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Warum Tumortestung den Unterschied macht

Krebs ist nicht gleich Krebs. So wie jeder Mensch einzigartig ist – mit seinen individuellen Eigenschaften – unterscheiden sich auch Krebserkrankungen voneinander. Dabei ist nicht nur die jeweilige Krebsart ausschlaggebend, um eine passende Therapie zu finden. Worauf kommt es an und wie kannst du mit deinem Behandlungsteam dabei vorgehen?

Erkrankt ein Mensch an Krebs, sind im Körper Zellen entartet und teilen sich unkontrolliert. Sie verdrängen oder zerstören funktionelles Gewebe. Das kann verschiedene Auslöser haben – zum Beispiel genetische Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen, Umweltfaktoren sowie der persönliche Lebensstil oder auch zufällige Fehler, die sich bei der Erneuerung von Körperzellen ergeben. Mehr über die Bedeutung solcher Mutationen erfährst du hier. Nicht immer lässt sich die Frage nach dem Warum beantworten. Doch wie es weitergehen kann, kann sich mithilfe von Tumortestung herausfinden lassen. Tumorzellen unterscheiden sich von funktionellen Körperzellen. Forschende konnten bereits mehrere Eigenschaften entdecken, die wichtig für die Entstehung von Tumorgewebe sowie die Metastasenbildung sind, darunter zum Beispiel:1,2

  • die Fähigkeit, sich zu teilen ohne Wachstumssignale des Körpers als Auslöser dafür zu benötigen
  • die Unempfindlichkeit gegenüber Signalen des Körpers, die Wachstum und Vermehrung bei gesunden Zellen hemmen, um das Gleichgewicht von Zellerneuerung und Zellsterben aufrechtzuerhalten
  • die Fähigkeit, in umliegendes Gewebe einzuwachsen oder sich sogar aus dem Gewebe zu lösen, im Körper fortzubewegen und an anderer Stelle wieder anzusiedeln
  • die Fähigkeit, sich (anders als bei gesunden Zellen) unbegrenzt oft zu teilen
  • die Fähigkeit, die Bildung weiterer Blutgefäße anzuregen, die die Tumorzellen mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgen
  • die Eigenschaft (anders als gesunde Zellen) nicht automatisch nach einer gewissen Lebensdauer abzusterben
  • die Fähigkeit, den Zellstoffwechsel zu beeinflussen
  • die Fähigkeit, sich zu tarnen, um vom körpereigenen Immunsystems nicht als entartete Zellen erkannt und beseitigt zu werden
  • die Fähigkeit, sich genetisch zu verändern, sodass das Tumorwachstum weiter vorangetrieben werden kann
  • die Fähigkeit, entzündungsähnliche Reaktionen zu verursachen, die das Tumorwachstum weiter fördern.

Tumortestung zeigt Chancen auf

Besteht Gewissheit über die Krebsdiagnose, kann der Weg, der vor dir liegt, ungewiss und unsicher wirken. Besprich ganz in Ruhe gemeinsam mit deinem Behandlungsteam, welche Therapieoptionen dir offenstehen. Schöpfe deine Möglichkeiten aus, mehr darüber zu erfahren, welche Lösungen zu deiner ganz individuellen Situation am besten passen. Bei vielen Krebserkrankungen ist die Voraussetzung für eine individuelle Behandlung eine Testung des Tumorgewebes auf genetische Veränderungen in den Krebszellen. Diese zu kennen ist wichtig, denn dadurch kannst du gemeinsam mit deinem Behandlungsteam die weiteren Schritte deiner Behandlung besprechen und mitentscheiden.

Diagramm zu Mutationen
Erfahre mehr über die verschiedenen „Genmutationen bei Lungenkrebs“ Hinweis: Abbildung Stand Juni 2022
© Das K Wort

Es gibt aber auch einige Situationen, in denen eine Tumortestung, bzw. Testung auf gewisse Biomarker nicht sinnvoll ist und dementsprechend dann auch nicht durchgeführt wird. Das kann verschiedene Gründe haben, zum Beispiel können einige Krebsarten in einem sehr frühen Stadium durch eine Operation geheilt werden, ohne dass eine zusätzliche Therapie nötig wäre. Am besten du sprichst mit deinem Behandlungsteam darüber.

