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Rauchen und Krebs: Gute Gründe aufzuhören

Rauchen kann nicht nur zu Krebs führen, es wirkt sich auch negativ auf die Therapie aus. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall, mit dem Rauchen aufzuhören. Was dabei helfen kann und welche Vorteile es darüber hinaus noch für deine Gesundheit bringt, erfährst du hier.

Kannst du dir vorstellen, dass knapp ein Fünftel, genauer gesagt 19 Prozent der rund 500.000 neuen Krebserkrankungen pro Jahr in Deutschland auf das Rauchen zurückzuführen sind?1  Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Deutschen Krebsforschungsinstituts (DKFZ). Im Umkehrschluss bedeutet das, dass knapp 85.000 Menschen in Deutschland jährlich wegen Rauchen an Krebs erkranken.1 Das entspricht etwa der Zuschauerzahl des größten Fußballstadions Europas – Camp Nou in Barcelona – oder der Einwohnerzahl von Gütersloh.

Rauchen verursacht nicht nur Lungenkrebs, auch viele andere Krebsarten werden dadurch begünstigt: Krebs der Mundhöhle, des Kehlkopfes, der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse, der Nieren, der Harnblase, der Gebärmutter, der Brust, des Knochenmarks und des Dickdarms. Bei den Körperteilen, die mit dem Rauch direkt in Verbindung kommen, wie Mundhöhle, Kehlkopf und Lunge sind es bis zu 90 Prozent.2

Krebstherapie wirkt bei Rauchern schlechter

Es gibt viele gute Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören: Gesundheit, Fitness, Aussehen oder Geld sparen. Dazu kommt eine weitere wichtige Erkenntnis, die Forscher in Untersuchungen gewonnen haben: Wer nach einer Krebsdiagnose und während der Therapie weiterraucht, gefährdet den Behandlungserfolg – und damit sein Überleben.3

Infografik zu Auswirkungen von Rauchen während der Krebstherapie auf Lebensqualität und Prognose
Rauchen trotz Krebstherapie – das sind die Auswirkungen
© Das K Wort

Rauchstopp fällt schwer

Eine amerikanische Studie hat herausgefunden, dass nur jeder dritte Raucher seinen Tabakkonsum beendet, wenn er eine Tumordiagnose erhält.4 Auch Jahre später sind noch fast 10 Prozent der Patienten zumeist starke Raucher. Von den Krebsüberlebenden, die weiterhin auf Tabak nicht verzichten konnten, gab fast jeder Zweite (47 Prozent) an, das Rauchen aufgeben zu wollen. Besonders hoch war die Bereitschaft zu einem Verzicht bei jüngeren und unverheirateten Patienten, die nur wenige Zigaretten täglich konsumierten.4

Dass ein Rauchstopp schwerfällt, hat sowohl physische als psychische Gründe. Wegen ihrer Nikotinabhängigkeit haben Raucher oft Angst, dem Verlangen nicht standhalten zu können – deshalb benötigt ein Großteil der Raucher mehrere Versuche, bis es klappt. Tägliche Routinen und Gewohnheiten müssen verändert werden, und viele benötigen anfangs eine Alternative zum Rauchen. Doch das Wissen um die körperlichen Folgen sorgt bei einem Großteil der Raucher irgendwann für einen Ausstieg.4

Tatsache ist, dass bei Rauchern mit einer Krebsdiagnose das Risiko für Rückfälle (Rezidive) und Zweittumoren erhöht ist und bei verschiedenen Krebsarten die Gesamtüberlebensrate reduziert wird. Raucher mit Lungenkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Blasenkrebs, Magenkrebs, Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs haben schlechtere Überlebensraten.6

Die Menge der lebenslang gerauchten Zigaretten spielt eine große Rolle: Je mehr Zigaretten geraucht wurden, umso schlechter ist die Prognose.3

Krebstherapie unterstützen

Auch wenn du viele Jahre lang geraucht hast, lohnt sich ein Ausstieg. Die Vorteile eines Rauchverzichtes während einer Krebstherapie sind vielfältig. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat aktuelle Forschungsergebnisse analysiert: Demnach leiden Raucher nach einer Operation häufig unter schlechter Wundheilung. Tabakverzicht in den vier Wochen vor dem Eingriff halbiert das Risiko.7

