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Diagnose Krebs: Wie sage ich es meinem Kind?

Als Justin 13 Jahre alt war, erhielt seine Mutter Nicole die Diagnose Brustkrebs. Zunächst ein Schock für beide. Nicole hat offen mit ihrem Sohn gesprochen, ihn einbezogen und sich frühzeitig Unterstützung geholt. Die Zeit zwischen Ungewissheit und Hoffnung meisterten sie gemeinsam.

Justin wurde mit einer schweren Mehrfachbehinderung (ICP, Tetraspastik, frühkindlicher Autist, schwere Sprachbehinderung) geboren. Vieles von dem was andere können, ist ihm nicht möglich. Dafür ist er sehr offen und genießt auch die kleinen Dinge des Lebens. Seine Mutter und er leben allein und haben im Laufe der Jahre viele Hürden gemeistert.

Sicherheit geben

Justin war gerade 13, als seine Mutter ihn fest in die Arme schloss und ihm sagte, dass sie sehr krank sei: Brustkrebs. Anfangs hatte er große Angst vor all dem Unbekannten, dass nun auf ihn und seine Mutter zukam. Durch die Brustkrebserkrankung schien nichts mehr sicher zu sein.

Doch Nicole versuchte, ihrem Sohn größtmögliche Sicherheit zu geben. Von Anfang an sprach sie offen mit Justins Umfeld, seinen Lehrern und Therapeuten, um sich die Unterstützung zu holen, die ihr Sohn in den kommenden Monaten brauchen würde. Mit Erfolg –  Justin wurde rund um die Uhr von vertrauten Menschen umsorgt, wenn seine Mutter sich nicht um ihn kümmern konnte - weil sie eine Chemotherapie erhielt oder erneut in die Klinik musste.

Krebs für Kinder erklärt

Auch mit Justin selbst ging seine Mutter offen um und erklärte ihm auf kindgerechte Weise alle anstehenden Behandlungsschritte. „Ich war sehr neugierig und konnte es kaum erwarten, meine Mama zum ersten Mal ohne ihre langen Haare zu sehen.“, erinnert sich Justin. „Und was soll ich sagen, sie war auch ohne Haare wunderschön!“ Doch die ausfallenden Haare waren nicht die einzige Veränderung, mit der Justin umzugehen lernte.

Justin: „Unter der Haut am Schlüsselbein hatte meine Mama einen Knopf, durch den die Medizin hineinlief, die sie wieder gesund machen sollte. Der Knopf störte ein bisschen beim Kuscheln, sonst war er aber ganz ok.“

 Im Laufe der Behandlung musste Nicole immer wieder für mehrere Tage zur Behandlung in die Klinik. Für Justin waren die Besuche eine Qual, er fühlte sich dort einfach nicht wohl. Seine Mutter merkte das schnell und bestand nicht darauf, dass er sie besuchte. „Ich war sehr erleichtert und umso glücklicher, wenn sie endlich wieder nach Hause durfte.“, erinnert sich Justin heute.

Gemeinsam Zeit verbringen

Nicole versuchte generell, den Alltag für Justin so normal wie möglich zu gestalten und viel Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen. „Meine Mama machte mir viel Mut und immer wenn es ihr möglich war, unternahmen wir Ausflüge und füllten unsere Schatzkiste auf. Gemeinsam haben wir damals trotz allem viele schöne und besondere Momente erlebt, manchmal aber auch zusammen geweint, uns gegenseitig getröstet und ganz viel gekuschelt.“

Justin weiß, dass seine Mutter sehr stolz darauf ist, wie er diese schwierige Zeit verkraftet hat und an ihr gewachsen ist. Doch manchmal hat sie sich noch mehr Unterstützung für ihn erhofft: „Manches Mal hätte ich mir gewünscht, dass Justin seine Sorgen mit jemandem hätte teilen können.“, sagt sie. „Das war wegen seiner Behinderungen aber einfach nicht möglich.“ Doch Justins Betreuer haben sehr auf ihn geachtet.

Miteinander sprechen

Kommunikation ist enorm wichtig für Kinder in derartigen Situationen. Jedes Kind ist anders und hat ganz eigene Bedürfnisse. Manche sind noch sehr klein, andere besuchen bereits die Schule oder stehen an der Schwelle zum Erwachsenensein, wenn ein Elternteil die Diagnose Krebs erfährt.

Doch egal, wie alt die Kinder sind, wenn die Erkrankung in ihr Leben tritt, empfiehlt es sich, offen mit ihnen darüber sprechen. Denn Kinder spüren intuitiv, wenn Erwachsene sich Sorgen machen. Spricht man nicht mit ihnen, schürt das oft unnötig Ängste und Schuldgefühle. So sieht das auch Nicole: „Redet mit euren Kindern und bezieht sie altersgerecht und individuell ein. Und nutzt bei Bedarf Unterstützungsangebote.“ Dann hat man die Weichen gestellt, um mit der Erkrankung gemeinsam gut umzugehen.  Eine Informationsbroschüre für Kinder zum Thema Krebserkrankung gibt es hier.

Diagnose Krebs: Wie sag ich es meinem Kind?

  1. Ehrlich sein
    Wenn Eltern an Krebs erkranken, ist die ganze Familie betroffen. Ein ehrliches Gespräch ist wichtig für alle Seiten. Krebs für Kinder zu erklären ist einfacher als man denkt.
  2. Kindgerechte Antworten finden
    Kinder brauchen zeitnah zur Diagnose altersgemäße Informationen und Antworten, da sie Veränderungen meist intuitiv erfassen. Wenn die Eltern ihren Kindern vermitteln können, mit der neuen Lebenssituation gut zurechtzukommen, gelingt dies auch dem Nachwuchs besser.
  3. Freiräume gewähren
    Zudem sollten Eltern ihren Kindern eigene Bedürfnisse zugestehen. Auch ihre emotionale Welt steht Kopf und sie reagieren manchmal sehr angepasst, traurig oder wütend. Man sollte ihnen diese Freiräume zugestehen und ihnen nicht mehr Verantwortung übertragen, als sie tragen können oder sollten.
  4. Stabilität und Rückhalt bieten
    Erwachsene Bezugspersonen außerhalb der Familie, wie Lehrer, Freunde und Verwandte, können Kindern zusätzliche Stabilität und Rückhalt bieten und zudem früh auf eventuelle Verhaltensauffälligkeiten oder einen Leistungsabfall in der Schule reagieren.
Nützliche Adressen
Der Zauberbaum

App für Kinder krebskranker Eltern mit vielen kindgerecht aufbereiteten Infos über Krebs.

https://play.google.com/store/apps/details?id=com.rayd.derzauberbaum&hl=de
Pink Kids

Plattform von Kindern für Kinder rund um das Thema Brustkrebs

www.pink-kids.de
Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e. V.

Infos und Projektangebote

https://www.hkke.org
Flüsterpost e.V.

Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern

https://kinder-krebskranker-eltern.de
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