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Bauchspeicheldrüsenkrebs: Diagnose und Therapie

Laut Robert Koch-Institut erkranken jährlich rund 19.700 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). Mit diesem Artikel möchten wir dich dabei unterstützen, die Erkrankung und die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten kennen zulernen und besser zu verstehen.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) befindet sich im hinteren Bauchraum zwischen dem Magen und der Wirbelsäule. Sie hat zwei wichtige Funktionen im Körper: Erstens produziert sie Verdauungssäfte, die in den Darm abgegeben werden und dafür sorgen, dass die Nahrung aufgespalten wird, um verwertet werden zu können. Zweitens stellen die sogenannten Pankreasinseln der Bauchspeicheldrüse die Hormone Insulin und Glukagon her, die im Blut den Blutzuckerstoffwechsel steuern. Wenn in einzelnen Bauchspeicheldrüsenzellen veränderte Erbinformationen entstehen, kann es dazu kommen, dass sich diese Zellen ungebremst vermehren. So kann sich ein bösartiger Tumor entwickeln – das sogenannte Pankreaskarzinom.1

© Science Photo Library / Getty Images

Jährlich erkranken ca. 19.700 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Frauen und Männer sind ungefähr gleich häufig betroffen: bei Frauen ist es mit 3,9 Prozent die sechst- und bei Männern mit 3,7 Prozent die siebthäufigste Krebserkrankung. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 76 bzw. 72 Jahren.2

Grafik zu Neuerkrankungen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Wie viele Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Bauchspeicheldrüsenkrebs?
© Das K Wort

Da Bauchspeicheldrüsenkrebs anfangs keinerlei Beschwerden verursacht, wird die Erkrankung meist erst in einem späteren, bereits fortgeschrittenen Stadium erkannt. Diese späte Diagnose zieht häufig einen schwierigen Krankheitsverlauf nach sich und führt in der Folge zu einer eher ungünstigen Prognose.2

Durch intensive Forschungsarbeiten gibt es jedoch immer bessere und zielgerichtete Therapieoptionen. Bei bestimmten Patientinnen und Patienten ermöglicht beispielsweise die molekulare Tumortestung, mit anschließender Besprechung der Ergebnisse in einem molekularen Tumorboard, genau vorherzusagen, welche Therapieform voraussichtlich am effektivsten sein wird.3

Wenn du selbst an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt bist, hast du – wie viele andere auch – in der Zeit vom ersten Verdacht, über Diagnose und Therapie bis hin zur Nachsorge bestimmt bereits einige Höhen und Tiefen durchgemacht. Wir möchten dir hier die wichtigsten Informationen über deine Krankheit geben, dich so auf deinem Weg durch die Krankheit begleiten und dich damit in den verschiedenen Phasen unterstützen

Grafik mit Pfeil 1. Bauchspeicheldrüsenkrebs verstehen 2. Therapie 3. Leben mit der Erkrankung
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Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs

Wenn das Pankreaskarzinom größer geworden ist, kann es die Produktion der Verdauungssäfte behindern oder sich bereits auf angrenzende Organe wie beispielweise den Magen, die Leber oder das Bauchfell ausgebreitet haben. Oft kommt es jetzt erst zu ersten unspezifischen Beschwerden, wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, ungewolltem Gewichtsverlust oder Schmerzen im Oberbauch. Weitere Symptome können das Auftreten von Diabetes mellitus, Gelbsucht oder Rückenschmerzen sein.Wenn diese Beschwerden bei dir auftreten, solltest du sie unbedingt durch deine Ärztin oder deinen Arzt abklären lassen. Sie oder er wird dich zunächst ausführlich zu deinen Beschwerden befragen und deine Lebensgewohnheiten und Medikamente, die du möglicherweise einnimmst, in Erfahrung bringen. Anschließend entscheidet sie oder er, welche weiteren diagnostischen Maßnahmen unternommen werden sollen.4

Symptome bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Quelle: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/bauchspeicheldruesenkrebs/index.php
© Das K Wort
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Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Da die Bauchspeicheldrüse tief im Bauchraum liegt und von außen nicht zu ertasten ist, nimmt deine Ärztin oder dein Arzt verschiedene Hilfsmittel, um ein Karzinom entweder auszuschließen oder zu erkennen. Nach dem ersten Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt (Anamnese) werden in der Regel zunächst ein Bluttest, eine Ultraschalluntersuchung und eine CT durchgeführt. Um Klarheit zu bekommen, können aber auch eine Endosonographie, eine MRT und eine Biopsie zum Einsatz kommen.4

