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Diagnose

Eierstockkrebs: Alles, was du wissen solltest

Etwa 7.350 Frauen erkranken laut dem Robert Koch-Institut jedes Jahr neu an Eierstockkrebs.² Gefährlich ist, dass Eierstockkrebs selten früh erkannt wird. Aber warum ist das so? Wie lässt er sich feststellen? Und wie läuft die Therapie ab? Wir beantworten dir zahlreiche Fragen rund um Eierstockkrebs.

Die beiden Eierstöcke bilden die Fortpflanzungsorgane der Frau: Dort reifen Eizellen heran und es werden die Hormone Östrogen, Progesteron und geringe Mengen Testosteron gebildet. Von Eierstockkrebs – oder Ovarialkarzinom – sprechen Mediziner, wenn sich in mindestens einem der beiden Eierstöcke (Ovarien) ein bösartiger Tumor gebildet hat. Eierstockkrebs verursacht lange Zeit keine Symptome und wird deshalb oft erst spät erkannt: In rund 75 Prozent der Fälle ist er bereits fortgeschritten oder hat in andere Körperregionen gestreut, also Metastasen gebildet¹. Diese finden sich dann häufig in den benachbarten Organen der Bauchhöhle, wie im anderen Eierstock, in der Gebärmutter, im Bauchfell, im Darm oder der Blase. Eierstockkrebs neigt dazu, in die Lymphknoten des Bauchraums oder seltener auch in Lunge, Leber oder Gehirn zu streuen.1

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Wie häufig ist Eierstockkrebs?

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 7.350 Frauen an dieser besonders aggressiven Krebsart.2 Damit ist Eierstockkrebs die sechsthäufigste Krebsart bei Frauen und die zweithäufigste der weiblichen Geschlechtsorgane.1,3 Aber keine Sorge, nicht alle Veränderungen am Eierstockgewebe müssen bösartig sein. Die meisten sind gutartig. Bei jüngeren Frauen sind beispielsweise Eierstockzysten, die bis zu mehreren Zentimeter groß sein können, recht häufig. Oft sind sie abhängig vom Hormonhaushalt und bilden sich spontan zurück. Dein Frauenarzt kann durch Tast- und Ultraschalluntersuchungen Anhaltspunkte finden, ob die Zyste gutartig ist und ob sie behandelt werden muss.

Etwa eine von 72 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs.1 Er tritt mehrheitlich bei Frauen über 60 auf, im Durchschnitt sind sie 68 Jahre alt.1,2 Doch etwa jede zehnte Frau, die diese Diagnose erhält, ist jünger als 45 Jahre.1

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Ursachen und Risikofaktoren von Eierstockkrebs

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken. Meistens sind Frauen nach der Menopause betroffen.

Als weitere Risikofaktoren gelten starkes Übergewicht (Adipositas), Rauchen, Bewegungsmangel sowie gynäkologische Vorerkrankungen wie Eierstockzysten oder Endometriose. Bei der Endometriose handelt es sich um Gewebewucherungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die sich in benachbarten Organen ansiedeln.

Eine Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden erhöht auch leicht das Risiko. Die „Pille“ hat dagegen einen leicht schützenden Effekt. Ob Frauen, die früh ihre Periode bekamen oder spät in die Wechseljahre gekommen sind, ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, ist umstritten.2

Die fünf häufigsten Risikofaktoren für Eierstockkrebs
Die fünf häufigsten Risikofaktoren für Eierstockkrebs
© Das K Wort

Ist Eierstockkrebs erblich?

Auch genetische Veränderungen – sogenannte Mutationen – können Eierstockkrebs begünstigen. So ist die Erkrankung laut neuesten Schätzungen bei etwa jeder zehnten Patientin erblich bedingt.1 Frauen mit einer genetischen Veranlagung erkranken häufiger als andere bereits vor dem 50. Lebensjahr.2 Meist sind dafür die auch als Brustkrebs-Gene bekannten Gene BRCA1 und BRCA2 – zusammengesetzt aus den englischen Begriffen breast (Brust) und cancer (Krebs) – verantwortlich. Diese können innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Trägerinnen dieser Genmutation haben ein Risiko von 20 bis 60 Prozent, im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs zu erkranken.4 Ein Hinweis für erblich bedingten Eierstockkrebs kann vorliegen, wenn in der Familie bereits Brust- oder Eierstockkrebs vorgekommen sind, wie folgende Grafik verdeutlicht:

