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Schlafstörungen bei Krebs: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Krebspatienten leiden unter Schlafstörungen und fühlen sich ungewohnt erschöpft. Ein gestörter Schlafrhythmus kann das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Warum ist Schlaf für unseren Organismus und unsere Gesundheit so wichtig? Was kannst du für einen besseren Schlaf bei Krebs tun?

Schlafen ist wie Essen und Trinken ein elementares Grundbedürfnis des Menschen. Etwa sieben bis acht Stunden Schlaf benötigt ein Erwachsener in der Regel pro Nacht, damit sich der Organismus ausreichend regenerieren kann.

Akkus aufladen

Im Schlaf steht dein Körper auf Standby, viele Funktionen werden auf das Nötigste heruntergefahren und viele wichtige Prozesse laufen ab, während du schläfst: Dein Körper leitet zum Beispiel Schadstoffe aus, aktiviert das Abwehrsystem und baut beschädigte Zellen ab. Die Muskeln regenerieren sich, Haare und Nägel wachsen und Wunden heilen. Außerdem verarbeitest du im Schlaf, was du am Tag erlebt hast, sodass sich auch deine Psyche erholt. Kurz gesagt: Im Schlaf lädt dein Körper sozusagen seine Akkus wieder auf.

Bitte nicht stören

Kein Wunder eigentlich, dass sich ein gestörter Schlaf auf Dauer rächt.  Wenn du regelmäßig schlecht schläfst, bist du unkonzentriert, vergesslich und anfälliger für Infekte. Außerdem steigt dein Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, Diabetes und Gefäßschäden. Ein erholsamer Schlaf ist also elementar wichtig für dein Wohlbefinden und deine Gesundheit. Doch wann ist Schlaf eigentlich erholsam? Welche Faktoren sind wichtig, damit du gut schläfst? Um diese Fragen zu beantworten, hilft ein Blick auf den Schlafprozess selbst, der einem klar definierten Programm folgt.

Phasenweise Erholung

Gesunder Schlaf besteht aus drei Phasen: Wenn du Dich abends zum Schlafen hinlegst, bist du zunächst im Wachzustand. Dabei ist dein Gehirn noch aktiv und deine Gedanken sind bewusst. Langsam entspannst du dich, atmest ruhiger und gleitest in die zweite Schlafphase, die Non-REM-Phase. Deine Muskeln erschlaffen, deine Atemfrequenz sinkt und deine Körpertemperatur fällt um etwa ein halbes Grad. Der Anfang der Non-REM-Phase ist durch leichten Schlaf gekennzeichnet, danach folgen Tiefschlafphasen. Unterbrochen wird die Non-REM-Phase immer wieder von der REM-Phase, der dritten Phase des nächtlichen Schlafs. REM steht für Rapid Eye Movement, was sich aufdie für diese Phase typischen schnellen Augenbewegungen des Schlafenden bezieht. Sie sind ein sichtbares Zeichen der verstärkten Hirnaktivität – in der REM-Phase, und nur in ihr, träumst du. Deshalb wird sie auch als Traumschlaf-Phase  bezeichnet. REM- und Non-REM-Phase wechseln sich während der Nacht immer wieder ab, man spricht von Zyklen. Jeder Zyklus dauert etwa 90 Minuten. Wenn du durchschläfst, durchläufst du bis zu fünf dieser Zyklen. Wachst du jedoch immer wieder auf oder schläfst insgesamt zu kurz, werden die Phasen nicht lange genug „durchschlafen“. Dann können sich Körper, Geist und Psyche nicht ausreichend erholen.

Das Schlafhormon: In den Schlaf führt uns das Hormon Melatonin. Dein Körper produziert es selbst und schüttet es nachts aus – aber nur, wenn es dunkel ist. Licht bremst den Melatoninfluss und hält Dich wach. Mit steigendem Alter nimmt die Melatoninproduktion ab.

