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Darmkrebs: Symptome, Diagnose und Therapie

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Dank wirkungsvoller Vorsorge ist die Zahl der Neuerkrankungen rückläufig. Früh erkannt lässt er sich oftmals heilen. Hier erfährst du mehr über die Erkrankung, mögliche Ursachen, Risikofaktoren, Symptome und Behandlungsmethoden.

Von Darmkrebs spricht man, wenn sich in einem oder mehreren Abschnitten des Verdauungsorgans bösartige Tumoren gebildet haben. Betroffen sind meist der Dickdarm (Kolonkarzinom) oder der Mast- bzw. Enddarm (Rektumkarzinom). Am häufigsten tritt Darmkrebs in den unteren 30 bis 40 Zentimetern des Dickdarms auf. Selten ist dagegen Krebs im Dünndarm und im Bereich des Afters.

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Wie häufig ist Darmkrebs?

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Jährlich erkranken etwa 60.000 Menschen neu daran, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. So gab es im Jahr 2016 insgesamt 58.290 1 Neuerkrankungen, wovon 32.300 auf Männer und 25.990 auf Frauen entfielen. Allerdings geht die Zahl der Neuerkrankungen seit einigen Jahren zurück, was sicherlich auch der zunehmend engmaschigen Darmkrebsvorsorge zu verdanken ist.

Doch obwohl Jahr für Jahr weniger Menschen neu an Darmkrebs erkranken, steigt der Anteil der Unter-50-Jährigen Darmkrebspatienten. Warum das so ist, weiß man (noch) nicht. Grundsätzlich sind jedoch überwiegend ältere Menschen betroffen, mehr als 50 Prozent der Patienten sind 70 Jahre und älter.

Zwei Männer unterschiedlicher Generationen stehen sich einander am Ufer eines Gewässers gegenüber
Mehr als die Hälfte der Darmkrebspatienten ist über 70 Jahre alt, doch der Anteil der Erkrankten unter 50 steigt aus noch unbekanntem Grund.
© ROB AND JULIA CAMPBELL / Stocksy
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Ursachen und Risikofaktoren von Darmkrebs

Darmkrebs entsteht, wie alle Krebsarten, wenn sich das Erbgut einer Zelle verändert. Unsere Zellen erneuern sich regelmäßig – alte sterben ab, neue werden gebildet. Das gilt für den Darm ganz besonders; die Darmschleimhaut erneuert sich innerhalb nur weniger Tage komplett. Dazu müssen sich immer wieder sehr viele Zellen teilen, wobei es zu Fehlern bei der Übertragung der Erbinformationen kommen kann. Normalerweise werden diese Fehler automatisch korrigiert: Die veränderte Zelle zerstört sich selbst. Versagt dieser Mechanismus, greift das Immunsystem ein, das die fehlerhafte Zelle erkennt und vernichtet. Krebszellen setzen diese Schutzmechanismen jedoch außer Kraft. Statt abzusterben, teilt sich die entartete Zelle weiter und weiter. Aus den vielen fehlgesteuerten Zellen entsteht eine Geschwulst, der Tumor. Unbehandelt wächst er kontinuierlich weiter. Gelangen Tumorzellen über die Lymph- und Blutbahnen in andere Körperregionen, können Absiedlungen, sogenannte Metastasen entstehen.

Was genau die Mutation von gesunden Zellen zu Krebszellen auslöst, ist noch nicht vollständig geklärt. Man weiß aber, dass es einige Faktoren gibt, die das Krebsrisiko erhöhen können. Bei Darmkrebs steht dabei das Alter an erster Stelle – mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko, daran zu erkranken.

Außerdem kann die Wahrscheinlichkeit von Darmkrebs zunehmen, wenn

  • Du rauchst
  • Du regelmäßig viel Alkohol trinkst
  • Du Übergewicht hast
  • Du Dich zu wenig bewegst
  • Deine Ernährung überwiegend aus Fleisch und Wurst besteht und Du kaum Ballaststoffe zu Dir nimmst
  • Du an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leidest
  • Du Polypen im Dickdarm hast, das sind gutartige Wucherungen, aus denen ein Tumor entstehen kann, aber nicht muss
  • Enge Familienangehörige Darmpolypen oder Darmkrebs haben oder hatten
  • In Deiner Familie eine bestimmte Genveränderung vorliegt
  • Bei Dir oder engen Verwandten bereits eine andere Krebsart ausgebrochen ist, zum Beispiel Haut-, Magen-, Blasen- oder Eierstockkrebs 

Wenn einer oder mehrere Faktoren auf dich zutreffen, heißt das aber nicht, dass du auf jeden Fall Darmkrebs bekommst, sondern nur, dass dein individuelles Risiko für diese Krebsart erhöht ist. 

