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Psyche

Selbsthilfegruppen bei Lungenkrebs

Gemeinsam statt allein – Selbsthilfegruppen bieten Krebspatienten ein Forum für den Austausch mit anderen Betroffenen. Barbara Baysal hat 2001 in Berlin eine der ersten Selbsthilfegruppen für Lungenkrebspatienten mitgegründet – hier erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Barbara Baysal im Porträt
Barbara Baysal Vertreterin der Selbsthilfe Botschaft: Informier dich Diagnose: Lungenkrebs (Adenokarzinom) Familienstatus: Verheiratet, 2 Kinder Hobbys: Haus & Garten, Zeitung & Lektüre
© Malte Joost

Meine Diagnose Lungenkrebs erhielt ich eigentlich erst nach der Operation. Bis zum Eingriff waren die Ärzte von einer verkapselten Entzündung ausgegangen. Erst nachdem ich wieder aufgewacht war, erfuhr ich: Ich habe Lungenkrebs. Das war 2001. 2003 diagnostizierte man mir ein Rezidiv. Heute geht es mir – toi, toi, toi – relativ gut, ich bin tumorfrei und bis auf gelegentliche Luftprobleme auch beschwerdefrei.

Barbara Baysal im Gespräch
In der Selbsthilfegruppe findet man immer ein offenes Ohr.
© Malte Joost

Berliner Pioniere

Doch ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, mich mit meinen Fragen und Sorgen hilflos und allein zu fühlen. 2001 gab es in Berlin noch keine Selbsthilfegruppe für Lungenkrebspatienten. Klar fand ich Angebote für Krebspatienten allgemein, aber manche Themen blieben eben ungeklärt. Ich wollte jemanden treffen, der mit Lungenkrebs lebt und mir nicht nur Statistiken durchlesen. Aus einer ersten Anfrage entwickelte sich ein erstes Treffen und hieraus die Gründung einer Gruppe. Wir waren 2003 in Berlin die erste Selbsthilfegruppe in Deutschland, zusammen mit einer weiteren in Hamburg.

Ängste teilen

So nahmen die Dinge ihren Lauf. Zuerst lernte ich als Betroffene: „Ich bin nicht allein. Es gibt andere, denen es genauso geht wie mir.“ Das war eine enorme Erleichterung. Später lernte ich als Selbsthilfevertreterin auch, was es bedeutet, meine Erfahrungen weitergeben zu dürfen, dass es guttut, für andere da zu sein, ein Stück des Weges mitzugehen. Genau wie man Freude teilt, kann man auch Ängste teilen, doch während Freude sich verdoppelt, wird die Angst kleiner. Ausgesprochene Ängste verlieren ihre Kraft und Vehemenz. Mit der richtigen Information und durch den Austausch mit Betroffenen und Angehörigen weiß ich eher, was auf mich zukommt und kann mein Leben besser gestalten.

Barbara Baysal

„Du bist nicht allein. Vernetze Dich!“

Story

Der heiße Draht
Manche Menschen wissen nicht recht, wo sie ein passendes Angebot finden. Dabei müssen sie nur anrufen 030 – 666 200 69. Wir können jederzeit über Selbsthilfegruppen in der jeweiligen Region informieren und vermitteln gerne weiter. Denn die Selbsthilfe leistet viel mehr als nur Zusammensitzen. Es ist ein Raum für Offenheit, Ehrlichkeit und Verbundenheit. Außerdem geben wir auch dem normalen Leben Platz, klären Alltagsfragen wie „Darf ich eigentlich schwimmen gehen?“ oder „Darf ich eine Flugreise buchen?“. Wir laden Experten zu Gastvorträgen ein oder besuchen zusammen eine Palliativstation oder ein Hospiz. In der Gruppe wird vieles einfacher.

Ausgezeichnetes Engagement

Jeder Mensch braucht Gespräche, die ihm guttun, Kraftquellen, die einen weitermachen lassen. An einem erfüllten Tag bin ich umgeben von meiner Familie und meinen kleinen quirligen Enkelkindern und natürlich von den Menschen aus der Selbsthilfe. Es gibt mir viel zurück, wenn ich gute Gespräche führen, am Telefon für einen Menschen da sein oder Informationen in die Wege leiten kann. Und ich bin auch ein bisschen stolz auf 15 Jahre Selbsthilfe in Berlin und die Bundesverdienstmedaille, die mir letztes Jahr verliehen worden ist. Ich merke, dass meine Arbeit ankommt und dass ich helfen kann.

Barbara Baysal telefoniert
Information und Kommunikation sind wichtig für Barbara Baysal
© Malte Joost

Barbara Baysal

„Ich wünsche anderen Information und Aufklärung – da, wo sie sie brauchen.“

Story

„Informier Dich“ – das ist meine Botschaft. Menschen mit Lungenkrebs benötigen eine Art roten Faden, den sie nach und nach aufwickeln können. Es ist wichtig, alle Fragen zu klären und Sorgen und Ängste mit jemandem zu teilen. Ich empfehle, auch bei Arztgesprächen am Ball zu bleiben. Hat Ihr Arzt gerade keine Zeit? Haben Sie Verständnis, aber fragen Sie ihn, wann Sie erneut auf ihn zukommen dürfen. Es ist immer gut, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren, mit anderen Betroffenen und Angehörigen, aber auch mit Pflegekräften und Ärzten.

Information hilft – so die Botschaft, die Barbara trägt. Sie selbst gibt dies weiter an andere Betroffene und Angehörige.

Barbara Baysal schreibt ihre Botschaft mit dem Finger an ein beschlagenes Fenster: „Informier Dich“
Was Barbara Baysal anderen Krebspatienten rät
© Malte Joost
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