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Früherkennung

Langzeitüberleben bei Lungenkrebs

Mit Lungenkrebs lebt man nicht mehr lange – dachte man früher. Der Grund war, dass die Erkrankung meist so spät erkannt wurde, dass sie nicht mehr heilbar war. Dank moderner Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten kann Lungenkrebs heute zu einer chronischen Erkrankung werden, mit der Betroffene noch viele Jahre leben.

Zu den neuen Forschungsergebnissen gehört die Erkenntnis, dass es „den Lungenkrebs“ eigentlich nicht mehr gibt. Immer feiner können Wissenschaftler:innen heute Krebs-Untergruppen identifizieren, die mit gezielten Therapien behandelt werden können. Sie arbeiten daran, die verschiedenen Krebsarten genauer molekularbiologisch und biochemisch zu charakterisieren, damit die Behandlung spezifisch auf die vorliegende Krebsart angepasst werden kann.

Die Therapiemöglichkeiten unterscheiden sich je nach Charakteristik der Krebszellen. Dementsprechend wichtig sind Gewebeproben, wenn du dich gemeinsam mit dem Ärzteteam für eine Behandlungsmethode entscheidest. Je nach Analyse unterscheiden Mediziner:innen verschiedene Arten von Bronchialkarzinomen: 1

  • Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC = small cell lung cancer), eine rasch wachsende, hochaggressive Krebsart, die frühzeitig zu Metastasen führt
  • Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC = non small cell lung cancer), weiter unterteilt in Untergruppen, je nachdem, aus welchen Zellen das Karzinom entsteht. Das können Drüsenzellen sein, Palttenepithelzellen oder große Zellen die nicht klar zuzuordnen sind. Daraus können wiederum Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome oder großzellige Karzinome entstehen.
  • Andere, seltenere Karzinomarten: adenosquamöses Karzinom, sarkomatoides Karzinom und neuroendokrines Karzinom (NEC)

Die Art des Tumors, seine Größe und Lage in der Lunge sowie eventuell vorhandene Metastasen sind heute entscheidend für die Wahl der Therapie.

Alan Sandler, Leiter der Abteilung Produktentwicklung Lungenkrebs bei Roche, hat die Entwicklung der Behandlungsmöglichkeiten miterlebt:

Bessere Überlebensrate bei Früherkennung

Die meisten Menschen erhalten die Diagnose Lungenkrebs noch immer in einem Stadium, in dem die Erkrankung nicht mehr geheilt werden kann. Durch ein Lungenkrebs-Screening könnte Lungenkrebs früher erkannt und besser therapiert werden. Mehrere Studien haben ergeben, dass Patient: innen länger überleben, wenn eine Früherkennung mittels einer Computertomographie durchgeführt wird, ähnlich wie bei Brustkrebs.2 Fachleute hoffen nun, dass das Screening noch in diesem Jahr in Deutschland beginnen kann.

Moderne Therapie

Eine frühere Diagnose und moderne Behandlungsmöglichkeiten haben Lungenkrebs viel von seinem Schrecken genommen. Neue Methoden wie die Immuntherapie oder zielgerichtete Therapien sorgen dafür, dass Lungenkrebsbetroffene heute länger leben als früher.

Zielgerichtete Therapien hemmen beispielsweise mit Hilfe von Wirkstoffen, die auf die biologischen Eigenschaften des Tumors ausgerichtet sind, das Wachstum von Krebszellen. 30 bis 40 % der Patient:innen werden inzwischen damit behandelt.3 Damit das möglich ist, wird eine molekulare Testung der Lungenkrebspatient:innen immer wichtiger. Wenn du mit deiner Ärzt:in deine Therapie besprichst, kannst du nachfragen, ob diese Art von Behandlung für dich erfolgversprechend sein könnte. Es empfiehlt sich, die jeweiligen Möglichkeiten und Wünsche mit dem:r behandelnden Ärzt:in zu besprechen, und sich den Therapieplan genau erklären zu lassen. Eine Gedankenstütze für dieses Gespräch bietet diese Checkliste.

Alan Sandler hat in den letzten 25 Jahren große Fortschritte bei der Behandlung von Lungenkrebs beobachtet:

Die 5-Jahres Überlebensrate

Bei vielen Krebsarten haben Patient:innen, die die ersten 5 Jahre nach der Diagnose überlebt haben, gute Chancen auf eine dauerhafte Heilung, weil Rückfälle weniger wahrscheinlich werden. Deshalb beobachtet man einen Zeitraum von 5 Jahren.