Mann und Frau unterhalten sich
© Das K Wort

Erfahre im Video, wie der Austausch mit Fachärzt:innen am besten gelingen kann, damit du nicht ratlos zurückbleibst.

Welche Vorteile bringt Tumortestung?

Die speziellen Eigenschaften der Tumorzellen zu untersuchen, kann bei der Therapiefindung und -entscheidung helfen.

Die Testung deines Tumorgewebes auf genetische Veränderungen kann Aufschluss darüber geben, ob Krebszellen bestimmte Eigenschaften aufweisen, gegen die zielgerichtete Therapien zur Verfügung stehen. Anhand dieser Ergebnisse können Ärzt:innen einschätzen, welche Therapiemethode für dich am erfolgversprechendsten ist. Dadurch können dir kräftezehrende Versuche erspart und passendere Wege angesteuert werden. Anhaltspunkte für das Gespräch mit deinem Behandlungsteam rund um Möglichkeiten zur Tumortestung, kann dir unsere Checkliste geben. So stellst du sicher, alle Fragen zu klären, die dir persönlich besonders wichtig sind.

Gute Vorbereitung ist alles

Damit du auf Augenhöhe mitreden kannst, ist es hilfreich, sich vorab zu informieren. Im Gespräch selbst kannst du dir Notizen zu Begriffen machen, die du im Nachgang weiter recherchieren und bei denen du dir noch einmal durch den Kopf gehen lassen möchtest, welche Bedeutung sie für dich persönlich einnehmen. Dein Behandlungsteam kann dir Tipps geben, welche Quellen verlässliche und verständliche Informationen bieten. Eine Anlaufstelle kann zum Beispiel die Patientenleitlinie der Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe sein. Darin ist für jede Krebsart festgehalten, welche Behandlungsmethoden aktuell zugelassen sind und unter welchen Voraussetzungen sie jeweils infrage kommen.

WEITERLESEN

In unserem E-Guide erfährst du, welche Testverfahren es gibt und was du von Tumortestung erwarten kannst.

Du möchtest noch genauer wissen, wie ein genetisches Tumorprofil erstellt wird und was dabei im Detail untersucht wird? Hier erfährst du alles Wichtige rund um Mutationen, die zur Entstehung von Krebs führen, wie sie sich feststellen lassen und was sich daraus für deine Behandlung ableiten lässt:

Eine Frau bewegt sich über eine Straße mit Richtungsvorgabe
© DUET POSTSCRIPTUM / Stocksy

WEITERLESEN

Warum man genetische Veränderungen in Krebszellen kennen sollte erfährst du hier.

Du fragst dich, ob die Erstellung eines Tumorprofils bei dir infrage kommt?Finde heraus, bei welchen Patient:innengruppen es besonders sinnvoll sein kann, die Tumoreigenschaften genauer zu bestimmen.

Informieren, sich mit anderen austauschen und den eigenen Weg finden

Um deinen eigenen Weg zum Umgang mit der Erkrankung zu finden sowie eine Therapie, die bestmöglich zu dir passt, kann es hilfreich sein, sich mit anderen Menschen auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Informiere dich online oder frage dein Behandlungsteam nach Anlaufstellen zu Selbsthilfegruppen oder Patient:innenorganisationen. Erfahrungsberichte können Mut machen und inspirieren: Die Lungenkrebsbetroffene Manuela teilt im Interview beispielsweise, welche Erfahrungen sie persönlich mit Tumortestung gemacht hat. Lies hier mehr darüber, wie die Ergebnisse ihr die Chance eröffnet haben, eine passende Therapie zu erhalten, deren Erfolg sogar ihr Behandlungsteam überrascht hat.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00011823

Quellen

¹ https://www.cell.com/fulltext/S0092-8674(11)00127-9, zuletzt abgerufen am 05.07.2022.

² https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/grundlagen/krebsentstehung.php, zuletzt abgerufen am 05.07.2022.

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