Selbst, wenn man es vor der Krebsdiagnose nicht geschafft hat, mit dem Rauchen aufzuhören, ist es im Verlauf der Krebstherapie dafür noch nicht zu spät: Bei an Krebs erkrankten Frauen, die nicht rauchen, konnte zum Beispiel beobachtet werden, dass sie weniger müde und weniger erschöpft sind, ihnen weniger übel wird, sie sind besser körperlich belastbar und erholen sich schneller, selbst dann, wenn sie erst kurz oder während der Therapie mit dem Rauchen aufhören.8

Der Körper kann sich innerhalb von wenigen Wochen und Monaten von vielen schädlichen Auswirkungen des Rauchens gut erholen. Die Sauerstoffaufnahme wird besser, Stoffwechsel und Kreislauf erholen sich, die Herzleistung wird besser. Der allgemeine Gesundheitszustand verbessert sich sicht- und spürbar.8

Rauchstopp: Gute Erfolgsaussichten

Bereits kurz nach der letzten Zigarette beginnt der Körper mit der Regeneration und im Laufe der darauffolgenden Monate und Jahre reduziert sich das Risiko für viele Krebsarten deutlich. Das zeigt sich am Beispiel Lungenkrebs: Innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Rauchstopp sinkt das Lungenkrebsrisiko um knapp 40 Prozent.9 Trotzdem ist nach dem Rauchverzicht noch lange erhöhte Aufmerksamkeit geboten, um eine eventuelle Lungenkrebserkrankung möglichst frühzeitig zu bemerken.

Auch die Erfolgsaussichten für Raucher, die sich erst später im Leben zu einem Ausstieg entscheiden, sind gut. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass etlichen von ihnen ein Leben ohne Zigarette gelingt. Durch erfolglose Rauchstoppversuche in der Vergangenheit sollte sich niemand entmutigen lassen.10

Es gibt keinen Zeitpunkt im Leben, zu dem sich ein Rauchstopp nicht mehr lohnen würde.

Nach dem Aufhören: Die Atemwege erholen sich

Wer das Rauchen aufgibt, tut auch seinen Atemwegen etwas Gutes: Deren Funktion beginnt sich schon wenige Wochen nach der letzten Zigarette zu erholen. Raucherhusten und Atemwegsbeschwerden verbessern sich ebenfalls. Das kann jedoch ein bis neun Monate dauern. Solltest du an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden, wirkt sich der Rauchstopp auch darauf positiv aus: Die Symptome nehmen ab, der Krankheitsverlauf wird verlangsamt und die Lebenswartung kann sich erhöhen.10

Rauchstopp: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinken

Schon wenige Tage nach einem Rauchstopp sinkt der Blutdruck. Innerhalb eines Jahres verringert sich das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken und nähert sich dem eines Nichtrauchers.11, 12 Solltest du bereits davon betroffen sein und nimmst dafür Medikamente ein, unterstützt ein Rauchstopp die Therapie.

© iStock, monkeybusinessimages

Kein Nikotin: Aussehen, Fitness & Gesundheit verbessern

Schluss mit Nikotin heißt auch Schluss mit unschönen Verfärbungen an Fingern und Zähnen sowie dem beißendem Rauchgeruch. Du bekommst eine glattere Haut und einen frischeren Teint. Als Nichtraucher nehmen darüber hinaus deine Fitness und Belastbarkeit zu. Und du tust etwas für deine Gesundheit und die deiner Mitmenschen.12

Mehr Kontrolle über dich und das Portemonnaie

Das Gute am Nichtrauchen ist: du bestimmst jetzt selbst, wann es Zeit ist, eine Pause zu machen – und nicht deine Sucht. Außerdem sparst du jede Menge Geld, mit dem du dir einen Extra-Wunsch erfüllen kannst.