Schlafstörungen im Profil

Jeder schläft hin und wieder einmal schlecht. Pro Nacht wachen wir ungefähr 30-mal auf und liegen einige Minuten wach, ohne es zu merken. Das ist völlig normal. Von Schlafstörungen spricht man erst, wenn mehr als dreimal in der Woche über einen Monat lang Schlafprobleme auftreten.  Dabei kann es sich um Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten oder längeres Wachliegen handeln. Auch die Schlafapnoe gehört zu den Schlafstörungen. Dabei setzt der Atem während des Schlafens mehrmals für wenige Sekunden aus. Davon wachst du kurz auf, meist, ohne dich daran erinnern zu können. Am Tag macht sich der unruhige Schlaf jedoch oft durch Tagesmüdigkeit bemerkbar – genauso wie bei Ein- und Durchschlafproblemen. Sehr häufig leiden Krebspatienten außerdem an der sogenannten Fatigue, auch bekannt als chronisches Erschöpfungssyndrom. Die Fatigue äußert sich unter anderem durch eine extreme Tagesmüdigkeit und gilt ebenfalls als Schlafstörung.

Schlaflos bei Krebs – warum?

Die möglichen Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Bei Tumorpatienten werden sie meist vom Tumor selbst oder durch die Behandlung ausgelöst: Typisch sind zum Beispiel durch den Tumordruck ausgelöste Atemprobleme, hormonelle Schwankungen infolge einer Hormontherapie oder Nebenwirkungen der in der Chemotherapie verwendeten Zytostatika. Letztere können die für den Schlaf- und Wachrhythmus zuständigen Neurotransmittersysteme stören. Auch psychosozialer Stress, ausgelöst durch Veränderungen im Lebensablauf, Ängste und Sorgen, wie es gesundheitlich, aber auch finanziell weitergeht, kann die Systeme so durcheinanderbringen, dass eine erholsame Nachtruhe nicht mehr möglich ist. Das gilt erst recht für eine Depression, zu deren Hauptsymptomen Schlafstörungen zählen. Krebspatienten sind verständlicherweise anfällig für diese psychische Erkrankung. Eine weitere mögliche Ursache Deiner Schlafstörungen kann das sogenannte Restless Legs-Syndrom sein, das bei Krebspatienten besonders häufig auftritt. Die Betroffenen leiden unter unruhigen, kribbelnden Beinen und können deshalb kaum still liegen bzw. entspannen.  

Was hilft gegen Schlafstörungen bei Krebs?

Am besten sprichst du mit deinem Arzt über deine Schlafprobleme. Oft sind sie ein wichtiges Indiz für Deinen allgemeinen Gesundheitszustand und Deine Belastbarkeit. Dein Arzt weiß auch, ob Deine Medikamente möglicherweise Schlafstörungen verursachen. Je nachdem, welche Ursache hinter deinen Schlafproblemen steckt und wie stark sie sind, wird er die passende Behandlung empfehlen:

  • Leichte Schlafprobleme lassen sich zum Beispiel mit Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, Atemübungen oder Autogenem Training in den Griff bekommen.
  • Bei psychisch bedingten Schlafstörungen kann eine psychoonkologische Beratung helfen.
  • Sind deine Schlafprobleme möglicherweise durch deine Medikamente bedingt, kann dein Arzt dich gegebenenfalls auf andere Präparate einstellen.
  • Halten dich Schmerzen vom Schlafen ab, kann dein Arzt deine Schmerztherapie überprüfen bzw. einleiten.
  • Nächtliche Atemnot kannst du lindern, indem du deinen Oberkörper mit einem zusätzlichen Kissen oder Keilkissen höher lagerst. Bitte bespreche dies unbedingt mit deinem Arzt.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) bietet verschiedene Broschüren für Patienten zu den Themen Schlaf und Schlafstörungen an. Du kannst sie auf der Webseite herunterladen: https://www.dgsm.de/gesellschaft/fuer-patienten/ratgeber-schlafstoerungen.

