Einschränkungen und damit der Grad der Pflegebedürftigkeit sind, wird mithilfe eines medizinischen Gutachtens ermittelt. Dieses erstellt meist der Medizinische Dienst (MDK) der Krankenkassen oder aber ein unabhängiger, anerkannter Gutachter.   

Wie wird die Pflegebedürftigkeit geprüft?

Bei der Begutachtung wird geprüft, wie selbstständig Du im Alltag bist. Dabei stehen sechs Lebensbereiche im Fokus:

  • Mobilität, zum Beispiel die Fähigkeit, im Bett die Liegeposition zu wechseln
  • Geistige und kommunikative Fähigkeiten, zum Beispiel die Fähigkeit, Angehörige zu erkennen oder sich örtlich und zeitlich zu orientieren
  • Verhalten, zum Beispielnächtliche Unruhe, verbale Aggression als auch möglicherweise das Zerstören von Gegenständen
  • Alltägliche Selbstversorgung, zum Beispiel Waschen, Duschen, Baden, An- und Auskleiden, Essen sowie ausreichendes Trinken
  • Medizinische Selbstversorgung, zum Beispiel Medikamenteneinnahme, Injektionen, Verbandswechsel oder de Wundversorgung
  • Alltagsleben und soziale Kontakte, zum Beispiel Einhalten eines Schlafrhythmus, Gestaltung der Tagesstruktur, Beschäftigung.

Für jeden Bereich wird anhand von festgelegten Kriterien und Fragen anhand eines Punktesystems dokumentiert, welchen Aufwand Deine Pflege bedeutet. Die Gesamtpunktzahlen in den sechs Lebensbereichen gehen – unterschiedlich stark gewichtet – in das Gesamtergebnis ein. Dieses entscheidet darüber, welchen Pflegegrad Du erhältst. Insgesamt gibt es fünf Pflegegrade. Diese haben bei der Pflegereform im Jahr 2017 die früheren „Pflegestufen“ ersetzt.

Gibt das Gesamtergebnis des Gutachtens grünes Licht, besteht Anspruch auf Unterstützung durch die Pflegeversicherung. Nach dem ermittelten Pflegegrad richtet sich die Höhe der Leistungen. Wer umfangreichere Hilfe benötigt, erhält also höhere Leistungen. Doch auch bei geringfügigen Einschränkungen ist es bereits möglich, Unterstützung zu erhalten – sei es Hilfe im Haushalt, bei Behördengängen, medizinischen Leistungen und vielem mehr.

Übrigens: Der Antrag auf Pflege, beziehungsweise auf Feststellung des Pflegegrads, ist bei der Pflegekasse zu stellen, die Deiner Krankenkasse angegliedert ist. Wer sich in stationärer Behandlung befindet, kann Hilfe bei der Antragsstellung durch den Sozialdienst der jeweiligen Klinik erhalten.

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Quellen

¹ N. Bauschert, M. Welp, C. Vetter, Hilfen für Arbeitnehmer in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (Broschürenreihe Den Alltag trotz Krebs bewältigen), Herausgeber: Roche Pharma AG, © WORTREICH GIK mbH, 15. Auflage 2018.

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