Das K Wort - Diagnose Krebs
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Freundschaft

Wie Krebs soziale Beziehungen belastet

Bei Krebs hört die Freundschaft auf – zumindest manchmal. Wenn gute Freunde plötzlich auf Tauchstation gehen und den Kontakt meiden, fühlst du dich im Stich gelassen und ausgegrenzt. Warum ist das so und was kannst du dagegen tun?

Die Diagnose Krebs ist für jeden eine Extremsituation. Du bist mit existenziellen Ängsten konfrontiert und musst erst einmal lernen, wie du damit umgehst. Gut, wenn du Freunde hast, die dir beistehen und auf die du dich jetzt verlassen kannst. Doch das ist leider nicht immer so. Diese Erfahrung haben schon einige Menschen, die mit Krebs leben, gemacht und sich die Frage gestellt: „Was kann ich tun, wenn sich Freunde von mir abwenden?“

Freunde sind häufig überfordert und unsicher

„Aber sie war doch meine beste Freundin. Wir sind zusammen durch Dick und Dünn gegangen. Warum meldet sie sich nur nicht mehr bei mir?“ – Manchmal sind es gerade die vermeintlich besten Freunde, die sich unsichtbar machen. Doch woran liegt das? Eine Erklärung dafür lautet: Sie fühlen sich oft hilflos und wissen nicht, wie sie mit der neuen, belastenden Situation umgehen sollen. Manchmal sind Freunde von Betroffenen einfach überfordert oder haben Angst, dich mit ihren Fragen zu nerven. Ein anderes Mal sind es gutgemeinte Ratschläge, die zu echten Tiefschlägen werden. Und aus Angst etwas Falsches zu sagen, verschieben sie den Anruf immer wieder aufs Neue. Vielleicht können sie aber auch nicht unbefangen mit der Situation umgehen, da sie sich nicht mit dem Thema „Krebs“ auseinandersetzen wollen.

Betroffene fühlen sich oft ausgeliefert und ausgegrenzt

Für dich ist das Gefühl, nicht mehr teilnehmen zu können und nicht mehr dazuzugehören vielleicht auf vielen Beziehungsebenen spürbar: im Job, in der Freizeit oder in der Partnerschaft. Gedanken wie diese ziehen Dir durch den Kopf: „Ich bin raus aus dem Spiel, zum Zuschauen verdammt, und der Abstand zu den anderen vergrößert sich mit jedem Tag. Ich habe das Gefühl, dass die anderen sich abwenden, weil es ihnen zu anstrengend ist, sich mit mir zu befassen – vor allem emotional anstrengend. Ich raube anderen die Kraft und sie meiden mich genau aus diesem Grund. Ich passe nicht mehr in ihr Konzept von „shiny happy people“.

Illustration von zwei Personen, die miteinander sprechen
Offene Kommunikation ist wichtig, um Freundschaften aufrecht zu erhalten
© GoodStudio / shutterstock

Ina

„Es ist nicht leicht, jemanden um Hilfe zu bitten.“

Story

Ina (36) ist kreativ begabt und eigentlich ein humorvoller Mensch. Seit ihrer Diagnose vermisst sie den unbekümmerten Umgang mit Freunden.

„Ich hätte mich gefreut, wenn du mal nach mir gesehen hättest. Es ist nicht leicht, jemanden um Hilfe zu bitten. Beim besten Freund hofft man irgendwie, dass man nicht fragen muss. Wie gern hätte ich mir einfach alles von der Seele geredet. Wir konnten doch auch vorher immer über alles sprechen.“

— Ina P., Leukämiepatientin

Juliane

„Ich habe Angst, Ina mit meinen Fragen zu belasten oder zu verletzen und fühle mich häufig hilflos.“

Story

Juliane (37) kennt Ina seit Kindertagen. Sie kämpft nun mit dem schlechten Gewissen, Ina nicht mehr und besser beistehen zu können.

„Ich dachte, du wolltest Deine Ruhe haben, damit du dich erholen kannst. Ich war mir nicht sicher, ob du wolltest, dass ich dich so sehe. Ich weiß gar nicht, wie ich Dir helfen kann. Ich hab doch von Krebs und Deiner Krankheit gar keine Ahnung und will dich nicht mit dummen Fragen nerven. Ich habe auch Angst, etwas zu sagen, was dich verletzt.“

— Juliane T., Inas beste Freundin

Freunde bleiben trotz Krebs – Tipps

Einfach einmal über alles reden: Nicht nur über Therapie, Erkrankung und Arzttermine, sondern auch über Ängste und Sorgen. Es ist für beide Seiten nicht einfach, die richtigen Worte zu finden, und das könnt Ihr Euch auch sagen! Zeigt Euch, wie wichtig Ihr füreinander seid und was Ihr einander bedeutet.

Ehrlich bleiben: Muss ich meinen Freunden etwas vorspielen oder die Krankheit verschweigen? Sollte ich mich zusammenreißen und immer auf positiv machen, damit ich meine Freunde nicht verliere? Bleibe ehrlich, aber überfordere den anderen nicht. In einer Freundschaft müssen auch unangenehme Themen wie Traurigkeit und Angst Raum haben.

Gemeinsam Zeit verbringen: Zeit miteinander zu verbringen, ist für Euch beide wichtig. Du fühlst dich dann nicht allein und kannst die Krankheit auch mal vergessen, kommst auf neue Gedanken. Deshalb ist es wichtig, einfach einander zuzuhören, dazuzugehören, nicht abgehängt und ausgegrenzt zu sein.

Du bleibst du: Egal, ob du krank oder gesund bist – ein echter Freund akzeptiert dich in allen Lebenslagen und kümmert sich. Deine Erkrankung kann eine Feuerprobe für Eure Freundschaft werden. Doch wer nur in guten Zeiten an deiner Seite steht, ist kein wirklicher Freund.

Mach deinen Freund zum Mitstreiter: Bitte um Unterstützung und beziehe ihn in deine Behandlung mit ein. Zum Beispiel indem du fragst, ob er dich zu deiner erste Therapiesitzung – sei es Chemo- oder Strahlentherapie –  begleitet. Das baut Berührungsängste abund stärkt Eure Verbindung.

Gleichgesinnte suchen: Erweitere deinen Freundeskreis um Menschen, die eine ähnliche Situation bewältigen müssen. In Selbsthilfegruppen – bei dir vor Ort oder im Internet – kannst du dich offen austauschen und begegnest anderen Krebspatienten, die wissen, wovon du redest.

„Krebs-Buddy“ finden: Bleibe offen für neue Freunde. Während der Chemotherapie sind schon häufig Freundschaften mit anderen Patienten entstanden. Einige Krebspatienten haben so ihre „Chemo-Freundin“ oder ihren „Krebs-Buddy“ kennengelernt. Gemeinsam lässt sich die Therapie einfacher durchstehen. Auch während einer Reha kannst du neue Bekanntschaften schließen.

Für Freunde und Angehörige heißt das: Ruft an, geht vorbei und bietet Eure Hilfe an. Geht mit zum Arzt oder einkaufen. Fragt Euren Freund oder Eure Freundin, wie Ihr ganz konkret helfen könnt. Gebt ein bisschen Eurer Kraft weiter!

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