Von Eierstockkrebs – oder Ovarialkarzinom – sprechen Mediziner, wenn sich in mindestens einem der beiden Eierstöcke (Ovarien) Zellen unkontrolliert vermehren und sich ein bösartiger Tumor gebildet hat. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 7.800 Frauen an dieser besonders aggressiven Krebsart. Die Chancen, zu überleben sind bei dieser Krebsart so gering wie bei keiner anderen weiblichen Krebserkrankung.1 Das liegt vor allem daran, dass Eierstockkrebs lange Zeit keine Symptome verursacht und deshalb erst spät erkannt wird: In rund 75 %2 der Fälle ist er bereits weit fortgeschritten oder hat in andere Körperregionen gestreut, also Metastasen gebildet. Diese finden sich dann häufig in den benachbarten Organen, wie im anderen Eierstock, in der Gebärmutter, im Bauchfell, im Darm oder der Blase. Aber auch die Lymphknoten oder die Leber können betroffen sein.

Welteierstockkrebstag

Seit einigen Jahren steht der 8. Mai weltweit im Zeichen von Eierstockkrebs. An diesem Tag machen betroffene Frauen, ihre Familien, zahlreiche Experten und Patientenorganisationen auf die Erkrankung und die Bedürfnisse der Patientinnen aufmerksam. Mehr unter https://ovariancancerday.org/

 

Risikofaktoren Eierstockkrebs
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Ursachen: Ist Eierstockkrebs erblich?

Neben verschiedenen anderen Risikofaktoren können auch genetische Veränderungen – sogenannte Mutationen – Eierstockkrebs begünstigen. So ist die Erkrankung laut neuesten Schätzungen bei etwa jeder fünften Patientin erblich3 bedingt. Meist sind dafür die auch als Brustkrebs-Gene bekannten Gene BRCA1 und BRCA21,2 – zusammengesetzt aus den englischen Begriffen breast (Brust) und cancer (Krebs) – verantwortlich. Diese können innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Erblich bedingter Eierstockkrebs kann vorliegen, wenn in der Familie bereits Krebserkrankungen vorgekommen sind, wie folgende Grafik verdeutlicht.

Erblich bedingter Eierstockkrebs
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Unter diesen Umständen kann es sinnvoll sein, einen Gentest machen zu lassen. Allerdings sollte das Für und Wider sorgfältig überlegt werden. Wenn herauskommt, dass Du genetisch vorbelastet bist, musst Du mit der Gewissheit leben, dass Du ein erhöhtes Risiko hast, an Krebs zu erkranken. Es heißt aber nicht, dass Du auf jeden Fall Krebs bekommst. Außerdem kann die Entscheidung, die Du dann treffen musst, sehr weitreichende Konsequenzen haben: Die sicherste Möglichkeit vorzubeugen ist nämlich die Entfernung der Eierstöcke und der Eileiter.

 


Diagnose: Wie wird Eierstockkrebs erkannt?

Verschiedene Symptome bei Eierstockkrebs wie Blähungen, Appetitlosigkeit oder Völlegefühl, eine Zunahme des Bauchumfangs, Schmerzen und Druckgefühle im Becken oder Bauch oder häufigeres „Müssen“ können Anzeichen für Eierstockkrebs sein. Auch die reguläre Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt kann einen Hinweis geben. Es gibt aber bisher keine sicheren Methoden, Eierstockkrebs früh zu erkennen.

 

Symptome Eierstockkrebs
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Besteht ein Anfangsverdacht werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, ob es sich wirklich um Eierstockkrebs handelt. In einem ersten Schritt tastet der Arzt die inneren Geschlechtsorgane des Beckens durch die Scheide und den Mastdarm ab. Mit einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide kann er sich ein erstes genaues Bild machen. Unter Umständen kommen auch weitere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT), die Computertomografie (CT) oder die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) zum Einsatz. Ob es sich aber wirklich um einen bösartigen Tumor – also um Krebs handelt – kann letztendlich nur durch eine Operation festgestellt werden. Dabei wird Gewebe entfernt und noch während der Operation auf Krebszellen hin untersucht.

 


Therapie: Wie wird Eierstockkrebs behandelt?

Steht durch die Gewebeentnahme die Diagnose Eierstockkrebs fest, wird die Operation fortgeführt. Das Ziel: Den Tumor vollständig zu entfernen.

Dazu müssen in der Regel die Eierstöcke und Eileiter, die Gebärmutter, das große Bauchnetz und Teile des Bauchfells entfernt werden. Je nach Ausdehnung des Tumors sind auch Teile des Darms oder der Blinddarm betroffen. Diese sehr große Operation bei Eierstockkrebs sollte in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt werden, in dem die Ärzte ausreichend Erfahrung haben. Dadurch steigen die Chancen, dass der Krebs auch im fortgeschrittenen Stadium komplett entfernt werden kann – ein wichtiger Faktor für das Überleben.

Nach der Operation erhalten die meisten Patientinnen eine Chemotherapie, um eventuell noch im Körper vorhandene Krebszellen abzutöten. Im fortgeschrittenen Stadium kann zusätzlich auch noch eine zielgerichtete Therapie in Frage kommen, die dabei helfen soll, einen Rückfall so lange wie möglich hinauszuzögern. Dazu gehört zum einen die Behandlung mit sogenannten Angiogenese-Hemmern. Sie werden in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben und verhindern, dass sich neue Blutgefäße zum Tumor hin bilden. Eine weitere zielgerichtete Therapie sind die sogenannten PARP-Inhibitoren. Sie kommen bei Frauen zum Einsatz, die bei denen der Krebs nach vorheriger Behandlung zurückgekommen ist. Außerdem muss eine BRCA-Mutation vorliegen. Diese machen sich die PARP-Inhibitoren zunutze, indem sie einen bestimmten Reparaturmechanismus in der Krebszelle hemmen. Dadurch können Schäden nicht mehr repariert werden, die Krebszellen sterben ab.

 


Folgen: Welche Auswirkungen hat Eierstockkrebs?

Da bei der Operation meist die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke entfernt werden müssen, ist Eierstockkrebs vor allem für junge Frauen mit Kinderwunsch eine extreme Belastung. Denn nur wenn der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, lässt er sich so operieren, dass eine Schwangerschaft noch möglich ist. Für Frauen, bei denen die Menopause noch nicht begonnen hat, bedeutet der Verlust der Eierstöcke den plötzlichen Eintritt in die Wechseljahre, oft verbunden mit Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Scheidentrockenheit und Gewichtszunahme. Auch das Risiko für Osteoporose – also die Abnahme der Knochendichte – kann erhöht sein. Ist der Krebs bereits so weit fortgeschritten, dass Teile von Nachbarorganen wie Blase oder Darm entfernt werden müssen, kann ein Stoma nötig sein.

Zu den körperlichen Folgen kommen oft auch seelische Belastungen. Das Selbstverständnis und das Selbstwertgefühl leiden. Oft nimmt auch das sexuelle Verlangen stark ab. Mit dem Partner offen über solche Gefühle und Ängste zu sprechen, kann helfen, diese Situation zu bewältigen.

Vielleicht ist aber auch die Unterstützung durch einen Therapeuten, eine Beratungsstelle oder eine Selbsthilfegruppe angezeigt, um sich besser zurechtzufinden.