Du willst einfach mal raus, abschalten und neue Kraft tanken? Du willst Urlaub machen? Dann pack die Koffer. Denn auch mit einer Krebserkrankung kannst Du in der Regel verreisen. Allerdings solltest Du Dich vorher nicht nur im Reisebüro und auf den entsprechenden Plattformen im Netz inspirieren lassen oder Reiseführer studieren, sondern auch mit Deinem behandelnden Arzt sprechen. Er kann einschätzen, wie reisefit Du bist, Dir entsprechende Tipps geben und notwendige Vorbereitungen treffen.

Reisevorbereitung zusammen mit dem Arzt

Zur medizinischen Urlaubsvorbereitung gehört unter anderem ein Check des Impfschutzes. Vor allem, wenn Du gerade eine Chemotherapie erhältst oder Deine Chemo- bzw. Strahlentherapie erst vor Kurzem abgeschlossen wurde, kann Dein Infektionsrisiko erhöht sein. Dein Arzt kann schauen, welche Impfungen für Dein Reiseziel empfohlen werden und Deinen Impfschutz entsprechend anpassen.

Ein erhöhtes Thrombose-Risiko haben Menschen, die bereits eine Thrombose hatten oder in deren Familie eine Neigung besteht. Auch bestimmte Faktoren, wie eine Operation und bestimmte Vorerkrankungen erhöhen das Risiko.

Es kann aber auch sein, dass eine eigentlich nötige Impfung nicht möglich ist. Dann solltest Du gemeinsam mit Deinem Arzt einen alternativen Urlaubsort überlegen.

Außerdem kann Dein Arzt das Risiko für eine Thrombose einschätzen. Ist es eher gering, reicht es meist schon aus, alle ein bis zwei Stunden eine kurze Bewegungseinheit einzuplanen. Vor allem bei längeren Flug- oder Busreisen können auch Beinübungen während des Sitzens und Kompressionsstrümpfe helfen. Ist Dein Thromboserisiko hoch, kann Dein Arzt Dir gerinnungshemmende Medikamente verschreiben. Viele Krebspatienten haben mit Lymphödemen zu kämpfen. Wenn Du absehbar lange unterwegs bist, solltest Du auf enge Kleidung, einseitige Belastung, Ringe, Armbänder und Uhren verzichten. Bei Lymphödemen in den Beinen und Füßen solltest Du die Schuhe anlassen. Sonst passen sie unter Umständen später nicht mehr.

Die Reiseapotheke packen

Stichwort Medikamente: Auch hier besprichst Du am besten mit Deinem Arzt, welche Medikamente Du in welcher Menge mitnehmen musst. Außerdem weiß er, ob die Arzneimittel Hitze, Kälte oder Feuchtigkeit vertragen, ob es im Reiseland vergleichbare Mittel gibt, auf die Du bei Bedarf zurückgreifen kannst oder ob Du durch die Medikamente empfindlicher auf die Sonne reagieren könntest. Wenn Du Medikamente einnehmen musst, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, stellt Dein Arzt Dir eine entsprechende Bescheinigung aus. Für sie gelten nämlich bestimmte Einfuhrbedingungen. Ansonsten gilt für die Mitnahme von Medikamenten vor allem bei Flugreisen: Sie und alle dazugehörigen Beipackzettel gehören ins Handgepäck. Das senkt die Gefahr, dass sie beim Transport verloren gehen.

Über den Wolken auf Nummer sicher

Sowohl für Krebspatienten, die vor wenigen Wochen größere Operationen im Bauchraum, Brustraum oder am Kopf hatten, als auch für Patienten mit Hirntumoren oder Hirnmetastasen sind Flugreisen eventuell nicht geeignet. Ob Du dennoch flugtauglich bist, kann der Arzt überprüfen. Das entsprechende Attest kostet zwischen 20 und 50 Euro, die Kosten musst Du selber tragen. Das Attest schützt Dich aber auch, wenn es auf dem Flug zu einem Zwischenfall kommt und Du die entstandenen Kosten für diesen übernehmen musst. Das international einheitliche Formular für die Bestätigung der Flugreisetauglichkeit bekommst Du beim Reisebüro oder auf den Internetseiten der Fluggesellschaft. Dein Arzt muss es ausgefüllt an den flugmedizinischen Dienst senden.

Menschen mit Stoma, Ports, Stents oder Implantaten sollten sich vor dem Fliegen informieren.
Flugreisen mit Krebs© Leio McLaren / Unsplash

Bei einem Stoma kannst Du auf spezielle Beutel für Flüge zurückgreifen. Außerdem hilft eine Bescheinigung über das Stoma bei Fragen an den Sicherheitskontrollen. Das gilt auch für Ports, Stents und Implantate. Sie können an den Sicherheitskontrollen Alarm auslösen. Mit der entsprechenden Bescheinigung kannst Du Unklarheiten schnell aus dem Weg schaffen.

Versicherungsschutz im Hinblick auf die Krebserkrankung abklären

Wenn Du einen Urlaub im Ausland planst und gesetzlich versichert bist, solltest Du mit der Krankenversicherung klären, in welchen Ländern sie die Kosten für eine mögliche medizinische Behandlung direkt übernimmt, wo der Arzt Vorauskasse fordert oder wo Du die Kosten selbst tragen musst. Bei Privatversicherten gilt ohnehin ausschließlich der jeweilige Vertrag. Aber auch hier kannst Du nachfragen, um auf der sicheren Seite zu sein. Unter Umständen macht es Sinn, eine private Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Sie übernimmt Kosten für Leistungen, die durch die gesetzliche Krankenversicherung nicht abgedeckt sind, etwa ein medizinisch notwendiger Rücktransport. Du musst aber wissen, dass der Versicherungsschutz in der Regel nicht greift, wenn die Erkrankung bei Reiseantritt bereits bekannt oder zu erwarten war. Deshalb solltest Du im Vorfeld mit dem Versicherer klären, ob und inwieweit Beschwerden im Zusammenhang mit der Krebserkrankung mitversichert sind.

Medizinische Informationen auf einen Blick

Damit Du im Ernstfall medizinisch richtig versorgt werden kannst, macht es Sinn, den Europäischen Notfallausweis dabeizuhaben. Neben Deinen persönlichen Daten wie Name, Geburtsdatum und Adresse, liefert er auch Informationen über Blutgruppe, Schutzimpfungen, chronische Erkrankungen, Name und Dosierung der Medikamente sowie mögliche Allergien. Auch Angaben zu Personen, die im Notfall verständigt werden sollen, sind aufgeführt. Der Ausweis ist in neun Sprachen verfasst und beim Hausarzt oder in Apotheken erhältlich. Er kostet circa vier Euro.

Wenn Du mehr Informationen zum Thema „Reisen mit Krebs“ suchst, helfen Dir folgende Links weiter:

Impfungen: Robert-Koch-Institut

Versicherungsschutz im Ausland: Bundesministerium für Gesundheit, Online-Ratgeber Krankenversicherung und Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland

Reisen mit Stoma: Deutsche Ilco

Das könnte Dich auch interessieren