Wichtig: Überlebensraten sind statistische berechnete Prozentzahlen. Da jeder Krebs individuell ist, lassen sie sich nicht direkt übertragen.

Die absolute 5 Jahres-Überlebensrate

Beispiel:

Wenn von ursprünglich 100 Krebspatient:innen nach 5 Jahren noch 75 Krebspatient:innen leben, entspricht das einer absoluten Überlebensrate von 75 %.

Aufgrund der Fortschritte in der Krebsforschung haben sich die Möglichkeiten der Früherkennung und Diagnose, vor allem auch die Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen während der letzten Jahre und Jahrzehnte deutlich verbessert. 4

Krebs als chronische Erkrankung

Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist, dass sich Krebs in vielen Fällen von einer unheilbaren Krankheit zu einer chronischen Erkrankung entwickelt hat. Die Symptome einer Lungenkrebserkrankung können heute viel besser behandelt werden als noch vor etwa zwanzig Jahren. Auch wenn man die Krankheit nicht heilen kann, kann eine palliative Behandlung die Lebensqualität erhalten oder verbessern: unter anderem mit einer gezielten Schmerztherapie oder Maßnahmen gegen Atemnot.

Wenn mehr Menschen überleben, bedeutet das zugleich, dass immer mehr auch mit Langzeitfolgen der Krebserkrankung und der häufig aggressiven Therapie zu tun haben.5

Hier übernimmt der:die Hausärzt:in eine wichtige Funktion: Er:Sie weiß, welche Folgen die verschiedenen Krebstherapien mit sich bringen und wie man dir dabei helfen kann. Auch hier hat sich in den letzten Jahren viel getan: Noch bis vor kurzem ging es bei der Therapie um das reine Überleben. Inzwischen wird untersucht, inwieweit sich die Aggressivität einer Therapie senken lässt. Mit dem Senken der Aggressivität nimmt auch das Risiko ab, an Spätfolgen zu erkranken. Langzeitdaten aus den USA belegen, dass das funktioniert: Das Risiko für schwere Folgen einer Krebserkrankung lag in den 1970er Jahren bei 12,7 %. 20 Jahre später hatte sich die Wahrscheinlichkeit um ein Drittel reduziert.6

Ein Leben lang Krebspatient?

Betrachtet man alle Krebsarten zusammen, beträgt laut Robert Koch-Institut die absolute 5-Jahres-Überlebensrate derzeit 50 % bei Männern und 58 % bei Frauen. Aktuell leben in Deutschland circa 4,5 Millionen Menschen mit oder nach Krebs. Bei etwa 2,6 Millionen von ihnen liegt die Krebsdiagnose bereits fünf oder mehr Jahre zurück. Mehr als ein Drittel betrachtet sich allerdings fünf bis 16 Jahre nach der Diagnose noch immer als „Krebspatient:in“.5

Quellen

¹ https://www.albertinen.de/gesundheit-medizin/albertinen-krankenhaus/kliniken-zentren-institute/tumorzentrum/krebs-im-bereich-der-lunge/bronchial-lungenkrebs/arten-von-lungenkrebs/ , zuletzt abgerufen am 19.07.2021

² Koning, H. J. et al.: Reduced Lung-Cancer Mortality with Volume CT Screening in a Randomized Trial. In: New England Journal of Medicine, 2020; 382:503-513 , zuletzt abgerufen am 19.07.2021

³ https://www.pharma-fakten.de/news/details/1004-lungenkrebs-halbierung-der-sterblichkeit-in-sicht , zuletzt abgerufen am 19.07.2021

⁴ https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/ Content/Krebsarten/Lungenkrebs/lungenkrebs_node.html , zuletzt abgerufen am 19.07.2021

⁵ https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/nationaler-krebsplan/was-haben-wir-bisher-erreicht/langzeitueberleben-nach-krebs.html , zuletzt abgerufen am 19.07.2021

⁶ https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/alltag-mit-krebs/langzeitueberleben-nach-krebs-wie-lange-ist-ein-k.html , zuletzt abgerufen am 19.07.2021

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