Hinweise auf erblich bedingten Eierstockkrebs
Hinweise auf erblich bedingten Eierstockkrebs
© Das K Wort

Unter diesen Umständen kann es sinnvoll sein, einen Gentest machen zu lassen. Bei Verdacht auf eine genetische Veranlagung bezahlen ihn in der Regel die Krankenkassen. Allerdings sollte das Für und Wider sorgfältig abgewogen werden. Wenn herauskommt, dass du genetisch vorbelastet bist, musst du mit der Gewissheit leben, dass du ein erhöhtes Risiko hast, an Krebs zu erkranken. Es heißt aber nicht, dass du auf jeden Fall Krebs bekommst. Außerdem kann die Entscheidung sehr weitreichende Konsequenzen haben: Die sicherste Möglichkeit, einer solchen Tumorerkrankung vorzubeugen ist die Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter. Das Erkrankungsrisiko liegt dann etwa noch bei 1 bis 3 Prozent – in der Allgemeinbevölkerung sind es 1,5 Prozent.4

Möchtest du dein genetisches Risiko einschätzen?

Auf der Webseite vom Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs findest du einen Fragebogen zu deiner genetischen Vorbelastung.

Vier Hände von unterschiedlich alten Personen werden übereinandergelegt
Ist Eierstockkrebs genetisch bedingt?
© COLIN ANDERSON / Stocksy
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Symptome und Früherkennung von Eierstockkrebs

Verschiedene, eher unspezifische Symptome wie Blähungen, Appetitlosigkeit oder Völlegefühl, Beschwerden im Magen-Darmtrakt (gastrointestinale Beschwerden), eine Zunahme des Bauchumfangs, Schmerzen und Druckgefühle im Becken oder Bauch oder häufigeres „Müssen“ können Anzeichen für Ovarialkrebs sein.

Mögliche Symptome für Eierstockkrebs
Mögliche Symptome für Eierstockkrebs
© Das K Wort
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Diagnose bei Eierstockkrebs

Besteht ein Anfangsverdacht, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, ob es sich wirklich um Eierstockkrebs handelt. In einem ersten Schritt tastet der Arzt die inneren Geschlechtsorgane des Beckens durch die Scheide und den Mastdarm ab. Mit einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide kann er sich ein erstes genaueres Bild machen. Unter Umständen kommen auch weitere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT), die Computertomografie (CT) oder die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) zum Einsatz.

Untersuchungen zur Früherkennung bieten keinen Vorteil

Es gibt jedoch bisher keine sicheren Methoden, Eierstockkrebs früh zu erkennen. Daher wird eine Früherkennungsuntersuchung im Leitlinienprogramm nicht empfohlen. Studien bestätigen dieses Vorgehen, da solche Untersuchungen keinen positiven Effekt im Hinblick auf die Heilungschancen und die Überlebenszeit haben.2 Auch Tumormarker im Blut geben keinen zuverlässigen Anhaltspunkt für Eierstockkrebs. Die reguläre Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt kann einen Hinweis ergeben. Ein erfahrener Arzt wird mit dir einen verdächtigen Befund und das weitere Vorgehen besprechen.

Operatives Staging – diagnostische Operation

Ob es sich wirklich um einen bösartigen Tumor – also um Krebs – handelt, kann bei Verdacht auf Eierstockkrebs letztendlich nur durch eine Operation festgestellt werden.

Aufklärungsgespräch vor der Operation

Eine Operation zur Diagnose beziehungsweise zur Behandlung von Eierstockkrebs kann weitreichende Folgen haben. Da vor der Operation nicht klar ist, ob es sich nicht vielleicht auch um einen gutartigen Tumor handelt, wird das Operationsteam dir vor dem Start mögliche Operationsvarianten erklären. Beispielsweise welche Organe von einer Operation betroffen sein können oder über die Möglichkeit, einen künstlichen Darmausgang (Stoma) anlegen zu müssen. Meistens kann dieser nach einiger Zeit wieder zurückverlegt werden.