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Do it yourself

Für einen gesunden, erholsamen Schlaf kannst du auch  selbst viel tun – hier einige Tipps:

1. Licht aus

Dein Körper schüttet das Schlafhormon Melatonin nur im Dunkeln in ausreichender Menge aus. Verbanne deshalb alle Lichtquellen aus Deinem Schlafzimmer, auch Fernseher, Tablet und Handy haben dort nichts zu suchen.

2. Temperatur runter

Die optimale Schlaftemperatur liegt bei etwa 16-18 Grad. Also: Heizung aus und ab unter die wärmende Decke.

3. Ruhe bitte

Lärm und Geräusche halten Dich vom Schlafen ab. Sorge deshalb für Ruhe in Deinem Schlafzimmer. Hält dich dein schnarchender Partner wach, kannst du es mit Ohrstöpseln versuchen. Hilft das nicht, könntet Ihr eine Weile getrennt schlafen.  

4. Persönliches Ritual

Ein Schlafritual kann dir helfen, runterzukommen und dich auf die Nachtruhe vorzubereiten. Klassiker sind zum Beispiel ein warmes Bad vor dem Zubettgehen, ruhige Musik oder Entspannungsübungen. Belastende Gedanken kannst du loslassen, indem du sie vor dem Schlafengehen aufschreibst.

5. Leichte Kost

Um Deinen Körper nicht unnötig zu belasten, kannst du abends auf leichte Kost setzen und etwa drei Stunden vor dem Schlafengehen die letzte Mahlzeit des Tages verzehren.

6. Rote Karten

Vermeide, was dich abends aufputscht: Kaffee und Cola, genauso wie Nikotin und Alkohol.

7. Locker bleiben

Versuche, gelassen an das Thema Schlaf heranzugehen. Die Erwartung einer schlechten Nacht führt zu Anspannung und Stress und stört den Schlaf dann tatsächlich. Wenn dich Sorgen und Ängste am Schlaf hindern, kann dir das Gespräch mit einem Psychoonkologen helfen.

Quellen

¹ Ärzteblatt: Wie Schlaf das Gedächtnis fördert, https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/102879/Wie-Schlaf-das-Gedaechtnis-foerdert?rt=d0c1e70c0be58b04ba39075dab36e541

² Springermedizin: Yoga verbessert die Schlafqualität, https://www.springermedizin.de/yoga-verbessert-die-schlafqualitaet-bei-krebsueberlebenden/9313262?fulltextView=true

³ Springermedizin: Bei schlechtem Schlaf leiden Herz und Gehirn, https://www.springermedizin.de/bei-schlechtem-schlaf-leiden-herz-und-gehirn/12257532?fulltextView=true

⁴ Springermedizin: Schlafstörungen bei Krebspatienten,

⁵ https://www.springermedizin.de/nebenwirkungen-der-krebstherapie/insomnie/schlafstoerungen-bei-krebspatienten/11916056?searchResult=181.%20Schlaf&searchBackButton=true&fulltextView=true

⁶ Deutsche Krebsgesellschaft: Schlafstörungen bei Krebspatienten,

⁷ https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie/schlafstoerungen-bei-krebspatienten.html

⁸ Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst: Fatigue bei Krebspatienten – Was tun bei Müdigkeit und Erschöpfung?

⁹ https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/fatigue/fatigue-index.php

¹⁰ somnolab: Gesunder Schlaf – Was ist das?

¹¹ https://www.somnolab.de/gesunder-schlaf/schlaf-was-ist-das/

¹² Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Patienteninformationen, https://www.dgsm.de/patienteninformationen_ratgeber.php?language=german

¹³ Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Pressemitteilung: Dem Schlaf mehr Aufmerksamkeit schenken –

¹⁴ Schlaf- und Rhythmusstörungen bei Krebserkrankungen

¹⁵ https://www.dgsm-kongress.de/fileadmin/congress/media/dgsm2017/pdf/DGSM2017_Schlaf_bei_Krebserkrankung.pdf

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