Grundsätzlich sind alle Methoden gleich gut geeignet, um Krebs der Bauchspeicheldrüse zu diagnostizieren. Deine Ärztin oder dein Arzt sollte das Verfahren anwenden, mit dem sie oder er die meiste Erfahrung hat. Zudem kann eine molekulare Tumortestung dabei helfen, die für dich optimale Therapie zu finden. Bedenken oder eine Scheu vor den Untersuchungen sollten dich auf keinen Fall davon abhalten, sie durchzuführen zu lassen.1

Hier erfährst du, wie die einzelnen Verfahren ablaufen:

Endosonographie – Ultraschalluntersuchung von innen

Bei der Endosonographie wird eine Art Schlauch mit einer kleinen Ultraschallsonde durch die Speiseröhre in den Magen oder Darm eingeführt. Hier wird dann von innen ein Bild aufgenommen und es können Gewebeproben entnommen werden. Damit die Untersuchung nicht zu unangenehm ist, bekommst du von deiner Ärztin oder deinem Arzt eine Betäubungsspritze, die dafür sorgt, dass du während der Untersuchung schläfst.5

Sonographie – Ultraschalluntersuchung des Oberbauches

Eine Ultraschalluntersuchung kennst du vielleicht schon: Du bekommst zunächst ein Kontrastgel auf den oberen Bauch, damit die Schallwellen gut übertragen werden können. Dann setzt die Ärztin oder der Arzt von außen einen Schallkopf auf und kann mithilfe der erzeugten Wellen ein Bild deiner Bauchspeicheldrüse sehen. Eine Ultraschalluntersuchung ist absolut schmerzlos.1

Computertomographie

Die Computertomographie (CT) ist nichts anderes als eine Röntgenaufnahme deiner Bauchspeicheldrüse aus mehreren Richtungen. Eine CT ist zwar schmerzlos, du bist hierbei aber einer Strahlenbelastung ausgesetzt. Bei der CT kreist heutzutage eine ringförmige Röntgenröhre mit großer Öffnung um den Untersuchungstisch, auf dem du liegst. Innerhalb weniger Sekunden werden so Bilder von deinem inneren Bauchraum erstellt. Vor der CT hat deine Ärztin oder dein Arzt dir möglicherweise ein Kontrastmittel gespritzt, das in der Regel zu noch besseren Aufnahmen führt.1

Magnetresonanztomographie und Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie

Die Magnetresonanztomographie (MRT) erzeugt wie die CT ein dreidimensionales Bild vom untersuchten Gebiet. Hier werden jedoch keine Röntgenstrahlen, sondern elektromagnetische Felder benutzt. Mit der Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) kann deine Ärztin oder dein Arzt ganz gezielt deine Bauspeicheldrüse oder das Gallensystem betrachten. Die MRT ist ebenfalls schmerzlos und dauert 20─30 Minuten. Du liegst hierbei in einer Röhre, was sich für manche Menschen als zu eng und darum unangenehm anfühlen kann.1

Biopsie

Wenn im Rahmen von Ultraschall, CT oder MRT/MRCP eine Geschwulst oder auch Metastasen entdeckt worden sind, kann deine Ärztin oder dein Arzt im Rahmen der Ultraschalluntersuchung eine Gewebeprobe entnehmen. In manchen Fällen wird die Gewebeprobe unter örtlicher Betäubung mit einer sehr dünnen Nadel von außen durch den Bauch entnommen. Anhand dieser Gewebeprobe kann deine Behandlung geplant werden. Die Gewebeprobe wird im Anschluss von einer Pathologin oder einem Pathologen danach untersucht, wie stark sich die Krebszellen vom normalen Gewebe unterscheiden.1

Tumormarker

Krebszellen bilden bestimmte körpereigene Eiweiße, die Tumormarker genannt werden. Finden sich diese Tumormarker bei der Blutuntersuchung vermehrt im Blut, kann das zwar auf eine Krebserkrankung hindeuten, es weist diese aber nicht eindeutig nach. Denn auch andere Ereignisse, wie beispielsweise eine Entzündung im Körper, können zu einer Erhöhung der Tumormarker führen. Bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs ist der Tumormarker CA-19-9 erhöht und kann wichtige Erkenntnisse zum Verlauf der Erkrankung liefern. Da CA-19-9 aber auch von gesunden Zellen gebildet werden kann, ist der Marker nicht geeignet für die Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs.1

Molekulare Tumortestung

Hast du schon mal die Begriffe „Personalisierte Medizin“, „Präzisionsmedizin“ oder auch „Präzisionsonkologie“ oder ähnliche gehört? Dann fragst du dich bestimmt, was es hiermit auf sich hat und was die Begriffe mit dir und deinem Weg durch deine Erkrankung zu tun haben könnten.

