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Real-World-Data − Treibstoff für die personalisierte Medizin

Medizinische Behandlungsdaten aus dem Alltag enthalten wichtige Informationen: Wissenschaftlich ausgewertet können sie dabei helfen, dass Therapien für Krebserkrankungen noch effektiver und sicherer werden.

Real-World-Data – was ist das eigentlich? Das sind medizinische Daten aus der alltäglichen Versorgung im Krankenhaus und in der Arztpraxis. Im Gegensatz dazu stehen die Daten, die Wissenschaftler in klinischen Studien sammeln. Die medizinische Betreuung, das Umfeld und die Gruppe der Patienten in Studien sind häufig etwas anders zusammengesetzt als im echten Leben. 

Forscher werten die Daten von Studien aus und beurteilen sie – medizinische Daten aus dem Alltag werden noch nicht strukturiert gesammelt und ausgewertet, dabei bieten sie eine große Chance für die Gesundheitsversorgung. 

Real-World-Data sind Gesundheitsdaten aus der alltäglichen medizinischen Versorgung.

Wie kann Real-World-Data helfen, die Krebstherapie zu verbessern?

Wissenschaftler können durch Real-World-Data wichtige Informationen gewinnen: 

  • Dazu gehören Daten zur Sicherheit und den Nebenwirkungen von Therapien. Zum Beispiel nehmen an Studien wenige sehr alte Menschen oder Menschen mit mehreren Begleiterkrankungen teil. Und obwohl manchmal mehrere Tausend Menschen an einer Studie teilnehmen, machen sich sehr seltene Effekte erst bemerkbar, wenn ein Medikament auf dem Markt ist und Ärzte es in der alltäglichen Versorgung einsetzen.
  • Es gibt zielgerichtete Therapien, die nur bei ganz bestimmten Eigenschaften eines Tumors infrage kommen. In diesen Studien ist die Anzahl an Teilnehmern deutlich kleiner als bei anderen Studien – da nur wenige Menschen einen Tumor mit genau diesen Eigenschaften haben. Die Behandlungsdaten von Patienten können zusätzlich zu den Zulassungsstudien wichtige Erkenntnisse liefern, zum Beispiel zur Wirksamkeit der Therapie.
  • Die moderne Krebstherapie bietet viele Behandlungsmöglichkeiten – und diese lassen sich vielfältig kombinieren. Es gibt nicht für jede Behandlungssituation eine Studie. Diese Datenlücke kann Real-World-Data schließen.
  • Real-World-Data kann Ärzten auch dabei helfen, die Therapieempfehlungen weiter zu verbessern – damit jeder Patient die Behandlung bekommt, die am besten zu ihm passt.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bietet viele Chancen – auf der Basis von Real-World-Data.

Woher kommen die Daten?

Das Wissen über Krebserkrankungen wächst schnell – viele Informationen gewinnen Ärzte auch durch moderne Diagnoseverfahren und genetische Untersuchen. Krankenhäuser und Arztpraxen speichern diese Daten zum Beispiel in der elektronischen Patientenakte. Auch die gesetzlichen Krankenkassen speichern viele Gesundheitsinformationen. Doch wie können Wissenschaftler solche Behandlungsdaten nutzen? Natürlich sind alle Patientendaten streng geschützt. Es geht bei Real-World-Data nicht um die Informationen über einen einzelnen Menschen, sondern um große Datenmengen, die zusammengefasst und statistisch ausgewertet werden. Hierfür gibt es zum Beispiel Datenbanken, in denen eine große Anzahl an Behandlungsdaten anonymisiert gespeichert ist. Es ist also nicht mehr möglich, herauszufinden, von welchen Patienten die Informationen stammen. 
Patienten können sich auch aktiv selbst beteiligen und zum Beispiel Symptome oder Nebenwirkungen bei einer Krebstherapie über eine Internetplattform oder eine App melden.

Krebsregister

In Deutschland gibt es in jedem Bundesland Krebsregister. Ihre Aufgabe ist es, Real-World-Data aus der Gesundheitsversorgung strukturiert zu sammeln. Sie werten anhand der Daten zum Beispiel aus, wie häufig welche Krebsart auftritt, welche Behandlungen zum Einsatz kommen und wie die Erkrankungen verlaufen. Wissenschaftler können diese anonymisierten Daten nutzen.

Infografik: Real-World-Data zur Therapieentscheidung
Erst die Vernetzung von Datensätzen macht es überhaupt möglich, Muster zu erkennen, die dann wiederum für die Forschung, aber auch für individuelle Therapieentscheidungen genutzt werden können. (Dr. Susanne Schach, Real-World-Data-Expertin)
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Real-World-Data in der Krebstherapie

Real-World-Data kann auch einen wertvollen Beitrag für die Weiterentwicklung von Krebstherapien leisten. Zum Beispiel können Informationen zur Präzisionsmedizin in Registern gebündelt werden. Dazu gehören Daten über genetische Veränderungen und Biomarker. Die Register ermöglichen es Forschern, moderne Behandlungen noch genauer zu untersuchen.

Ein Beispiel für ein solches Register in Deutschland ist CRISP. Dieses Register sammelt Daten über die Biomarker-Testung, Behandlung und den Krankheitsverlauf von Patienten mit verschiedenen Lungenkrebsarten. Zusätzlich beantworten die Patienten Fragebögen zu ihrer Lebensqualität und ihrem emotionalen Befinden. Das Register soll für Transparenz sorgen und die Qualität der Behandlung überwachen. Die Auswertung der Daten ergab zum Beispiel, dass die Biomarker-Testung noch nicht überall ausreichend stattfindet. Anhand dieser Ergebnisse können die Forscher neue Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie entwickeln.

Eine große Chance für die Gesundheitsversorgung

Real-World-Data können dazu beitragen, die Vorsorge, Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen zu verbessern. Dafür ist neben dem Datenschutz besonders Transparenz und die Qualität der Daten wichtig. In Deutschland entwickeln Wissenschaftler Datenbanken und IT-Lösungen, um die Gesundheitsdaten sicher für die Forschung nutzen zu können.

Quellen

¹ Mit jedem einzelnen Datensatz wird unser Bild von Erkrankungen schärfer. Interview mit Dr. Susanne Schach (https://www.roche.de/ueber-roche/was-wir-bewegen/personalisierte-medizin/real-world-data/) (aufgerufen am 15.01.2021)

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