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E-Rezept: Schluss mit der Zettelwirtschaft in der Krebstherapie

Lange war das rosa Papier-Rezept die einzige Verrechnungs- oder Abrechnungsform für verschreibungspflichtige Medikamente. Gesundheitsminister Jens Spahn hat das E-Rezept auf den Weg gebracht, das ab dem 1. Januar 2022 Pflicht sein soll. Wie kann es den Alltag von Krebspatienten erleichtern?

Schrittweise Einführung des E-Rezepts seit 2020

Die Digitalisierung hat das Gesundheitswesen und den Patienten erreicht. Die telemetrische Fernbehandlung per Videochat durch den Arzt ist laut Gesetz jetzt zulässig. Seit Anfang 2020 wird das E-Rezept schrittweise eingeführt. Noch ist es freiwillig. Zunächst kann Dein Arzt nur Medikamente per E-Verordnung verschreiben. Aber schon bald soll viel mehr möglich sein: auch andere Leistungen, zum Beispiel Hilfsmittel, Heilmittel und häusliche Krankenpflege kannst Du dann digital erhalten.

Ab 2022: VE-Rezepte zu Hause erhalten und verwalten

Dein Arzt händigt Dir Dein Rezept in digitaler Form aus: als E-Rezept zusammen mit einem Rezeptcode – per App auf Dein Smartphone. Mit dem Codekannst Du auf das Rezept zugreifen. Außerdem benötigst Du diesen Code, damit Du  das E-Rezept bei der von Dir ausgesuchten Apotheke freischalten kannst. Der Apotheker liest Dein Rezept aus und gibt Dein Medikament an Dich weiter oder bestellt es.

Du kannst Dir Dein Medikament auch durch einen Boten von der Apotheke zu Dir nach Hause bringen lassen. Über die Software informiert der Apotheker Deine Krankenkasse und markiert das Rezept als „beliefert“. Alle Daten werden dabei verschlüsselt. Du kannst durch dieses Verfahren lange Wartezeiten beim Arzt sparen, wenn Du zum Beispiel nur ein Rezept verlängern möchtest. Auch in die Apotheke musst Du nicht mehr extra gehen, es sei denn, Du möchtest es, zum Beispiel für eine persönliche Beratung oder den Austausch mit dem Fachpersonal.

Ab 2022 soll das E-Rezept verpflichtend eingesetzt werden. Das Rezept in Papierform soll dann Vergangenheit sein. Aber: Um das E-Rezept nutzen zu können, benötigst Du ein Smartphone. Nicht alle Menschen haben ein Smartphone oder können gut damit umgehen. Kritiker sehen insbesondere ältere Menschen benachteiligt. Sie meinen, Patienten sollten weiterhin die Wahl haben, in welcher Form sie ein Rezept erhalten.

Infografik zur Verbindung von Patient, Telearzt und örtlicher Apotheke per App
Mit der „docdirekt“-App von GERDA kannst Du Deinen Arzt per Videochat kontaktieren, Dein E-Rezept erhalten und es bei einer Apotheke Deiner Wahl einlösen.
© Das K Wort

E-Rezept einlösen – so geht’s

Dein Arzt hat Dir ein signiertes elektronisches Rezept mit Rezeptcode auf Dein Smartphone übermittelt. Jetzt kannst Du es bei der Apotheke Deiner Wahl einlösen:

  1. Die am E-Rezept teilnehmenden Apotheken werden in der „docdirekt“-App angezeigt. Wähle eine Apotheke in Deiner Nähe aus.
  2. Das E-Rezept leitest Du verschlüsselt an diese Apotheke weiter. Über den Rezeptcode erlaubst Du der Apotheke, das E-Rezept anzusehen und weiterzubearbeiten.
  3. Solange Dein Medikament noch nicht an Deine Apotheke geliefert wurde, kannst Du der Apotheke das E-Rezept auch wieder entziehen und eine andere Apotheke für die Belieferung des E-Rezeptes auswählen.
  4. Die Apotheke benachrichtigt Dich in der „docdirekt“-App, ob das E-Rezept erfolgreich zugewiesen wurde und ob das Arzneimittel bestellt wird oder verfügbar ist. Zudem kannst Du per App mit der Apotheke die Abholung oder Zustellung klären.
     