Mit der Präzisionsonkologie konnte das Wissen über Krebserkrankungen und deren Behandlung in den letzten Jahren geradezu revolutioniert werden. Denn hiermit ist es möglich geworden, die Patientinnen und Patienten herauszufiltern, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Verlauf ihrer Therapie von einer spezifischen Behandlung, wie beispielsweise einer zielgerichteten Therapie oder einer Krebsimmuntherapie profitieren können.5

Um herauszufinden, ob bei dir eine zielgerichtete Therapie oder eine Krebsimmuntherapie wirken kann, werden die genetischen Veränderungen der Krebszelle, also die Tumor-DNA, genau unter die Lupe genommen. Fachleute sprechen dann von einer genetischen Tumoranalyse oder von einer Molekularen Tumortestung. Mit einer solchen Testung kann entweder eine einzelne genetische Veränderung der Krebszelle (Mutation), ein Überblick über alle Mutationen (Genpanel-Diagnostik) oder sogar ein Einblick in das komplette Genprofil des Tumors (Exom-Analyse, Sequenzierung von Tumorgenomen) gewonnen werden. Eine Molekulare Tumortestung wird insbesondere für Patientinnen und Patienten erwogen, bei denen leitliniengerechte Therapiemaßnahmen nur eingeschränkt oder gar nicht wirken.6

Eine besondere Herausforderung für Ärztinnen und Ärzte ist es dann, die gewonnenen Daten über die Tumor-Mutationen richtig zu interpretieren und einzuordnen, um daraufhin die geeigneten Therapien für dich zu finden. Das spezifische Wissen und die Erfahrung der Ärztinnen und Ärzte hängt stark vom jeweiligen Behandlungszentrum ab.6Um allen Patientinnen und Patienten gerecht zu werden, wurden daher Molekulare Tumorboards (MTBs) ins Leben gerufen.7 In den MTBs diskutieren Expertinnen und Experten aus verschiedenen Behandlungszentren und Fachrichtungen deine Ergebnisse aus der molekularen Tumortestung und überlegen gemeinsam, welche Therapie für dich die beste sein wird. Heutzutage gibt es in fast jedem deutschen Universitätsklinikum ein MTB.9

03

Therapieplanung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Wenn du die Diagnostik abgeschlossen hast und alle Untersuchungsergebnisse da sind, bist du schon einen guten Schritt weitergekommen: Du und dein Behandlungsteam wissen nun, ob ein Tumor vorhanden ist, wie groß er ist, ob er auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt ist, ob er in umliegendes Gewebe eingewachsen ist und ob er sich bereits in die Lymphknoten, das Bauchfell oder andere Organe ausgebreitet hat. All diese Informationen sowie weitere zu deinem allgemeinen körperlichen Zustand und zu Vorerkrankungen ermöglichen es dir und deinem Behandlungsteam, deine Therapie zu planen. Es geht hierbei vor allem darum, zu schauen, wie deine Krankheit voraussichtlich verlaufen wird, welche Maßnahmen notwendig sein werden und welche belastenden Therapien vermieden werden können. Hierzu werden die folgenden Klassifikationen genutzt.1

Tumorstadium (Staging)

Das sogenannte Tumor-Staging gibt an, inwieweit sich der Tumor von der Größe her ausgebreitet hat und ob andere Organe oder Lymphknoten betroffen sind. Zum Staging wird die sogenannte TNM-Klassifikation herangezogen, anhand derer der Tumor in verschiedene Tumorstadien eingeteilt wird. Hierbei gilt, je höher die Zahl, desto ungünstiger ist die Prognose.1