Prävention

Du kannst selbst etwas dazu beitragen, dich vor Darmkrebs zu schützen. Empfehlenswert ist vor allem eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung. Außerdem solltest du möglichst nicht rauchen und wenig Alkohol trinken. Wenn du übergewichtig bist, kannst du versuchen, durch eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung abzunehmen. Dein Hausarzt wird dich hierzu beraten, wenn du das wünschst. Wenn Darmkrebs in deiner Familie gehäuft auftritt und insbesondere nahe Verwandte wie Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkel oder Tanten – vor allem im Alter unter 60 Jahren – daran erkrankt sind, kann eine familiäre Genveränderung dahinter stecken. Zur Klärung empfiehlt sich der Besuch einer qualifizierten genetischen Beratungsstelle. Erhärtet sich der Verdacht auf eine genetische Veränderung in deiner Familie, kannst du dort einen prädiktiven Gentest durchführen lassen. Daran lässt sich erkennen, ob du Träger dieses veränderten Gens bist oder nicht. Bei positivem Testergebnis empfehlen sich regelmäßige, engmaschige Vorsorgemaßnahmen

Früherkennung ist der beste Schutz

Regelmäßige Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen gehören ab einem bestimmten Alter im Rahmen des Darmkrebs-Screening zu den Standardleistungen der Krankenkassen. Denn Früherkennung spielt bei Darmkrebs eine ganz wesentliche Rolle: Laut Deutscher Krebsgesellschaft können 90 Prozent aller Darmkrebspatienten bei einer frühen Diagnose geheilt werden. Außerdem kann Darmkrebs mithilfe von speziellen Früherkennungsuntersuchungen sogar verhindert werden.

90 Prozent aller Darmkrebspatienten können bei einer frühen Diagnose geheilt werden.

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft

Das Programm zur Darmkrebsvorsorge in Deutschland sieht eine Darmspiegelung vor, die unter Kurznarkose durchgeführt wird. Dabei kann der Arzt Gewebeveränderungen im Dick- und Enddarm erkennen, indem er einen dünnen Schlauch mit einer kleinen Kamera in das Organ einführt. Auch Darmpolypen werden sichtbar und können mit einer kleinen Drahtschlinge direkt entfernt werden. So kann sich daraus kein Darmkrebs entwickeln. Da Männer ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben, können sie diese Untersuchung ab einem Alter von 50 Jahren durchführen und nach 10 Jahren einmal wiederholen lassen. Frauen steht dies ab 55 Jahren zu. Zum Darmkrebsvorsorgeprogramm gehört außerdem ab einem Lebensalter von 50 Jahren einmal jährlich ein immunologischer Stuhltest, mit dem sich verstecktes Blut im Stuhl nachweisen lässt. Dies kann auf Darmpolypen oder einen Darmtumor hinweisen. Ab 55 Jahren wird dieser Test im Zweijahresrhythmus angeboten, sofern keine Darmspiegelung stattgefunden hat. Allerdings bluten nicht alle Darmtumoren. Andersherum können auch andere Darmerkrankungen mit Blutungen einhergehen. Der Stuhltest ist deshalb zur Erkennung von Darmkrebs nur bedingt geeignet. Verlässlichere Ergebnisse liefert die Darmspiegelung.

Bei einem Verdacht ist eine zusätzliche Untersuchung jedoch immer möglich. Anzeichen können zum Beispiel sein:

  • Blut im oder am Stuhl
  • Veränderte Stuhlgewohnheiten, beispielsweise bleistiftdünner Stuhl, der Wechsel von Verstopfung zu Durchfall oder umgekehrt
  • Entleerung von etwas Blut, Schleim oder Stuhl beim Abgang von Blähungen
  • Blässe
  • Ständige Müdigkeit oder Abgeschlagenheit
  • Leistungsabfall
  • Gewichtsabnahme
  • Tastbare Verhärtungen im Bauchraum
  • Vergrößerte Lymphknoten
  • Bauchschmerzen, die länger als eine Woche anhalten
  • Laute Darmgeräusche oder Rumoren
  • Starke, anhaltende Blähungen
  • Häufiger Stuhldrank
  • Entleeren von auffallend übel riechendem Stuhl.
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Symptome von Darmkrebs

Darmtumoren wachsen langsam über Jahre hinweg. Da sie lange keine Beschwerden verursachen, ist die Gefahr groß sie erst in fortgeschrittenem Stadium zu entdecken. Unter anderem deshalb ist die Früherkennung so wichtig.

