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Klinische Studien

Gesamtüberleben und Progressionsfreies Überleben bei Krebs

In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen mit einer seltenen Erkrankung. Zu ihnen gehören auch die 100.000 Menschen, bei denen jährlich eine seltene Krebserkrankung festgestellt wird. Knochenkrebspatient Carsten Witte spricht über seine Erfahrungen.

In den letzten 30 Jahren gab es im Bereich der Krebstherapie bahnbrechende Behandlungsfortschritte. Je mehr man über die verschiedenen Erkrankungen weiß, desto besser kann man sie wiederum noch weiter erforschen und entsprechende Therapien entwickeln. Diese neuen Erkenntnisse führen zu einer Weiterentwicklung von klinischen Studien.

Es geht nicht mehr nur darum, herauszufinden, ob ein Medikament wirkt, sondern auch um die Auswirkungen, die eine Therapie auf den Patienten hat.

Die Entwicklung und Erforschung eines neuen Medikamentes, das in der Krebstherapie angewendet werden kann, ist ein langwierigerProzess. Es kann bis zu 10 Jahren dauern, bis es eine amtliche Zulassung gibt und der Arzt es tatsächlich verordnen kann. Doch so lange können nicht alle Krebspatienten warten.

Die Notwendigkeit, die Medikamentenentwicklung zu beschleunigen, liegt auf der Hand.
Diese Herausforderung hat die Wissenschaftler ermutigt, neue, innovativeZiele einer Forschungsreihe zu entwickeln, um nicht nur den Nutzen eines Medikaments, sondern auch die Auswirkungen auf die Lebensqualität des Patienten zu messen.

Eine Studie, viele Forschungsergebnisse

In klinischen Studien wird daher eine wachsende Vielfalt von Endpunkten verwendet. Als Endpunkt bezeichnet man das vorher festgelegte Ziel einer Studie, beispielsweise ob ein Medikament zuverlässig wirkt. Wird dieser Endpunkt erreicht oder übertroffen, belegt die Studie, dass eine Behandlungsmaßnahme wirksam ist. Ein weiterer Endpunkt könnte die Frage sein, ob die untersuchte Behandlungsmaßnahme auch die Lebensqualität eines Patienten verbessert.

Jeder dieser Endpunkte erfüllt eine andere Aufgabe und führt  zu vielen neuen Ergebnissen. Sie alle sollen helfen, ein möglichst umfassendes Gesamtbild der Wirksamkeit und der möglichen Risiken einer Therapie zu liefern. Diese vielfältigen Forschungsansätze führen am Ende zu einer besseren Versorgung der Patienten.

Endpunkt Gesamtüberleben (Overall Survival, OS)

Zwei wichtige Endpunkte in der Krebsmedizin sind das Gesamtüberleben (OS) und das Progressionsfreies Überleben (PFS).

Doch was bedeuten diese Begriffe aus der klinischen Praxis?

Der Endpunkt „Gesamtüberleben“ misst, wie lange Patienten mit einer Erkrankung leben.

Dabei kann die Messung des Gesamtüberlebens bei Diagnosestellung oder in klinischen Studien bei Beginn einer Behandlung ansetzen. In der Studie ist die Messung des Gesamtüberlebens eine Möglichkeit zu sehen, wie groß der Nutzen der neuen Therapie für Patienten ist. Im Idealfall gewinnen Krebspatienten soviel Zeit, dass sie weitere wichtige Lebensziele weiter verfolgen und erreichen können. Das kann beispielsweise die Hochzeit der eigenen Kinder oder die Geburt von Enkelkindern sein.

Wichtig zu wissen: In Studien wird der Endpunkt „Gesamtüberleben“ durch verschiedene Aspekte beeinflusst. So werden auch nicht-krankheitsbedingte Todesfälle (etwa durch einen Unfall) mit einbezogen. Außerdem besteht die Behandlung heutzutage häufig aus mehreren Therapien, die aufeinander folgen. Dadurch ist es schwerer geworden, die Verlängerung des Gesamtüberlebens einer einzigen Behandlung zuzuordnen.

Infografik zum Ablauf mehrerer aufeinander folgender Therapien
In einigen Fällen können Effekte einer bestimmten Therapie auf das Gesamtüberleben oft nicht eindeutig zugeordnet werden.
© Das K Wort

Progressionsfreies Überleben (Progression-Free Survival, PFS)

Progression ist der Fachausdruck für das Fortschreiten einer Erkrankung trotz oder nach einer Therapie. Bei Krebs bedeutet das ein Wiederauftreten eines Tumors oder ein erneutes Tumorwachstum.

Als „Progressionsfreies Überleben“ wird die Zeitspanne ab der Aufnahme eines Patienten in eine klinische Studie (meist bei Beginn einer Behandlung) bis zum Fortschreiten der Erkrankung bezeichnet. Also die Zeit, in der keine Progression feststellbar ist.

