Mal angenommen, Du hast Deinen Wiedereinstieg in den alten Beruf erfolgreich gemeistert. Nach den ersten Wochen merkst Du allerdings, dass Du rascher an Deine Grenzen kommst, als vor Deiner Krebserkrankung. An eine Vollzeitstelle ist zurzeit nicht zu denken. In einer solchen Situation kann die Erwerbsminderungsrente (EMR) Dir helfen, eine finanzielle Lücke zu schließen. Sie wird zusätzlich zu dem Gehalt gezahlt, das Du mit Deiner Arbeit noch selbst verdienen kannst.

Wenn Du Deinen Lebensunterhalt nicht mehr allein verdienen kannst

Die Höhe der EMR richtet sich danach, wie fit Du bist. Sechs Stunden sind hier die Grenze: Kannst Du mehr als sechs Stunden täglich arbeiten, bekommst Du keine Erwerbsminderungsrente. Achtung: Einen Anspruch auf Ausübung Deiner alten Tätigkeit hast Du gegenüber der Rentenversicherung in der Regel nicht. Entscheidend ist Dein Gesundheitszustand, den die Rentenversicherung berücksichtigt. Vielleicht gibt es eine andere Tätigkeit als Deine alte, die Du aus medizinischer Sicht ausüben kannst.

Sind Dir zwischen drei und sechs Stunden Arbeitszeit jeden Tag möglich, erhältst Du die halbe Rente. Schaffst Du keine drei Stunden pro Tag, erhältst Du die volle Rente. Die volle EMR beträgt durchschnittlich etwa 34 Prozent Deines letzten Bruttoeinkommens. Bei halber EMR sind es etwa 17 Prozent, mit denen Du Dein Gehalt aufstocken kannst.

Erwerbminderungsrente bei Krebs
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Voraussetzungen für die Erwerbsminderungsrente

Um die EMR zu erhalten, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: Vor Beginn Deiner Erwerbsminderung musst Du mindestens fünf Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert gewesen sein. Keine Sorge: Zeiten, in denen Du wegen Deiner Krebserkrankung Krankengeld erhalten hast, zählen zu diesen fünf Jahren. Aber auch Zeiten der Kindererziehung, des Versorgungsausgleiches oder Beiträge aus einem Minijob werden anerkannt. Details findest Du bei der Deutschen Rentenversicherung.

Zusätzlich musst Du nachweisen können, innerhalb der letzten fünf Jahre drei Jahre lang einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen zu sein und Pflichtbeiträge eingezahlt zu haben. Diese drei Jahre müssen nicht zusammenhängen.

Berechnung der Erwerbsminderungsrente

Die Höhe der EMR hängt mit Deinem individuellen Rentenanspruch zusammen. Sie ist also abhängig davon, wieviel Du bereits in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hast und wieviel und wie lange Du voraussichtlich noch einzahlen wirst. An Deinem jährlichen Rentenbescheid kannst Du Dich gut orientieren. Wenn Du die genaue Höhe Deiner EMR wissen möchtest, lässt Du Dich am besten von Deiner Rentenversicherung beraten oder testest den Rentenrechner.

Bewilligt wird die EMR längstens für drei Jahre. Sie kann aber verlängert werden. Unbefristet erhältst Du sie nur dann, wenn absehbar ist, dass Du erwerbsunfähig bist und nie wieder arbeiten kannst.

Erwerbminderungsrente bei Krebs © Nasos Zovoilis / Stocksy
Maximal wird die EMR bis zur regulären Altersrente gezahlt.

Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen

Am einfachsten ist es, den Antrag auf EMR bei Deinem Versicherungsträger zu stellen. Bei ihm kannst Du Dich auch gleich beraten lassen. Die nötigen Formulare kannst Du hier runterladen.

 

Es dauert immer eine Weile, bis die Anträge bearbeitet sind. Daher ist es gut, wenn Du die EMR möglichst frühzeitig beantragst, damit keine Versorgungslücke entsteht. Die Rentenversicherung hat eigene Ärzte und Juristen, die die Voraussetzungen für EMR prüfen. Sie lehnen immerhin fast jeden zweiten Antrag ab.1

Antrag abgelehnt?

Dann ist es wichtig, innerhalb von vier Wochen Widerspruch einzulegen. Lass Dich am besten von einem Fachanwalt für Sozialrecht beraten. Dir bleibt immer noch der Gang zum Sozialgericht. Die Erwerbsminderungsrente wird gegebenenfalls auch noch vier Jahre rückwirkend ausbezahlt.

Rentenbezüge, auch Erwerbsminderungsrenten, sind steuerpflichtig.

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