Früher verordneten Ärzte Krebspatienten gerne Ruhe und Schonung. Heute weiß man, wie wichtig Bewegung und Fitness für einen positiven Verlauf der Erkrankung sind. Ein individuell abgestimmtes Training kräftigt nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche und trägt entscheidend zur positiven Krankheitsbewältigung bei.

Innovatives Therapiekonzept

Das Universitätsklinikum Köln hat zusammen mit der Deutschen Sporthochschule die onkologische Trainings- und Bewegungstherapie (OTT) entwickelt. Kernstück von OTT ist ein Kraft- und Ausdauertraining. Das Programm ist ausschließlich für Krebspatienten gedacht und kann einen positiven Einfluss auf verschiedene Nebenwirkungen der medizinischen Therapie nehmen. Die Therapie wird individuell an die jeweiligen Bedürfnisse und die Verfassung der Patienten angepasst.

Im Unterschied zu einer onkologischen Rehabilitation beginnen die Teilnehmer während oder zum Teil sogar schon vor der medizinischen Behandlung mit einem Bewegungstraining. In der Reha erfolgen vergleichbare Maßnahmen erst nach Abschluss der Therapie. Zeit, die mit OTT bereits genutzt werden kann.

 

Bewegungstherapie gegen Nebenwirkungen bei Krebs © LinkedIn Sales Navigator / Unsplash
Du willst wissen, ob OTT in Deiner Nähe angeboten wird? Auf der Webseite vom CIO Köln Bonn findest Du eine Therapeutensuche!

 

Eine weitere Besonderheit ist, dass das Training dort stattfindet, wo Du medizinisch betreut wirst und Ärzte, Psychologen und Sportwissenschaftler für Dein individuelles Training zusammenarbeiten. Zurzeit arbeiten etwa 20 Krebszentren in Deutschland mit dem OTT-Konzept.

 

OTT – Was heißt das konkret für Dich?

Du möchtest an Ott teilnehmen? Dann benötigst Du eine Unbedenklichkeitsbescheinigung von Deinem Arzt. Er bespricht mit Dir auch alles, was im Zusammenhang mit Deiner Erkrankung für Deinen personalisierten Bewegungsplan wichtig ist. Ein speziell qualifizierter Therapeut macht Dich mit allen Trainingsgeräten vertraut, zum Beispiel Laufband, Crosstrainer oder Rudergerät.

Das OTT-Konzept wird von der Deutschen Krebsgesellschaft empfohlen und von einigen Krankenkassen anerkannt. Frag bei Deiner Krankenkasse nach, ob sie die Kosten übernimmt.

Auf einer Chipkarte werden Deine individuellen Trainingsziele und Deine Trainingsintensität gespeichert. Dein Therapeut kann nach Bedarf einzelne therapeutische Bausteine ergänzen. Viele Krebspatienten erleben beispielsweise Missempfindungen in Händen und Füßen. Hier eignet sich ein Training mit einer Vibrationsplatte, das Muskelaufbau, Durchblutung und Koordination fördert.

Damit das Training effektiv ist, ist Regelmäßigkeit wichtig. Ein- bis zweimal in der Woche solltest Du Dich also körperlich betätigen. Auch nach der medizinischen Behandlung kannst Du noch mindestens zwölf Wochen im Rahmen der OTT trainieren.

OTT während der Therapie

Auch wenn das Training vor oder während der medizinischen Behandlung starten kann – nach einer Operation wird zunächst die Wundheilung abgewartet. Leichte Bewegung ist bereits ein oder zwei Tage nach der OP möglich. Außerdem können Muskelgruppen, die von der OP nicht beeinträchtigt sind, trainiert werden – zum Beispiel die Beine nach einer Brust-OP.

Wenn Du eine Chemo- oder Strahlentherapie erhältst, werden zudem die Blutwerte kontrolliert. Bestimmte Grenzwerte für Hämoglobin und Thrombozyten sollten nicht unterschritten werden. Manche Chemotherapeutika können das Herz belasten. Eine Trainingspause von 24 oder 48 Stunden kann nötig sein, bis sich die Werte wieder stabilisiert haben. Leichtes Walken oder Spazierengehen ist aber in jedem Fall möglich.

Mit Bewegung vorbeugen

Als Krebspatient profitierst Du bei OTT von einer vorbeugenden Wirkung von Sport und Bewegung. Zum Beispiel kommt eine Polyneuropathie, die im Zusammenhang mit einer Chemotherapie auftreten kann, deutlich seltener vor, wenn Du bereits vor oder während der Therapie trainiert hast 2.

 

Bewegungstherapie gegen Nebenwirkungen bei Krebs

Deinen individuellen Trainingsplan mit entsprechenden Übungen und der Dauer des Trainings stellt der Therapeut gemeinsam mit Dir auf.

© Das K Wort

Vor einer Operation oder einer Chemotherapie ist ein guter Fitnesszustand immer von Vorteil. Da Du sowohl Muskelkraft als auch die Ausdauer trainierst, wirst Du insgesamt belastbarer.

Möglichen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Muskelschwäche, Lymphödeme3, Schlafstörungen4 oder tumorbedingte Fatigue (Erschöpfungszustand)1 kann durch das onkologische Training effektiv gegengesteuert werden.

Mit OTT kannst Du also selbst aktiv und sehr konkret positiv auf Deinen Genesungsprozess und auch auf Deine Psyche einwirken. Unterm Strich verbessert OTT Deine Lebensqualität.

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