Sicheres Netz für Gesundheitsdaten: Die Telematik-Infrastruktur

Damit überhaupt Gesundheitsdaten im großen Stil digital, rasch und sicher versendet werden können, muss die Infrastruktur stimmen. Die sogenannte „Telematik-Infrastruktur“ (TI) vernetzt alle, die am Gesundheitssystem beteiligt sind, zum Beispiel Arztpraxen, Kliniken, Krankenkassen oder Apotheken. Die meisten der 170.000 Praxen in Deutschland sind bereits an dieses System angeschlossen. Aktuell arbeiten Apotheker an einer Lösung, die mit jeder Praxissoftware kompatibel ist. Dann können Arzt, Patienten und Apotheken die E-Rezepte über die TI untereinander austauschen.

GERDA – E-Rezept-Pilotprojekt in Baden-Württemberg

Erste Modellprojekte zum E-Rezept laufen bereits seit 2017. Darin wird erprobt, wie sich das Rezept in elektronischer Form gut im Alltag umsetzen lässt. Seit November 2019 gibt es ein großes Pilotprojekt zum E-Rezept in Baden-Württemberg. Etwa 50 Apotheken nehmen teil.

GERDA, der „Geschützte E-Rezept-Dienst der Apotheken“, war ein Pilotprojekt der Landesapothekerkammer und des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg. GERDA nutzt die telemedizinische Behandlungsplattform „docdirekt“, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg angeboten wird. Mit der kostenlosen App „docdirekt“ aus dem Appstore oder von Google Play kannst Du sogar online zum Arzt gehen. Dein Arzt verschreibt Dir im Videochat ein Medikament per E-Rezept. Das kannst Du anschließend in der Apotheke Deiner Wahl einlösen. Alles geht ganz einfach von zu Hause aus.

Eine Frau mit Smartphone in der Hand lässt sich in einer Apotheke beraten
Zusätzlich zur persönlichen Beratung durch den Apotheker vor Ort kann die docdirekt-App ebenfalls mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten aufzeigen.
© AlexanderFord / iStock

E-Rezept – Pro und Kontra für Patienten

Der größte Vorteil des E-Rezeptes besteht in der Digitalisierung der Abläufe: Du kannst online zum Arzt gehen und Dein E-Rezept erhalten. Behandlung und Rezepteinlösung kannst Du komplett von zu Hause aus erledigen.

Pro

  • Abläufe werden vereinfacht und beschleunigt, wenn Du z. B. ein Rezept nachbestellen möchtest.
  • Die Zeiten schlecht lesbarer Rezepte sind vorbei: es kommt seltener zu Übertragungsfehlern.
  • Das E-Rezept ist fälschungssicher.
  • Apotheken und Ärzte können sich digital austauschen.
  • Apotheker können Dich besser beraten
  • Die App bietet Dir eine Arzneimitteldokumentation, eine Erinnerung an Deine Medikation und einen Check zu Wechselwirkungen (Sind alle Medikamente untereinander verträglich?).

Kontra

  • Ein Missbrauch hochsensibler Daten im digitalen Rezept ist denkbar.
  • Die App ist ein weiterer Schritt hin zum gläsernen Patienten.
  • Die App fördert die Abhängigkeit von Internet und Smartphone.

Quellen

¹ Ärzteblatt | Elektronisches Rezept: Im zweiten Anlauf soll es klappen, https://www.aerzteblatt.de/archiv/211782/Elektronisches-Rezept-Im-zweiten-Anlauf-soll-es-klappen zuletzt abgerufen am 14.12.2020

² Bundesministerium für Gesundheit | Das E-Rezept kommt! , https://www.bundesgesundheitsministerium.de/e-rezept.html zuletzt abgerufen am 14.12.2020

³ Bundesministerium für Gesundheit | Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/gsav.html zuletzt abgerufen am 14.12.2020

⁴ DAZ | Was überwiegt beim E-Rezept: die Gefahren oder die Vorteile? , https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/08/23/was-ueberwiegt-beim-e-rezept-die-gefahren-oder-die-vorteile zuletzt abgerufen am 14.12.2020

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