Unter Leberkrebs – auch Leberkarzinom, Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom oder Hepatozelluläres Karzinom (HCC) genannt – verstehen Mediziner das unkontrollierte Wachstum von Zellen und die Bildung eines Tumors in der Leber. Mit rund 9.080 Neuerkrankungen1 pro Jahr zählt Leberkrebs hierzulande zu den seltenen Krebserkrankungen. Allerdings hat sich die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten 35 Jahren verdoppelt. Einen Grund dafür sehen Wissenschaftler in der steigenden Zahl von Patienten mit einer Leberzirrhose.2

Leberkrebs Neuerkrankungen pro Jahr
© Das K Wort

Auslöser: Welche Ursachen hat Leberkrebs?

Zu über 80 % entwickelt sich Leberkrebs aus einer Leberzirrhose4, umgangssprachlich auch als Schrumpfleber bezeichnet. Dabei wird das Gewebe der Leber zerstört und durch Bindegewebe ersetzt. Die Leber verhärtet sich, vernarbt und schrumpft.

Studien zufolge ist hoher Alkoholkonsum in Deutschland bei Frauen
für 15 % und bei Männern
für 35 % der Leberkrebserkrankungen verantwortlich.5

Hauptursachen für eine Leberzirrhose sind übermäßiger Alkoholkonsum, Infektionen mit Hepatitis B- oder Hepatitis C-Viren oder eine Fettlebererkrankung, meist infolge von starkem Übergewicht oder Diabetes.

Aber auch eine angeborene Störung des Eisenstoffwechsels, bestimmte Medikamente sowie gewisse chemische Substanzen wie Lösungsmittel, Pflanzenschutzmittel oder Insektizide können das Risiko für eine Leberzirrhose und damit für Leberkrebs erhöhen.

Im Vergleich zu Alkohol oder den Hepatitis-Infektionen spielen diese Faktoren aber eine untergeordnete Rolle.

 


Symptome: Welche Anzeichen deuten auf Leberkrebs hin?

Zu Beginn verursacht Leberkrebs nur selten Beschwerden. Deshalb werden kleine Tumore in der Regel nur durch Zufall gefunden. Erst wenn der Tumor größer, die Erkrankung also schon fortgeschritten ist, können verschiedene Anzeichen auf Leberkrebs hindeuten.

Auf diese Symptome solltest Du achten: Druckschmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit und Übelkeit, erhöhte Temperatur mit unklarer Ursache, Schwäche, Leistungsminderung, ungewollte Gewichtsabnahme, Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht) und Juckreiz.

Auch wenn diese Symptome ganz andere Ursachen als Leberkrebs haben können: Sie sollten möglichst schnell beim Arzt abgeklärt werden. Denn nur wenn Leberkrebs in einem sehr frühen Stadium erkannt wird, kann er vollständig durch eine Operation entfernt werden. Dadurch besteht die Chance ihn vollständig zu heilen.


Diagnose: Wie wird Leberkrebs erkannt?

Zur Diagnose von Leberkrebs erfragt der Arzt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) und untersucht den Patienten gründlich. Auch eine kontrastmittelverstärkte Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Blutuntersuchung auf sogenannte Tumormarker gehören zum ersten Schritt der Diagnose.

Erhärtet sich dabei der Verdacht auf einen Tumor in der Leber, folgt eine Untersuchung mit einem bildgebenden Verfahren, vorzugsweise mit einer Magnetresonanztomografie (MRT). Mit ihr kann der Arzt erkennen, wo der Tumor sitzt und wie weit er sich bereits ausgedehnt hat. Das hilft dem Arzt zu entscheiden, ob der Tumor mit einer Operation entfernt werden kann und wie umfangreich diese sein wird. In der Regel reichen diese Methoden aus, Leberkrebs zu erkennen.

Manchmal lässt sich die Diagnose aber nur durch die Untersuchung von Tumorgewebe im Labor sichern. Dafür entnimmt der Arzt mit einer Nadel eine Gewebeprobe aus dem Tumor (Biopsie). Hat sich der Tumor bereits in der Leber ausgebreitet, untersucht der Arzt mithilfe einer Computertomographie (CT), ob der Krebs auch in Brust- oder Bauchraum gestreut hat. Auf Basis aller Ergebnisse kann der Arzt die Art und das Stadium der Erkrankung erkennen und die entsprechende Behandlung einleiten.

