Ich bin Justin und wurde mit einer schweren Mehrfachbehinderung (ICP, Tetraspastik, frühkindlicher Autist, schwere Sprachbehinderung und manches mehr) geboren. Vieles von dem was andere können, ist mir nicht möglich. Dafür sehe ich das Leben mit offenem Herzen und erfreue mich an vielen besonderen Momenten. Meine Mama und ich leben allein und haben über die Jahre hinweg zusammen viele Hürden gemeistert.

Ich war dreizehn als meine Mama mich ganz fest in ihre Arme nahm und mir mitteilte, dass sie sehr krank ist. Anfangs hatte ich große Angst vor all dem Unbekannten, dass nun auf uns einstürmte. Denn durch ihre Brustkrebserkrankung, schien nichts mehr sicher zu sein. Aber meine Mama versuchte mich bestmöglich zu beschützen. So sprach sie von Beginn an offen mit meinen Lehrern, Therapeuten und unserem Umfeld und holte sich für mich die Unterstützung, auf die ich in den kommenden Monaten so dringend angewiesen sein würde. So umsorgten mich immer vertraute Menschen, wenn meiner Mama dies nicht möglich war, weil sie zum Beispiel eine Chemotherapie erhielt oder ein weiteres Mal in eine Klinik musste.

Sie erklärte mir auf eine sehr kindgerechte Art und Weise, alle anfallenden Behandlungsschritte. So war ich zum Beispiel sehr neugierig und konnte es kaum erwarten, sie zum ersten Mal ohne ihre langen Haare zu sehen. Und soll ich euch was sagen? Meine Mama war auch ohne ihre Haare wunderschön.

View this post on Instagram

Der Oktober lässt uns nicht nur den Herbst spüren, sondern steht zudem ganz im Zeichen der Erkrankung Brustkrebs. In diesem Monat werden uns viele Produkte und Aktionen in pink begegnen. Vieles sehr sinnig und gefüllt mit Herzblut und Leidenschaft, anderes erscheint einfach nur sehr fragwürdig, weil: Pink und ein vermeintlich guter Zweck, verkaufen sich halt gut! . Organisationen, Selbsthilfegruppen, KünstlerInnen, betroffene Frauen und Männer, sowie wir BloggerInnen, machen auf die unterschiedlichste Art und Weise aufmerksam. Wir sensibilisieren für Früherkennung oder unterstützen die unterschiedlichsten Aktionen, deren Erlöse betroffenen Frauen, Männern und deren Familien, in vielfältiger Art und Weise zu Gute kommen. . Wir machen darauf aufmerksam, dass wir und I H R, die Gesunden, einmal im Monat unsere Brüste abtasten und bei Unklarheiten einen Arzt aufsuchen sollten… Pink! Pink ist eine Farbe, die nie die meine war und bis heute nicht ist. An Krebs erkrankt zu sein, fühlt sich nicht pink an. Krebs tut unfassbar weh. Trifft einen bis ganz tief innen. Zerreist dich und die deinen. Meine Narben sind nicht pink. Die Spuren in meiner Seele, sind es auch nicht. Ich habe das große Glück, bis hierher überlebt zu haben. So viele meiner Freundinnen und so viele von euch, sind am kämpfen. Every day… Zu viele Freundinnen, die nicht mehr leben. Die schmerzlich von uns, ihren Familien und Freunden vermisst werden. Zu viele Kinder, die ohne ihre Mütter aufwachsen. Angst und Unsicherheit, die mich bis heute zu jeder Untersuchung begleitet. Diese wurde mit der Zeit zwar kleiner, aber steht doch immer wieder im Raum, atmet mit mir, füllt mich aus, ehe ich sie mit lautem Schreien zum Verstummen bringe… . Ihr lieben, gesunden Frauen: Checkt eure Brüste. Es geht dabei alleine um DICH und DEIN Leben! . #awarness #krebs #fuckcancer #mut #achtsamkeit #hope #gemeinsamstark #breastcancer #duichwir #gibachtaufdich #Brustkrebs #jungsmama #u50 #oktober #pinktober #krebsistnichtpink #lieblingspic #sw

A post shared by Mama & Sohnemann (@prinzessin_uffm_bersch) on

Unter ihrer Haut am Schlüsselbein hatte meine Mama nun einen Knopf, durch den die Medizin hineinlief, die sie wieder gesund machen sollte. Der Knopf störte ein wenig beim Kuscheln, aber ansonsten war er ganz in Ordnung. Wenn meine Mama für mehrere Tage in eine Klinik musste, fühlte ich mich dort sehr unwohl und meine Mama bestand nicht darauf, dass ich sie besuchte. Das erleichterte mich sehr. Ich war dafür umso glücklicher, wenn sie endlich wieder nach Hause durfte.

Meine Mama machte mir viel Mut und immer wenn es ihr möglich war, unternahmen wir Ausflüge und füllten unsere Schatzkiste auf. Gemeinsam haben wir damals trotz allem viele schöne und besondere Momente erlebt, manchmal aber auch zusammen geweint, uns gegenseitig getröstet und ganz viel gekuschelt. Ich weiß, dass meine Mama sehr stolz auf mich ist, wie ich diese Zeit verkraftet habe und auch an ihr gewachsen bin.

Manches Mal hätte sie sich für mich gewünscht, dass ich über meine Sorgen mit jemandem hätte reden können. Das war auf Grund meiner Behinderungen einfach nicht möglich. Dennoch haben alle Verantwortlichen auf mich geachtet und konnten dadurch sensibilisiert auf mich eingehen. Kinder haben die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Manche sind noch sehr klein, andere besuchen bereits die Schule oder stehen an der Schwelle zum Erwachsenensein, wenn ein Elternteil die Diagnose Krebs erfährt.

Meistens spüren wir intuitiv, wenn Erwachsene sich große Sorgen machen und mit uns nicht darüber sprechen. Das schürt oft unnötige Ängste und Schuldgefühle.

  • Mut und Brustkrebs
  • Mut und Brustkrebs
© Malte Joost

Meine Mama sagt immer: Redet mit euren Kindern und bezieht sie altersgerecht und individuell ein! Und bei Bedarf nutzt für euch und eure Kinder Unterstützungsangebote.

Alles Liebe für euch

Euer Justin

Das könnte Dich auch interessieren

K wie Körpergefühl
Mein Wort mit K

K wie Körpergefühl

K wie Karmakenner
Mein Wort mit K

K wie Karmakenner

K wie Kommunikation
Mein Wort mit K

K wie Kommunikation