Eine kurze Zeit fasten während der Chemo? Das klingt machbar. Andererseits – warum soll ich mich in einer ohnehin schon belastenden Zeit auch noch mit Diäten befassen? Wir haben nachgefragt: Wie sinnvoll ist Kurzzeitfasten während der Chemotherapie und wann ist es vielleicht sogar kontraproduktiv?

Berliner Pilotstudie: Kurzzeitfasten unter Chemotherapie

Tatsächlich gibt es eine Berliner Pilotstudie1, die neue Hinweise auf den Nutzen des Kurzzeitfastens während einer Chemotherapie liefert. Frauen mit Brust- oder Eierstockkrebs fasteten während ihrer Chemotherapie. Sie hatten weniger Nebenwirkungen als die Teilnehmerinnen der Vergleichsgruppe. Auch Fatigue, ein lang andauernder Erschöpfungszustand, war bei den Kurzzeitfastenden seltener oder zumindest nicht so ausgeprägt. Die Berliner Forscher sehen darüber hinaus Anzeichen dafür, dass das Fasten Krebszellen empfindlicher für die Chemotherapie macht. Das heißt, Tumorzellen sterben schneller ab und die Therapie ist effektiver.

Was heißt Kurzzeitfasten während der Chemotherapie?

Die Studienteilnehmerinnen erhielten je nach Indikation vier oder sechs Chemotherapiezyklen. Mit dem Fasten starteten sie jeweils 36 Stunden vor Beginn eines Behandlungszyklus. Schluss mit Fasten war 24 Stunden nach Ende der jeweiligen Chemotherapiegabe. Insgesamt fasteten die Studienteilnehmerinnen etwa 60 Stunden. In den darauf folgenden Tagen aßen sie normal bis zum nächsten Zyklus.

© MARC TRAN / Stocksy

Während des Fastens tranken die Frauen so viel Wasser oder Kräutertee wie sie mochten. Zusätzlich durften sie zweimal 100 Milliliter Gemüsesaft oder -brühe „verspeisen“. Insgesamt standen nicht mehr als 350 Kilokalorien täglich auf dem Speisezettel.
Alle Teilnehmerinnen der Studie vertrugen das Kurzzeitfasten gut. Ihre Lebensqualität war durch die Chemotherapie weniger stark beeinträchtigt als bei Angehörigen der Vergleichsgruppe.

Was macht Kurzzeitfasten mit den (Krebs)Zellen?

Man geht in der Studie davon aus, dass gesunde Zellen auf Sparflamme schalten, wenn sie zu wenig Nahrung bekommen: Sie schränken ihr Wachstum ein und gehen in einen Erhaltungs- und Reparaturmodus. Krebszellen dagegen können das nicht. Sie wachsen unkontrolliert weiter und sind für die Chemotherapie daher besonders empfänglich und verwundbar.2

Wann solltest Du besser nicht Kurzzeitfasten?

Ist Dein Bodymaßindex (BMI) unter 19 oder hast Du kürzlich abgenommen, solltest Du besser nicht kurzzeitfasten. Sprich in jedem Fall mit Deinem Arzt darüber und starte nicht auf eigene Faust. Gleiches gilt, wenn Du eine Vorerkrankung hast, wie zum Beispiel Typ-1-Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen.

Ist Fasten immer sinnvoll während einer Krebstherapie?

Sinnvoll scheint Kurzzeitfasten nur im Rahmen einer Chemotherapie zu sein, wie in der Pilotstudie beschrieben. Für gesicherte Ergebnisse sind weitere Studien nötig. Fasten während der gesamten Krebsbehandlung ist nicht sinnvoll. Es kann Deinen Körper sogar unnötig schwächen. Langfristig braucht Dein Körper viel Kraft während einer Krebsbehandlung. Wenn Du mehr zum Thema Krebsdiäten wissen möchtest, findest Du beim K Wort interessante Infos.

Finde Deinen Weg

Du bist nicht vorbelastet durch andere Erkrankungen und hast nicht bereits an Gewicht verloren? Frage vorher immer Deinen Arzt, ob Kurzzeitfasten während der Chemotherapie für Dich infrage kommt.

Wenn Dich die Aussicht, auf Essen verzichten zu sollen, aber demotiviert, setz Dich nicht unnötig unter Druck. Wichtiger ist, dass Du Dich wohlfühlst.

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