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Gesundheits-App auf Rezept in der Krebstherapie

Digitale Gesundheitsanwendungen können dazu beitragen, deine medizinische Versorgung zu verbessern und gleichzeitig die Kosten des Gesundheitssystems zu verringern. Aber woran erkennst du vertrauenswürdige Inhalte? Was gibt es zu beachten?

Laut Krebsinformationsdienst gibt es mehr als 100.000 Gesundheits-Apps. Der Digitalverband Deutschlands (Bitkom) gibt an, dass zwei von drei Smartphone-Besitzern solche digitalen Angebote nutzen.¹
Dabei ist jedoch wichtig zu wissen: Es gibt ein offizielles Zulassungsverfahren für Apps, die einen medizinischen Nutzen verfolgen, damit du dich auf die Qualität verlassen kannst und einen konkreten Anspruch auf die Erstattung der Kosten hast.

  • Ungeprüfte medizinische Apps (die sich z. B. Wellness- oder Gesundheits-Apps nennen) können dich dabei unterstützen, einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu pflegen.
  • Als digitale Gesundheitsanwendungen (oder kurz: DiGA) werden sie bezeichnet, wenn sie nach strengen Kriterien offiziell geprüft und zertifiziert sind.

Zertifizierte digitale Gesundheitsanwendungen dienen wissenschaftlich nachgewiesen der

  • Erkennung
  • Überwachung
  • Behandlung
  • Linderung
  • oder Kompensierung

von Krankheiten, Verletzungen oder Behinderungen.2
Eine Diagnose oder konkrete Behandlungsempfehlung können und dürfen sie nicht geben.

Zu digitalen Gesundheitsanwendungen zählen nicht nur Apps, sondern auch digitale Angebote, die du im Webbrowser nutzen kannst, ohne eine Anwendung herunterzuladen.3

Was zeichnet eine digitale Gesundheitsanwendung aus?

Digitale Gesundheitsanwendungen sind genau auf spezifische Erkrankungen zugeschnitten. Sie können zur Verbesserung deines gesundheitlichen Zustands beitragen oder den Umgang mit deiner Erkrankung erleichtern.3 Sie können zum Beispiel helfen, Symptome zu reduzieren, dein Wohlbefinden zu steigern, dein Therapiemanagement zu optimieren und ermöglichen es, dich ortsunabhängig bis zu deinem nächsten Termin mit deinem Behandlungsteam im Alltag zu unterstützen.4

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind regulär im Google Play Store, App Store und bei ähnlichen Anbietern zu finden. Eine spezielle Kennzeichnung als Medizinprodukt gibt es dort nicht. Welche Apps als DiGA anerkannt sind, erfährst du im offiziellen DiGA-Verzeichnis.

Apps werden nicht als erstattungsfähige DiGA anerkannt, wenn sie lediglich allgemeine Informationen bereitstellen, wie etwa Dosierungstabellen, aus denen du dir selbst deine entsprechenden Werte ableiten musst.

Die Zertifizierung von Apps sichert die Qualität und Erstattung der Kosten

Ist eine App vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Medizinprodukt anerkannt, kann dein Arzt oder Psychotherapeut dir ein Rezept dafür ausstellen. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) legt fest, dass du die Kosten für eine DiGA von der Krankenkasse erstattet bekommen kannst.

Was unterscheidet DiGA von medizinischen Apps?

Bei Apps, die in das offizielle DiGA-Verzeichnis aufgenommen worden sind, hast du die Gewissheit: Sie durchlaufen ein anspruchsvolles Bewertungsverfahren. Anhand wissenschaftlicher Daten wird bestätigt, dass sie bei der Erkennung und/oder Behandlung von Krankheiten helfen oder auch, ob sie dich gezielt dabei unterstützen, gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.3

Seit April 2020 können App-Entwickler einen Antrag beim BfArM stellen, damit ihr digitales Gesundheitsangebot offiziell als Medizinprodukt anerkannt wird. Im sogenannten Fast-Track-Verfahren wird die App innerhalb von drei Monaten auf Datensicherheit und Funktionalität geprüft. Es besteht die Möglichkeit zur vorzeitigen Aufnahme in das Verzeichnis, wenn davon auszugehen ist, dass der Anbieter einer digitalen Gesundheitsanwendung den Nutzen der App für die Patientenversorgung oder den medizinischen Erfolg durch weitere Erhebungen nachweisen kann. Gelingt dies bis nach Ablauf der insgesamt einjährigen Testphase, können Ärzte und Psychologen die DiGA verordnen und dir damit einen Anspruch auf Erstattung der Kosten durch die Krankenkasse ermöglichen.5

Datenschutz und Datensicherheit von digitalen Gesundheitsanwendungen

Bei der Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis wird größter Wert auf eine reibungslose und sichere Informationstechnologie gelegt.6

