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Alles Wissenswerte zur chronisch lymphatischen Leukämie

Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Form von Blutkrebs (Leukämie) in den westlichen Ländern. Doch was genau ist eine CLL? Wie geht es nach der Diagnose weiter? Wie sieht die Behandlung aus? – Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Bildet sich Krebs aus weißen Blutzellen, den Leukozyten, sprechen Mediziner von „Leukämie“. Übersetzt heißt das „weißes Blut“. Die weißen Blutzellen gehören zu unserem Abwehrsystem und lassen sich in verschiedene Arten einteilen. Je nachdem welche Art betroffen ist, entsteht eine „myeloische“ oder eine „lymphatische“ Leukämie. Bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) verändern sich (entarten) die sogenannten B-Lymphozyten. Aufgrund einer Mutation sterben sie nicht mehr ab, sondern leben wesentlich länger als gesunde B-Lymphozyten. Sie sammeln sich im Körper an und beeinträchtigen die Funktion der gesunden Blutzellen.

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Wie häufig ist die CLL?

Die CLL zählt zu den Non-Hodgkin-Lymphomen.

Jedes Jahr erkranken über 6.000 Menschen neu an CLL in Deutschland – Männer etwas häufiger als Frauen (ca. 2:1). Zurzeit leben in Deutschland etwa 18.000 Menschen mit CLL.

Das mittlere Erkrankungsalter liegt dabei zwischen 70 und 75 Jahren, wobei ungefähr ein Fünftel der Betroffenen jünger als 55 ist.

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Ursachen und Risikofaktoren von CLL

Warum erkranken Menschen an Leukämie? Und gibt es Faktoren, die eine Erkrankung begünstigen? Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer CLL zu erkranken – auch hier bei Männern mehr als bei Frauen. Aufgrund von steigenden routinemäßigen Blutuntersuchungen wird die CLL jedoch auch öfter bei jüngeren Patienten diagnostiziert.

Die genaue Ursache der CLL ist jedoch trotz intensiver Forschungsbemühungen immer noch unbekannt. Eine Rolle spielen jedoch vermutlich genetische Faktoren wie Mutationen, da Kinder von CLL-Betroffenen ein erhöhtes Risiko haben, auch an einer CLL zu erkranken. Dafür spricht ebenfalls, dass die CLL regional unterschiedlich häufig auftritt

Menschen mit asiatischer Herkunft erkranken sehr selten an CLL – auch wenn sie in ein westliches Land ausgewandert sind und somit westlichen Umweltbedingungen ausgesetzt sind.

Weitere mögliche Risikofaktoren sind ein vermehrter Kontakt zu Herbiziden, Pestiziden oder organischen Lösungsmitteln, eine Neigung zu allergischen Erkrankungen, eine Hepatitis-C-Infektion oder vermehrte Atemwegsinfekte.

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Symptome bei CLL

Eine CLL kann lange ohne Beschwerden bleiben und wird oft zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt. Sie macht sich von Patient zu Patient durchaus sehr unterschiedlich bemerkbar.

Ein Viertel aller Patienten hat zum Zeitpunkt der Diagnose überhaupt keine Beschwerden.

Erste Krankheitszeichen treten häufig in Form von schmerzlosen Lymphknotenschwellungen auf. Vergrößerte Lymphknoten kommen bei einer CLL sehr häufig vor, meist im Halsbereich, der Achselhöhlen oder der Leistenregion. Bei manchen Patienten kommt es zu einer Vergrößerung von Milz oder Leber, was ein Druckgefühl und Schmerzen hervorrufen kann.

Im Verlauf der Erkrankung können sogenannte B-Symptome auftreten. Sie sind die Folge der rasch zunehmenden Anzahl an Tumorzellen und einer Beeinträchtigung des blutbildenden Systems sowie des Immunsystems. Dazu gehören Fieber, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust. Darüber hinaus können Symptome wie häufige Infektionen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, starke Blässe oder vermehrtes Auftreten von blauen Flecken weitere Anzeichen sein. Auch Änderungen im Blutbild können auftreten (erhöhte Leuko- und Lymphozyten sowie LDH-Spiegel und Harnsäure, verminderte Erythro- und Thrombozyten sowie Antikörper).