Eine Sanduhr mit blauem Sand, der durchrinnt.
Nimm dir Zeit, dich zu vorab über Zentren zu informieren.
© Aron Visuals / Unsplash

Solche Aussichten über die Operationsfolgen können belastend sein. Nimm dir ausreichend Zeit für deine Entscheidung. Du erhältst ausführliche Informationen rund um die bevorstehende Operation und die weitere Therapie, ihre Nebenwirkungen und möglichen Spätfolgen. Vielleicht hilft es dir, eine vertraute Person in die Arztgespräche und die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen.

Umfassende Diagnose während der Operation

Während der Operation wird verdächtiges Gewebe entfernt und sofort untersucht. Sind Tumorzellen vorhanden, wird das Operationsteam zunächst das Erkrankungsstadium feststellen: Wie groß ist der Tumor, welche Körperregionen sind betroffen, sind Lymphknoten beteiligt oder Metastasen vorhanden? Um diesen Befund einheitlich beschreiben zu können, hat sich die sogenannte TNM-Klassifikation bewährt.

TNM-Klassifikation bei Eierstockkrebs: Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Fernmetastasen
TNM-Klassifikation
© Das K Wort

Auf dieser TNM-Klassifikation basiert ein weiteres, die Erkrankung beschreibendes System: FIGO (Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique). Es wurde speziell für die Einteilung von Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane in verschiedene Krankheitsstadien entwickelt:

FIGO I: Der Tumor ist auf die Eierstöcke begrenzt. Eventuell lassen sich Tumorzellen außerhalb der bindegewebigen Eierstockkapsel nachweisen.

FIGO II: Ein oder beide Eierstöcke sind befallen und der Tumor hat sich im Becken ausgebreitet, z. B. auf die Gebärmutter.

FIGO III: Ein oder beide Eierstöcke sind befallen, Metastasen im Bauchfell außerhalb des Beckens und / oder Befall umliegender Lymphknoten.

FIGO IV: Fernmetastasen sind außerhalb des Bauchfells vorhanden.1

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Therapie und Behandlung von Eierstockkrebs

Bei Eierstockkrebs sichert die Operation die Diagnose. Gleichzeitig ist sie bereits der erste therapeutische Schritt mit dem Ziel, den Tumor möglichst vollständig chirurgisch zu entfernen. Während der Operation werden Gewebeproben für weitere Testungen entnommen, um Details, beispielsweise zum Tumortyp und seinen Eigenschaften, zu erfahren. Von diesen Testergebnissen hängt die weitere Therapieplanung ab. Um alle Tumorherde sicher zu beseitigen, müssen bei fortgeschrittenem Stadium häufig die Eierstöcke und Eileiter, die Gebärmutter, das große Bauchnetz und Teile des Bauchfells entfernt werden. Je nach Ausdehnung des Tumors sind auch Teile des Darms betroffen. Diese aufwendige Operation sollte in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt werden, in dem die Ärzte viel Erfahrung mit der Behandlung von Eierstockkrebs haben. Dadurch steigen die Chancen, dass der Krebs auch im fortgeschrittenen Stadium komplett entfernt werden kann – ein wichtiger Faktor für die Heilungschancen und die Überlebenszeit.5-7

Etwa drei bis fünf Wochen nach der Operation beginnen die meisten Patientinnen mit einer Chemotherapie, um eventuell noch im Körper vorhandene Krebszellen abzutöten. Die verwendeten Medikamente sind Zytostatika und haben unterschiedliche Wirkmechanismen. Manche Patientinnen erhalten auch eine Kombination mehrerer Wirkstoffe. Unter Umständen wird bei Eierstockkrebs eine sogenannte platinhaltige Chemotherapie eingesetzt, die die DNA der Zellen schädigt. Besonders die sich rasch teilenden Tumorzellen können ihre DNA-Schäden nicht ausreichend reparieren und sterben ab.

Eine Strahlentherapie zur Behandlung von Eierstockkrebs ist nur selten sinnvoll.