TNM-Klassifikation bei Bauchspeicheldrüsenkrebs: Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Fernmetastasen
TNM-Klassifikation
© Das K Wort
Tabellarische Darstellung der Stadien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Einteilung der Stadien anhand der TNM-Klassifikation
© Das K Wort

Anhand der Tumorkategorie wird deine Ärztin oder dein Arzt dir eine geeignete Behandlung vorschlagen. Wenn in deinem Fall eine Operation notwendig ist, wird hierbei eine Gewebeprobe entnommen, anhand derer das Staging noch einmal überprüft und gegebenenfalls angepasst wird.1

Erfassen des körperlichen Zustandes

Bei der Festlegung deiner Therapie spielt neben der Tumorkategorie auch deine körperliche Verfassung eine Rolle. Das Behandlungsteam wird deinen körperlichen Allgemeinzustand anhand des sogenannten ECOG-Performance Status einteilen. Der ECOG-Status erlaubt die Einteilung in diese fünf Gruppen:1

Tabellarische Darstellung des ECOG-Status bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Überprüfung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs anhand des ECOG-Status
© Das K Wort

Die Tumorkonferenz

Sobald alle Ergebnisse vorliegen und alle Klassifikationen vorgenommen worden sind, geht es darum, die für dich individuell beste Behandlungsmethode zu finden. Da es nicht die eine Methode gibt, ist es wichtig, dass Spezialistinnen und Spezialisten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen gemeinsam deine Therapie besprechen. Dies geschieht in sogenannten Tumorkonferenzen, die es in Krankenhäusern, die auf Krebserkrankungen spezialisiert sind, gibt.1

Letztendlich triffst du selbst die endgültige Therapieentscheidung. Informiere dich am besten genau über deine Therapieoptionen, damit du im Gespräch mit deinem Behandlungsteam aktiv mitreden und mitentscheiden kannst! 

Operation

Wenn der Tumor noch lokal begrenzt ist vorliegen, stellt die Operation die wichtigste Maßnahme beim Bauchspeicheldrüsenkrebs dar. Mit der Operation wird das Ziel verfolgt, den Tumor und die umgebenden Lymphknoten vollständig zu entfernen. Außerdem wird bei der Operation auch das umliegende gesunde Gewebe entfernt, um zu gewährleisten, dass keine Tumorzellen zurückbleiben, aus denen ein neuer Tumor entstehen kann. Welche Operation durchgeführt wird und wie umfangreich diese ausfällt, hängt davon ab, wo sich dein Tumor in der Bauchspeicheldrüse befindet und welche Tumorart du hast.10

Wenn dein Tumor im Pankreaskopf liegt, wird möglicherweise die sogenannte Whipple-Operation durchgeführt, bei der nicht nur der rechte Teil mit dem Tumor, sondern auch die Gallenblase, ein Teil des Gallengangs, der Zwölffingerdarm und gegebenenfalls ein Teil des Magens entfernt wird. Wenn dein Tumor im Schwanz der Bauchspeicheldrüse sitzt, wird gegebenenfalls nur der linke Teil mit dem Tumor und die Milz entfernt. Außerdem werden voraussichtlich mindestens zehn Lymphknoten, die sich in der Nähe deiner Bauchspeicheldrüse befinden, entnommen und untersucht. Wenn sich in keinem der Lymphknoten Krebszellen nachweisen lassen, hat der Tumor wahrscheinlich nicht gestreut.10

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie sollen mithilfe von sogenannten Zytostatika Krebszellen im ganzen Körper vernichtet werden. Bauchspeicheldrüsenkrebs kann allerdings in der Regel durch eine Chemotherapie allein nicht geheilt werden. Diese wird entweder vor oder nach der Operation eingesetzt:

Durch eine Chemotherapie vor der Operation (neoadjuvante Chemotherapie) kann der Tumor verkleinert werden, sodass er im Anschluss im Rahmen der Operation besser entfernt werden kann. Eine sechsmonatige Chemotherapie nach der Operation (adjuvante Chemotherapie) wird allen Patientinnen und Patienten empfohlen, deren körperlicher Allgemeinzustand es erlaubt. Eventuell verbliebene Krebszellen sollen so abgetötet werden. Eine adjuvante Chemotherapie kann den Krankheitsverlauf und die Prognose in vielen Fällen verbessern.10