Ein Mann legt unterwegs eine Hand auf seinen Bauch
Verschiedene Ausprägungen von Verdauungsstörungen können Anzeichen für Darmkrebs sein.
© DjelicS / iStock

Typische Anzeichen, die auf einen Tumor im Darm hinweisen können, sind:

  • Blut im Stuhl: Manche Darmtumoren bluten mehr oder weniger intensiv. Das Blut lagert sich auf dem Stuhl ab, ist aber meist mit bloßem Auge nicht erkennbar, sondern nur mithilfe eines Stuhltests.
  • Vermehrter Schleim auf dem Stuhl: Im Darm sorgt Schleim dafür, dass die Verdauungsmasse besser rutscht. Darmtumoren, die aus den Schleim produzierenden Zellen des Darms hervorgehen, produzieren besonders viel von diesem Schleim.
  • Andauernder Durchfall oder Verstopfung bzw. beides im Wechsel
  • Häufiger Stuhldrang ohne Entleerung
  • Bauchkrämpfe
  • Blutarmut
  • Appetitlosigkeit, ungewollter Gewichtsverlust

Du leidest unter einem oder mehreren dieser Symptome? Sicherheit kann ein Arztbesuch geben, um die Beschwerden abklären zu lassen. Doch keine Angst: Diese Anzeichen können auch andere Ursprünge haben. Und: Je früher Darmkrebs erkannt wird, desto besser lässt er sich behandeln und heilen.

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Diagnose bei Darmkrebs

Wichtig für die Diagnosestellung sind Informationen über das eventuelle Vorhandensein, die Dauer, Ausbreitung und Aktivität von Vorerkrankungen (vor allem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) sowie mögliche (Darm-) Krebserkrankungen in deiner Familie. Außerdem helfen deinem Arzt Informationen über Risikofaktoren. Hier solltest du ehrlich über Gewohnheiten wie das Rauchen oder den regelmäßigen Konsum von Alkohol sprechen, die sich ungünstig auf dein Darmkrebsrisiko auswirken können. Nach dem ausführlichen Gespräch (Anamnese) steht eine gründliche körperliche Untersuchung an, bei der dein Arzt auch den Mastdarm austastet.

Darmspiegelung

Bei Verdacht auf Darmkrebs wird dein Arzt außerdem eine Darmspiegelung veranlassen. Diese darf nur von speziell dafür ausgebildeten Fachärzten durchgeführt werden. Die Darmspiegelung kann sich auf den Mastdarm beschränken (Rektoskopie), den höher gelegenen Dickdarmabschnitt sowie das Rektum untersuchen (Sigmiodoskopie) oder den gesamten Dickdarm betreffen (Koloskopie). Stellt der Arzt Gewebeveränderungen fest, nimmt er eine Gewebeprobe (Biopsie), die anschließend pathologisch auf bösartige Veränderungen untersucht wird. Wenn Darmpolypen vorhanden sind, werden diese als mögliche Krebsvorstufen während der Untersuchung entfernt.

Die Darmspiegelung ist das beste Verfahren zur Diagnose von Darmkrebs. Kommt eine Darmspiegelung aus bestimmten Gründen nicht infrage, etwa weil der Darm verengt oder durch den Tumor verschlossen ist, gibt es alternative diagnostische Verfahren. Bei der virtuellen Koloskopie wird der Darm per Computertomografie oder Magnetresonanztomografie auf einem Bildschirm dargestellt. Bei der Kapselendoskopie schluckst Du eine kleine Kapsel mit eingebauter Minikamera. Auf ihrem Weg durch den Verdauungstrakt produziert die Kamera bis zu 35 Bilder pro Sekunde.    

Steht die Diagnose Darmkrebs fest, gilt es, dein individuelles Krankheitsbild möglichst klar zu beschreiben, um die Behandlung passgenau darauf zuzuschneiden. Dazu müssen unter anderem folgende Fragen beatwortet werden: Wo genau liegt der Tumor? Wie groß ist er? Wie schnell wächst er? Hat er bereits zu Metastasen in anderen Organen geführt? Welche Eigenschaften besitzt er – spricht er beispielweise auf  Antigene an? Aufschluss darüber geben weitere spezifische Untersuchungen:

Tastuntersuchung

Der Enddarm wird abgetastet, um die Größe und Lage eines Enddarmtumors zu bestimmen.