Behandlung im fortgeschrittenen Stadium

Im fortgeschrittenen Stadium stehen zielgerichtete Therapien zur Verfügung, um einen Rückfall so lange wie möglich hinauszuzögern. Sogenannte Angiogenese-Hemmerverhindern, dass sich neue Blutgefäße zum Tumor hin bilden und ihn mit Nährstoffen versorgen. Der Tumor „verhungert“. Um die Wirksamkeit zu erhöhen, werden Angiogenese-Hemmer in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben, die die Teilung der Tumorzellen unterbindet.

Eine zielgerichtete Therapie, die besonders für Patientinnen mit einer BRCA-Mutation geeignet ist, sind die sogenannten PARP-Inhibitoren. PARPs sind Enzyme, die zusammen mit den BRCA-Proteinen für die Reparatur der DNA sorgen. Die PARP-Inhibitoren hemmen diesen Reparaturmechanismus. Dadurch können vor allem Krebszellen mit fehlerhaltigem BRCA-Protein DNA-Schäden nicht mehr reparieren. Zu stark geschädigte Zellen sterben ab.

Gut zu wissen: Außerdem ist auch eine Variante des PARP-Hemmers zugelassen, von der auch Frauen ohne eine BRCA-Mutation profitieren können.8

Klinische Studien für Eierstockkrebs-Patientinnen

Klinische Studien zu Eierstockkrebs bieten Patientinnen die Chance, von neuen Wirkstoffen zu profitieren. Wenn du dich für eine Teilnahme interessierst, wende dich am besten an deinen behandelnden Arzt. Aktuelle klinische Studien zu Eierstockkrebs findest du unter www.ClinicalTrials.gov.

Fruchtbarkeit und Eierstockkrebs

Für manche Patientinnen ist zum Zeitpunkt der Diagnose Eierstockkrebs die Familienplanung eventuell noch nicht abgeschlossen. Für diese Frauen ist eine Therapie wichtig, die ihre Fruchtbarkeit möglichst nicht beeinträchtigt. Ist beispielsweise nur ein Eierstock betroffen, können unter Umständen bei der Operation Gebärmutter und der nicht betroffene Eierstock erhalten werden. Das Rückfallrisiko bei einer solchen fruchtbarkeitserhaltenden Operation ist allerdings etwas erhöht. Engmaschige Nachsorgeuntersuchungen sind daher wichtig, um ein Rezidiv rasch zu erkennen.

Eine Frau legt ihre Hand auf ihren Babybauch.
Sprich mit deinem Arzt unbedingt vor der Therapie über deinen Kinderwunsch.
© TREASURES & TRAVELS / Stocksy

Wenn du also einen Kinderwunsch hast, solltest du dich unbedingt mit deinem Arzt darüber austauschen, bevor die Therapie startet. Es gibt auch die Möglichkeit, Eierstockgewebe einfrieren zu lassen (sogenannte Kryokonservierung). So kannst du nach überstandener Therapie vielleicht doch noch schwanger werden.

Was tun, wenn der Krebs zurückkommt?

Auch nach umfangreicher und erfolgreicher Therapie kann es sein, dass der Krebs zurückkommt. Ein solches Rezidiv ist bei fortgeschrittenem Ovarialkrebs wahrscheinlicher als bei einem früh erkannten und behandelten Tumor. In der Regel kann er dann nicht mehr geheilt werden. Die Rezidivtherapie ist abhängig von vielen individuellen Faktoren. Dein Arzt wird mit dir alle Behandlungsoptionen ausführlich besprechen. Meistens kann das Wachstum des Tumors durch die Gabe von Zytostatika verlangsamt werden. Für die weitere Behandlung ist wichtig, wie lange die letzte Therapie zurückliegt und ob eine eventuell verabreichte platinbasierte Chemotherapie zuvor gewirkt hat. Auch zielgerichtete Therapien wie die PARP-Hemmer werden bei einem Rezidiv eingesetzt ebenso wie Angiogenese-Hemmer.

