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Gesundheits-App auf Rezept in der Krebstherapie

Gesundheits-Apps können dazu beitragen, deine medizinische Versorgung zu verbessern und gleichzeitig die Kosten des Gesundheitssystems zu verringern. Aber was bringen medizinische Apps wirklich? Und woran erkennst du vertrauenswürdige Inhalte? Was gibt es zu beachten?

Der Anteil der 18-64-Jährigen, der regelmäßig Gesundheits-Apps auf ihrem Smartphone nutzt liegt bei rund 21 Prozent. Allerdings haben bislang nur 15 Prozent kostenpflichtige Gesundheits-Apps genutzt. Am beliebtesten sind aktuell Ernährungs-Apps (49 Prozent derjenigen, die Geld für Apps ausgegeben haben) und solche die Körperfunktionen messen (31 Prozent).1 Wichtig ist der Unterschied zwischen Gesundheits-Apps und Medizin-Apps, die auch als DIGAS (Digitale Gesundheitsanwendungen) bezeichnet werden.

Der Digitalverband Deutschlands (Bitkom) gibt an, dass zwei von drei Smartphone-Besitzern digitale Fitness-, Gesundheits- oder Medizin-Apps nutzen.2 Sie sollen Fitness und Gesundheit fördern, der Entwicklung von Krankheiten vorbeugen oder dich während einer speziellen Therapie begleiten. 

Für welche Apps erstattet die Krankenkasse die Kosten?

Wenn du zu Vorsorgeuntersuchungen gehst, dich regelmäßig bewegst und ausgewogen ernährst, trägst du dazu bei, optimale Bedingungen zu schaffen, um gesund zu werden und lange gesund zu bleiben. Deine eigene Gesundheit hat auch positive Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Auch Gesundheits-Apps können dazu beitragen: Sie können dich an Termine erinnern, einen Ernährungsplan vorschlagen oder deine Fitnesseinheiten analysieren. Deshalb gibt es das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG). Es legt fest, dass du die Kosten für medizinische Apps erstattet bekommen kannst. Ist eine App vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Medizinprodukt anerkannt, kann deine Ärztin oder dein Arzt dir ein Rezept dafür ausstellen und deine Krankenkasse erstattet dir die Kosten. 

Seit April 2020 können App-Entwickler einen Antrag beim BfArM stellen, damit ihr digitales Gesundheitsangebot in einer Testphase auf Datensicherheit und Funktionalität geprüft und offiziell als Medizinprodukt anerkannt wird. Doch auch darüber hinaus hast du bereits die Möglichkeit, die Kosten für eine Gesundheits-App erstattet zu bekommen – setz dich dafür direkt mit deiner Krankenkasse in Verbindung. 

Was ist eine medizinische App?

Digitale Gesundheitsangebote sollen dich in deinem Alltag unterstützen. Eine Diagnose oder konkrete Behandlungsempfehlung können und dürfen Apps jedoch nicht geben. Sie sind regulär im Google Play Store, App Store und bei ähnlichen Anbietern zu finden. Eine spezielle Kennzeichnung als Medizinprodukt gibt es dort nicht. 
 
Digitale Gesundheitsanwendungen (DIGA) können als Medizinprodukte anerkannt werden, wenn sie zum Beispiel zur Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten oder Behinderungen dienen. Sie helfen beispielsweise dabei, eine geeignete Therapie zu finden oder die exakte Medikamentendosierung zu berechnen.² Eine Liste mit den bisher anerkannten DiGAS, die von den Ärztinnen und Ärzten verordnet und von den Krankenkassen erstattet werden können, findest du hier
 
Apps gelten nicht als Medizinprodukt, wenn sie lediglich allgemeine Informationen bereitstellen, wie etwa Dosierungstabellen, aus denen du dir selbst deine entsprechenden Werte ableiten musst.

Eine Frau führt Dehnübungen auf einer Yoga- matte zu Hause aus
Zur Steigerung deines Wohlbefindens und Verbesserung deiner Lebensqualität geben Fitness-Apps Anleitungen für Bewegung während und nach deiner Krebsbehandlung
© Ivan Ozerov/ Stocksy

Zusammenfassung

Worauf kannst du bei medizinischen Apps achten?3 

  1. Die medizinische App klärt darüber auf, dass sie den Arztbesuch nicht ersetzen kann.

  2. Der Hersteller der App ist erkennbar: ein wissenschaftliches Institut, Mediziner, Pharmaunternehmen oder Krankenkassen.

  3. Der Hersteller der ie App versucht nicht, bestimmte Produkte zu verkaufen.

  4. Es ist klar erkenntlich, ob die App sich selbst refinanziert oder es Sponsoren gibt. Achtung: kostenfreie Apps finanzieren sich oft über Datenhandel, Werbung oder In-App-Käufe.