  • Die App darf keine Daten ohne deine ausdrückliche Zustimmung nutzen.
  • Deine Daten dürfen nicht anders genutzt werden als zur Erfüllung der festgelegten medizinischen Funktionen oder zur Abrechnung mit deiner Krankenkasse – sogar, wenn du hierzu ggfs. deine Zustimmung gegeben haben solltest. Ausnahmen sind klar vom BfArM festgelegt. Zum Beispiel dürfen Anbieter von DiGA deine Daten nutzen, um die Anwendung weiterentwickeln zu können – mit dem Ziel, die technische Funktionsfähigkeit oder Nutzerfreundlichkeit dauerhaft zu gewährleisten. Doch auch wenn du diesem Punkt nicht zustimmen möchtest, kannst du die DiGA nutzen.
  • Die technische Datenverarbeitung geschieht innerhalb der Europäischen Union und unterliegt damit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zusätzlich zu den Vorgaben des BfArM oder in einem Staat, der ein vergleichbares Niveau an Datensicherheit gewährleisten kann.

Gibt es eine Erstattungsmöglichkeit für Apps, die nicht als DiGA anerkannt sind?

Auch unabhängig von dem Gesetz für digitale Versorgung haben einige gesetzliche Krankenkassen Verträge mit Anbietern entsprechender Apps als digitale Helfer geschlossen. Denn auch Gesundheits-Apps können dich dabei unterstützen, dir gesundheitsförderliche Verhaltensweisen (z. B. regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung) anzueignen und so zur Vorbeugung beitragen oder im Krankheitsfall zur Genesung.7

Tipp:
Erkundige dich vorab bei deiner Krankenkasse, ob die Kosten für eine medizinische App und etwaige Zusatzfunktionen, die innerhalb der App angeboten werden können (sogenannte „In-App-Käufe“), erstattet werden.

Wie erhalte ich eine digitale Gesundheitsanwendung?

Grafik zu verschiedenen Optionen, eine digitale Gesundheits anwendung zu erhalten
So kannst du eine digitale Gesundheitsanwendung erhalten.
© https://diga.bfarm.de/de/leistungserbringer

Hat dein behandelnder Arzt oder Psychotherapeut dir ein Rezept für eine bestimmte digitale Gesundheitsanwendung ausgestellt, wendest du dich an deine Krankenkasse. Hier erhältst du im Anschluss einen Rezept-Code, mit dem du die jeweilige App aktivieren kannst. Bei Anwendungen, die im regulären Webbrowser genutzt werden können, also nicht heruntergeladen werden müssen, kannst du einfach einen QR-Code deinem Smartphone scannen und erhältst so Zugang zu den Inhalten.

Zusammenfassung

Neben DiGA gibt es ein breites Spektrum an medizinischen Apps. Worauf du bei medizinischen Apps achten solltest:

  1. Die medizinische App klärt darüber auf, dass sie den Arztbesuch nicht ersetzen kann.
  2. Der Hersteller der App ist erkennbar: ein wissenschaftliches Institut, Mediziner, Pharmaunternehmen oder Krankenkassen.
  3. Die App versucht nicht, bestimmte Produkte zu verkaufen.
  4. Es ist klar erkenntlich, ob die App sich selbst refinanziert oder es Sponsoren gibt. Achtung: kostenfreie Apps finanzieren sich oft über Datenhandel, Werbung oder In-App-Käufe.
  5. Der Anbieter legt offen, wo die Daten gespeichert werden – zum Beispiel auf deinem Gerät selbst. Achtung: Werden diese sensiblen Daten extern bei einem Anbieter gespeichert, verlierst du möglicherweise die Kontrolle darüber.
  6. Die medizinische App sollte deine Informationen ausschließlich dafür nutzen, um dich zu unterstützen. Die erforderlichen Zugriffsberechtigungen (zum Beispiel auf deine Kontaktliste oder Fotogalerie) sollten tatsächlich für die Funktion der App notwendig und angemessen sein.

Welche medizinischen Apps gibt es in der Krebstherapie?

Medizinische Apps lassen sich in drei Kategorien einordnen, können aber natürlich mehrere dieser Funktionen gleichzeitig erfüllen – die Grenzen sind also fließend.

Lifestyle-orientierte Angebote

Lifestyle-orientierte Angebote können zu einem gesunden und aktiven Lebensstil beitragen. Dazu zählen:

Krankheitsspezifische Ernährungsberater und Einkaufshilfen:
Mithilfe von mobilen Ernährungsapps kannst du dich über krankheitsspezifische Vorteile bestimmter Rezepte und Zutaten informieren. Mehr darüber, was eine ausgewogene Ernährung deiner Gesundheit bringt, erfährst du auch in unserem Interview mit Wissenschaftsautor Bas Kast.

Krankheitsspezifische Fitnessprogramme:
Zur Steigerung deines Wohlbefindens und Verbesserung deiner Lebensqualität geben Aktivitäts-, Fitness Tracker und Fitness-Apps konkrete Anleitungen für geeignete Übungen während und nach deiner Krebsbehandlung.

