Die Digitalisierung hat das Gesundheitswesen und den Patienten erreicht. Die telemetrische Fernbehandlung per Videochat durch den Arzt ist laut Gesetz jetzt zulässig. Was steht als Nächstes an?


Einführung des E-Rezepts seit 2020

Seit Anfang 2020 wird das E-Rezept schrittweise eingeführt. Noch ist es freiwillig. Zunächst kann Dein Arzt nur Medikamente per E-Verordnung verschreiben. Bald soll mehr möglich sein: auch andere Leistungen zum Beispiel Hilfsmittel, Heilmittel und häusliche Krankenpflege.

E-Rezept erhalten und verwalten?– ab 2022 von zuhause aus möglich

Dein Arzt händigt Dir Dein Rezept in digitaler Form aus: Er schickt es als E-Rezept zusammen mit einem Rezeptcode per App auf Dein Smartphone. Mit dem Code kannst Du auf das Rezept zugreifen. Ihn brauchst Du auch bei der von Dir ausgesuchten Apotheke, um das E-Rezept freischalten zu können. Der Apotheker liest Dein Rezept aus und gibt Dein Medikament an Dich weiter oder bestellt es. Dein Medikament kannst Du Dir auch durch einen Boten von der Apotheke nach Hause bringen lassen. Über die Software informiert der Apotheker die Krankenkasse und markiert das Rezept als „beliefert“. Alle Daten sind zuverlässig verschlüsselt. Du sparst lange Wartezeiten beim Arzt, wenn Du zum Beispiel nur ein Rezept verlängern möchtest. Auch in der Apotheke musst Du nicht vor Ort sein.
© GERDA

GERDA – E-Rezept-Pilotprojekt in Baden Württemberg


Erste Modellprojekte zum E-Rezept laufen bereits seit 2017. Sie erproben, wie sich das Rezept in elektronischer Form im Alltag gut umsetzen lässt. Seit November 2019 gibt es ein großes Pilotprojekt zum E-Rezept in Baden-Württemberg. Etwa 50 Apotheken nehmen teil.

GERDA, „Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken“, ist ein Projekt der Landesapothekerkammer und des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg. GERDA nutzt die telemedizinische Behandlungsplattform „docdirekt“. Sie wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden Württemberg angeboten. Mit der kostenlosen App „docdirekt“ kannst Du sogar online zum Arzt gehen. Dein Arzt verschreibt Dir im Videochat ein Medikament per E-Rezept. Das kannst Du dann in der Apotheke Deiner Wahl einlösen. Alles geht ganz einfach von Zu Hause aus.

E-Rezept einlösen mit GERDA – so geht’s


Dein Arzt hat Dir ein signiertes elektronisches Rezept mit Rezeptcode auf Dein Smartphone übermittelt. Jetzt kannst Du es bei der Apotheke Deiner Wahl einlösen:

1. Die am E-Rezept teilnehmenden Apotheken werden in der „docdirekt“-App angezeigt. Wähle eine Apotheke in Deiner Nähe aus.

2. Das E-Rezept leitest Du verschlüsselt diese Apotheke weiter. Über den Rezeptcode erlaubst Du der Apotheke, das E-Rezept anzusehen und weiterzubearbeiten.

3. Wenn das E-Rezept noch nicht beliefert wurde, kannst Du das E-Rezept der Apotheke auch wieder entziehen und eine andere Apotheke für die Belieferung des E-Rezeptes auswählen.

4. Die Apotheke benachrichtigt Dich in der „docdirekt“-App, ob das E-Rezept erfolgreich zugewiesen wurde und ob das Arzneimittel bestellt wird oder verfügbar ist. Du kannst in der App mit der Apotheke die Abholung oder Zustellung klären.
© AlexanderFord / iStock
An dieser Testphase des Projektes kannst Du Dich nur beteiligen, wenn Du in der Region Stuttgart oder im Landkreis Tuttlingen wohnst. In Zukunft soll GERDA in ganz Baden Württemberg zur Verfügung stehen. So oder ähnlich wird dann das E-Rezept ab 2022 bundesweit funktionieren.

E-Rezept – Pro und Contra für Patienten

Der größte Vorteil des E-Rezeptes im Rahmen der Digitalisierung: Du kannst online zum Arzt gehen und Dein E-Rezept erhalten. Behandlung und Rezepteinlösung kannst Du komplett von zu Hause aus erledigen.
 

Pro
• Abläufe werden vereinfacht und beschleunigt, wenn Du z. B. ein Rezept nachbestellen möchtest
• Die Zeiten schlecht lesbarer Rezepte sind vorbei: weniger Übertragungsfehler
• Fälschungssicher
• Apotheken und Ärzte können sich digital austauschen
• Apotheker können Dich besser beraten
• App bietet Dir eine Arzneimitteldokumentation, eine Medikationserinnerung und einen Wechselwirkungscheck: sind alle Medikamente untereinander verträglich?

Contra
• Missbrauch hochsensibler Daten im digitalen Rezept denkbar
• Weiterer Schritt zum gläsernen Patienten
• Abhängigkeit von Internet und Smartphone

Sicheres Netz für Gesundheitsdaten: Die Telematikinfrastruktur


Damit überhaupt Gesundheitsdaten im großen Stil digital, rasch und sicher versendet werden können, muss die Infrastruktur stimmen. Die sogenannte „Telematikinfrastruktur“ (TI) vernetzt alle, die am Gesundheitssystem beteiligt sind, zum Beispiel Arztpraxen, Kliniken, Krankenkassen oder Apotheken. Die meisten der 170.000 Praxen in Deutschland sind bereits angeschlossen. Bis September 2020 sollen auch alle Apotheken an die TI angedockt sein. Dann können E-Rezepte über die TI zwischen Arzt, Patienten und Apotheken ausgetauscht werden.


Das Rezept der Zukunft: gedruckt oder elektronisch?

Ab 2022 soll das E-Rezept verpflichtend eingesetzt werden. Das Rezept in Papierform soll dann Vergangenheit sein. Aber: Um das E-Rezept nutzen zu können, benötigst Du ein Smartphone. Nicht alle Menschen haben ein Smartphone oder können gut damit umgehen. Kritiker sehen insbesondere ältere Menschen benachteiligt. Sie meinen, Patienten sollten die Wahl haben, in welcher Form sie ein Rezept erhalten können.

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