Damit die Nebenwirkungen der Chemotherapie möglichst geringgehalten und möglichst viele Tumorzellen vernichtet werden, lassen sich häufig verschiedene Zytostatika miteinander kombinieren. Eine Chemotherapie bekommst du in der Regel in drei bis sechs Zyklen über mehrere Wochen hinweg. Zwischen den Zyklen gibt es Pausen, in denen sich dein Körper von den Belastungen der Behandlung erholen kann.10

Zielgerichtete Therapie

Mit zielgerichteten Therapien ist es möglich, bestimmte Signalwege des Tumorstoffwechsels zu stören und die Tumorzellen so zu vernichten. Das Gute daran ist, dass im Gegensatz zur Chemotherapie nur die bösartigen Zellen – und nicht etwa das gesunde Gewebe – geschädigt werden. Zielgerichtete Therapien verhindern entweder die Blutversorgung des Tumors oder die Kommunikation zwischen den Tumorzellen.9 

Ein für die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zugelassene zielgerichtete Therapie sind Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI). Die Behandlung hiermit kommt für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Tumor, der nicht operiert werden kann oder Metastasen entwickelt hat, infrage. TKI verhindern die Übertragung des Signals, das für das Wachstum des Tumors verantwortlich ist. TKI können mit einer Chemotherapie kombiniert werden.10,11

Bei einem metastasierten Karzinom kannst du unter bestimmten Voraussetzungen (Vorliegen einer BRCA1/2-Mutation und vorheriger Chemotherapie) einen sogenannten PARP-Hemmer bekommen. Diese neue Substanz ist erst im Jahr 2021 in die Leitlinie aufgenommen worden und kann dafür sorgen, dass das Krankheitsgeschehen nach deiner Chemo weniger schnell voranschreitet.12

Wenn dein Tumor weitere Eigenschaften besitzt, die in der Fachsprache MismatchReparatur-Defizienz (dMMR) bzw. Mikrosatelliten-Instabilität (MSI) genannt werden, kann für dich eine Immuntherapie mit sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren infrage kommen.12

Strahlentherapie

Eine Strahlentherapie wird bei Bauchspeicheldrüsenkrebs in den meisten Fällen mit einer Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie). Wenn dein Tumor bereits fortgeschritten ist, kann eine Strahlentherapie mit einer Chemotherapie vor der Operation zum Einsatz kommen, um den Tumor zu verkleinern (neoadjuvante Radiochemotherapie). Eine Bestrahlung wird außerdem im Rahmen der palliativen Behandlung eingesetzt, um beispielsweise Schmerzen, die durch den Tumor ausgelöst werden, zu verringern.10

Palliative Maßnahmen

Wenn dein Bauchspeicheldrüsenkrebs mit den oben beschriebenen Therapien nicht geheilt oder behandelt werden kann, geht es in der palliativen Therapie darum, deine Schmerzen und Beschwerden, die durch den Tumor entstehen können, zu reduzieren. Hierbei kannst du z. B. eine verhältnismäßig verträgliche Chemotherapie erhalten, die deine Lebensqualität am besten erhalten kann. Die Palliativtherapie sorgt zudem noch mit anderen Maßnahmen dafür, dein Leben so gut wie möglich zu machen. Hierzu gehören Medikamente zur Schmerzbehandlung, aber auch eine Enzym-, Diabetes- und Vitamintherapie sowie die richtige Ernährung und psychosoziale Beratungen.10

Möglicherweise können dir in der palliativen Situation kleine Operationen und Eingriffe helfen, durch den Tumor ausgelöste Komplikationen zu lindern. Beispielsweise dann, wenn dein Gallengang, dein Magenausgang oder dein Zwölffingerdarm durch das Karzinom eingeengt werden. Wenn der Magenausgang sehr eng ist, gibt es für dich die Möglichkeit der sogenannten enteralen Ernährung. Damit bekommst du die Nahrung über einen dünnen Schlauch durch die Nase oder den Bauch direkt in den Darm. Mithilfe einer weiteren Option – der parenteralen Ernährung – kannst du Nahrungsflüssigkeit per Infusion über eine Vene bekommen.10

