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Diagnose Krebs: Was bei Überforderung hilft

Die Diagnose Krebs stürzt nicht nur die Betroffenen ins Gefühlschaos. Auch Freunde und Familie erleben mit, wenn es ihren Liebsten während der Therapie schlecht geht. Sie wollen helfen und sind gleichzeitig selbst überfordert mit der Situation – dann brauchen die Pflegenden neue Kraft.

Oft ist es der Partner, der seinen Liebsten zu verschiedenen Ärzten begleitet, der stundenlang mit ihm im Wartezimmer sitzt, gemeinsam mit ihm, Seite an Seite besorgt auf Untersuchungsergebnisse wartet. Der die Ergebnisse im Internet recherchiert, der mit der Krankenkasse telefoniert, der für ihn einkaufen geht und sich darum kümmert, dass der Alltag weiterläuft.

Ganz schön viel, was man plötzlich alles zusätzlich meistern soll. Zu den zahlreichen praktischen Aufgaben kommen die emotionalen Belastungen hinzu: Tränen trocknen, Verzweiflung aushalten, Mut machen – und vor allem: Stark sein für den anderen. Und das manchmal über einen langen, ungewissen Zeitraum. Kein Wunder, dass diese Herausforderungen häufig zu einem Gefühl der Überforderung bei pflegenden Angehörigen führen.

Überforderung macht krank

Das Forschungsprojekt ZipA liefert dazu deutliche Zahlen: Viele der Befragten fühlen sich durch die Pflege von Krebspatienten stark belastet (70 %). Fast die Hälfte fühlt sich durch die Pflege körperlich überfordert und leidet gesundheitlich. Pflegende Angehörige haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen – die Wahrscheinlichkeit von Angstzuständen und Schlaflosigkeit ist sogar doppelt so hoch wie regulär.

Ein höheres Risiko gibt es auch für Migräne, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Probleme. Im Vergleich zu Gleichaltrigen schätzen 42 % der pflegenden Angehörigen ihren Gesundheitszustand schlechter ein. Vor allem aber verursacht die Angehörigenpflege emotionale Belastung. 72 % der Befragten fühlen sich psychisch stark belastet.

Die meisten Menschen, die einen Krebspatienten pflegen, sind sich darüber bewusst, dass die eigene Gesundheit gefährdet ist – doch sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse im Hinblick auf ihren Liebsten komplett zurück.

Auszeiten und Freiräume sind wichtig

Ist jemand an Krebs erkrankt, kümmern sich zahlreiche Ärzte und Pfleger, auch Freunde und Verwandte sorgen sich um ihn und fragen regelmäßig nach dem Wohlbefinden. Doch die nächsten Angehörigen stehen mitunter hilflos außen vor. Umso schöner, wenn einfach mal ein Freund vor der Tür steht und dazu aufmuntert, mit ihm ins Fitnessstudio zu gehen. Oder zum Mädelsabend eingeladen zu werden. Oder sogar selbst dazu einzuladen. Alles, was die Normalität zurückbringt, gibt nicht nur den Patienten, sondern auch den Angehörigen Kraft – dadurch profitieren alle Beteiligten.

Jeder braucht Auszeiten, um auf andere Gedanken zu kommen und wieder neue Kraft zu sammeln. Ein Treffen mit gemeinsamen Freunden bringt auch neue Impulse und Gedanken in den gemeinsamen Alltag. Das tut beiden Partnern und Deiner Beziehung gut. Schließlich wollt Ihr als Team noch viel erleben.

Unterstützung für Angehörige

Oft sind Gespräche mit Außenstehenden wichtige Momente, die Dich und Deinen Partner entlasten können. Dein Hausarzt kann Dich über Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige informieren. Auch Selbsthilfegruppen für Patienten und Angehörige können ein wichtiger Ausgleich sein und wertvolle Anregungen geben. Sie haben in der Regel viel Erfahrung, die sie gerne weitergeben. Auch Klinikberatungsstellen können Dir weiterhelfen. Der psychoonkologische Dienst ist nicht nur für Patienten da, sondern auch für Angehörige. Er ist kostenlos und wird zum Beispiel in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Krebskliniken oder auch in Rehabilitationskliniken angeboten. Adressen findest Du beim Krebsinformationsdienst.

Rechtzeitige Entlastung und Unterstützung kann das Auftreten von Überforderung und Erkrankungen bei pflegenden Angehörigen verhindern. Nur wer selbst gesund ist, kann die nötige Hilfestellung im Alltag auf Dauer leisten.

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Quellen

¹ https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/angehoerige-und-freunde/hilfe-fuer-angehoerige.html

² https://www.dialogoffensive-pflege.de/wp-content/uploads/2019/06/Bohnet-Joschko_Bidenko_2019_Was-pflegende-Angeh%C3%B6rige-wirklich-brauchen_Erste-Ergebnisse.pdf

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