Unterstützende Behandlung und Palliativmedizin

Auch Begleiterscheinungen der Krankheit oder Folgen der Therapie können deine Lebensqualität einschränken. Zu einer Krebstherapie gehört daher immer auch eine umfassende Behandlung von Symptomen wie Verdauungsbeschwerden oder Schmerzen. Auch komplexere Krankheitsbilder wie beispielsweise eine anhaltenden Müdigkeit und Erschöpfung – Fatigue genannt – sollten so früh wie möglich behandelt werden.

Da die palliative Behandlung immer den ganzen Menschen und nicht nur seine rein körperlichen Beschwerden betrachtet, arbeiten hier viele Therapeuten unterschiedlicher Disziplinen zusammen: Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Musiktherapeuten oder andere.

Die kostenlose „Schmerz-App“ der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. bietet unter anderem Infos zum Thema Schmerz und Schmerztherapie, einen interaktiven Schmerzfragebogen sowie Adressen von Beratungsstellen

Die App ist bei Google Play sowie im App Store verfügbar.

Die Schmerztherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Palliativmedizin. Schmerzen rechtzeitig und im richtigen Maß zu behandeln, ist entscheidend dafür, wie du Schmerzen auch in Zukunft wahrnehmen wirst. Der Körper bildet ein Schmerzgedächtnis aus, das die Wahrnehmung von Schmerzen beeinflusst. Unbehandelte Schmerzen können sich verselbstständigen und chronisch werden. Erfahrene Palliativmediziner können das fast immer verhindern und durch eine individuell angepasste Therapie Schmerzen zumindest deutlich lindern.

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Nebenwirkungen der Therapie bei Eierstockkrebs

Da bei der Operation meist die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke entfernt werden müssen, ist Eierstockkrebs vor allem für junge Frauen mit Kinderwunsch eine extreme Belastung. Denn nur wenn der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, lässt er sich so operieren, dass eine Schwangerschaft noch möglich ist. Für Frauen, bei denen die Menopause noch nicht begonnen hat, bedeutet der Verlust der Eierstöcke den plötzlichen Eintritt in die Wechseljahre, oft verbunden mit Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Scheidentrockenheit und Gewichtszunahme. Auch das Risiko für Osteoporose – die Abnahme der Knochendichte – kann sich erhöhen. Ist der Krebs bereits so weit fortgeschritten, dass Teile von Nachbarorganen wie Blase oder Darm entfernt werden müssen, kann ein Stoma nötig sein.

Bei Nebenwirkungen der Chemotherapie gilt wie bei anderen Medikamenten auch, je mehr Wirkstoffe kombiniert werden, desto häufiger ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Da verschiedene Medikamente in unterschiedlichen Dosierungen verabreicht werden, sind auch unterschiedliche Nebenwirkungen möglich. Jede Patientin verträgt die Medikamente etwas anders. Zu den typischen Begleiterscheinungen zählen zum Beispiel: Übelkeit und Durchfall, Haarverlust, Blutbildungsstörungen, Nervenschäden oder Entzündungen an der Haarwurzel. Gegen einige dieser unerwünschten Begleiterscheinungen der Chemotherapie kannst du auch vorbeugend etwas tun, zum Beispiel gibt es wirksame Medikamente gegen Übelkeit, die dein Arzt dir geben kann.

Paar auf einem Sofa sieht sich etwas auf einem Tablet an.
Therapien können Nebenwirkungen mit sich bringen. Sprich mit deinem vertrauten Umfeld offen über Begleiterscheinungen.
© STUDIO FIRMA / Stocksy

Zu den körperlichen Folgen kommen oft auch seelische Belastungen. Das Körperbild verändert sich eventuell und das Selbstwertgefühl leidet. Oft nimmt auch das sexuelle Verlangen stark ab. Mit dem Partner offen über solche Gefühle und Ängste zu sprechen, kann helfen, diese Situation zu bewältigen.

Vielleicht möchtest du die Unterstützung eines Therapeuten, einer Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe wahrnehmen, um dich besser zurechtzufinden.