Schmerzbehandlung

Bei einer fortgeschrittenenKrebserkrankung kann es zu starken Schmerzen kommen. Diese musst du nicht aushalten, da sie sich heutzutage wirksam behandeln und lindern lassen. Damit deine Schmerzbehandlung geplant werden kann, solltest du die Stärke deiner Schmerzen ungefähr einschätzen.2 Um besser ausdrücken zu können, wie stark deine Schmerzen sind, hilft dir eine Schmerzskala. Auf einer solchen Skala ordnest du deiner wahrgenommenen Schmerzstärke eine Ziffer von 0 bis 10 (0 = keine Schmerzen, 10 = maximal vorstellbare Schmerzen) zu. Die Schmerzbehandlung wird dann nach einem sogenannten Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geplant.13

Das Stufenschema der WHO11 sieht vor, dass unterschiedlich starke Schmerzmittel, auch Analgetika genannt, verabreicht werden sollen. Schmerzen werden nach ihrer Stärke behandelt. Wenn die Schmerzen in einer Stufe nicht mehr ausreichend gelindert werden können, wird in die nächste Stufe gewechselt. Im ersten Schritt kommen Schmerzmittel ohne Opium zum Einsatz, bei stärkeren Schmerzen wird auf opiumhaltige Schmerzmittel zurückgegriffen.1

Enzym- und Diabetestherapie

Möglicherweise hat der Tumor die Bauchspeicheldrüse so geschädigt, dass bestimmte Enzyme und Hormone, die für deine Verdauung wichtig sind, nicht mehr ausreichend produziert werden. Dies kann auch infolge einer Operation der Fall sein. Die fehlenden Stoffe können zu schweren Verdauungsstörungen und zu Diabetesmellitus führen. Die Einnahme von Enzympräparaten kann die fehlende Herstellung aber gut ausgleichen, sodass Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Fett im Stuhl wieder aufhören. Genauso kann das von der Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend hergestellte Insulin ersetzt und damit der Diabetes mellitus wieder in den Griff bekommen werden.9

04

Der Start der Therapie

Nachdem die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bei dir gestellt wurde, ist der nächste Schritt, die für dich bestmögliche Therapie zu finden. Du triffst alle Therapieentscheidungen gemeinsam mit deinem Behandlungsteam. Um diesen persönlichen Weg durch die Erkrankung gut gehen zu können, kann es hilfreich sein, wenn du dich vor den Gesprächen mit deinem Behandlungsteam über mögliche Therapieoptionen informierst. Gut über deine Erkrankung und die möglichen Therapieoptionen Bescheid zu wissen, kann dir dabei helfen, aufkommende Ängste besser zu bewältigen.

Wende dich bei jeglichen Fragen, Bedenken und Problemen immer an dein Behandlungsteam. Es ist die erste Anlaufstelle für dich und kann dir bei Fragen rund um deine Erkrankung weiterhelfen.

Es wird auf deinem Weg durch die Erkrankungen wahrscheinlich Höhen und Tiefen geben, das ist ganz normal. Mit diesen Schwankungen bist du aber nicht allein. In Zeiten, in denen Zweifel, Ängste, Fragen oder ähnliches auftauchen, kann der Austausch mit anderen Betroffenen, wie es ihn beispielsweise in Selbsthilfegruppen gibt, sehr hilfreich und trostspendend sein. Wahrscheinlich können nur Menschen, die in einer ähnlichen Lage wie du sind, wirklich nachvollziehen, wie es dir geht.

Neben den Selbsthilfegruppen und weiteren Anlaufstellen kannst du eine psychoonkologische Beratung in Anspruch nehmen. Hier hast du die Gelegenheit, mit Fachleuten über deine Sorgen und Ängste zu reden, die sich mit deiner Situation bestens auskennen. Sprich auch hierzu jederzeit dein Behandlungsteam an, das dir professionelle Hilfe und Unterstützung vermitteln kann.

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Während der Therapie

Während deiner Therapie wirst du auf bestimmte Nebenwirkungen der einzelnen Therapiemaßnahmen stoßen. Im Folgenden erfährst du, welche Nebenwirkungen auftreten können. Wichtig zu wissen ist, dass die meisten Nebenwirkungen heutzutage gut behandelbar sind und somit bestmöglich gelindert oder verringert werden können.