Eine Frau führt Dehnübungen auf einer Yoga- matte zu Hause aus
Zur Steigerung deines Wohlbefindens und Verbesserung deiner Lebensqualität geben Fitness-Apps Anleitungen für Bewegung während und nach deiner Krebsbehandlung
© Ivan Ozerov/ Stocksy

Therapie-unterstützende Anwendungen

Therapie-unterstützende Anwendungen sollen deine Genesung begleiten. Hierzu gehören unter anderem:

Krankheitsspezifische Sporttherapie:
Sie zeigen dir beispielsweise sogar Trainingsmethoden, mit denen du zur Senkung des Rückfallrisikos beitragen kannst.8

Achtsamkeitsapps, Entspannungs- oder Meditationshilfen:
Diese können dir bei der Stress- und Therapiebewältigung, dem Umgang mit Depressionen oder Ängsten helfen – wie zum Beispiel Lauf- und Yoga-Trainings oder mobile Thai Chi-Anleitungen. Sie können dich auf Faktoren hinweisen, die bestimmte Symptome unter Umständen verstärken und bieten Anleitungen oder geben Anregungen, was du aktiv dagegen unternehmen kannst.

Service-orientierte Apps

Service-orientierte Apps erleichtern dir die Selbstuntersuchung und bereiten dich auf Arzttermine vor. Darunter fallen Vor- und Nachsorge-Apps wie medizinische Erinnerungshilfen, Symptom-Tagebücher oder Hilfestellungen zur Selbstuntersuchung. Sie helfen dir zum Beispiel zu dokumentieren, was du im nächsten Gespräch mit deinem Behandlungsteam anmerken kannst.

Medizinische Erinnerungshilfen:
Sie erinnern dich regelmäßig an deine Medikamenteneinnahme und Arzt- oder Therapietermine.

Symptom-Tagebücher:
Sie können zur Früherkennung von Rückfällen beitragen9 und erleichtern dir das Gespräch mit deinem behandelnden Arzt zur Verlaufs- und Symptomkontrolle.

Hilfestellungen zur Selbstuntersuchung:
Medizinische Apps können dir helfen, auf dich selbst zu achten sowie Veränderungen an deinem Körper bewusster wahrzunehmen und zu protokollieren. Beispielsweise zur Prävention von Hautkrebs und Dokumentation von Hautveränderungen sind spezielle Apps entwickelt worden – ebenso wie mobile Anwendungen mit anschaulichen Hilfestellungen zum monatlichen Abtasten bei Brustkrebs.

Welche App dich in deiner Therapie am besten unterstützen kann und ob die Kosten in deinem Fall übernommen werden, erfährst du bei deiner Krankenkasse, deinem behandelnden Arzt oder Psychologen.

Quellen

¹ bitkom | Achim Berg: Digital Health, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

² https://www.vfa.de/de/wirtschaft-politik/abcgesundheitspolitik/diga-schnell-erklaert.html, zuletzt abgerufen am 07.06.2021.

³ https://diga.bfarm.de/de/diga-nutzer, zuletzt abgerufen am 09.06.2021.

⁴ Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte | Orientierungshilfe Medical Apps, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

⁵ https://www.barmer.de/presse/bundeslaender-aktuell/baden-wuerttemberg/standortinfo/digitale-gesundheitsanwendung-244624, zuletzt abgerufen am 14.06.2021.

⁶ https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Service/Beratungsverfahren/DiGA-Leitfaden.pdf;jsessionid=F45FF3ABA427B9F21CC72828BD9AF0B8.2_cid507?__blob=publicationFile&v=11, zuletzt abgerufen am 09.06.2021.

⁷ https://www.vfa.de/download/diga-handreichung-patientinnen.pdf, zuletzt abgerufen am 09.06.2021.

⁸ https://bjsm.bmj.com/content/50/6/372.full, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

⁹ https://academic.oup.com/jnci/article/109/9/djx029/3573360, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

¹⁰ Aktionsbündnis Patientensicherheit | Checkliste für die Nutzung von Gesundheits-Apps, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

¹¹ Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte | Digitale Gesundheitsanwendungen, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

¹² Deutsche Krebsgesellschaft | Mobile Helfer: Können Apps bei der Krebsvorsorge und Therapie unterstützen? , zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

¹³ Krankenkassen Deutschland | Krankenkassen-Apps: Von Fitness-Apps bis Smartphone-EKG, zuletzt abgerufen am05.05.2021.

¹⁴ Krebsinformationsdienst | Checkliste für Gesundheits-Apps, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

¹⁵ Onkologischer Schwerpunkt Stuttgart | Onko-Nachsorge Aktiv - die Nachsorge-App für Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

¹⁶ Spiegel | Krankenkassen zahlen Gesundheits-Apps, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

¹⁷ Verbraucherzentrale | Gesundheits-Apps: Medizinische Anwendungen auf Rezept, zuletzt abgerufen am 05.05.2021.

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