Vor Deiner Diagnose hattest Du sicher eine Vorstellung davon, wer Du bist, was Du kannst und was Du vom Leben erwartest. Die Diagnose Krebs stellt all das in Frage. Sie ist eine Bedrohung. Wie soll man damit klarkommen? Wie geht man mit Schmerzen um? Wie bewältigt man Ängste? Wie verarbeitet man Gedanken ans Sterben und den Tod? Es gibt viele Wege, sich mit diesen schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Welcher Weg der richtige ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

 

Susan Sontag© Globe Photos/ZUMAPRESS.com / alamy
„Krankheit ist eine Nachtseite des Lebens, eine eher lästige Staatsbürgerschaft. Jeder, der geboren wird, besitzt zwei Staatsbürgerschaften, eine im Reich der Gesunden, eine im Reich der Kranken.”
— US-Schriftstellerin Susan Sontag über ihre Leukämieerkrankung

Krankheitsbewältigung: Gib Dir Zeit

Die Diagnose Krebs lässt sich nicht durch Abhaken bestimmter Strategien bewältigen. Dennoch gibt es gängige Mechanismen und Phasen der Krankheitsbewältigung, die viele Menschen durchlaufen.

Vier Phasen können ausgemacht werden – wenn sie auch in Reihenfolge und Dauer stark variieren können. Vielleicht findest Du Dich darin wieder.

 

Phasen der Krankheitsbewältigung bei Krebs
© Das K Wort

Ob Du die Krebserkrankung sofort annimmst oder Dich ihr entgegen stellst – jede Bewältigungsstrategie hat ihre Berechtigung, jede ihre Form der Entlastung.

 


Kopf hoch oder in den Sand – Coping oder Abwehr

Die Verarbeitung der neuen Situation und Dein Bemühen, die seelischen und körperlichen Belastungen zu meistern, laufen ganz individuell ab. Die Bewältigung steht dabei jedoch fast immer in einem Spannungsfeld aus der aktiven Verarbeitung und der Abwehr oder Resignation.

Coping kommt vom Englischen „to cope with“ und bedeutet umgehen mit, kämpfen mit, mit etwas fertig werden.

Ein aktives Bewältigungsverhältnis passiert in der Regel als bewusst gewählter Prozess mit dem Ziel, die belastende Situation bewältigen zu wollen. Es besteht zum Beispiel darin, dass Du aktiv nach Informationen und Unterstützung suchst, Dich mit anderen Betroffenen und mit Experten austauschst und Dich vielleicht auch durch Aktivitäten bewusst vom Grübeln ablenkst.

Coping zeigt sich ebenso in einer kämpferischen Grundhaltung: „Ich packe das!“, in Deinem Lebenswillen, aktiver Mitarbeit während der Krebstherapie und einem „Fighting Spirit“.

Aber auch die Abwehr, eine zeitweise Hoffnungs- und Hilflosigkeit, Apathie, sozialer Rückzug oder die zwanghafte Überbeschäftigung mit der Krebserkrankung haben ihre Berechtigung als Form der Bewältigung und sind zutiefst menschlich und verständlich. Die Abwehr sorgt für kurzfristige Entlastung und kann in bestimmten Phasen der Erkrankung durchaus sinnvoll sein, zum Beispiel wenn Ängste oder seelische Belastungen für Dich sonst nicht zu ertragen wären.

Im Laufe der Zeit wechseln sich meist konstruktive und destruktive Phasen ab. Das bedeutet aber auch, dass Du immer wieder in Phasen finden wirst, die Du mit einem „Fighting Spirit“, aktiven Lösungsversuchen und der gezielten Suche und Annahme von Hilfe angehen wirst.

 

Füreinander da sein: Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Patienten, sondern auch seine Lieben.
Angehörige und Krebs© Ice cream Photography / Unsplash

Hilfe von außen: Nimm sie an!

An Krebs erkrankt nicht nur der Körper – er frisst sich häufig auch tief in die Seele. Auch als Betroffener leistest Du Trauerarbeit. Negative Gedanken und dunkle Gefühle sind in dieser Phase durchaus normal und richtig.

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