Ultraschalluntersuchung

Mit Ultraschall kann dein Arzt Deinen Bauchraum sichtbar machen. Das ermöglicht es ihm, Metastasen, also Absiedelungen in andere Organe zu erkennen, die bei Darmkrebs besonders häufig in der Leber vorkommen. Lungenmetastasen lassen sich mit Ultraschall nicht darstellen. Zur Abklärung muss eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht werden. Bei Enddarmkarzinomen lässt sich mit einer Ultraschalluntersuchung des Enddarms mehr über die Lage und die Größe des Tumors in Erfahrung bringen (Endosonographie des Rektums).

Computertomographie (CT)

Auch mit diesem Verfahren können Metastasen aufgespürt werden. Außerdem geben die Querschnittsaufnahmen des Darminneren Aufschluss über die Größe und die genaue Lage des Tumors.

Positronenemissionstomographie (PET)

Diese Untersuchung identifiziert Tumorzellen anhand ihrer veränderten Stoffwechselaktivitäten. So benötigen schnell wachsende Krebszellen aufgrund ihres hohen Energieverbrauchs mehr von bestimmten Stoffen (wie Traubenzucker und Sauerstoff) als gesunde Zellen. Solche Stoffe dienen bei der PET als Trägersubstanzen (Tracer). Sie werden mit einer schwach radioaktiven Substanz „beladen“ und in den Blutkreislauf injiziert. Die Tracer lagern sich bevorzugt an Krebszellen an, was im PET-Verfahren sichtbar wird.   

Blutanalyse

Sind die Werte bestimmter Stoffe, sogenannte Tumormarker, im Blut erhöht, kann das auf eine Krebserkrankung hinweisen. 

Kernspintomographie/Magnetresonanztomographie (MRT)

Bei einem Tumor im Enddarm lässt sich im MRT herausfinden, ob der Tumor in die Dickdarmwand eingewachsen ist oder nicht – ein wichtiges Kriterium für die Behandlungsplanung.

Starre Retoskopie

Die behutsame Untersuchung mit einem starren Röhrchen kann bei Enddarmkrebs zeigen, wie weit der Tumor vom Darmausgang entfernt ist.

Comprehensive Genomic Profiling (CGP)

Darmkrebszellen weisen im Vergleich zu gesunden Zellen ein verändertes Erbgut auf. Forscher haben erkannt, dass die Art dieser Veränderung bestimmt, wie schnell der Tumor wächst und wie gut er auf bestimmte Therapieformen anspricht. Somit ist das genetische Tumorprofil ein wichtiger Schlüssel zur maßgeschneiderten Tumortherapie. Mit dem sogenannten Comprehensive Genomic Profiling, einer umfassenden genetischen Tumoranalyse, kommen Mediziner diesem Tumorprofil mit einem Test auf die Spur. Heute sind bereits einige Darmkrebs-Mutationen bekannt. Ein Beispiel ist die „KRAS-Mutation“. Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Betroffenen weist der Tumor diese Genmutation auf. Sie hat eine große Bedeutung für die Behandlung von metastasiertem Darmkrebs, da sie Aufschluss darüber geben kann, ob eine bestimmte zielgerichtete Therapie wirkt, die häufig bei Darmkrebs mit Metastasen zum Einsatz kommt (die sogenannte Anti-EGFR-Therapie). Denn: Tumoren mit KRAS-Mutation sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf diese Therapie an. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, die Genmutationen bei Patienten mit metastasiertem Darmkrebs zu kennen, um die individuell richtige Therapiewahl zu treffen.

Klassifizierung von Darmkrebs

Zur näheren Klassifizierung von Darmkrebs nutzen Mediziner das sogenannte TNM-Schema, wobei T für Tumor, N für Lymphknoten (Nodi=Knoten) und M für Metastasen steht:

Infografik zur TNM-Klassifikation nach Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Fernmetastasen
TNM-Klassifikation
© Das K Wort

Zusätzlich kann im Rahmen eines Gradings bestimmt werden, wie aggressiv der Tumor ist. Dazu wird eine Gewebeprobe untersucht. Dabei interessiert, wie ähnlich die Tumorzellen den gesunden Zellen in der Umgebung sind, ob sie also schwach oder stark differenziert sind von der Struktur des umliegenden, unauffälligen Gewebes.