Folgen der Operation

Wie bei den meisten anderen Therapiemaßnahmen sind die Beschwerden und Folgen einer Operation von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Oftmals können Beschwerden nach einer kompletten oder teilweisen Entfernung der Bauchspeicheldrüse durch die oben erwähnte Enzym- und/oder Diabetestherapie nahezu vermieden werden.10

Andere Betroffene haben nach der Operation mit Schmerzen und Beschwerden zu kämpfen: Es können beispielsweise Fieberschübe oder das sogenannte Dumping-Syndrom auftreten. Beim Dumping-Syndrom wird der Mageninhalt während oder nach dem Essen zu schnell in den Dünndarm abgegeben. Dadurch kann es nach dem Essen zu diesen Symptomen kommen: Herzklopfen, Schwindel, Schmerzen im oberen Bauch, Übelkeit, Schweißausbrüche und Erbrechen. Wenn du diese Beschwerden hast, solltest du dein Behandlungsteam unbedingt informieren. Eine angepasste Ernährungsweise und Medikamente können dir hier gut helfen.10

Bei einem Fünftel aller Patientinnen und Patienten entstehen nach der Operation größere Komplikationen. Es hat sich gezeigt, dass eine Operation der Bauchspeicheldrüse an größeren und erfahreneren Zentren sicherer und mit weniger Komplikationen verbunden ist. Eine weitere, seltenere Folge der Operation, die bei einer von zehn Personen auftritt, sind die sogenannten Pankreasfisteln. Hierbei handelt es sich um eine röhrenartige Verbindung zwischen der Bauchspeicheldrüse und dem Bauchraum.1

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Durch eine Chemotherapie werden nicht nur Tumorzellen abgetötet, sondern auch gesundes Gewebe geschädigt. Dabei wird vor allem Gewebe angegriffen, deren Zellen sich besonders schnell teilen. Hierzu gehören die Magen- und Darmschleimhäute, die blutbildenden Zellen im Knochenmark und die Haarwurzeln. Darum sind die häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, eine hohe Anfälligkeit für Infekte sowie Haarausfall. Heutzutage gibt es gute, sogenannte supportive Therapiemaßnahmen, mit denen die Begleiterscheinungen einer Chemotherapie gelindert werden können.10

Verschiedene Chemotherapien können unterschiedliche Nebenwirkung hervorrufen. So kann es bei manchen eher zu starken Entzündungen im Mundraum und Durchfällen kommen, während unter anderen häufiger das blutbildende System betroffen ist. Wenn du einen Wirkstoff nicht gut verträgst, sollte dein Behandlungsteam dir einen anderen Wirkstoff anbieten.1

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Auch durch die Strahlentherapie kann es während oder Wochen und Monate nach der Behandlung zu Nebenwirkungen wie beispielsweise Durchfall oder Übelkeit kommen. 9

Nebenwirkungen von zielgerichteten Therapien

Bei der Behandlung mit TKI’s kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie beispielsweise Hautausschlag, Durchfall/Übelkeit, brüchige Haare/Haarausfall, Fehlfunktionen der Schilddrüse, Leberschädigung oder BlutgerWenn es währende der Behandlung mit einem TKI zu einem Hautausschlag kommt, der Akne ähnelt, kann dies allerdings ein Zeichen für ein gutes Ansprechen der Behandlung sein.10,11

Viele weitere Informationen zu jedem Medikament können online abgefragt werden. Gib unter https://daskwort.de/rund-um-den-krebs/diagnose-und-behandlung/dein-medikament-alle-informationen-jederzeit-griffbereit einfach das Medikament ein, über das du Informationen suchst und erhalte umfangreiche und wichtige Informationen.

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Prognose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Da Tumoren der Bauchspeicheldrüse in den ersten Stadien keine speziellen Beschwerden verursachen, werden sie leider erst in späten Stadien erkannt. Diese Tatsache führt dazu, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs eine mit anderen Krebsarten verglichen ungünstige Prognose hat. In Deutschland sind fünf Jahre nach der Diagnose noch 10 von 100 Personen am Leben.2

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Nachsorge bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Nachdem deine Therapie zunächst abgeschlossen ist, folgt die sogenannte Nachsorge. Das bedeutet, dass dein Behandlungsteam dich auch weiterhin betreut und deinen Gesundheitszustand regelmäßig kontrolliert und im Auge behält. Zu den üblichen Nachsorgeuntersuchungen zählen in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung und die Messung deines Körpergewichts. Gegebenenfalls können noch weitere Untersuchungen, wie beispielsweise Ultraschalluntersuchungen, CT, Röntgenuntersuchungen oder endoskopische Untersuchungen durchgeführt werden. Wenn du dich psychisch und seelisch nicht gut fühlst, teile dies am besten deiner Ärztin oder deinem Arzt mit, damit sie oder er dir Angebote zur psychischen Unterstützung machen kann.1

