Ich habe Krebs. Aber bin ich damit auch behindert? Bei Behinderung denken die meisten von uns an einen Menschen im Rollstuhl, mit Blindenstock oder Prothese. Aber nicht jede Behinderung ist sichtbar. Und dennoch kann sie den Betroffenen vom gesellschaftlichen Leben ausschließen. Auch Krebs gehört zu den Krankheiten, deren physische und psychische Folgen den Alltag stark beeinträchtigen und deshalb vorübergehend oder dauerhaft zu einer Behinderung führen können.


Umdenken: Behinderung kann jeden treffen

2019 feiert sie in Deutschland ihr Zehnjähriges: Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung, kurz UN-Behindertenrechtskonvention.

Von einer Behinderung spricht man dann, wenn die „körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher die Teilhabe am Leben der Gesellschaft beeinträchtigt ist.”

— Sozialgesetzbuch IX, §2, Absatz 1

Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Dazu verändert sie das Verständnis von Behinderung. Sie rückt nämlich nicht nur Menschen mit „herkömmlichen“ Behinderungen in den Fokus, sondern bezieht auch Menschen mit chronischen Erkrankungen, geistigen Behinderungen, psychischen Beeinträchtigungen und Pflegebedürftigkeit mit ein.

Außerdem sieht sie die Ursache von Behinderung in gesellschaftlichen Barrieren, die es einzureißen gilt. Deshalb geht es nicht mehr nur darum, Menschen mit Behinderung mit Fürsorgemaßnahmen zu unterstützen. Vielmehr soll ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das Bundesteilhabegesetz von 2016.


Einreißen: Barrieren abbauen

Dinge, die Dich behindern, gibt es überall: die Treppe, die Du nur mit größter Anstrengung hochkommst, der Arbeitsplatz, der nicht mehr zu Dir passt, eine Reha, die nicht genehmigt wird. Eine Initiative, die diese Barrieren abschaffen möchte, sind die SOZIALHELDEN. Sie möchten Institutionen und Unternehmen dafür sensibilisieren, Menschen mit Behinderungen als Zielgruppe bei Produkten und Dienstleistungen nicht aus den Augen zu verlieren und neue Perspektiven einzunehmen.

Überall da, wo Bund und Länder zuständig sind – bei Behörden, öffentlichen Einrichtungen oder dem öffentlichem Nahverkehr – hat sich in Bezug auf Barrierefreiheit schon viel getan. Im Gegensatz dazu sind viele private und Firmengebäude, Transportmittel, Dienstleistungen, Informationen oder Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung nach wie vor nur schwer zugänglich. Mit ihrer Erfahrung wollen die SOZIALHELDEN Unternehmen unterstützen, Probleme zu entdecken, neue Perspektiven einzunehmen und Lösungen zu entwickeln.

Ist Krebs eine Behinderung?
© JohnnyGreig / iStockphoto

Ausgleichen: Schwerbehindertenausweis beantragen

Vielleicht bist Du durch Deine Krebserkrankung im Alltag in manchen Bewegungen eingeschränkt. Vielleicht lebst Du mit Schmerzen oder Empfindungsstörungen, vielleicht musste Dir sogar ein Körperteil entfernt werden. Vielleicht hast Du aber auch mit Konzentrationsschwierigkeiten, Fatigue, der ständigen Angst vor einem Rückfall oder sogar einer Depression zu kämpfen. All das kann Dein Leben beinträchtigen, also zu einer Behinderung führen – vorübergehend oder dauerhaft.

Eine Behinderung ist nicht immer offensichtlich. Auch wenn jemand nicht im Rollstuhl sitzt oder keine Prothese hat, kann es sein, dass er im Besitz eines Schwerbehindertenausweises ist.
Eine Behinderung bei Krebs ist nicht immer offensichtlich © Isaiah & Taylor Photography / Stocksy

Deshalb kannst Du als Krebspatient einen sogenannten Antrag auf Feststellung des Grades Behinderung (GdB) stellen. Wo Du die entsprechenden Formulare erhältst, erfährst Du beim Bürgeramt der Stadt. Ab einem GdB von 50 hast Du dann Anrecht auf einen Schwerbehindertenausweis. Und auch wenn er Dir die Beschwerden und Sorgen nicht nehmen kann, so bringt er zumindest einige Vorteile. Dazu gehören zum Beispiel Steuererleichterungen, Vergünstigungen bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Einrichtungen oder verbesserte Bedingungen im Berufsleben wie ein besonderer Kündigungsschutz und zusätzliche Urlaubstage. Ausführliche Informationen zum Schwerbehindertenausweis findest Du hier.


Unterstützen: Digitale und analoge Helfer

Für Menschen mit einer Behinderung kann das Smartphone bzw. passende Apps eine nützliche Unterstützung im Alltag sein. Die von den SOZIALHELDEN initiierten App Wheelmap lotst Dich beispielsweise zu barrierefreien Locations.

Wheelmap APP bei Krebs
Die App Wheelmap kannst du im App Store oder bei Google Play herunterladen.

 

Mit HandicapX kannst Du barrierefreie Toiletten per Knopfdruck finden. Apropos stilles Örtchen: Ein analoges Hilfsmittel ist der sogenannte Euroschlüssel. Mit ihm erhältst Du Zugang zu vielen barrierefreie Toilettenanlagen in Innenstädten, öffentlichen Gebäuden, Freizeitanlagen, Raststätten und Tankstellen. Den Euroschlüssel bekommst Du wenn Du einen Schwerbehindertenausweis mit bestimmten Merkzeichen oder dem Zeichen G und einen GdB von 70 oder höher hast. Weitere Informationen findest du auf der Webseite des Euroschlüssel Projekts.

Digitale Hilfe gibt es für Menschen, die nur eingeschränkt oder gar nicht mehr sehen können. Mit vorinstallierten Apps wie VoiceOver (für Apple) oder Android Accessibility Suite (für Android) lässt sich das Smartphone per Sprache bedienen. Auch können Inhalte auf dem Display vorgelesen werden. Ist hingegen das Hörvermögen eingeschränkt, schaltet Verbavoice einen Dolmetscher hinzu, der Sprache in Text oder Gebärdensprache übersetzt.