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Prognose bei Eierstockkrebs

Auch bei Eierstockkrebs ist die Prognose abhängig davon, in welchem Erkrankungsstadium die Erstdiagnose gestellt wurde. Früh im Stadium I erkannt, leben nach fünf Jahren 85 bis 90 Prozent der Patientinnen. In Stadium II 70 bis 80 Prozent, Stadium III 20 bis 50 Prozent und in Stadium IV ein bis fünf Prozent. Im Durchschnitt liegt das Fünfjahresüberleben bei 42 bis 46 Prozent.9

Jeder Krebs ist aber einzigartig und eine Prognose auch individuell für jede Patientin zu betrachten. Alter, gesundheitlicher Allgemeinzustand, Vorerkrankungen u. a. sind Faktoren, die eine Prognose beeinflussen. Daher geben die Zahlen nur einen Durchschnittswert an und können für einzelne Personen ganz anders aussehen. Immer gilt: Je vollständiger der Tumor bereits in der ersten Operation entfernt wurde, desto besser die Prognose.

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Nachsorge bei Eierstockkrebs

Auch nach Beenden der Therapie wirst du im Rahmen der Nachsorge weiterhin ärztlich betreut und hast regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Da das Risiko, ein Rezidiv zu bekommen, in den ersten drei Jahren besonders hoch ist, hast du zunächst etwa alle drei Monate einen Kontrolltermin. Später werden die Abstände größer: alle sechs Monate. Nach fünf Jahren reicht ein jährlicher Check.10

Die Nachsorgetermine kannst du gut nutzen, um alle Beschwerden mit dem Arzt in Ruhe zu besprechen. Das können Spätfolgen der Therapie oder auch seelische Belastungen sein, die deine Lebensqualität beeinträchtigen. Hier findest du eine Orientierungshilfe zum Thema Psychoonkologie.

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Zusammenfassung

  • Eierstockkrebs ist relativ selten. Er wird oft erst in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium entdeckt, da er anfangs keine Beschwerden bereitet. Meistens sind Frauen nach den Wechseljahren betroffen.
  • Die Genmutationen BRCA1 und BRCA2, die das Brustkrebsrisiko erhöhen, spielen auch bei Eierstockkrebs eine Rolle. Das Erkrankungsrisiko kann bei einer genetischen Vorbelastung durch eine vorbeugende Entfernung der Eierstöcke gesenkt werden. Früherkennungsuntersuchungen bieten laut Studien keinen Überlebensvorteil, weil eine zuverlässige Diagnose mit ihnen nicht möglich ist.
  • Um die Diagnose abzusichern, ist eine Operation nötig. Früh erkannt, ist Eierstockkrebs heilbar. Zur Behandlung stehen auch zielgerichtete Therapien zur Verfügung
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Nützliche Adressen rund um das Thema Eierstockkrebs

Ansprechpartner und Adressen kannst du auch vor Ort über den Kliniksozialdienst oder deinen Arzt erfragen. Hier findest du online wichtige Adressen rund um das Thema „Leben mit Eierstockkrebs“:

Stiftung Eierstockkrebs

Hilfreiche Informationen zum Thema Eierstockkrebs. Projekte wie Benefizveranstaltungen und Patientenveranstaltungen.

https://stiftung-eierstockkrebs.de
BRCA Netzwerk e.V.

Netzwerk speziell zu familiär-bedingtem Brust- und Eierstockkrebs. Informationen und Plattform zum Austausch im Sinne der Selbsthilfe.

http://www.brca-netzwerk.de/
Bundesverband der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

Motto: Hilfe zur Selbsthilfe, unterstützen, begleiten und informieren von Betroffenen.

https://www.frauenselbsthilfe.de/
Die Zweite Stimme – Magazin für Betroffene mit Eierstock-, Eileiter- und Bauchfellkrebs

Das Magazin „Die Zweite Stimme“ kannst du hier gratis downloaden:

https://stiftung-eierstockkrebs.de/patientenmagazin/
Deutsche Krebsgesellschaft

Informationen zu zertifizierten Krebszentren

https://www.krebsgesellschaft.de/deutsche-krebsgesellschaft/zertifizierung.html
Europäisches Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs

Viele Informationen zum Thema Eierstockkrebs, Arzt-Patienten-Hotline.

https://frauenklinik.charite.de/leistungen/gynaekologisches_tumorzentrum/europaeisches_kompetenzzentrum_fuer_eierstockkrebs/
Krebsinformationsdienst – Beratungsstellen

