Vielleicht fragst Du Dich, was eigentlich mit dem Begriff „Komplementärmedizin“ gemeint ist. Ganz einfach: Komplementär bedeutet so viel wie „ergänzend“. Deshalb sind Maßnahmen der Komplementärmedizin nach der allgemeinen Definition Ergänzungen oder Optimierungen, die zusätzlich zu den schulmedizinischen Standardmethoden bei Krebs zum Einsatz kommen. Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ist jedoch nur für wenige komplementäre Maßnahmen wissenschaftlich belegt.

Pro Komplementärmedizin bei Krebs

Befürworter der komplementären Therapien bei Krebs würden folgendermaßen argumentieren: Wir wollen der Schulmedizin keine Konkurrenz machen. Ganz im Gegensatz zu Anbietern alternativer Heilmethoden, die die Standardtherapien ablehnen. Jedoch kann die Komplementärmedizin eine wertvolle Ergänzung darstellen. Manche Methoden der Komplementärmedizin können Dir dabei helfen, mit den Nebenwirkungen Deiner Krebstherapie besser zurechtzukommen und Dein Wohlbefinden zu fördern. Komplementäre Methoden wirken eher sanft. Viele der eingesetzten Therapien wie zum Beispiel die Bachblütentherapie basieren auf pflanzlichen Stoffen (Phytotherapie) oder Vitaminen.

Als Komplementärmedizin bezeichnet man Therapien, die zusätzlich zu schulmedizinischen Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen.

Zum Beispiel kannst Du durch die Einnahme von Pflanzenpräparaten Begleiterscheinungen Deiner Therapie lindern. Diese wirken bei Durchfall, Entzündungen der Mundschleimhaut oder pflegen trockene Schleimhäute. Aber auch die tumorbedingte Erschöpfung (Fatigue) kann dadurch abnehmen. Darüber hinaus kannst Du mit verschiedenen Vitaminen und Spurenelementen Deinen Körper stärken und Mangelzuständen vorbeugen – etwa wenn Du aufgrund der Standardtherapie unter Appetitlosigkeit, Erbrechen oder Durchfall leidest.

Contra Komplementärmedizin bei Krebs

Gegenstimmen warnen vor dem Einsatz von Komplementärmedizin bei Krebs. Kein Wunder, denn manche als Wundermittel angepriesene „Therapien“ können Dir schaden. Vielleicht hast auch Du schon einmal von der Theorie gehört, dass Aprikosenkerne gegen Krebs helfen können? Das stimmt nicht! Im Gegenteil, sie können eine schädliche Wirkung haben. Der Grund: Sie enthalten Amygdalin, das im Körper Blausäure bildet und zu Vergiftungen führt. Auch spezielle Krebsdiäten haben keinen positiven Effekt auf Deinen Krankheitsverlauf. Rohkost, Saftkuren und andere einseitige Ernährungskonzepte können Deinem Körper sogar wichtige Energie rauben.

Selbst aktiv werden

Ob durch Ernährung, Vitamine oder Bewegung – ein großer Pluspunkt der Komplementärmedizin ist, dass sie Dir das Gefühl gibt: „Ich kann etwas bewirken und aktiv zu meiner Behandlung beitragen.“ Das tut gut und Du fühlst Dich nicht mehr so hilflos. Denn beim Gesundungsprozess spielt eine positive Haltung eine wichtige Rolle.

Alternative und komplementäre Krebstherapie

40 – 50 % der Krebspatienten in Deutschland setzen komplementäre oder alternative Therapiemöglichkeiten ein. — Quelle: Ärzte Zeitung

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Achtung bei Misteltherapie und Co.

Solltest Du hochdosierte Vitaminpräparate während der Chemo- oder der Strahlentherapie einnehmen, können sie deren Wirkung sogar einschränken. Vorsicht auch vor pflanzlichen Therapien: Sie können Nebenwirkungen fördern oder zu Wechselwirkungen führen. Die Einnahme solltest Du deshalb unbedingt mit Deinem Arzt abklären. Die häufig erwähnte Misteltherapie kann vielleicht Dein Wohlbefinden in Maßen verbessern¹, eignet sich aber nicht bei allen Krebsarten und wirkt – wie eine Studie belegt – nicht lebensverlängernd. Bei manchen Erkrankungen kann sie sogar zu einer Verschlechterung Deines Zustands beitragen. Dazu zählen Krebsarten des Immunsystems wie Leukämien und Lymphome.

Argumente liefern den Gegnern der Komplementärmedizin zum Beispiel die Ergebnisse einer Studie² von 2018. Demnach haben Patienten, die neben ihrer Standardtherapie noch Maßnahmen der Komplementärmedizin angewendet haben, eine kürzere Lebenserwartung als Patienten, die keine komplementärmedizinische Unterstützung gesucht haben. Allerdings hat die höhere Sterblichkeitsrate nichts mit den eingesetzten Maßnahmen zu tun. Vielmehr scheinen viele Patienten, die der Komplementärmedizin zugewandt sind, die empfohlenen schulmedizinischen Therapien zu spät anzutreten oder zu verweigern.

Für die gegensätzlichen Meinungen zum Thema Komplementärmedizin gibt es also gute Gründe. Bevor Du auf eigene Faust eine komplementäre Maßnahme durchführst, solltest Du Dich in jedem Fall mit Deinem Arzt besprechen. Seriöse Informationen findest Du auch im Internet: Die Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen beispielsweise stellt in Kooperation mit der medizinischen Fakultät der Universität zu Köln wirksamkeitsgeprüfte Maßnahmen vor. Mehr Informationen unter www.komplementaermethoden.de.