  5. Der Anbieter legt offen, wo die Daten gespeichert werden – zum Beispiel auf deinem Gerät selbst. Achtung: Werden diese sensiblen Daten extern bei einem Anbieter gespeichert, verlierst du möglicherweise die Kontrolle darüber.

  6. Die medizinische App sollte deine Informationen ausschließlich dafür nutzen, um dich zu unterstützen. Die erforderlichen Zugriffsberechtigungen (zum Beispiel auf deine Kontaktliste oder Fotogalerie) sollten tatsächlich für die Funktion der App notwendig und angemessen sein. 

Welche medizinischen Apps gibt es in der Krebstherapie?

Digitale Gesundheitsangebote lassen sich in drei Kategorien einordnen, können aber natürlich mehrere dieser Funktionen gleichzeitig erfüllen – die Grenzen sind also fließend: 
 
Lifestyle-orientierte Angebote  

Lifestyle-orientierte Angebote können zu einem gesunden und aktiven Lebensstil beitragen. Dazu zählen: 

Krankheitsspezifische Ernährungsberater und Einkaufshilfen: 
Mithilfe von mobilen Ernährungsapps kannst du dich über krankheitsspezifische Vorteile bestimmter Rezepte und Zutaten informieren. Mehr darüber, was eine ausgewogene Ernährung deiner Gesundheit bringt, erfährst du auch in unserem Interview mit Wissenschaftsautor Bas Kast

Krankheitsspezifische Fitnessprogramme: 
Zur Steigerung deines Wohlbefindens und Verbesserung deiner Lebensqualität geben Aktivitäts-, Fitness Tracker und Fitness-Apps konkrete Anleitungen für Bewegung während und nach deiner Krebsbehandlung. 

Therapie-unterstützende Anwendungen  

Therapie-unterstützende Anwendungen sollen deine Genesung begleiten. Hierzu gehören unter anderem: 

  • Krankheitsspezifische Sporttherapie, die dir beispielsweise Trainingsmethoden zeigen, mit denen du zur Senkung des Rückfallrisikos beitragen kannst.4

  • Selbsthilfebasierte Therapieunterstützung bei Depressionen oder Brustkrebs.  

  • Achtsamkeitsapps, Entspannungs- oder Meditationshilfen, die dir: 
    bei der Stress- und Therapiebewältigung, dem Umgang mit Depressionen oder Ängsten helfen – wie zum Beispiel Lauf- und Yoga-Trainings.

Service-orientierte Apps 

Service-orientierte Apps erleichtern dir die Selbstuntersuchung und bereiten dich auf Arzttermine vor. Darunter fallen Vor- und Nachsorge-Apps wie medizinische Erinnerungshilfen, Symptom-Tagebücher oder Hilfestellungen zur Selbstuntersuchung. 

Medizinische Erinnerungshilfen:   
Sie erinnern dich regelmäßig an deine Medikamenteneinnahme und Arzt- oder Therapietermine. 
 
Symptom-Tagebücher: 
Sie können zur Früherkennung von Rückfällen beitragen5 und erleichtern dir das Gespräch mit deinem behandelnden Arzt zur Verlaufs- und Symptomkontrolle. 
 
Hilfestellungen zur Selbstuntersuchung: 
Digitale Gesundheitsangebote können dir helfen, auf dich selbst zu achten sowie Veränderungen an deinem Körper bewusster wahrzunehmen und zu protokollieren. Beispielsweise zur Prävention von Hautkrebs und Dokumentation von Hautveränderungen sind spezielle Apps entwickelt worden – ebenso wie mobile Anwendungen mit anschaulichen Hilfestellungen zum monatlichen Abtasten bei Brustkrebs. Sie alle ersetzen aber nicht den Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt. 

Welche App dich in deiner Therapie am besten unterstützen kann und ob die Kosten in deinem Fall übernommen werden, erfährst du bei deiner Krankenkasse.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00014651

Quellen

¹ https://www.heise.de/hintergrund/Statistik-der-Woche-Smartphone-Nutzer-wollen-wenig-fuer-Gesundheitsapps-ausgeben-6027431.html, zuletzt abgerufen am 28.09.2022

² https://www.heise.de/hintergrund/Statistik-der-Woche-Smartphone-Nutzer-wollen-wenig-fuer-Gesundheitsapps-ausgeben-6027431.html, zuletzt abgerufen am 28.09.2022

³ https://www.heise.de/hintergrund/Statistik-der-Woche-Smartphone-Nutzer-wollen-wenig-fuer-Gesundheitsapps-ausgeben-6027431.html, zuletzt abgerufen am 28.09.2022

⁴ https://bjsm.bmj.com/content/50/6/372.full

⁵ https://academic.oup.com/jnci/article/109/9/djx029/3573360

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