Wenn zwei Experten zusammenkommen, treffen sie eine gemeinsame Entscheidung. So sollte der Idealfall aussehen, wenn es darum geht, die richtige Therapie für eine Krebserkrankung zu finden. Denn während der erste Experte – Dein Arzt – das nötige Fachwissen hat, kennt der zweite Experte – Du – seine Lebensumstände, Vorstellungen und Werte. Denn niemand weiß so gut wie Du, wie Du Dich fühlst oder welche Risiken und Nebenwirkungen Du bei einer Therapie in Kauf in nehmen würdest.

Dein Arzt klärt Dich also umfassend und verständlich über die Diagnose, die verschiedenen Therapien mit ihren Chancen und Risiken sowie den voraussichtlichen Verlauf der Erkrankung auf und gibt Dir gleichzeitig die Möglichkeit, Deine Wünsche zu äußern und Fragen zu stellen. Hier spricht man von einer gemeinsamen Entscheidungsfindung. Im Englischen hat sich dafür der Begriff „shared decision making“ (SDM) durchgesetzt, im deutschsprachigen Raum sprechen Experten von Partizipativer Entscheidungsfindung (PEF). Dieses Prinzip ist sogar rechtlich verbrieft.

 

Das Patientenrechtegesetz sieht vor, dass Patienten umfassend aufgeklärt und an der medizinischen Entscheidung beteiligt werden.

 

Krebspatient und Arzt: Dialog auf Augenhöhe

Voraussetzung für die gemeinsame Entscheidungsfindung ist, dass Du und Dein Arzt auf Augenhöhe miteinander sprechen. Das heißt aber nicht, dass Du vor Eurem Gespräch am besten noch ein Medizinstudium absolviert oder zumindest die Fachliteratur gelesen haben musst. Vielmehr solltest Du Dich aktiv einbringen und in einen echten Dialog mit Deinem behandelnden Arzt treten.

 

Erfolgsfaktor: Gemeinsame Therapieentscheidung

Steht am Ende Eures Arzt-Patienten-Gesprächs eine gemeinsame Entscheidung für eine Therapie fest, so kann das verschiedenen Studien zufolge positive Auswirkungen auf die Therapie haben: An der Entscheidung beteiligte Patienten sind emotional und psychosozial stabiler und können den Verlauf ihrer Behandlung besser einschätzen. Außerdem sind sie eher bereit, es mit den möglichen Risiken einer Therapie aufzunehmen und halten sich häufiger an die Empfehlungen ihres Arztes. Damit trägt die gemeinsame Entscheidung entscheidend zum Erfolg der Therapie bei.

 

Stärkere Patientenbeteiligung

Obwohl sowohl Ärzte, Patienten und die Politik eine stärkere Patientenbeteiligung fordern, ist sie im Praxisalltag leider noch nicht so richtig angekommen. Studien zeigen, dass Ärzte die Therapieentscheidung bei Krebserkrankungen häufig allein oder gemeinsam mit Kollegen auf Basis medizinischer Daten treffen und Patientenwünsche dabei nur wenig berücksichtigen.

 

Therapieentscheidung © Burst / Unsplash
Jüngere Krebspatienten wollen an der Entscheidungsfindung beteiligt werden. Ältere Menschen vertrauen eher ihrem Arzt und überlassen ihm die Entscheidung.

 

Und natürlich wollen längst nicht alle Patienten aktiv werden. Es sind vorwiegend jüngere Patienten, die an der Entscheidungsfindung beteiligt werden wollen. Ältere Menschen – und damit die Mehrzahl der Krebspatienten – vertrauen hingehen eher ihrem Arzt und überlassen ihm die Entscheidung.

Ein Hindernis bei der gemeinsamen Therapieentscheidung kann der Zeitdruck sein, unter dem die Ärzte stehen. Manchmal mangelt es aber auch einfach an der Kommunikation oder dem Mut, Dinge offen auszusprechen – und zwar auf beiden Seiten. Wie mache ich meinen Standpunkt deutlich? Wie bringe ich komplizierte Sachverhalte patientenverständlich auf den Punkt? Wie stelle ich Fragen so, dass ich auch eine verständliche Antwort bekomme? Um die gemeinsame Entscheidungsfindung künftig besser in der Praxis umzusetzen, muss sicher noch einiges getan werden. Aber Du kannst schon jetzt selbst damit anfangen: Such den Dialog mit Deinem Arzt!

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