Hier findest du Krebsberatungsstellen in deiner Nähe für dich und deine Angehörigen

https://www.krebsinformationsdienst.de/service/adressen/krebsberatungsstellen.php
Studienportal Stiftung Eierstockkrebs

Hier findest du aktuelle, offene Studien und Umfragen zur Verbesserung von Therapien und Lebensqualität bei Eierstock-, Eileiter- und Bauchfellkrebs.

https://studienportal-eierstockkrebs.de/
Zeitschrift Mamma Mia

Aktuelle medizinische Informationen über die Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Eierstockkrebs findest Du regelmäßig im Eierstockkrebs-Magazin Mamma Mia.

http://mammamia-online.de/

Quellen

¹ Leitlinienprogramm Onkologie | Patientinnenleitlinie Eierstockkrebs, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/patientenleitlinien/eierstockkrebs/ zuletzt abgerufen am 15.12.2020

² Zentrum für Krebsregisterdaten | Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) , https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Eierstockkrebs/eierstockkrebs_node.htm zuletzt abgerufen am 15.12.2020

³ Krebsgesellschaft | Eierstockkrebs, https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs/definition-und-haeufigkeit.html zuletzt abgerufen am 15.12.2020

⁴ Deutsche Krebshilfe | Der blaue Ratgeber: Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Familiaerer-Brust-und-Eierstockkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf zuletzt abgerufen am 15.12.2020

⁵ J. Mensah Zertifizierte Gynäkologische Krebszentren -... klinikarzt 2017; 46: 218-222

⁶ Bristow RE, Zahurak ML, Diaz-Montes TP et al. Impact of surgeon and hospital ovarian cancer surgical case volume on in-hospital mortality and related shortterm outcomes. Gynecol Oncol 2009; 115: 334–338

⁷ du Bois A, Rochon J, Pfisterer J, Hoskins WJ. Variations in institutional infrastructure, physician specialization and experience, and outcome in ovarian cancer: a systematic, review. Gynecol Oncol 2009; 112: 422–436

⁸ TZM News Sonderausgabe 1 / 201, S. 14ff., Interview mit Dr. med. Harald Müller-Huesmann und Priv.-Doz. Dr. med. Fabian Trillsch, München 2018

⁹ Thieme | Fachcommunity für Geburtshilfe und Frauenheilkunde: Das Ovarialkarzinom, darin: 3 Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe; Gätje R, Eberle C, Scholz C et al., Hrsg. 1. Auflage. Thieme; 2011. doi:10.1055/b-002-37762, 5 Harrisons Innere Medizin; Suttorp N, Möckel M, Siegmund B et al., Hrsg. 19. Auflage. ABW Wissenschaftsverlag; 2016, https://gyn-community.thieme.de/wissen/evergreen/detail/das-ovarialkarzinom-a-37369 zuletzt abgerufen am 15.12.2020

¹⁰ Universitätsklinikum Tübingen | Eierstockkrebs, https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/eierstockkrebs zuletzt abgerufen am 15.12.2020

¹¹ Deutsches Konsortium | Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, https://www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de/informationen/familiaerer-brust-und-eierstockkrebs zuletzt abgerufen am 15.12.2020

¹² Leitlinienprogramm Onkologie | S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Ovarialkarzinom/Version_3__2018_/LL_Ovarialkarzinom_Kurzversion_3.0.pdf zuletzt abgerufen am 15.12.2020

¹³ Patienteninformation äzq, Erblicher Eierstockkrebs, 2. Auflage, 2019

¹⁴ Patienten-Information | Erblicher Eierstockkrebs - Gentest ja oder nein? , https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/eierstockkrebs zuletzt abgerufen am 15.12.2020

¹⁵ Stiftung Gesundheitswissen | Eierstockkrebs-Früherkennung, https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/eierstockkrebs-frueherkennung/hintergrund zuletzt abgerufen am 15.12.2020

¹⁶ Thieme | Fachcommunity für Geburtshilfe und Frauenheilkunde: Das Ovarialkarzinom, https://gyn-community.thieme.de/wissen/evergreen/detail/das-ovarialkarzinom-a-37369 zuletzt abgerufen am 15.12.2020

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