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Diagnose bei CLL

Besteht der Verdacht auf eine CLL, wird der Arzt eine Reihe diagnostischer Untersuchungen durchführen. Das können folgende sein:

  • Erfassung der Krankheitsgeschichte (Anamnese)
  • Körperliche Untersuchung (Ansehen, Abhören, Abtasten, Abklopfen)
  • Umfassendes Blutbild zur Bestimmung verschiedener Blutwerte (eine CLL liegt bei mehr als 5.000 krankhaft veränderten B-Lymphozyten pro Mikroliter Blut vor)
  • Immunphänotypisierung: Eine Analyse, welche Antigene die Zellen auf ihrer Oberfläche tragen
  • Knochenmarkpunktion: Sie ist nicht zwingend notwendig, kann jedoch bei Bestimmung des Ausmaßes der CLL helfen.
  • Lymphknotenbiopsie mit histologischer Beurteilung (nur notwendig, wenn  das Blutbild und die Knochenmarkpunktion nicht aussagekräftig genug sind)
  • Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums
  • Genetische Untersuchungen, um Veränderungen des Erbguts abzuklären

Durch diese Untersuchungen wird die Diagnose abgesichert, das Krankheitsstadium erfasst, die Prognose abgeschätzt und die Therapie geplant.

Ein Arzt tastet die Lymphknoten eines Patienten ab
Die Diagnosestellung beginnt mit einer körperlichen Untersuchung, bei der der Arzt den Körper abtastet.
© dardespot / iStock

Bestimmung des Krankheitsstadiums bei CLL

Mithilfe der Untersuchungen kann der Arzt das Stadium der CLL festlegen. Bei CLL gibt es zwei Einteilungen: „nach Rai“ und „nach Binet“, wobei in Deutschland die Einteilung nach Binet üblicher ist. Es teilt die CLL anhand der Blutwerte und Organbefunde in drei Stadien ein. Nach Binet sind die Stadien A und B frühe Krankheitsstadien, wogegen Stadium C fortgeschritten ist. Diese Stadieneinteilung hilft dem Arzt bei der Abschätzung des Verlaufs der CLL und bei der Therapieplanung.

Infografik zur Einteilung der CLL in die Binet-Stadien A, B und C
Einteilung der CLL nach Binet
© Das K Wort
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Therapie und Behandlung von CLL

Mit gängigen medikamentösen Therapien ist die CLL nach derzeitigem Kenntnisstand bisher nicht heilbar. Dennoch können viele Betroffene mit guter Lebensqualität ein normales Lebensalter erreichen. Anders als bei den meisten Krebserkrankungen kann bei CLL häufig abgewartet werden, da die Erkrankung nur langsam fortschreitet.

Wenn die CLL keine Symptome verursacht, ist keine sofortige Therapie nötig. Der Arzt beobachtet sorgfältig die Erkrankung und wartet ab, genannt „Watch and Wait“.

Weitere Informationen dazu, in welchen Fällen es sinnvoll sein kann, nach dem „Watch an Wait“-Prinzip zu verfahren, gibt es hier.

Erst beim Auftreten von Beschwerden oder in einem fortgeschrittenen Stadium beginnen Ärzte, die CLL mit Medikamenten zu behandeln. Dann kommen folgende Behandlungsmöglichkeiten infrage:

Die Therapie einer Neuerkrankung erfolgt meist mit einer der beiden folgenden Optionen:

  • Immunchemotherapie
  • Kinasehemmer
  • BCL-2-Hemmer
  • Alleinige Chemotherapie
  • Alleinige Antikörpertherapie
  • Kombination der Antikörpertherapie mit einem BCL-2-Hemmer
  • Allogene Stammzelltransplantation

Wie die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten wirken und wann welche Methode infrage kommt, wird hier im Detail erklärt.

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Nebenwirkungen der Therapie bei CLL

Die Nebenwirkungen einer CLL-Therapie sind von der gewählten Behandlungsart abhängig und von Patient zu Patient unterschiedlich. Viele haben im Laufe ihrer Erkrankung mit Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall zu kämpfen. Gerade bei Lymphompatienten ist das Immunsystem geschwächt. In diesem Überblick gibt es Tipps, was sich unternehmen lässt, um Infektionen möglichst zu vermeiden und im Alltag mit Nebenwirkungen umgehen zu können.

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Prognose bei CLL

Ein älteres Paar sitzt aneinander gelehnt auf einem Sofa
Die Prognose der CLL ist relativ gut.
© SIMONE WAVE / Stocksy

CLL-Patienten haben – vor allem in Anbetracht des hohen Durchschnittserkrankungsalters gute Prognosen. Die absoluten 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei 82,6 Prozent (Frauen) bzw. 82,4 Prozent (Männer). Das bedeutet, dass von 100 Frauen bzw. Männern nach 5 Jahren nach der CLL-Diagnose noch ca. 83 bzw. 82 Personen am Leben sind.