Das PFS ist eine wichtige Größe in klinischen Studien, wenn neue Behandlungsmöglichkeiten untersucht werden. Progressionsfreies Überleben gibt Auskunft darüber, wie gut ein Patient mit einer bestimmten Therapie auf die Krebserkrankung anspricht und sagt somit etwas über die Wirksamkeit von Behandlungsalternativen aus.

Infografik zum Überleben von Krebspatienten ohne Fortschreiten der Erkrankung.
PFS ist die Zeitspanne, in der die Erkrankung nicht weiter fortschreitet.
© Das K Wort

Was bedeutet das für mich?

Klinische Studien und die Ergebnisse sind oft mit Fachbegriffen gespickt, sodass die Ergebnisse für Patienten und Angehörige übersetzt werden müssen.

Die Erfassung des Gesamtüberlebens kann zum Beispiel lauten:

  • „Patienten, behandelt mit einer innovativen Therapie, leben durchschnittlich 3,2 Jahre länger als Patienten, die eine  standardtherapie erhalten.“
  • „20 Prozent der Patienten erleiden einen Rückfall innerhalb von zwei Jahren nach Beginn der Therapie.“
  • „Das Risiko für einen Rückfall oder Tod wurde durch die innovative Therapie um 26 Prozent gesenkt.“

Begriffe wie das Progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben werden verwendet, um die Wirksamkeit von Therapien einzuschätzen und zu vergleichen.

Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass diese beiden Ergebnisse Aussagen über ganze Patientengruppen treffen.

Daher sollte man sich von einem vermeintlich schlechten Wert nicht verunsichern lassen. Es ist  nicht gesagt, dass man selbst die Zahl aus der Statistik erreicht – sie kann höher oder niedriger sein. Der Krankheitsverlauf eines jeden Patienten ist höchst individuell und kann mit keinem statistischen Wert vorhergesagt werden. 

Informationen geben Stärke

Bei einer Therapieentscheidung spielen neben den Medikamenten auch Aspekte wie die Verträglichkeit, der Allgemeinzustand und die individuellen  Lebensumstände eine Rolle. Je mehr man selbst über die Therapiemöglichkeiten weiß, desto besser kann man einschätzen, was für einen selbst das Beste sein könnte. Wer sich umfassend informiert und mit seinem Arzt Fragen zu den Ergebnissen klinischer Studien bespricht, schafft gute Voraussetzungen, gemeinsam eine passende Therapieentscheidung treffen zu können.

Nützliche Adressen für weitere Infos zu seltenen Krebserkrankungen
Deutsche Sarkom-Stiftung

Die gemeinnützige Organisation engagiert sich für die Verbesserung der Situation für Sarkom-Patienten und bietet hilfreiche Informationen zu den verschiedenen Sarkomen.

www.sarkome.de
ACHSE

Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen e. V.

https://www.achse-online.de/de/
Zentrales Informationsportal über seltene Erkrankungen (ZIPSE)

Das Informationsportal verweist auf verschiedene Informationsanbieter.

https://www.portal-se.de
Versorgungsatlas des Informationsportal über seltene Erkrankungen (ZIPSE)

Der Versorgungsatlas für Menschen mit seltenen Erkrankungen (se-atlas) gibt einen Überblick über Versorgungsmöglichkeiten und Selbsthilfeorganisationen.

https://www.se-atlas.de
Orphanet

Fachleute, Patienten, Angehörige und Interessierte finden hier Informationen zu seltenen Krankheiten. Internationale mehrsprachige Internet-Datenbank.

www.orpha.net/consor/cgi-bin/index.php
NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen

Bundesweite Anlaufstelle rund um das Thema Selbsthilfe. NAKOS bietet neben vielen Infos eine Datenbanksuche zu Ansprechpartnern oder Selbsthilfegruppen.

https://www.nakos.de/
Haus der Selbsthilfe

Dachverband von rund 1.500 Krebs-Selbsthilfegruppen

www.hausderselbsthilfe.de
Schon mal an eine Selbsthilfegruppe gedacht?

Portal für junge Selbsthilfe

https://schon-mal-an-selbsthilfegruppen-gedacht.de

Quellen

¹ www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Methoden/Ueberlebensraten/ueberlebensraten_node.html (zuletzt abgerufen am 15.01.2021)

² www.journalonko.de/thema/anzeigen/Progressionsfreies_Ueberleben (zuletzt abgerufen am 15.01.2021)

³ www.medizinauskunft.de/artikel/diagnose/Besser_informiert_Onkologie/krebsmedikamente_endpunkte_klinische_studien.php (zuletzt abgerufen am 15.01.2021)

⁴ www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/krebsstatistiken.php (zuletzt abgerufen am 15.01.2021)

⁵ www.cancer.gov/publications/dictionaries/cancer-terms/def/overall-survival (zuletzt abgerufen am 15.01.2021)

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