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Behandlung von Darmkrebs

Welche Behandlung die richtige für dich ist, wägt dein Arzt auf Basis deiner individuellen Diagnose und deines Allgemeinzustands sorgfältig und gemeinsam mit dir ab. Dickdarmkrebs wird nach Möglichkeit operiert mit dem Ziel, den Tumor und die benachbarten Lymphknoten vollständig zu entfernen. Der Eingriff erfolgt meist über einen Bauchschnitt, manchmal ist aber auch eine minimal-invasive Operation mithilfe der sogenannten Schlüssellochtechnik möglich. Es kann sein, dass dir vor der Operation eine Chemotherapie, eventuell in Kombination mit einer Strahlentherapie (Radiochemotherapie), verordnet wird. Damit soll der Tumor verkleinert werden, um ihn überhaupt erst operabel zu machen. Auch nach der Operation kann eine chemo- oder radiochemotherapeutische Behandlung hilfreich sein, um eventuell verbliebene, unsichtbare Tumorzellen zu zerstören.

Die Behandlung von End- bzw. Mastdarmkrebs erfolgt ebenfalls nach Möglichkeit operativ und beinhaltet ggf. eine vorherige und/oder nachgelagerte Chemo- bzw. Strahlentherapie. Manche Enddarm-Tumoren im Frühstadium lassen sich über den Darmausgang entfernen. Dann ist kein Bauchschnitt erforderlich. In einigen Fällen liegt der Tumor so nah am Darmausgang, dass der Schließmuskel nicht erhalten werden kann. Es kann auch vorkommen, dass der gesamte Enddarm entfernt werden muss, um den Tumor vollständig zu beseitigen. In diesen Fällen legt der Operateur einen künstlichen Darmausgang, in der Fachsprache Stoma oder Anus praeter genannt. Dabei wird das Dickdarmende durch eine kleine Öffnung nach außen geführt und auf der Bauchhaut vernäht. Über dem Stoma wird ein Kunststoffbeutel angebracht, der den austretenden Stuhl aufnimmt. Oft kann der Darmausgang nach einiger Zeit wieder an seinen natürlichen Platz zurück verlegt werden.

Wenn der Darmkrebs bereits Metastasen in anderen Organen gebildet hat, müssen diese ebenfalls behandelt werden. Je nach Anzahl, Größe und Lage kommt auch hier eine Operation in Betracht. Chemo- und Strahlentherapie können zusätzlich eingesetzt werden, um die Absiedlungen zu verkleinern oder im besten Fall komplett zu beseitigen. Ist eine Operation nicht möglich, kann die Chemo- bzw. Strahlentherapie genutzt werden, um den Tumor und die Metastasen in Schach zu halten und so die Lebenserwartung und -qualität zu steigern.

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Nebenwirkungen der Therapie bei Darmkrebs

Eine Bauchoperation ist ein gravierender Eingriff. Nimm dir ausgiebig Zeit, um dich davon zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen. Wenn dir ein künstlicher Darmausgang gelegt wurde, musst du den Umgang damit lernen. Dabei stehen dir deine Ärzte und speziell ausgebildete Stomatherapeuten zur Seite. Sie helfen dir auch, mit möglichen Nebenwirkungen umzugehen. So kann deine Bauchhaut durch den künstlichen Ausgang gereizt werden, sie kann brennen, jucken oder sich entzünden. Oft schafft hier eine Anpassung der Stomaversorgung Abhilfe. Weitere mögliche Nebenwirkungen eines künstlichen Darmausgangs sind Hernien der Bauchwand, ein Darmvorfall, eine Einziehung des Darms sowie eine Darmverengung oder -blockade.

Auch die Chemotherapie und die Strahlentherapie können mit unerwünschten Wirkungen verbunden sein. Typische Nebenwirkungen der Chemotherapie sind zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall und trockene Schleimhäute. Die Strahlentherapie kann bei Darmkrebs spezifische Nebenwirkungen zeigen: So kann sich die Darmschleimhaut durch die Bestrahlung entzünden mit anschließendem Durchfall, Verstopfung oder Blähungen. Selten verkleben die Darmschlingen, sehr selten bilden sich neue Geschwulste oder Fisteln durch die Strahlenbehandlung. Da bei Darmkrebs der Unterleib bestrahlt wird, können die Geschlechtsorgane in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei Männern sind dann Potenzstörungen und eine verminderte Zeugungsfähigkeit möglich. Frauen können unter Scheidentrockenheit leiden, auch die Funktion der Eierstöcke kann beeinträchtigt werden. Um dies zu vermeiden, ist es eventuell ratsam, die Eierstöcke vor der Bestrahlung operativ zu verlagern.