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Palliativtherapie

Auch wenn deine Erkrankung nicht mehr heilbar ist, wirst du nicht allein gelassen, sondern im Rahmen der palliativen Medizin bis zum Ende des Weges durch die Erkrankung begleitet. Wichtige Ziele der Palliativmedizin sind es, dir deine körperlichen Beschwerden und Schmerzen so gut wie möglich zu nehmen, dir Belastungen durch unnötige Therapiemaßnahmen gering zu halten und dich, wenn du möchtest, auch spirituell zu begleiten. Das übergeordnete Ziel aller palliativen Maßnahmen ist das Wohlergehen der Betroffenen.1

Viele Betroffene möchten ihren letzten Lebensweg gern zu Hause verbringen. Um das zu ermöglichen, ist eine gute Versorgung, beispielsweise durch die Hausärztin oder den Hausarzt notwendig und möglich. Zudem gibt es in einigen Teilen Deutschlands die sogenannte ambulante Palliativversorgung (SAPV), bei der dich Palliativmedizinerinnen und -mediziner sowie Pflegekräfte zu Hause betreuen.1

Zusammenfassung

  • Bauchspeicheldrüsenkrebs wird oft erst in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium entdeckt, da er anfangs meistens keine Beschwerden bereitet.
  • Zur Absicherung eines ersten Verdachts stehen verschiedene bildgebende Diagnoseverfahren, wie beispielsweise die Endosonographie, die CT und die MRT zur Verfügung. Mit der Bestimmung von Tumormarkern und einer molekularen Tumortestung können wichtige Hinweise für die optimale Therapie gewonnen werden.
  • Im Rahmen einer Tumorkonferenz werden die individuell besten Therapieoptionen bestimmt. Es gibt unterschiedliche Therapiemaßnahmen, wie beispielsweise die Operation, die Chemo- und Strahlentherapie sowie zielgerichtete Therapien, die miteinander kombiniert werden können.  

Inhaltlich geprüft: M-DE-00016178

Quellen

¹ Leitlinienprogramm Onkologie. Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Bauchspeicheldruese_1960011.pdf, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

² Zentrum für Krebsregisterdaten. Robert Koch Institut. Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Bauchspeicheldruesenkrebs/bauchspeicheldruesenkrebs_node.html, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

³ Das Molekulare Tumorboard. Springer Link. https://link.springer.com/article/10.1007/s00761-020-00725-6, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

⁴ Leitlinienprogramm Onkologie. Bauchspeicheldrüsenkrebs – Früherkennung und Vorsorge. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/bauspeicheldruesenkrebs/frueherkennung.html, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

⁵ https://gastro.charite.de/fuer_patienten/ambulante_behandlung/zentrale_endoskopie/endosonografie_oberer_gastrointestinaltrakt/, zuletzt abgerufen am 2.6.2023

⁶ Berger, D. Bedeutung molekularer Tumorboards. Im Fokus Onkologie 25, 55 (2022). https://doi.org/10.1007/s15015-022-3884-1, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

⁷ Tomborero D et al. Support systems to guide clinical decision-making in precision oncology: The Cancer Core Europe Molecular Tumor Board Portal. Nature Medicine. Published online 06 July 2020.

⁸ Roychowdhury, S.et al. (2011) Personalized oncology through integrative high-throughput sequencing: a pilot study. Sci. Transl. Med. 3, 111 – 121.

⁹ Schickhardt C. et al. Der Onkologe volume 26, pages431–437 (2020). Das Molekulare Tumorboard, https://link.springer.com/article/10.1007/s00761-020-00725-6

¹⁰ Leitlinienprogramm Onkologie. Bauchspeicheldrüsenkrebs – Therapie. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/bauspeicheldruesenkrebs/therapie.html, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

¹¹ https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/gezielte-krebstherapie.php, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

¹² Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Pankreaskarzinom/Version_2/LL_Pankreaskarzinom_Langversion_2.0.pdf, zuletzt abgerufen am 17.03.2023

¹³ Beubler, E. (2012). Der WHO-Stufenplan. In: Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie. Springer, Vienna. https://doi.org/10.1007/978-3-7091-1282-3_2

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