Wie ist es, heute Vater zu sein? Kann man(n) mit Krebs noch Vater werden? Und sind Männer wirklich so große Vorsorgemuffel? Zum Ehrentag gehen wir einigen väterlichen Aspekten des Daseins auf den Grund.


Vatertag: Viele Gründe zu feiern

Warum viele Männer – und darunter nicht nur Väter – 39 Tage nach Ostern einen Feiertag nutzen, um mit Bollerwagen und Bier durch die Gegend zu ziehen? Dafür gibt es gleich mehrere Erklärungen. Eine geht auf den christlichen Glauben zurück: An Christi Himmelfahrt kehrt Jesus zu seinem Vater zurück. Eine zweite hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert, als vor allem Männer um die Felder zogen und für eine gute Ernte beteten. Abends wurde dann getanzt, gegessen – und getrunken. Bei einer dritten ist es der freie Tag mitten in der Woche, der für die schwer arbeitenden Männer in der Zeit der Industrialisierung ein echtes Geschenk war, das es zu feiern galt. Und eine vierte besagt, dass die US-Amerikanerin Sonora Louise Smart Dodd ihrem Vater mit dem Tag ein Denkmal setzen wollte. Er hatte sie und ihre fünf Geschwister nach dem Tod der Mutter alleine großgezogen. Gründe, den Tag mit Deinen Freunden – oder Deiner Familie – zu verbringen, hast Du also genug.

 

Vater sein

Manche verbringen den Tag mit anderen Vätern und ziehen mit Bollerwagen durch die Gegend. Oft wird der Vatertag aber auch im Kreis der Familie beim Grillen oder einer gemeinsamen Radtour gefeiert.

© Rob And Julia Campbell / Stocksy

Vater werden – trotz Krebs?

Aber kannst Du mit oder nach einer Krebserkrankung überhaupt noch Vater werden? Auch wenn beim Thema Krebs und Kinderwunsch meist die Frau im Mittelpunkt steht – für Männer ist die Frage genauso wichtig. Schließlich können sich die verschiedenen Therapien wie Operation, Chemo-, Strahlen-, Hormon- oder eine zielgerichtete Therapie negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.

76% der Patienten, die zum Zeitpunkt der Krebstherapie kinderlos waren, wünschen sich Kinder. 29% der Patienten, die bereits Kinder hatten, wünschen sich weitere.1

Deshalb ist es wichtig, dass Du mit Deinem Arzt vor der Therapieentscheidung über Deinen Wunsch, eine Familie zu gründen, sprichst. Gemeinsam könnt Ihr dann Möglichkeiten und Wege finden, Deine Fruchtbarkeit zu erhalten. Vielleicht lässt sich die Therapie anpassen? Vielleicht kannst Du vor der Behandlung Samenzellen oder Hodengewebe einfrieren lassen, sodass später eine künstliche Befruchtung möglich ist? Die Kosten für das Einfrieren – die sogenannte Kryokonservierung – übernimmt seit Kurzem übrigens die Krankenkasse. Und noch etwas, das Dir vielleicht Mut macht: In einer Studie gab die Mehrheit der Betroffenen an, dass die Erfahrungen rund um die Krebserkrankung sie zu besseren Eltern machen.1

 

 

Philipp
Und wieder spiegel ich mich. Diesmal in ihrem Gesicht. Ich bin ein Teil von ihr. Wie groß wird dieser sein?
Vatersein – Aus der Sicht von Philipp
Vater sein

„Jetzt bist du Vater“, sagt mein Vater ruhig und erstmals, ganz bewusst, spiegel ich mich nicht in seiner Brille, sondern in seinem ganzen Gesicht.

Er ist ein Teil von mir. Wohl einer der größten. Dann senken wir unseren Blick und schauen auf meine Tochter, die uns mit ihren großen Babyaugen kritisch betrachtet.

Und wieder spiegel ich mich. Diesmal in ihrem Gesicht. Ich bin ein Teil von ihr. Wie groß wird dieser sein? Ich möchte, dass er groß sein wird. Ich male es mir aus.

Ihre Mutter und ich, wie wir das tun, was Eltern tun sollen: Ihr Wurzeln und Flügel geben. Mit ihr alle Eissorten neu schmecken. Ihr Gesicht sehen, wenn wir das erste Mal Star Wars gucken. Ihr beim ersten Liebeskummer sagen, dass er es nicht wert war. Oder sie? Plötzlich wird ihr Köpfchen rot und sie verkrampft. Was hat sie nur? Innerhalb einer Sekunde werde ich vom Superdad zum Angsthasen. Muss ich den Notarzt rufen? Dann höre ich eine kleine Explosion in ihrer Windel. Sie entspannt sich wieder. Mein Vater schaut mich anerkennend an. So holt sie mich zurück in die Realität, in der auf einmal jeder Pups spannender ist, als es Star Wars je war.

Danke dafür, mein Kind.


Vorsorgemuffel: Männer

Vor allem, wenn es um das Thema Krebsvorsorge geht, sind Männer echte Gesundheitsmuffel. Eine Behauptung, die sich durchaus mit Zahlen belegen lässt. Denn auch, wenn 75 Prozent der Männer die Untersuchungen zur Krebsvorsorge kennen, so nehmen gerade einmal 40 Prozent diese auch wahr.2

Vielleicht erkranken sie deswegen häufiger an Krebs als Frauen – und sterben auch öfter daran. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist Prostatakrebs, gefolgt von Lungenkrebs und Darmkrebs. Dabei gibt es gerade für Prostata- und Darmkrebs wirksame Vorsorgeuntersuchungen. Eine Erklärung, warum das starke Geschlecht erst dann zum Arzt geht, wenn es „weh tut“, ist, dass Männer Gesundheit oft mit Funktionsfähigkeit gleichsetzen und Krankheit für sie oft ein Zeichen dafür ist, verletzbar zu sein.

 

© Daniel Kim Photography / Stocksy
Väter bieten Schutz und Sicherheit. Sie tragen ihre Kinder auf den Schultern und zeigen ihnen die große Welt. Grund genug also, besser auf seine Gesundheit zu achten.

 

Dabei ist es doch ungefähr so wie beim Auto: Klar, wenn etwas nicht mehr funktioniert, muss der Wagen in die Werkstatt. Dass es sich aber auch lohnt, zwischendurch mal einen Blick unter die Motorhaube zu werfen und nicht zu warten, bis etwas kaputt ist – das wisst ihr Männer doch am besten! Und vor allem als Väter tragt ihr eine ganz besondere Verantwortung für Eure Gesundheit.