Nur Mut: Die beschriebenen Nebenwirkungen treten nicht zwangsläufig auf. Im persönlichen Gespräch mit deinem Arzt lässt sich die Situation gegebenenfalls vorab bereits genauer einschätzen.

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Prognose bei Darmkrebs

Je früher Darmkrebs erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Die Prognose für Darmkrebspatienten richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung (auf Basis der TNM-Klassifikation mit vier Tumor-Stadien, von Stadium I als Frühstadium bis Stadium IV als Spätstadium).

Folgende Prognosen sind damit verbunden:

5 Jahres-Überlebensraten nach der Diagnose Darmkrebs

Rektumkarzinom:

Stadium I        95%  

Stadium II       85%    

Stadium III      55%    

Stadium IV      5%

Kolonkarzinom:

Stadium I        95%

Stadium II       90%

Stadium III      65%

Stadium IV      5% 2

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Nachsorge bei Darmkrebs

Am Ende deiner Darmkrebsbehandlung steht eine Reha auf dem Programm. Am besten suchst du dir dafür eine auf Darmkrebs spezialisierte Einrichtung aus. Wichtig sind zudem regelmäßige Kontrolluntersuchungen, zu denen dein Arzt dich einlädt. Dabei geht es darum, ein mögliches Wiederaufflammen der Erkrankung (Tumorrezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Aber nicht nur deine körperliche Verfassung ist von Interesse. Auch psychologische und soziale Fragen kannst du bei diesen Terminen mit deinem Arzt besprechen. Benötigst du beispielsweise Hilfe im Alltag? Hat die aufreibende Krebsbehandlung psychische Spuren hinterlassen, bei deren Bewältigung du dir professionelle Unterstützung wünscht? Gibt es möglicherweise Probleme beim Wiedereinstieg in den Beruf? Diese und alle weiteren Fragen, die dir auf dem Herzen liegen, kannst du bei den Nachsorgeterminen ansprechen. Anfangs finden die Kontrolluntersuchungen in kurzen Abständen statt, mit der Zeit verlängern sich die Untersuchungsintervalle. Manchmal begleiten sie dich auch ein Leben lang – und helfen dabei, den Darmkrebs möglichst für immer zu besiegen.   

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Zusammenfassung

  1. Früh erkannt, ist Darmkrebs in rund 90 Prozent der Fälle heilbar
  2. Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland
  3. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen geht kontinuierlich zurück
  4. Die meisten Darmkrebspatienten sind älter als 70 Jahre
  5. Darmkrebsvorsorge gehört ab 50 Jahren zu den von den Krankenkassen bezahlten Früherkennungsmaßnahmen
Nützliche Adressen
Deutsche Krebshilfe

Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst, findest du hier:

https://www.krebshilfe.de/helfen/rat-hilfe/psychosoziale-krebsberatungsstellen/
Deutsche Krebsgesellschaft

Informationen zu zertifizierten Krebszentren

https://www.krebsgesellschaft.de/deutsche-krebsgesellschaft/zertifizierung.html
Deutsche ILCO

Selbsthilfeorganisation für Stomaträger und Darmkrebspatienten

www.ilco.de
Deutsches Konsortium familiärer Darmkrebs

Ratsuchende finden hier hilfreiche Adressen von Beratungszentren für familiär bedingten Darmkrebs

https://www.hnpcc.de/zentren.html
Deutsche Gesellschaft für Humangenetik

Hier lässt sich gezielt nach humangenetischen Experten in der eigenen Region suchen

www.gfhev.de/de/beratungsstellen/beratungsstellen.php
Deutsches Krebsforschungszentrum

Auf der Webseite kannst du deine Adressdaten eingeben und dir Psychoonkologen in Deiner Region anzeigen lassen

www.krebsinformationsdienst.de

Quellen

¹ https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/haeufige-krebsarten/darmkrebs/, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

² https://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_10796.html, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

³ https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_inhalt.html, zuletzt abgerufen am 19.01.2021.

⁴ https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/2019/darmspiegelung.html, zuletzt abgerufen am 25.01.2021.

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