Dennoch können trotz einer guten Behandlung Rückfälle auftreten. Die Rezidive sind aber meist sehr gut behandelbar.

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Nachsorge bei CLL

Auch nach einer erfolgreichen Therapie empfiehlt es sich, in engem Kontakt mit dem behandelnden Arzt zu bleiben. Durch regelmäßige, lebenslang wiederkehrende Nachsorgeuntersuchungen kann dieser feststellen, ob die CLL-Erkrankung weiterhin zurückgedrängt ist. Begleiterkrankungen oder therapiebedingte Probleme lassen sich im Rahmen der Nachsorge ebenfalls erkennen und behandeln. Überdies können dabei auch seelische, familiäre oder soziale Herausforderungen angegangen werden.

Wie oft der Arzt einen CLL-Patienten zur Nachsorgeuntersuchung einbestellt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise: Welche Therapieoption wurde gewählt und wie hat sie angeschlagen? Weisen die Krebszellen bestimmte Merkmale auf?

Nachsorgeuntersuchungen beinhalten eine körperliche Untersuchung, Bluttests, eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane sowie eine Röntgenuntersuchung des Brustraums. Bei unklaren oder auffälligen Befunden können weitere Tests Sicherheit bringen.

Zudemhaben Patienten die Möglichkeit, an einer Anschlussheilbehandlung oder an einer Kur nach der Entlassung aus dem Krankenhaus teilzunehmen. Es gibt speziell eingerichtete Nachsorgekliniken, in denen gut geschultes Personal auf die Situation der CLL-Patienten eingeht. Dort können sie nach der Krebsbehandlung Kräfte für den Alltag sammeln und sich Unterstützung bei der Bewältigung seelischer und sozialer Probleme holen.

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Zusammenfassung

  • Die CLL ist die häufigste Form der Leukämie in der westlichen Welt und wird meist zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt, da sie lange ohne Beschwerden bleibt.
  • Bei der Diagnose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, die dabei helfen, das Krankheitsstadium zu bestimmen. Denn danach richtet sich die weitere Therapieplanung.
  • Die CLL ist nicht heilbar, jedoch gut behandelbar – auch bei einem Rückfall.
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Nützliche Adressen rund um das Thema CLL

Nützliche Adressen
Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e. V. (DLH)

Selbsthilfegruppen findest du hier:

https://www.leukaemie-hilfe.de/startseite.html
Kompetenznetz Maligne Lymphome

Das Kompetenznetz Maligne Lymphome hält Informationen über aktuelle Studien zum follikulären Lymphom bereit. Auch nennt es Krankenhäuser und Facharztpraxen, die an diesen Studien teilnehmen und auf die Behandlung des follikulären Lymphoms spezialisiert sind. Alles Wichtige dazu findest du hier:

https://lymphome.de/
NHL Info

Informationsportal für Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom

https://www.nhl-info.de/exec/start?site=/start.htm&check=0
German Hodgkin Study Group

Neuigkeiten und Informationen zu Studien über Lymphome

https://www.ghsg.org/
Deutsche Krebsgesellschaft

Informationen zu zertifizierten Krebszentren

https://www.krebsgesellschaft.de/deutsche-krebsgesellschaft/zertifizierung.html
Krebsinformationsdienst

Aktuelles Wissen und Hilfe bei der Krankheitsbewältigung

https://www.krebsinformationsdienst.de
Deutsche Krebshilfe

Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst, findest du hier:

https://www.krebshilfe.de/helfen/rat-hilfe/psychosoziale-krebsberatungsstellen/

Quellen

¹ S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Leitlinienprogramm Onkologie. Version 1.0. AWMF. März 2018.

² https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/chronische-lymphatische-leukaemie-cll/@@guideline/html/index.html (zuletzt aufgerufen am 12.01.2021)

³ Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut (Hrsg). Berlin, 2016

⁴ https://lymphome.de/chronisch-lymphatische-leukaemie/haeufigkeit-ursache/ (zuletzt aufgerufen am 12.01.2021)

⁵ https://lymphome.de/chronisch-lymphatische-leukaemie/symptome/ (zuletzt aufgerufen am 12.01.2021)

⁶ https://lymphome.de/chronisch-lymphatische-leukaemie/diagnostik/ (zuletzt aufgerufen am 12.01.2021)

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