Einen verdächtigen Hautfleck ohne den Gang in die Arztpraxis überprüfen lassen? Seit Kurzem ist das Realität. AppDoc heißt die digitale Lösung, die von der Hautklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), dem Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Universitäts-Hautklinik in Essen gemeinsam entwickelt wurde.

Facharzt beurteilt Fotos von Deiner Haut

Wie funktioniert das? Wenn Du den anonymen Service nutzen möchtest, musst Du drei Fotos der betroffenen Hautstelle aufnehmen und einige Fragen zu möglichen Symptomen beantworten. Die Bilder und Informationen werden an einen Hautfacharzt übermittelt. Innerhalb von 48 Stunden erhältst Du eine erste Einschätzung und erfährst, wie Du Dich verhalten sollst, so das Versprechen von AppDoc. Wenn eine eindeutige Diagnose auf dem digitalen Weg nicht möglich ist, erhältst Du eine Empfehlung, zum Arzt zu gehen.

Kostenfrei ist das Angebot allerdings nicht. Einige Krankenkassen zeigen aber bereits Interesse an der Innovation, sodass die Kosten vielleicht bald schon übernommen werden.

Oft zu spät zum Facharzt

Motivation für die App war laut Titus Brinker, App-Entwickler am NCT und Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg, vor allem die Tatsache, dass Patienten mit einem verdächtigen Hautfleck oft zu spät zum Facharzt kommen: „Beruflicher Stress, lange Anfahrtswege oder Immobilität – das alles verzögert die Diagnose “, so Brinker. Umso wichtiger seien deshalb Lösungen, mit denen sich auffällige Hautstellen schnell und – im Vergleich zur auf eigene Faust durchgeführten Internetrecherche – qualitätsgesichert beurteilen lassen. „Die Nutzung von AppDoc dauert keine fünf Minuten. Damit ist die Hemmschwelle für die Nutzung viel niedriger, als die Terminvereinbarung beim Arzt“, sagt Brinker.

AppDoc ist Gewinner des Innovationspreis 2019 des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen.

Über 300 Menschen haben den Service bereits in Anspruch genommen. Ihnen konnte das Team um AppDoc bei ihren Fragen zu Hautproblemen helfen. „Darunter waren auch Befunde, bei denen die Empfehlung für eine weitere Behandlung beim Facharzt ausgesprochen wurde. Gleichzeitig konnten wir aber auch vielen Menschen, die zwischen den Feiertagen oder am Wochenende Befunde eingesandt hatten, schnelle Entwarnung für ihre Auffälligkeit geben“, schildert Brinker die ersten Erfahrungen mit AppDoc. Für seine Arbeit wurde Brinker bereits mit dem Innovationspreis 2019 des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen ausgezeichnet.

 

Künstliche Intelligenz schlägt Arzt

Titus Brinker ist noch an einer weiteren digitalen Innovation beteiligt – der Entwicklung einer künstlichen Intelligenz (KI) zur Diagnose von Hautkrebs.

Ist es bei AppDoc immer noch ein Facharzt, der die Diagnose stellt, gehen die Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Universitäts-Hautklinik und des NCT nun noch einen Schritt weiter: Sie haben einen Algorithmus programmiert, der verdächtige Hautveränderungen digital beurteilen kann. Diese künstliche Intelligenz trat in einer Studie gegen 157 Hautärzte von zwölf deutschen Universitätskliniken an – und gewann. Im Durchschnitt war der Algorithmus in der Beurteilung von 100 Bildern präziser als die Ärzte.1

 

Mit „Künstliche Intelligenz” ist die Erforschung eines Problemlösungsverhaltens und die Erstellung von Computersystemen gemeint. Sie sucht nach Methoden, die es einem Computer ermöglichen, Aufgaben zu lösen.
© Wenhai Tang / Stocksy

 

Was aber heißt das für die Praxis? Stellt jetzt der Computer die Diagnose Hautkrebs? Nein, so die Wissenschaftler. Denn auch wenn die künstliche Intelligenz bei der Bewertung der Bilder überlegen war: „Ein Facharzt muss bei der körperlichen Untersuchung zwischen mehr als hundert Differentialdiagnosen unterscheiden. Viele davon sind sehr selten, einige auf einem Bild kaum zu erkennen, sodass weitere Informationen wie zum Beispiel Tasteindrücke benötigt werden“, so Alexander Enk, Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg.

 

KI löst den Arzt nicht ab

Und auch in zehn Jahren wird die künstliche Intelligenz den Arzt bei der Diagnose von Hautkrebs nicht ablösen. KI kann den Mediziner aber stärker unterstützen: „Es ist ähnlich wie beim Autopiloten im Flugzeug: Bei gutem Flugwetter und häufigen Strecken ist das Assistenzsystem hilfreich. Bei schwierigen Landungen muss ein erfahrener Pilot die Verantwortung übernehmen. Das kann der Computer allein nicht leisten“, vergleicht Titus Brinker bildlich die Zuständigkeiten. Somit schlägt die natürliche Intelligenz die künstliche dann doch. Zumindest bis auf weiteres.

 

Den Online-Hautarzt „AppDoc” kannst du im Web nutzen oder dir die App im Apple Store und bei
Google Play herunterladen.