  • MRT bei Leberkrebs
  • Untersuchung von Tumorgewebe bei Leberkrebs
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Therapie: Wie wird Leberkrebs behandelt?

Wenn die Diagnose feststeht, geht es darum, die passende Therapie zu finden. Diese Entscheidung hängt sowohl vom Erkrankungsstadium und dem Zustand der Leber als auch vom Alter des Patienten und seiner gesundheitlichen Verfassung ab. Eine Möglichkeit, Leberkrebs zu behandeln, ist die Operation, bei der entweder ein Teil der Leber oder das komplette Organ – mit anschließender Transplantation – entfernt wird. Allerdings kommt eine Operation nur dann in Frage, wenn die Erkrankung in einem frühen Stadium entdeckt wird, der Tumor also noch auf die Leber beschränkt ist und die Leberfunktion trotz einer Leberzirrhose gut ist. Mehr als 75 % der Patienten können daher zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nicht mehr operiert werden.6

Eine ausführliche Übersicht über die verschiedenen lokal-ablativen Verfahren findest Du auf dem Onko-Internetportal der Krebsgesellschaft.

Lässt sich der Tumor weder durch eine Operation noch durch lokal-ablative Verfahren zerstören, kommen weitere örtliche Verfahren wie die transarterielle Chemoembolisation (TACE) zum Zuge. Hier werden die Wirkweisen von Embolisation und Chemotherapie miteinander kombiniert. Bei der Embolisation werden kleine Kunststoffteilchen durch einen Katheter in die Blutgefäße gespritzt, die den Tumor versorgen. Sie verstopfen das Gefäß so, dass der Tumor nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Dadurch, dass gleichzeitig auch Chemo-Medikamenten direkt in den Tumor verabreicht werden, sterben die Tumorzellen ab. Die Embolisation kann alternativ auch ohne gleichzeitige lokale Chemo durchgeführt werden.

Da Leberkrebs in vielen Fällen erst spät erkannt wird – bei etwa sieben von zehn Patienten ist er bei Diagnosestellung schon so weit fortgeschritten, dass er weder operativ entfernt noch mit den lokalen Verfahren zerstört werden kann – werden zur Behandlung von Leberkrebs auch Medikamente eingesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten zeigt eine Chemotherapie bei Leberkrebs nur wenig Wirkung. Eine bessere Option scheinen zielgerichtete Medikamente zu sein, sogenannte Tyrosinkinasehemmer. Sie richten sich gegen bestimmte Eigenschaften, die das Wachstum der Krebszellen fördern und können dieses so stoppen. Darüber hinaus laufen derzeit verschiedene Studien, die die neuartigen Krebsimmuntherapien – teilweise in Kombination mit bewährten Substanzen – hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Leberkrebs untersuchen.


Prognose: Wie ist die Lebenserwartung bei Leberkrebs?

Lebenserwartung bei Leberkrebs © Rob And Julia Campbell / Stocksy
Das Erkrankungsalter liegt bei ca. 70 Jahren. Die Lebenserwartung hängt vom Stadium des Krebses ab.

Bei Leberkrebs hängt die Lebenserwartung stark vom Zeitpunkt der Diagnose und dem Zustand der Leber ab. Denn davon ist letztendlich auch abhängig, welche Therapie in Frage kommt und wie diese wirkt. So kann ein früh erkannter Leberkrebs durchaus vollständig geheilt werden. Wird er allerdings in einem späten Stadium entdeckt, ist die Chance auf ein langes Überleben sehr gering. Generell ist die Prognose bei Leberkrebs eher ungünstig. Nur 11 % der Erkrankten überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.7

Umso wichtiger: Patienten mit einer Leberzirrhose müssen regelmäßig ihre Leber mit einem kontrastmittelverstärkten Ultraschall untersuchen lassen. Damit lässt sich eine Tumorerkrankung frühzeitig erkennen und so behandeln, dass sich die Chancen für den Patienten verbessern.