Bernd, 54 Jahre alt

„Aufhören könnte meine Chancen verbessern, den Krebs zu überleben“

Story

„Mein Arzt hat mich wachgerüttelt. Als die Krebsdiagnose feststand, meinte er, dass ich ruhig weiterrauchen könnte. Ich würde nur wahrscheinlich eher sterben. Ich könnte aber auch aufhören. Das würde meine Chancen, den Krebs zu überleben, deutlich verbessern. Diese Worte waren ein Schlag ins Gesicht – den ich aber gebraucht habe. Ein paar Tage später habe ich ihn dann gefragt, ob er mir denn helfen könnte, mit dem Rauchen aufzuhören. Er hat mir dann ein spezielles Online-Programm, ‚Rauchfrei‘, empfohlen, mit dem ich es dann auch tatsächlich geschafft habe.

Michael, 39 Jahre alt

„Der Kampf hat sich gelohnt“

Story

„Mein Opa hat mich dazu gebracht, mit dem Rauchen aufzuhören. Leider konnte ich mich dafür nicht mehr bei ihm bedanken. Er ist an Lungenkrebs gestorben. Die letzten Monate waren so schrecklich, dass es bei mir Klick gemacht hat. Ich habe es dann erst so versucht, aber ohne Erfolg. Geholfen haben Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis. Zusätzlich habe ich einige Bücher gelesen und mir die Tipps rausgesucht, die zu mir passen. Auch wenn es ein echter Kampf war: Er hat sich gelohnt. Ich bin jetzt mittlerweile seit 2,5 Jahren rauchfrei.

6 Hilfen fürs Aufhören

  1. Online-Programme
    Rauchfrei“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die „Online Selbsthilfe Tabak“ ein Angebot der Salus Kliniken
  2. Informationsbroschüre
    „Ja, ich werde rauchfrei“ als PDF
  3. Nikotinersatzprodukte
    Pflaster, Kaugummi, Nasenspray oder Tabletten können helfen, die Zigarette zu ersetzen
  4. Kurse
    Viele Krankenkassen bieten kostenlose Nichtraucherkurse an. Nachfragen lohnt sich!
  5. Psychotherapeutische Behandlungen
    Verhaltenstherapie, Akkupunktur oder Hypnose zahlen manche Kassen. Einfach mal nachfragen!
  6. Selbsthilfe-Gruppen
    Der Bundesverband Selbsthilfe Lungenkrebs bietet beispielsweise Gruppen an. Wenn du lieber selbst suchen möchtest, kann dir „vernetzdich.“ weiterhelfen.

Quellen

¹ Mons U, Gredner T, Behrens G, Stock C, Brenner H: Cancers due to smoking and high alcohol consumption—estimation of the attributable cancer burden in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 571–7. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0571

² https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/rauchen-und-krebs.html, zuletzt abgerufen am 25.05.2021.

³ Ärzteblatt | Rauchen verschlechtert die Wirksamkeit von Krebstherapien, zuletzt abgerufen am 25.05.2021.

⁴ https://cebp.aacrjournals.org/content/23/9/1783, zuletzt abgerufen am 25.05.2021

⁵ https://www.rauchfrei-info.de/aufhoeren/unterstuetzung-beim-rauchstopp, zuletzt abgerufen am 25.05.2021.

⁶ https://www.aerzteblatt.de/archiv/148457, zuletzt abgerufen am 25.05.2021.

⁷ https://www.iqwig.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detailseite_10952.html, zuletzt abgerufen am 25.05.2021.

⁸ https://www.apotheken.de/news/10812-krebstherapie-bei-raucherinnen, zuletzt abgerufen am 25.05.2021.

⁹ Tindle H A et al. Lifetime Smoking History and Risk of Lung Cancer: Results From the Framingham Heart Study. Journal of the National Cancer Institute 2018, 110(11):1201-7

¹⁰ https://www.rauchfrei-info.de/informieren/rauchstopp/haeufige-fragen-zum-rauchstopp, zuletzt aufgerufen am 25.05.2021.

¹¹ Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) Rauchen und Herz-Kreislaufsystem. Fakten zum Rauchen, Heidelberg, 2018

¹² https://www.dkfz.de/de/rauchertelefon/download/DKFZ_FzR_10_Gruende.pdf, zuletzt abgerufen am 25.05.2021.

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